Gefälschte Ersatzteile: Billig, aber mitunter gefährlich

Felgen nach Belastungstest: Original (links) und Fälschung (rechts)
Täuschend echt, aber qualitativ schlecht: Beim Mercedes-Belastungstest zeigt die Billig-Felge (rechts) Risse© Mercedes-Benz Group AG

Autoreparaturen können schnell ins Geld gehen. Billige Ersatzteile aus dem Internet scheinen eine interessante Alternative zu sein. Aber Vorsicht: Sie können gefälscht und sogar lebensgefährlich sein.

  • Audi und Mercedes beklagen Produktfälschungen im großen Stil

  • Dubios: Internet-Ersatzteile, die mehr als 30 Prozent billiger sind

  • ADAC: Es gibt verlässliche Alternativen

Ob eine Gefährdung von gefälschten Ersatzteilen ausgeht, hängt immer vom jeweiligen Bauteil ab, so die ADAC Technikexperten. Im Prinzip gibt es kein Autoteil, von dem es nicht schon eine billige Fälschung gibt. Im schlimmsten Fall riskieren Käufer und Käuferinnen ihr Leben, weil die Billigkopien oft nicht die gleichen Eigenschaften haben wie das Original. Das trifft zum Beispiel auf Bremsbeläge, Felgen und alle anderen sicherheitsrelevanten Teile zu.

Audi-Fälschungen: Kühlergrill, Stoßfänger und Co.

Der Automobilhersteller Audi beklagt immer mehr Produktfälschungen. Allein im Jahr 2020 haben die Ingolstädter gemeinsam mit den Behörden dafür gesorgt, dass weltweit gefälschte Audi-Produkte im Wert von etwa 100 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen wurden – sowohl bei Razzien als auch bei Beschlagnahmen durch den Zoll. Die gefälschten Teile entsprechen in der Regel nicht den hohen Sicherheits- und Qualitäts-Anforderungen, die Audi selbst vorgibt.

Besonders häufig nachgemacht werden laut Audi Teile, die bei Unfällen oft kaputt gehen – wie Kühlergrills, Stoßfänger und Karosserieteile, aber auch Teile für Wartung und Service: Luftfilter, Ölfilter, Zündkerzen und andere Verschleißteile, außerdem beispielsweise Kühlmittelpumpen und Lichtmaschinen. "Aber auch Lifestyle-Produkte und Zubehörteile werden nachgebaut. Es gibt immer mehr digitale Produkte, wie beispielsweise Navigationsdaten, als Fälschungen", so Audi Markenschützer Serhyi Jewtymowycz.

Der Audi-Markenschützer weist noch auf einen weiteren negativen Aspekt von gefälschten Ersatzteilen hin: "Unsere Erfahrungen zeigen, dass es Betriebe gibt, in denen sehr widrige Arbeitsbedingungen vorherrschen, die nach unserem Verständnis und unseren gesetzlichen Vorgaben als rechtswidrig einzustufen sind. Hinzu kommen teilweise gravierende Verstöße der Fälscherbetriebe gegen Umweltschutz-Auflagen."

Mercedes: Gefährliche Billig-Bremsen und -Felgen

Der Automobilbauer Mercedes-Benz warnt derzeit vor gefälschten Bremsen und Felgen. Belastungstests zeigen die Gefahren der Billigkopien.

Die Zahl der im Auftrag von Mercedes-Benz gelöschten Produktfälschungen auf Social-Media- und Online-Plattformen ist 2022 um mehr als 23 Prozent auf über 155.000 gestiegen. Im vergangenen Jahr seien mehr als 1,6 Millionen Produktfälschungen von Mercedes-Benz-Teilen in über 620 Razzien von Zoll- und Strafverfolgungs-Behörden beschlagnahmt worden.
Die Qualität der gefälschten Produkte sei laut dem Stuttgarter Autobauer meist mangelhaft und erfülle nicht die gesetzlichen Mindestvorgaben in puncto Sicherheit.

Dubios: Ersatzteile, die extrem billig sind

Der ADAC warnt seit Jahren davor, auffallend billige Auto-Ersatzteile aus dubiosen Internet-Quellen zu kaufen. Damit kann ein Sicherheitsrisiko verbunden sein, wenn etwa Bauteile wie Bremsbeläge, Felgen o.ä. nicht die Mindestanforderungen einhalten oder gar gefälscht sind. Liegt der Preis um mehr als 30 Prozent unter dem eines Original-Teils, sollte man besonders vorsichtig sein.

Im Internet sollte man nur Ersatzteile von namhaften Herstellerfirmen kaufen und bei Anbietern, die von neutraler Seite als vertrauensvoll bewertet wurden. Denn Nutzer-Bewertungen können gefälscht sein.

Und nicht zu vergessen: Es gibt auch Händler und Händlerinnen vor Ort, die Ersatzteile anbieten. Dort kann man sich vor dem Kauf ansehen, was man bekommt, und die Teile bei Qualitätsmängeln leichter zurückgeben. Außerdem wird sich ein Händler bzw. eine Händlerin mit einem Ladengeschäft genau überlegen, welche Produkte er bzw. sie anbietet. Ist man erst mal wegen mangelhafter Qualität oder gar gefälschter Ersatzteile in Verruf gekommen, kann das die Existenz gefährden. Ein dubioser Internet-Anbieter hingegen kann einfach und schnell einen neuen Shop eröffnen. Die bisherigen Aktivitäten sind nicht mehr erkennbar.

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Verlässliche Alternativen zu Fake-Teilen

Nach Ansicht der ADAC Technikexperten haben Verbraucher und Verbraucherinnen verlässliche Alternativen zu gefälschten Ersatzteilen:

  • Sogenannte Austauschteile, die industriell wieder aufbereitet werden, bis zu 50 Prozent billiger als Originalteile sind und vielfach über die volle Garantie von Neuteilen verfügen. Erhältlich sind sie bei Auto-Herstellern, aber auch bei großen Zulieferern im freien Teile-Handel

  • Autoteile aus dem freien Ersatzteil-Markt von namhaften Zulieferern – teilweise auch in verstärkter Ausführung bei bekannten Schwachstellen

  • Außerdem muss nicht immer ein (Neu-)Teil eingebaut werden, es gibt auch zahlreiche professionelle Reparatur-Angebote, teilweise von spezialisierten Anbietern: Smart-Repair (bei Karosserie und Innenausstattung), Reifen-Reparatur (bei bestimmten Schäden in der Lauffläche), zeitwertgerechte Reparatur von Auto-Elektronik.

Fachliche Beratung: Arnulf Thiemel, ADAC Technik Zentrum

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