Wenn der Auto-Notruf eCall verstummt: Was die 2G-Abschaltung bedeutet

• Lesezeit: 5 Min.

Von Jochen Wieler

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Feuerwehreinsatz in Schmalkalden auf der L1026 wegen einem Verkehrsunfall
In einem Notfall wird über eCall automatisch ein Notruf abgesetzt. Die Retter sind so schneller vor Ort© imago images/Jan Huebner

Bei Millionen von Autos funktioniert bald der automatische Notruf eCall nicht mehr. Grund ist die bevorstehende Abschaltung des 2G-Mobilfunknetzes. Wie es weitergeht und was die Autohersteller, aber auch Zubehör-Anbieter dazu sagen.

  • Bei 16 Millionen Autos funktioniert eCall bald nicht mehr

  • Ende 2030 ist mit dem 2G-Netz endgültig Schluss

  • Bisher keine Nachrüstung in Sicht

Ein leiser Wandel der Mobilfunktechnik könnte für Millionen Autofahrer Folgen haben: Mit der geplanten Abschaltung des 2G-Netzes bis Ende 2028 durch die Telekom und Telefónica (Vodafone bis Ende 2030) verlieren zahlreiche Fahrzeuge wichtige Funktionen – darunter auch den automatischen Notruf 112 eCall. Eine ADAC Herstellerbefragung zeigt, wie groß die Dimension ist und worauf sich Fahrzeughalter einstellen müssen.

2G-Abschaltung wird für 112 eCall zum Problem

Mit Abschaltung der 2G-Netze in Deutschland verschwindet eine Technologie, die in vielen Autos – oft unbemerkt – noch immer im Einsatz ist. Das Problem: Rund 16 Millionen Fahrzeuge in Deutschland nutzen nach ADAC Recherchen noch 2G-basierte Systeme. Fällt das Netz weg, verlieren diese Autos ihre Verbindung zur Außenwelt – mit weitreichenden Konsequenzen.

Besonders kritisch ist das für den 112 eCall, also den automatischen Notruf aus dem Fahrzeug. Dieser wurde 2018 EU-weit verpflichtend für neue Fahrzeugmodelle eingeführt und soll bei schweren Unfällen selbstständig Hilfe alarmieren. Genau diese Funktion wird in der Regel bei teilweise bis 2026 gebauten Autos künftig ausfallen. Neu in den Markt gebrachte Fahrzeugmodelle (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) müssen seit 1. Januar 2026 den Nachfolger NG eCall an Bord haben, der 4G und 5G nutzt; ab Anfang 2027 gilt das für alle neuen Pkw in der EU.

eCall: Was ist das eigentlich?

afie Der Finger des Mannes drückt die Notfall-SOS-Taste, um mit dem Callcenter in Kontakt zu treten, um nach einem Autounfall um Hilfe zu bitten
Über eCall lässt sich auch manuell ein Notruf per Knopfdruck absetzen – vorausgesetzt er funktioniert noch© iStock.com/Lanski

eCall ist ein Sicherheitsfeature, das im Ernstfall Leben retten kann. Bei einem schweren Unfall baut das Fahrzeug automatisch eine Verbindung zur Notrufzentrale (112) auf – selbst dann, wenn die Insassen bewusstlos sind oder aus anderen Gründen nicht mehr eigenständig einen Notruf absetzen können. Dabei werden auch wichtige Daten wie Standort, Fahrtrichtung und Unfallzeit an die Hilfskräfte übermittelt.

Zusätzlich kann der Notruf manuell per Knopfdruck ausgelöst werden, etwa bei medizinischen Notfällen oder wenn man Zeuge eines Unfalls wird. Gerade in ländlichen Regionen oder nachts kann das entscheidende Minuten sparen. Fällt eCall weg, geht dieser Sicherheitsgewinn verloren.

Welche Funktionen im Auto noch beeinträchtigt sind

Der Wegfall von 2G betrifft längst nicht nur den Notruf. Viele vernetzte Komfortfunktionen basieren ebenfalls auf dieser Technik. Dazu zählen:

  • Remote-Dienste wie das Öffnen und Schließen des Autos per App

  • Vorklimatisierung oder Standheizung via Smartphone

  • Fahrzeugortung etwa bei Diebstahl

  • Online-Dienste und Telematik-Funktionen

Auch Connect-Dienste, Standheizungs-Apps, Satelliten-Alarmanlagen, "intelligente" Fahrradschlösser, Fahrräder und Tracker können betroffen sein sowie manche ältere Freisprecheinrichtungen mit eigener SIM-Karte – allerdings nur wenige Sonderfälle. Klassische Bluetooth-Freisprechanlagen funktionieren weiterhin.

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Von alt bis jung: Viele Fahrzeuge betroffen

2G-Technologie steckt nicht ausschließlich in betagten Fahrzeugen. Während einige Hersteller bereits früh auf eine modernere Mobilfunktechnik umgestellt haben (Audi etwa ab 2011), wurde sie bei anderen Marken teils noch bis 2026 verbaut, zum Beispiel bei Hyundai. Das bedeutet: Selbst relativ junge Gebrauchtwagen können betroffen sein. Gleichzeitig ist die Situation je nach Modell, Baujahr und Ausstattung extrem unterschiedlich. Häufig hilft nur eine individuelle Prüfung der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) beim Hersteller.

Wie gehen die verschiedenen Hersteller mit der Thematik um? Der ADAC hat nachgefragt. Die Antworten finden Sie in folgendem PDF:

PDF Format
eCall-2G-Abschaltung: Alle Infos & das sagen die Hersteller

eCall-2G-Abschaltung: Das sollten Sie jetzt tun

Autofahrerinnen und Autofahrer sollten sich frühzeitig informieren, ob sie sich auf ihren Notruf im Fall der Fälle verlassen können. Hersteller oder Händler können Auskunft geben, ob ein Modell betroffen ist. Gleiches gilt für die Käufer eines Gebrauchtwagens. Grundsätzlich sollte man sich stets gewahr sein, dass nicht alle digitalen Funktionen aufgrund eines Technologiewechsels dauerhaft garantiert werden können.

Kaum Nachrüstmöglichkeiten

Viele Autobesitzer fragen sich jetzt: Lässt sich das Problem beheben? Die ernüchternde Antwort: In den meisten Fällen nein. Hardware-Nachrüstungen von 2G auf moderne Standards wie 4G oder 5G sind technisch aufwendig und wirtschaftlich kaum darstellbar. Nur einzelne Hersteller bieten für bestimmte Modelle Software-Updates oder begrenzte Lösungen an. Das bedeutet: Wenn das Netz abgeschaltet wird, bleiben die entsprechenden Funktionen bei den allermeisten betroffenen Fahrzeugen schlicht deaktiviert.

ADAC fordert Lösungen

Aus Sicht des ADAC ist diese Situation problematisch. Schließlich sind viele Fahrzeuge noch lange im Einsatz, während die technische 2G-Basis verschwindet. Fast die Hälfte der Autos in Deutschland ist älter als 10 Jahre – und viele davon werden die 2G-Abschaltung noch erleben. Der Club fordert deshalb unter anderem:

  1. Eine möglichst lange Verfügbarkeit bestehender Netze. Damit die bereits verbaute eCall-Technologie über die Lebensdauer der Fahrzeuge im Notfall genutzt werden kann, ist eine Aufrechterhaltung der 2G-Mobilfunk-Netze erforderlich. Auch die Vereinigung für Europäische Notrufnummern fordert, die Abschaltung von 2G- und 3G-Netzen in Europa auszusetzen, um tödliche Konsequenzen zu vermeiden.

  2. Sollte dies wider Erwarten nicht möglich sein, darf ein wegen abgeschaltetem 2G-Mobilfunk-Netz nicht funktionierender 112 eCall bei der Hauptuntersuchung (HU) kein Grund für einen Mangel sein.

  3. Langlebigere Techniklösungen in Fahrzeugen. Hersteller sollten ihre Produkte so gestalten, dass alle wesentlichen Funktionen für mindestens 12 bis 15 Jahre gewährleistet sind. Denn fast 50 Prozent aller Autos in Deutschland sind älter als 10 Jahre, 25 Prozent sind älter als 15 Jahre und rund 5 Prozent sogar 20 Jahre und älter.

Fachliche Beratung: Arnulf Thiemel/ADAC Technik Zentrum

Haben Sie dazu Fragen? Die Technische-Experten-Hotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.