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Auffahrunfall nach grundloser Vollbremsung – wer hat Schuld?

ein Auffahrunfall von zwei Autos
Wer auffährt, hat Schuld – bei plötzlicher Vollbremsung des Vordermanns kann das anders aussehen ∙ © Shutterstock/Robert Crum

Bei einem Auffahrunfall hat der Auffahrende in der Regel Schuld. Doch was, wenn der Vordermann auf der Landstraße plötzlich eine Vollbremsung hinlegt? Das hat das Landgericht Saarbrücken entschieden.

Auf einer Landstraße bremste ein Autofahrer vor einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h stark ab. Es kam zum Auffahrunfall. Der Hintermann behauptete, dass der Vorausfahrende zunächst von 70 auf 50 km/h heruntergebremst und dann ohne erkennbaren Grund auf freier Strecke zum Stillstand abgebremst hatte. Er verlangte 50 Prozent seines Schadens ersetzt.

Dies verweigerten der Vorausfahrende und seine Kfz-Haftpflichtversicherung mit der Behauptung, dass der Hintermann auf das mit 50 km/h fahrende Auto aufgefahren war. Erst nach dem Aufprall hätte der Vorausfahrende vollständig abgebremst.

Vollbremsung aus heiterem Himmel

Die Richter des LG Saarbrücken gaben dem Hintermann Recht. Der Vorausfahrende muss den Schaden des Auffahrenden zur Hälfte übernehmen. Die Richter waren der Überzeugung, dass der Vorausfahrende ohne ersichtlichen Grund eine Vollbremsung hingelegt und dadurch den nachfolgenden Verkehr besonders gefährdet hat. Die Autofahrer hinter ihm mussten nicht mit einer plötzlichen Vollbremsung auf freier Strecke rechnen.

Mithaftung wegen zu geringem Abstand

Wer im Straßenverkehr auf den Vorausfahrenden auffährt, war in der Regel unaufmerksam oder hatte zu wenig Abstand. Dafür spricht der so genannte Anscheinsbeweis. Dieser Anscheinsbeweis war hier nach Ansicht der Richter durch die grundlose Vollbremsung nicht vollständig widerlegt.

Die Richter führten aus, dass der Hintermann den erforderlichen Abstand nicht vollends eingehalten hatte. Ein starkes Abbremsen ist kein komplett atypischer Verlauf im Straßenverkehr, so die Richter. Das Gebot eines ausreichenden Sicherheitsabstandes (§ 4 Abs.1 S.1 StVO) dient dazu, rechtzeitig zu bremsen und dadurch ein Auffahren zu vermeiden.

Der Hintermann trug daher nach Ansicht der Richter zur Hälfte Schuld an dem Auffahrunfall. Nachdem er nur die Hälfte seines Schadens eingeklagt hatte, war seine Klage damit erfolgreich.

LG Saarbrücken, Urteil vom 4.10.2019, Az.: 13 S 69/19