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Ansprüche nach Unfall in Deutschland



Mietwagen, Reparatur, Rechtsanwalt: Nach einem Unfall kommen eine Reihe an Kosten auf die Beteiligten zu. Hier erfahren Sie, welche Ansprüche Sie geltend machen können und wie Sie dabei vorgehen.


ADAC-Broschüre "Unfall - Was tun?" inkl. Unfallberichtsformular  PDF, 295 KB


Generell gilt:
   

  • Melden Sie Ihre Schadenersatzansprüche umgehend bei der gegnerischen Haftpflichtversicherung.
  •  Wenn Sie eine Verkehrs-Rechtsschutz-Versicherung abgeschlossen haben, setzen Sie sich vorsorglich mit  Ihrem Sachbearbeiter in Verbindung.
  • Unterschreiben Sie unverständliche Formulare erst nach Rücksprache mit Ihrem Anwalt.
  • Schalten Sie nur bei einem (mit)verschuldeten Unfall Ihre Kaskoversicherung ein. Sie erstattet Ihnen nur den reinen Sachschaden. Außerdem kürzt Sie Ihnen den Schadenfreiheitsrabatt. Bei Unfällen im Ausland kann es sinnvoll sein, die Kaskoversicherung zu kontaktieren, da die Regulierung meist sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.


  • Kostenerstattung für Schäden am Auto

    Bei Bagatellschäden bis ca. 750 Euro (in manchen Gerichtsbezirken bis ca. 1000 Euro) gilt in der Regel der Kostenvoranschlag oder die Reparaturrechnung als Schadensnachweis. Bei höheren Schäden ist es ratsam, einen Sachverständigen einzuschalten, auch wenn ein wirtschaftlicher Totalschaden zu befürchten ist. Bei einem unverschuldeten Unfall  trägt die gegnerische Versicherung die Kosten des Sachverständigen. Im Fall des mitverschuldeten Unfalls werden die Kosten anteilig übernommen.

    Möchte die Werkstatt direkt mit der Versicherung abrechnen, unterschreiben Sie keine pauschale Abtretungserklärung. Beschränken Sie die Abtretungserklärung bei bestehender Kaskoversicherung auf die Position „Reparaturkosten".

    Ist bei (mit)verschuldeten Unfällen ein Gutachten erforderlich, entscheidet der Kaskoversicherer, welcher Sachverständige den Schaden festsetzt.


  • Fiktive Abrechnung

    Grundsätzlich kann ein Geschädigter bei fiktiver Abrechnung – also auf der Grundlage des Sachverständigengutachtens oder Kostenvoranschlags - die Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt verlangen. Allerdings kann die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners den Geschädigten auf eine freie (kostengünstigere) Werkstatt für den Fall verweisen, in dem das: Fahrzeug mehr als drei Jahren alt oder nicht scheckheftgepflegt ist. Voraussetzung ist, dass die freie Werkstatt vom Qualitätsstandard eine gleichwertige, günstigere Reparaturmöglichkeit bietet. Zudem muss sie mühelos und ohne Weiteres zugänglich sein.

    Im „BMW“- Urteil vom 23.03.2010 führt der BGH die Merkmale einer „gleichwertigen Reparaturmöglichkeit“ auf:

    - Zertifizierter Meisterbetrieb
    - Verbandmitglied
    - Qualitätskontrolle durch TÜV oder DEKRA
    - Verwendung von Originalersatzteilen
    - 3 Jahre Garantie.

    Eine Werkstatt ist zudem „ohne Weiteres zugänglich“, wenn sie in 21 km Entfernung vom Wohnort des Geschädigten oder im unmittelbaren Einzugsbereich einer Großstadt – in der der geschädigte seinen Wohnort hat – liegt. Als Geschädigter müssen Sie sich nicht auf Sonderkonditionen von Vertragswerkstätten des Versicherers verweisen lassen. Diese Sonderkonditionen bekommt nämlich lediglich die Versicherung. Wenn Sie diese Sonderkonditionen als Privatperson nicht erhalten würden, müssen Sie sich deswegen auch nicht im Fall einer fiktiven Abrechnung darauf verweisen lassen.


  • Schadenerstattung bei Eigenreparatur

    Die in Gutachten oder Kostenvoranschlag festgesetzten Reparaturkosten stehen Ihnen auch zu, wenn Sie Ihr Auto selbst, teilweise oder überhaupt nicht (fiktive Abrechung) reparieren.

    Die Mehrwertsteuer muss nur in der Höhe bezahlt werden, in der sie anfällt, z. B. für Ersatzteile. Klären Sie mit Ihrem Anwalt, in welchem Umfang die Mehrwertsteuer beim Kauf eines Ersatzfahrzeugs zu erstatten ist.

    Bei fiktiver Abrechnung kürzen Versicherungsgesellschaften oft den Schadensbetrags oder rechnen auf Totalschadenbasis ab. Fragen Sie unbedingt Ihren Anwalt, inwieweit das berechtigt ist.


  • Erstattung der Rechtsanwaltskosten

    Nutzen Sie Ihr Recht einen Rechtsanwalt einzuschalten möglichst zeitnah. Sind die Forderungen an die gegnerische Versicherung berechtigt, trägt sie bei unverschuldetem Unfall auch die Kosten.


  • Erstattung für den Ausfall des Fahrzeugs

    Solange Sie aufgrund des Unfalls kein Fahrzeug haben, können Sie einen Mietwagen nutzen. Vergleichen Sie vor der Anmietung die Preise, um keine Nachteile zu erhalten. Bei kurzzeitigem oder geringem Fahrbedarf (bis 25 km) sollten Sie auf Taxi oder auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Wenn Sie sich keinen Mietwagen nehmen, können Sie alternativ eine so genannte Nutzungsausfallentschädigung verlangen. Die Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Fahrzeugtyp. Die Technikzentren der ADAC-Regionalclubs und Ihre ADAC Juristen beraten Sie gerne.

    Soll das Mietwagenunternehmen direkt mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung abrechnen, unterschreiben Sie keine pauschale Abtretungserklärung, sondern beschränken Sie diese auf den Posten "Mietwagenkosten".


  • Zahlung von Schmerzensgeld

    Suchen Sie unbedingt einen Arzt auf, wenn Sie verletzt sind. Der Arzt dokumentiert die Verletzung. Das ist unerlässlich, wenn Sie Schmerzensgeld fordern möchten. Unterschreiben Sie keine Abfindungserklärungen der gegnerischen Versicherung ohne vorher Ihren Anwalt befragt zu haben.


  • Haushaltsführungsschaden – Ermittlung - Fragebogen zum Hohenheimer Verfahren -
    Wer bei einem Unfall verletzt wird, hat gegen den Verursacher neben dem Anspruch auf Übernahme zum Beispiel der Heilbehandlungskosten und Schmerzensgeld auch einen Anspruch auf Ausgleich des Haushaltsführungsschadens. Dieser bemisst sich danach, welche Tätigkeiten die verletzte Person vor dem Unfall im Haushalt ausgeübt hat und welche nach dem Unfall nicht mehr erfüllt werden können.

    Der hierdurch entstehende Schaden kann entweder konkret geltend gemacht werden, wenn eine Haushaltshilfe eingestellt und bezahlt wird. Ein Anspruch besteht jedoch auch, wenn zum Beispiel andere Familienangehörige einspringen und die Tätigkeiten mit übernehmen. Der fiktive Schaden kann über das „Hohenheimer Verfahren“ ermittelt werden. Auf der Basis der Anzahl der im Haushalt lebenden Familienmitglieder, der Wohnungsgröße, der Ausstattung mit Hilfsgeräten, der Angabe zu den unfallbedingten Behinderungen und deren Dauer wird EDV-gestützt der Haushaltsführungsschaden berechnet, der ohne konkrete Ausgaben für eine Haushaltshilfe gefordert werden kann. Grundlage für die Berechnung sind Datenbanken, in welchen die Tätigkeiten im Haushalt mit solchen in der Industrie verglichen werden.

    Zur Ermittlung des Haushaltsführungsschadens nach dem Hohenheimer Verfahren verwenden Sie bzw. Ihr Anwalt bitte den angefügten Fragebogen, den Sie hier herunterladen können:
    Fragebogen zum Hohenheimer Verfahren (Haushaltsführungsschaden)  PDF, 60 KB

    Füllen Sie ihn aus und senden Sie ihn an folgende Adresse:
    ADAC e.V., Juristische Zentrale, Hansastraße 19, 80686 München,
    Fax 089/7676-3442,
    E-Mail: recht@adac.de.

    Auf der Basis Ihrer Angaben im Fragebogen wird das EDV-gestützte Gutachten erstellt.

    Die Kosten des Hohenheimer Verfahrens betragen € 250,-- inklusive Mehrwertsteuer und Versandkosten.

  • Erstattung für Wertminderung

    Bei größeren Schäden (über 500 bis 750 EURO) können Sie eine Wertminderung für Ihr Fahrzeug geltend machen.

    Die Voraussetzungen sind: 

    • Es bleiben technische oder optische Mängel zurück oder der Wiederverkaufswert ist gemindert.
    • Es sind aufwendige Schweiß-, Lackierungs-, Richt- und Spachtelarbeiten erfolgt.
    • Das Fahrzeug ist nicht älter als 5 Jahre.
    • Die Laufleitung liegt unter 100.000 km.
    • Am Fahrzeug bestehen keine Vorschäden.

    Auch bei einem älteren Fahrzeug kann es nach der Rechtsprechung Wertminderung geben,wenn es sich in einem  "Topzustand" befindet. 

    Es empfiehlt sich, zur Feststellung der Wertminderung ein Sachverständigen-Gutachten erstellen zu lassen.


  • Erstattung weiterer Kosten
    Folgende weitere Kosten können Sie bei der gegnerischen Haftpflichtversicherung geltend machen:

    • Abschleppkosten
    • Unkostenpauschale in Höhe von circa 25 Euro oder Porto- und Telefonkosten (Einzelnachweis)
    • Finanzierungskosten
    • Sachschäden: Bekleidung, mitgeführte Gegenstände etc.

    Bei Totalschaden:

    • Kosten für die Fahrzeugab- und -anmeldung
    • Kosten für das Kennzeichen
    • Entsorgungskosten

  • So hilft Ihnen der ADAC

Kontakt

Noch Fragen zu diesem Thema?

Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern per E-Mail oder telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.


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