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Crashtest mit Tempo 80

Alles eine Frage der Geschwindigkeit: Rein physikalisch betrachtet verwandelt sich die Bewegungsenergie des Autos bei einem Unfall in Verformungsenergie. Doch die Naturgesetze bestrafen Schnellfahrer mit einer Exponentialfunktion: Wer mit doppeltem Tempo aufprallt, hat es mit der vierfachen Zerstörungsenergie zu tun. Deshalb bedeuten Tempo 80 beim Aufprall gegenüber 64 Km/h beim üblichen EuroNCAP Crashtest das Anderthalbfache an zerstörerischer Energie.

Tempo 64 oder 80 km/h - die Ergebnisse im Vergleich

Sie fahren auf der Landstraße, erkennen in 50 Metern Abstand ein Hindernis und leiten eine Vollbremsung ein. Waren Sie mit 100 km/h unterwegs, dann kracht es – mit 64 km/h. Fuhren Sie dagegen 110 km/h dann erhöht sich, wegen des längeren Reaktions- und Bremsweges, die Aufprallgeschwindigkeit auf rund 80 km/h.

Zum Test wurde exemplarisch ein sicheres Fahrzeug der Mittelklasse ausgewählt. Im Renault Laguna sind die Mitfahrenden beim Standard-Frontalaufprall mit 64 km/h besonders gut geschützt. Das Verletzungsrisiko ist für alle Fahrzeuginsassen sehr gering. Der Versuch mit 80 km/h wurde nach den gleichen Randbedingungen durchgeführt und ausgewertet. Deshalb können die beiden Ergebnisse direkt miteinander verglichen werden.  
EuroNCAP 64 km/hADAC 80 km/h
FahrzeugErgebnis_Laguna_EuroNCAP_95x95Ergebnis_Laguna_80kmh_95x95
Der Vorbau des Fahrzeuges ist lang genug, um die Energie des Aufpralls abzubauen. Die Fahrgastzelle bleibt stabil. Die Türen lassen sich mit normaler Handkraft öffnen.Die Knautschzone des Fahrzeuges ist vollständig aufgebraucht. Die Fahrgastzelle ist nicht mehr stabil. Das Lenkrad und das Armaturenbrett dringen ein. Die Fahrertür ist verklemmt und lässt sich nur mit erheblichem Kraftaufwand öffnen. Das erschwert die Bergung der Insassen.
FahrerErgebnis_Fahrer1_95x95Ergebnis_Fahrer2_95x95
Der Airbag hält den Fahrer auf Distanz zum Lenkrad. Der Gurtstraffer verhindert, dass die Knie das Armaturenbrett berühren. Alle Belastungswerte befinden sich im unkritischen Bereich – die Verletzungsgefahr ist sehr gering.Das Lenkrad bewegt sich in den Innenraum, deshalb muss der Fahrer auf kürzerem Weg aus höherer Geschwindigkeit abgebremst werden. Der Airbag kann nicht mehr verhindern, dass die Brust aufs Lenkrad schlägt. Auch die Knie treffen an Instrumententafel und Lenksäule auf. Die Folge sind im Vergleich zum Crash mit 64 km/h extrem ansteigende Belastungen für Brust, Knie, Oberschenkel und Hüfte.
BeifahrerErgebnis_Beifahrer1_95x95Ergebnis_Beifahrer2_95x95
Der Beifahrer wird von Gurt und Airbag so gut zurückgehalten, dass es zu keinem Kontakt mit der Instrumententafel kommt. Der Überlebensraum ist groß genug, um die Belastungen für alle Körperregionen im unkritischen Bereich zu halten.Obwohl es auf der Beifahrerseite keine eindringenden Bauteile gibt, kann der Airbag nicht verhindern, dass der Kopf die Instrumententafel berührt. Auch die beiden Knie treffen den Handschuhfachkasten. Aufgrund der nachgiebigen Instrumententafel steigt das Verletzungsrisiko nur leicht an. Es liegt aber dennoch höher, als bei 64 km/h.
Kind 3-jährigErgebnis_Kind1_95x95Ergebnis_Kind2_95x95
Der Isofix-Kindersitz schützt das Kind so gut, dass alle Messwerte im unkritischen Bereich bleiben.Dank der Sicherung im Kindersitz berührt der Dummy nicht den Vordersitz. Dennoch ist die Fahrzeugverzögerung so hoch, dass ein mittleres Verletzungsrisiko für die Brust besteht.
Kind 1 1/2-jährigErgebnis_Kind3_95x95Ergebnis_Kind4_95x95
Die Zugkraft im Nacken liegt in einem Bereich, der auf ein mittleres Verletzungsrisiko schließen lässt. Alle anderen Messwerte sind sehr niedrig.Der Dummy verbleibt vollständig in der Babyschale. Dadurch ist der Kopf gut geschützt. Wegen der hohen Fahrzeugverzögerung liegen jedoch die Brustbelastungen deutlich über denen des Versuchs mit 64 km/h und damit im kritischen Bereich.

Der Versuch zeigt eindeutig, dass die Insassen auch in sehr sicheren Fahrzeugen nicht unverwundbar sind. Die Bewegungsenergie, die beim Unfall in der Knautschzone abgebaut werden muss steigt mit dem Quadrat der gefahrenen Geschwindigkeit – also doppeltes Tempo gleich vierfache Energie.

Die Fahrzeuge stoßen deshalb an eine natürliche Grenze: ab einer gewissen Geschwindigkeit reichen die zur Verfügung stehenden Knautschzonen und Fahrgastzellengrößen einfach nicht mehr aus, um Verletzungen zu verhindern.

Der Fahrer selbst kann aber das eigene Risiko durch eine umsichtige Fahrweise und den Verhältnissen angepasste Geschwindigkeit deutlich verringern. Fahrerassistenzsysteme, wie Beispielweise Bremsassistenten, können ihn dabei zusätzlich unterstützen und menschliche Schwächen teilweise ausbügeln.

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