Fuchsbandwurm: Wie gefährlich ist eine Infektion?

Ein Fuchs der auf einer Blumenwiese steht
Der Fuchsbandwurm kann für den Menschen lebensbedrohlich sein© iStock.com/Federico Ranalli

Eine Infektion mit Eiern des Fuchsbandwurms ist in Deutschland selten. Sie löst eine sehr gefährliche Erkrankung aus, die meist die Leber betrifft.

  • Wie die Erkrankung übertragen wird, ist ungeklärt

  • Eine Infektion führt erst sehr spät zu Beschwerden

  • Meist ist eine lebenslange Behandlung erforderlich

Der Fuchsbandwurm ist ein nur wenige Millimeter großer Parasit, der im Dünndarm von Füchsen lebt und gelegentlich auch im Darm von Hunden und Katzen zu finden ist. Er ist ausschließlich auf der Nordhalbkugel verbreitet, in Europa vor allem in Süddeutschland, der nördlichen Schweiz, dem westlichen Österreich sowie im Osten Frankreichs.

Für seine Entwicklung benötigt der Fuchsbandwurm einen Zwischenwirt. Das sind in der Regel kleine Nagetiere wie Mäuse und Ratten. Sie nehmen die mit dem Fuchskot ausgeschiedenen Eier des Fuchsbandwurms auf. Die im Darm schlüpfenden winzigen Wurmlarven bohren sich durch die Darmwand, wandern in die inneren Organe des Zwischenwirts und wachsen dort heran. Frisst der Fuchs einen solchen infizierten Zwischenwirt, gelangen die herangewachsenen Larven in den Darm des Fuchses und schließen hier ihre Entwicklung zum Bandwurm ab. Damit ist der Lebenszyklus des Parasiten abgeschlossen.

Wie bekommen Menschen den Fuchsbandwurm?

Der Mensch zählt zwar nicht zu den natürlichen Zwischenwirten des Fuchsbandwurms, aber er kann sich unter ungünstigen Umständen zufällig mit den Eiern infizieren. Wie die Übertragung des Fuchsbandwurms auf den Menschen erfolgt, ist noch nicht vollständig geklärt, es kommen jedoch unterschiedliche Wege infrage:

  • Aufnahme von eihaltigem Tierkot (über verschmutzte Hände)

  • Kontakt mit Füchsen und Haustieren (am Fell haftende Eier)

  • Aufnahme von Eiern des Fuchsbandwurms über verunreinigtes Wasser

  • Konsum von verunreinigten pflanzlichen Lebensmitteln, insbesondere solche, die bodennah wachsen (z. B. Pilze, Beeren, Bärlauch)

Die Eier des Fuchsbandwurms sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, da sie winzig klein sind. Sie sind jedoch sehr widerstandsfähig und für viele Monate infektiös.

Gut zu wissen

Die Larven können den Menschen zwar erheblichen Schaden zufügen, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist jedoch nicht möglich. Zum einen finden die Larven im Menschen keine optimalen Wachstumsbedingungen und können sich in dessen Organen nicht normal entwickeln.

Zum anderen könnte sich auch eine vollständig entwickelte Larve nur in ihrem Endwirt, also Fuchs, Hund oder Katze, zum fortpflanzungsfähigen Wurm weiterentwickeln. Menschen mit einer Fuchsbandwurm-Infektion sind dementsprechend nicht ansteckend. Ebenso wenig ist eine Übertragung über die Luft möglich.

Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm?

Eine Fuchsbandwurm-Infektion führt beim Menschen zu einer gefährlichen, unter Umständen lebensbedrohlichen Erkrankung, der alveolären Echinokokkose.

Sie wird durch die Wurmlarven ausgelöst, die – ebenso wie bei ihrem natürlichen Zwischenwirt – über die Darmwand in verschiedene innere Organe wandern. Hauptsächlich nisten sie sich in der Leber ein, können aber auch Lunge, Gehirn oder Knochen befallen. Dort entwickeln sie sich zu sogenannten Finnen, schwammartigen, aus vielen flüssigkeitsgefüllten Bläschen bestehenden Geweben. Im Laufe der Zeit durchwachsen diese Finnen das betroffene Organ wie ein Tumor und zerstören es. Unbehandelt verläuft die Erkrankung fast immer tödlich.

Wie wahrscheinlich ist es, einen Fuchsbandwurm zu bekommen?

Wie hoch das Risiko ist, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, lässt sich nicht genau ermitteln. Die alveoläre Echinokokkose ist hierzulande eine sehr seltene Erkrankung. Fachleute gehen in Deutschland von etwa 40 bis 70 Neuerkrankungen pro Jahr aus, 70 Prozent dieser Fälle betreffen die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Dort lässt sich der Parasit bei jedem dritten bis vierten Fuchs nachweisen.

Symptome des Fuchsbandwurms

Woran man einen Befall mit dem Fuchsbandwurm erkennt, hängt davon ab, welches Organ die Larven befallen. Zudem treten erste Beschwerden oft erst viele Jahre (zwischen zehn und 15 Jahre) nach der Ansteckung auf, da die Finnen sehr langsam wachsen.

In den meisten Fällen nisten sich die Larven in der Leber ein. Durch die Organveränderungen kommt es häufig zu Symptomen wie Abgeschlagenheit, Gelbsucht und Schmerzen im Oberbauch. Des Weiteren können ungewollter Gewichtsverlust, eine Vergrößerung der Leber und erhöhte Leberwerte auf eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm hinweisen. Einige Menschen haben Fieber oder entwickeln eine Blutarmut.

Bei einem Lungenbefall kommt es häufig zu Schmerzen in der Brust, Husten und Atemnot. Larven, die sich im Gehirn einnisten, verursachen Beschwerden wie Lähmungen, Krampfanfälle und Gefühlsstörungen.

Gibt es einen Test auf Fuchsbandwürmer?

Bei Verdacht auf eine Echinokokkose erfolgt meistens eine Ultraschalluntersuchung, unter Umständen auch weitere bildgebende Untersuchungen wie eine Computertomografie. Eine sichere Diagnose gelingt nur mit speziellen Bluttests, die Antikörper gegen den Eindringling nachweisen.

Manchmal fallen diese Tests negativ aus, obwohl eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm vorliegt. Eine Gewebeentnahme kann dann notwendig sein. Darin lässt sich das Finnengewebe oder die Erbsubstanz des Parasiten nachweisen.

Kann man den Fuchsbandwurm abtöten?

Die Larven des Fuchsbandwurms unschädlich zu machen, gelingt nur mit einer langfristigen, unter Umständen sogar lebenslangen Behandlung mit einen Antiparasitikum. Dieses verhindert das weitere Wachstum der Finnen, wodurch die Erkrankung unter Kontrolle gebracht werden kann. Vollständig abtöten lassen sich die Finnen in der Regel nicht.

Bei einer frühzeitigen Diagnose ist es möglich, die Finnen operativ zu entfernen. In den meisten Fällen wird die Erkrankung zu spät festgestellt. Das Finnengewebe ist dann schon zu groß, um es aus dem befallenen Organ herauszuschneiden.

Wie kann man sich schützen?

In Regionen, in denen der Fuchsbandwurm verbreitet ist, ist es für Hunde- und Katzenhalter empfehlenswert, ihr Tier regelmäßig alle vier Wochen zu entwurmen. Das gilt insbesondere für Hunde und Katzen, die zum Mäusefangen neigen.

Außerdem ist es ratsam, bodennah wachsende pflanzliche Lebensmittel oder Fallobst vor dem Verzehr sehr gründlich zu waschen, im Idealfall sogar zu kochen, braten oder backen. Das gilt nicht nur für im Wald gesammelte Beeren und Pilze, sondern ebenso für Obst und Gemüse, das in Freilandkultur oder im eigenen Garten wächst.

Gegen den Fuchsbandwurm hilft es nicht, Lebensmittel einzufrieren, da die Eier Temperaturen von bis zu -80 Grad überleben. Das Einlegen in Alkohol bringt ebenso wenig Nutzen.

Wer in stark betroffenen Gegenden mit Erde oder bodennah wachsenden Pflanzen in Kontakt gekommen ist, beispielsweise bei Gartenarbeiten, beim Beerenpflücken oder Holzsammeln, sollte sich danach gründlich die Hände waschen. Desinfektionsmittel töten die Bandwurmeier nicht ab. Da Schuhe mit Wurmeiern verunreinigt sein können, sollten sie in der Wohnung ausgezogen werden.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.