Wie rettet man einen Ertrinkenden?

Ein Rettungsring an einem Boot
Schwimmende Gegenstände wie Rettungsringe, Luftmatratzen oder ein Seil können Leben retten© iStock.com/EkaterinaParkhaeva

Gerade im Sommer zieht es die Menschen ins Wasser. Dabei kommt es immer wieder zu Badeunfällen, bei denen Menschen beinahe ertrinken oder tödlich verunglücken. Wie Sie Erste Hilfe leisten können.

  • Notruf 112 wählen, Schwimmkörper zuwerfen, eigene Sicherheit beachten

  • Ertrinkende Person von hinten anschwimmen, Kopf über Wasser halten

  • Ärztliche Untersuchung, mindestens 24 Stunden Beobachtung

Ertrinken ist die häufigste Todesursache bei Kindern zwischen einem und vier Jahren. Auch viele Erwachsene verunglücken jedes Jahr, vor allem in Seen, Flüssen oder dem Meer. Im Jahr 2022 ertranken in Deutschland mindestens 355 Menschen, die meisten in Seen und Flüssen. Mit den richtigen Verhaltensweisen lassen sich viele dieser Unglücksfälle verhindern.

Ertrinken, Beinahe-Ertrinken und Badetod

Der Begriff Ertrinken definiert einen Vorgang, der durch den Verschluss der Atemwege durch eindringendes Wasser zum Tod führen kann. Der dadurch entstehende Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxie) führt letztendlich zum Organ- und Kreislaufversagen. Der Badetod umfasst verschiedene Arten von Todesfällen im Wasser, die hauptsächlich durch Reflexe oder Schockreaktionen hervorgerufen werden (z. B. durch Schmerzen oder Kälte). Hierbei spielen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Epilepsie häufig eine Rolle. Wenn Betroffene einen Ertrinkungsunfall mindestens 24 Stunden überleben, spricht man von Beinahe-Ertrinken.

Wie Hilfe leisten bei Ertrinken?

Ertrinkende Menschen geraten häufig in Panik und schlagen um sich oder klammern sich an den Rettenden. Dadurch können sie Erst-Hilfe-Leistende in Gefahr bringen. Beachten Sie: Die eigene Sicherheit geht vor. Es ist überlebenswichtig, vor dem Rettungsversuch die eigene Kondition und Schwimmfähigkeit sowie mögliche Gefahren im Wasser richtig einzuschätzen.

Wenn Sie einen Menschen in offensichtlicher Ertrinkungsgefahr sehen, verhalten Sie sich wie folgt:

  1. Bewahren Sie Ruhe.

  2. Wählen Sie den Notruf 112, und machen sie eine weitere Person auf den Notfall aufmerksam.

  3. Werfen Sie, wenn möglich, der ertrinkenden Person einen schwimmfähigen Gegenstand wie eine Schwimmweste oder einen Rettungsring zu. In fließenden Gewässern kann so ein Schwimmkörper helfen, jemanden ausfindig zu machen.

  4. Falls keine Hilfsmittel verfügbar sind, versuchen Sie, sich der Person von hinten zu nähern, um zu verhindern, dass sie sich an Ihnen festklammert.

  5. Wenn Sie an Land schwimmen, achten Sie darauf, dass der Kopf der Person über Wasser bleibt.

Welcher Griff?

Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer beherrschen verschiedene Grifftechniken, um Ertrinkende aus dem Wasser zu schleppen. Für Laien eignen sich die einfacheren Techniken: Beim Kopfschleppgriff greifen Retterin oder Retter von hinten mit beiden Händen den Kopf der ertrinkenden Person, ohne den Hals dabei zuzudrücken. Beim Achselschleppgriff wird sie von hinten unter den Achseln gepackt. Beide Personen liegen dabei auf dem Rücken. Voraussetzung ist, dass die Helfenden gut im Rückenschwimmen sind und die ertrinkende Person sich ruhig verhält.

Sobald Sie sicher am Ufer sind, beginnen Sie sofort mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen. Versuchen Sie zunächst, die Person anzusprechen und das Bewusstsein sowie die Atmung zu überprüfen. Bei Bewusstlosigkeit oder wenn die Person nicht atmet, ist eine sofortige Wiederbelebung notwendig. Bei vorhandener Atmung bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und schützen sie vor Kälte und im Sommer zusätzlich vor direkter Sonnenstrahlung.

Auch wenn sich jemand nach der Rettung schnell wieder "erholt", ist unbedingt eine ärztliche Untersuchung im Krankenhaus notwendig. Nur so können eventuelle Lungenschäden frühzeitig erkannt und ein möglicherweise tödliches Lungenversagen verhindert werden.

Stilles Ertrinken

In vielen Fällen ertrinken Menschen ohne panisches Schreien oder wildes Rudern mit den Armen. Es passiert meist still und unbemerkt, sogar in der Nähe anderer Personen. Der Grund dafür ist, dass das eindringende Wasser zu einem Stimmritzenkrampf führt. Dieser Schutzreflex blockiert die Atmung und verhindert, dass Betroffene schreien und so auf sich aufmerksam machen können.

Für Bewegungen mit Armen und Beinen fehlt Ertrinkenden in der Regel die Kraft. Sie bewegen sich daher nicht im Wasser umher, sondern bleiben auf einer Stelle. Die Arme liegen seitlich ausgestreckt auf dem Wasser, um Auftrieb zu erzeugen, möglicherweise führen sie hilflose Paddelbewegungen aus. Der Kopf und der Mund geraten immer wieder unter das Wasser. Oft haben Ertrinkende einen leeren, nicht fokussierten Blick oder halten ihre Augen geschlossen.

Bei Kindern muss das Wasser nicht tief sein, um zu ertrinken, es reicht schon eine leicht gefüllte Badewanne oder Planschbecken. Sie sind motorisch noch nicht so weit entwickelt wie Erwachsene, zudem ist ihr Kopf im Verhältnis zum Körper deutlich größer und schwerer als bei Erwachsenen. Dadurch können sie sich nicht selbstständig befreien, wenn sie mit dem Kopf nach unten im Wasser liegen. Rettungskräfte berichten oft, dass Kinder einfach wie ein Stein nach unten sinken, sodass Sie nicht nur die Wasseroberfläche, sondern auch tiefere Bereiche im Auge behalten müssen.

Trockenes und sekundäres Ertrinken

Die Begriffe "trockenes Ertrinken“ und "sekundäres Ertrinken" werden in der medizinischen Fachsprache nicht verwendet und sind nicht klar definiert. Im allgemeinen Sprachgebrauch und in den Medien sind sie dennoch sehr geläufig und verursachen häufig Missverständnisse und Verängstigung, insbesondere bei den Eltern kleiner Kinder.

Normalerweise gerät bei einem Badeunfall Wasser in die Lunge ("nasses Ertrinken"). Beim sogenannten trockenen Ertrinken ist dies nicht der Fall. Grund ist der durch das eindringende Wasser ausgelöste Stimmritzenkrampf, der verhindern soll, dass Flüssigkeit in die Lunge gelangt. In der Regel dauert er nur wenige Sekunden und löst sich dann von allein, in sehr seltenen Fällen hält er jedoch für längere Zeit an. Bei den ertrinkenden Personen gelangt dadurch zwar kein Wasser in die Lunge, allerdings ist auch die Atmung dauerhaft blockiert, sodass Erstickungsgefahr besteht.

Die Erste-Hilfe-Maßnahmen beim trockenen Ertrinken unterscheiden sich nicht von den Maßnahmen beim nassen Ertrinken: Auch in diesem Fall gilt es, die ertrinkende Person schnellstmöglich aus dem Wasser zu retten, im Falle eines Atemstillstands zu reanimieren und den Rettungsdienst zu verständigen.

Zum sekundären Ertrinken kommt es bei Menschen, die beinahe ertrunken sind. Dabei löst das während des Badeunfalls in die Lunge eingedrungene Wasser eine Entzündung in der Lunge aus, die die Lungenbläschen schädigt. Diese macht sich jedoch nicht sofort, sondern erst Stunden nach dem Badeunfall bemerkbar: Es kommt zu einem Lungenödem, also einer Ansammlung körpereigener Flüssigkeit in der Lunge. Die Flüssigkeit stört den Gasaustausch und führt zu einem Sauerstoffmangel bis hin zum Ersticken.

Für Eltern ist es deshalb sehr wichtig, ihr beinahe ertrunkenes Kind nach einem Badeunfall genau zu beobachten. Wenn dies nicht in einer Klinik geschieht, lassen Sie es am besten bei sich in der Nähe und nicht allein in seinem Zimmer schlafen. Auch Erwachsene sollten etwa 24 Stunden unter Beobachtung stehen.

Treten in dieser Zeit die folgenden Symptome auf, weisen Sie möglicherweise auf ein Lungenödem hin, und es muss sofort eine notärztliche Behandlung erfolgen:

  • Schmerzen in der Brust

  • Fieber

  • Übelkeit oder Erbrechen

  • Extreme Müdigkeit

  • Starker Husten oder

  • Probleme beim Atmen (z. B. brodelndes oder rasselndes Geräusch)

Zu schweren Lungenfunktionsstörungen kommt es nur, wenn größere Wassermengen in die Lunge geraten sind. Sekundäres Ertrinken ist deshalb sehr selten und kommt nahezu ausschließlich bei Menschen vor, die beinahe ertrunken sind.

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Ertrinkungsunfällen vorbeugen

Folgende Maßnahmen können (Beinahe-)Ertrinken sowie den Badetod verhindern:

  • Lassen Sie Kinder niemals ohne Aufsicht in die Nähe von Gewässern, auch nicht in ein flaches Planschbecken oder an den Gartenteich.

  • Ein einfaches Hilfsmittel wie eine Anti-Rutsch-Matte in der Badewanne kann insbesondere kleineren Kindern mehr Sicherheit bieten. Sie ersetzt jedoch keinesfalls die Beaufsichtigung durch die Eltern.

  • Achten Sie in offenen Gewässern auf Warnungen vor Strömungen oder Unwettern.

  • Tragen Sie auf Booten immer eine Schwimmweste und prüfen Sie den richtigen Sitz vor allem auch bei Kindern.

  • Machen Sie keine Kopfsprünge ins Wasser, von dem Sie weder die Tiefe noch den Untergrund kennen. So vermeiden Sie Kopfverletzungen zum Beispiel durch das Aufschlagen auf Felsen oder den harten Beckenboden im Schwimmbad.

  • Trinken Sie keinen Alkohol vor dem Schwimmen.

  • Springen Sie nicht überhitzt in kaltes Wasser, sondern gewöhnen Sie Ihren Körper langsam an die Kälte, um Kreislaufproblemen vorzubeugen.

  • Nach einer großen Mahlzeit nicht sofort ins Wasser gehen.

  • Betreten Sie keine zugefrorenen Gewässer, wenn dies nicht offiziell erlaubt ist.

  • Wenn Sie frieren, verlassen Sie das Wasser umgehend.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Autorin: Verena Dost, Medizinredakteurin