Badetod: Erste Hilfe bei Ertrinken

• Lesezeit: 5 Min.

Von Verena Dost, Redaktion

Feedback

Ein Rettungsring an einem Boot
Schwimmende Gegenstände wie Rettungsringe, Luftmatratzen oder ein Seil können Leben retten© iStock.com/EkaterinaParkhaeva

Im Sommer kommt es immer wieder zu Badeunfällen, bei denen Menschen beinahe ertrinken oder tödlich verunglücken. Wie Sie sinnvoll helfen.

  • Hilfe holen: Notruf 112 verständigen

  • Schwimmkörper zuwerfen, eigene Sicherheit beachten

  • Nach der Rettung: Betroffene genau beobachten

Ertrinken, Beinahe-Ertrinken, Badetod

Der Begriff Ertrinken definiert einen Vorgang, der durch den Verschluss der Atemwege durch eindringendes Wasser zum Tod führen kann. Der dadurch entstehende Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxie) führt zum Organ- und Kreislaufversagen.

Der Badetod umfasst verschiedene Arten von Todesfällen im Wasser, die hauptsächlich durch Reflexe oder Schockreaktionen hervorgerufen werden (z.B. durch Schmerzen oder Kälte). Hierbei spielen häufig Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Epilepsie eine Rolle.

Wenn Betroffene einen Ertrinkungsunfall mindestens 24 Stunden überleben, spricht man von Beinahe-Ertrinken.

Wie Hilfe leisten bei Ertrinken?

Ertrinkende Menschen können in Panik geraten und sich an den Rettenden klammern. Dadurch kann der Erste-Hilfe-Leistende selbst in Gefahr geraten. Die eigene Sicherheit geht vor. Deshalb sollten nur geschulte Rettungsschwimmer eine ertrinkende Person direkt anschwimmen und Kontakt zu ihr aufnehmen.

Wenn Sie einen Menschen in offensichtlicher Ertrinkungsgefahr sehen:

  1. Bewahren Sie Ruhe.

  2. Wählen Sie den Notruf 112, und machen Sie eine weitere Person auf den Notfall aufmerksam.

  3. Behalten Sie den Bereich, in dem Sie die Person zuletzt gesehen haben, im Auge.

  4. Werfen Sie, wenn möglich, der ertrinkenden Person einen schwimmfähigen Gegenstand wie eine Schwimmweste oder einen Rettungsring zu. In fließenden Gewässern kann so ein Schwimmkörper helfen, jemanden ausfindig zu machen.

  5. Bringen Sie die Person nur oder erst dann an Land, wenn es gefahrlos möglich ist.

Beginnen Sie sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen, sobald die ertrinkende Person sicher am Ufer ist. Versuchen Sie, die Person anzusprechen und das Bewusstsein sowie die Atmung zu überprüfen. Bei Bewusstlosigkeit, keiner oder keiner normalen Atmung ist eine sofortige Wiederbelebung notwendig. Bei vorhandener Atmung bringen Sie sie in die Seitenlage und schützen sie vor Kälte und im Sommer zusätzlich vor direkter Sonnenstrahlung.

Auch wenn Betroffene nach der Rettung schnell wieder erholt scheinen, ist eine ärztliche Untersuchung im Krankenhaus notwendig. Nur so können eventuelle Lungenschäden frühzeitig erkannt und ein möglicherweise tödliches Lungenversagen verhindert werden.

Stilles Ertrinken

In vielen Fällen ertrinken Menschen still und unbemerkt. Das eindringende Wasser führt zu einem Stimmritzenkrampf. Die Atmung wird blockiert und das verhindert, dass Betroffene schreien und so auf sich aufmerksam machen.

Für Bewegungen mit Armen und Beinen fehlt Ertrinkenden in der Regel die Kraft. Sie bewegen sich daher nicht im Wasser, sondern bleiben auf einer Stelle. Die Arme liegen seitlich ausgestreckt auf dem Wasser, um Auftrieb zu erzeugen, möglicherweise führen sie hilflose Paddelbewegungen aus.

Der Kopf und der Mund geraten immer wieder unter Wasser. Oft haben Ertrinkende einen leeren, nicht fokussierten Blick oder halten ihre Augen geschlossen.

Kinder können auch in seichtem Wasser ertrinken

Für Kinder kann schon eine eine leicht gefüllte Badewanne oder ein Planschbecken gefährlich werden. Sie sind motorisch noch nicht so weit entwickelt wie Erwachsene, zudem ist ihr Kopf im Verhältnis zum Körper deutlich größer und schwerer. Dadurch können sie sich nicht selbstständig befreien, wenn sie mit dem Kopf nach unten im Wasser liegen. Rettungskräfte berichten häufig, dass Kinder wie Steine nach unten sinken.

Trockenes und sekundäres Ertrinken

Normalerweise gerät bei einem Badeunfall Wasser in die Lunge ("nasses Ertrinken"). Beim sogenannten trockenen Ertrinken ist dies nicht der Fall. Grund ist der durch das eindringende Wasser ausgelöste Stimmritzenkrampf, der verhindern soll, dass Flüssigkeit in die Lunge gelangt.

In der Regel dauert er nur wenige Sekunden und löst sich dann von allein. In sehr seltenen Fällen hält er jedoch für längere Zeit an. Bei den Ertrinkenden gelangt dadurch zwar kein Wasser in die Lunge, allerdings ist auch die Atmung dauerhaft blockiert, sodass Erstickungsgefahr besteht.

Zum sekundären Ertrinken kann es bei Menschen kommen, die beinahe ertrunken sind. Dabei löst das während des Badeunfalls in die Lunge eingedrungene Wasser eine Entzündung in der Lunge aus, die die Lungenbläschen schädigt. Das macht sich jedoch nicht sofort, sondern erst Stunden nach dem Badeunfall bemerkbar. Es drohen Sauerstoffmangel und Ersticken.

Zu schweren Lungenfunktionsstörungen kommt es nur, wenn größere Wassermengen in die Lunge geraten sind. Sekundäres Ertrinken ist deshalb sehr selten.

Lebensrettende Daten: Der ADAC Notfallpass

Ein Notfallpass liefert den Rettungskräften im Ernstfall entscheidende Informationen. Im ADAC Notfallpass liegen alle Daten sicher verschlüsselt in der Wallet-App auf dem Smartphone. Er ist bereits in den Großteil der Rettungskette integriert und kann von den Rettungskräften ausgelesen werden.

Betroffene nach Badeunfall überwachen

Kinder wie Erwachsene sollten nach einem Badeunfall genau beobachtet werden. Idealerweise unter ärztlicher Aufsicht in einer Klinik. Treten in dieser Zeit die folgenden Symptome auf, weisen Sie möglicherweise auf ein Lungenödem hin und es muss sofort eine notärztliche Behandlung erfolgen:

  • Schmerzen in der Brust

  • Fieber

  • Übelkeit oder Erbrechen

  • Extreme Müdigkeit

  • Starker Husten oder

  • Probleme beim Atmen (z.B. brodelndes oder rasselndes Geräusch)

Lebensrettende Daten: Der ADAC Notfallpass

Ein Notfallpass liefert den Rettungskräften im Ernstfall entscheidende Informationen. Im ADAC Notfallpass liegen alle Daten sicher verschlüsselt in der Wallet-App auf dem Smartphone. Er ist bereits in den Großteil der Rettungskette integriert und kann von den Rettungskräften ausgelesen werden.

Ertrinkungsunfällen vorbeugen

  • Lassen Sie Kinder niemals ohne Aufsicht in die Nähe von Gewässern, auch nicht in ein flaches Planschbecken oder an den Gartenteich.

  • Ein einfaches Hilfsmittel wie eine Anti-Rutsch-Matte in der Badewanne kann insbesondere kleineren Kindern mehr Sicherheit bieten. Sie ersetzt jedoch keinesfalls die Beaufsichtigung durch die Eltern.

  • Achten Sie in offenen Gewässern auf Warnungen vor Strömungen oder Unwettern.

  • Tragen Sie auf Booten immer eine Schwimmweste und prüfen Sie den richtigen Sitz, vor allem auch bei Kindern.

  • Machen Sie keine Kopfsprünge ins Wasser, von dem Sie weder die Tiefe noch den Untergrund kennen. So vermeiden Sie Kopfverletzungen zum Beispiel durch das Aufschlagen auf Felsen oder den harten Beckenboden im Schwimmbad.

  • Trinken Sie keinen Alkohol vor dem Schwimmen.

  • Springen Sie nicht überhitzt in kaltes Wasser, sondern gewöhnen Sie Ihren Körper langsam an die Kälte, um Kreislaufproblemen vorzubeugen.

  • Nach einer großen Mahlzeit nicht sofort ins Wasser gehen.

  • Betreten Sie keine zugefrorenen Gewässer, wenn dies nicht offiziell erlaubt ist.

  • Wenn Sie frieren, verlassen Sie das Wasser umgehend.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Malteser: Die nasse Gefahr: Erste Hilfe bei Badeunfällen und Ertrinken, unter: https://www.malteser.de/aware/hilfreich/die-nasse-gefahr-erste-hilfe-bei-badeunfaellen-und-ertrinken.html#c686629 (Abruf: 9.7.2026)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Notfall: Ertrinken, Stand 1/2026, unter: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/erste-hilfe/notfall/ertrinken.html (Abruf: 9.7.2026)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Notfall bei Kindern: Ertrinken, Stand 1/2026, unter: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/erste-hilfe/kindernotfaelle/ertrinken.html (Abruf: 9.7.2026)

Universitätsklinikum Bonn: Erste Hilfe am Kind, unter: https://www.kindernotfall-bonn.de/ertrinkungsunfall/ (Abruf: 9.7.2026)

Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Baderegeln und Tipps gegen Badeunfälle, unter: https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/baderegeln-und-tipps-gegen-badeunfaelle/ (Abruf: 9.7.2026)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Hypoxie, unter: https://www.gesundheit.gv.at/lexikon/H/hypoxie.html (Abruf: 9.7.2026)

Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V.: Schleppen, unter: https://bad-neuenahr-ahrweiler.dlrg.de/training-und-ausbildung/rettungsschwimmen/schleppen/ (Abruf: 9.7.2026)

Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK): Badeunfall: Hilfe beim Ertrinken, Stand 7/2020, unter: https://www.aok.de/pk/magazin/reisen/sicher-reisen/badeunfall-hilfe-beim-ertrinken/ (Abruf: 9.7.2026)