Autofahren nach einem Schlaganfall

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Von Tanja Peschel, Tanja Echter

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Ein älterer Mann sitzt am Steuer eines Autos
Nach einem Schlaganfall müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, um wieder sicher Auto fahren zu können © iStock.com/Halfpoint

Wie lange jemand nach einem Schlaganfall nicht Auto fahren darf, ist von Fall zu Fall verschieden. Betroffene sollten sich Zeit nehmen, um den Umgang mit Einschränkungen zu erlernen.

  • Die meisten können nach einiger Zeit wieder Auto fahren

  • Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein

  • Einschränkungen durch medizinisches Gutachten ermitteln

Unter einem Schlaganfall (Apoplex), auch Hirnschlag genannt, versteht man den spontanen Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn oder eine spontane Blutung eines Hirngefäßes. In beiden Fällen kommt es durch die mangelnde Durchblutung zu vorübergehenden oder dauerhaften Hirnschäden, die sich je nach Ausmaß und Ort der Schädigung sehr unterschiedlich äußern können. Typische Folgen sind unter anderem Teillähmungen, Seh- und Sprechstörungen, aber auch Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen oder Orientierungsprobleme.

Wie beeinträchtigt ein Schlaganfall die Fahreignung?

Oft beeinträchtigt ein Schlaganfall und seine Folgen die Fähigkeit, komplexe Tätigkeiten wie das Autofahren sicher auszuführen. Daher informiert zunächst der Arzt oder die Ärztin darüber, dass aktuell keine Fahreignung besteht und weist darauf hin, dass die betreffende Person nicht Auto fahren darf.

Das heißt nicht automatisch, dass Menschen nach einem Schlaganfall nie wieder Auto fahren können. Der Krankheitsverlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Man kann deshalb nicht pauschal voraussagen, ob jemand für drei Monate, ein Jahr oder gar nicht mehr Auto fahren kann.

"Ärztliches Fahrverbot" ist bindend

Attestiert die Ärztin oder der Arzt eine zeitweise Fahruntauglichkeit aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, müssen sich Verkehrsteilnehmende daran halten. Das "ärztliche Fahrverbot" ist nicht gleichzusetzen mit einem vom Gericht oder der Fahrerlaubnisbehörde verhängten Fahrverbot.

Wer jedoch dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, wenn er oder sie trotz fehlender Fahrtauglichkeit fährt, und macht sich möglicherweise strafbar, wenn andere Personen dadurch gefährdet werden (z.B. bei einem Unfall). Bei einem Unfall drohen Geld- und sogar Freiheitsstrafen, wenn jemand verletzt oder im schlimmsten Fall getötet wird.

Die (teilweise) Rückforderung von an Unfallgeschädigte ausgezahltes Geld (Regress der Kfz-Haftpflichtversicherung) ist im Einzelfall zu prüfen. Das gilt auch für eine Kürzung oder Verweigerung von Leistungen der Kaskoversicherungen. Diese Möglichkeiten ergeben sich aus den Versicherungsbedingungen.

Besteht eine Meldepflicht nach einem Schlaganfall?

Wer nach einem Schlaganfall oder aufgrund einer anderen Erkrankung die Fahreignung wiedererlangen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Rechtlich gesehen müssen Sie die Fahrerlaubnisbehörde nicht über einen vorgefallenen Schlaganfall informieren. Auch das Krankenhaus oder die ärztliche Praxis leiten diese Information nicht weiter. Der Fahrzeugführer muss aber selbst die eigene Fahreignung sicherstellen, wenn er ein Fahrzeug fahren möchte.

Es kann vorkommen, dass sich die Fahrerlaubnisbehörde bei Betroffenen meldet, wenn der Schlaganfall im Rahmen eines Unfalls auftrat oder wenn Dritte (beispielsweise Nachbarn oder Bekannte) die Behörde über den Schlaganfall informiert haben.

Abklärung im Gespräch mit dem Arzt

Sie sind vor Fahrtantritt selbst verantwortlich, Ihre Fahreignung sicherzustellen. Fahren Sie also Auto, obwohl Sie genau wissen oder erkennen können, dass Sie geistig oder körperlich dazu nicht in der Lage sind, begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit und im Einzelfall (zum Beispiel bei einem Unfall) sogar eine Straftat. Dann ist gegebenenfalls der Versicherungsschutz in Gefahr, und die Kaskoversicherung zahlt nicht oder nur teilweise. Daher ist es wichtig, im ärztlichen Gespräch abzuklären, ob Sie die Folgen des Schlaganfalls beim Autofahren beeinträchtigen.

Was gilt für Berufskraftfahrer?

Für die Fahrerlaubnisklassen C und D sowie die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung gelten strengere Anforderungen an die Fahreignung. Nach einem Schlaganfall ist eine Fahreignung nicht ausgeschlossen. Entscheidend sind der individuelle Krankheitsverlauf, mögliche Einschränkungen, das Risiko eines erneuten Schlaganfalls sowie die besonderen Anforderungen der jeweiligen Tätigkeit.

Was versteht man unter Fahreignung?

Mit dem Begriff Fahreignung wird eine zeitlich überdauernde Eigenschaft beschrieben, die beispielsweise durch eine dauerhafte Medikamenteneinnahme beeinträchtigt werden kann. Die Fahrsicherheit bezeichnet hingegen einen konkreten und aktuellen, zeitlich beschränkten Zustand. Bei hohem Fieber kann die Fahrsicherheit beispielsweise nicht gegeben oder beeinträchtigt sein.

Ein weiterer wichtiger Begriff aus der Verkehrsmedizin ist die Fahrbefähigung: die in der Fahrschule und durch praktische Erfahrung erworbene praktische Fertigkeit zum Lenken eines Fahrzeugs im Straßenverkehr.

Alle drei Begriffe zusammen beschreiben die umfassende Fahrkompetenz oder allgemein die Verkehrstüchtigkeit.

Fahrverbot nach Schlaganfall?

Bestehen nach dem Schlaganfall gesundheitliche Einschränkungen, können Betroffene der Führerscheinstelle jederzeit freiwillig ihre Erkrankung melden. Die Behörde fordert daraufhin verschiedene Gutachten und Tests ein, überprüft anhand der Ergebnisse die Fahreignung und stellt diese fest oder entzieht bei fehlender Fahreignung die Fahrerlaubnis. Hat sich der Gesundheitszustand verbessert, muss eine Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beantragt werden, und die Behörde überprüft die Fahreignung erneut.

Oftmals verbessert sich der gesundheitliche Zustand durch Reha-Maßnahmen wesentlich, und die Betroffenen gewinnen im Rahmen von Physio- oder Ergotherapie wichtige Fertigkeiten für das Autofahren zurück. Wenn der Gesundheitszustand aus medizinischer Sicht wieder so weit gegeben ist, ein Auto sicher zu fahren, kann ein förmliches Fahreignungsüberprüfungsverfahren absolviert werden.

Statt die Fahrerlaubnisbehörde einzuschalten, damit diese die Fahreignung überprüft, können Sie auch selbstständig alle Unterlagen besorgen, die notwendig sind, um die Fahreignung zu belegen. Kommen Sie in eine Situation, in der Sie ihre Fahreignung nachweisen müssen, können Sie diese Unterlagen vorlegen. Das kann auch nachträglich passieren, sodass Sie die Dokumente zuhause aufbewahren und nicht im Auto mitführen müssen.

Fahreignung überprüfen lassen

Eine Überprüfung der Fahreignung umfasst verschiedene Bereiche, darunter den neuropsychologischen und auch einen augenärztlichen Bereich, wenn beispielsweise Augenbewegungsstörungen oder Gesichtsfeldausfälle (Anopsien) vorliegen. Im Gutachten wird auch eingeschätzt, wie hoch das Risiko eines erneuten Schlaganfalls ist, der für die Betroffenen und andere während der Autofahrt gefährlich werden könnte.

Da bei Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, die Wahrscheinlichkeit für einen zweiten Schlaganfall erhöht ist, sollten Patientinnen und Patienten alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das erneute Schlaganfallrisiko zu senken. Dazu zählt beispielsweise, alle verordneten Medikamente einzunehmen. Wichtig ist aber auch, die angebotenen Kontrolluntersuchungen und weitere Therapiemaßnahmen zu nutzen.

Wer erstellt ein verkehrsmedizinisches Gutachten?

Bei Fragen zur Fahreignung nach einem Schlaganfall können sich Betroffene zunächst an die behandelnde Ärztin beziehungsweise den behandelnden Arzt wenden und die gegebenenfalls weiteren notwendigen Schritte zur Klärung der Fahreignung besprechen. Bestehen Zweifel an der Fahreignung oder soll diese unabhängig beurteilt werden, kann eine Begutachtung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Neurologie mit verkehrsmedizinischer Qualifikation im Rahmen eines Privatgutachtens erfolgen.

Bei einem behördlichen Verfahren zur Überprüfung der Fahreignung von Personen mit einem Schlaganfall gibt die Fahrerlaubnisbehörde die Arztgruppe für ein ärztliches Gutachten vor. Nur innerhalb der jeweiligen Gruppe besteht eine Auswahl. Wird das behördlich angeforderte Gutachten durch einen Facharzt mit verkehrsmedizinischer Qualifikation erstellt, soll dieser nicht zugleich der behandelnde Arzt sein.

In bestimmten Fällen kann die Fahrerlaubnisbehörde auch ein medizinisch-psychologisches Gutachten einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung anordnen.

Wird die Fahrerlaubnis neu erteilt, kann diese Auflagen und/oder Beschränkungen beinhalten, die über Schlüsselziffern im Führerschein dokumentiert werden. Schlüsselzahlen können für Hilfsmittel wie Brillen oder für notwendige Umbauten am Fahrzeug stehen, wie eine angepasste Kupplung oder Lenkhilfen.

Was ist eine Beobachtungsfahrt?

Nach den notwendigen medizinischen Tests kann es notwendig sein, das Fahrverhalten zu überprüfen. So lassen sich nicht nur Einschränkungen feststellen, sondern auch, wie gut diese zum Beispiel durch langjährige Fahrerfahrung ausgeglichen werden können.

Bei einer solchen Beobachtungsfahrt wird das Fahrverhalten in Anwesenheit einer Verkehrspsychologin oder eines Verkehrspsychologen unter Realbedingungen überprüft. Es geht dann beispielsweise darum, ob die Fahrerin oder der Fahrer die volle Konzentration auf den Straßenverkehr lenkt und alle motorischen Fähigkeiten einsetzt, um ein Auto sicher fahren zu können.

Fahrzeugumbau nach Schlaganfall?

Sollte es motorische Probleme geben, können diese unter Umständen durch eine Umrüstung des Fahrzeugs, etwa mit Lenkhilfen, ausgeglichen werden. Es gibt Zuschüsse für den Erwerb der Fahrerlaubnis, den Fahrzeugumbau oder die Anschaffung eines Neufahrzeugs, welche die Rehabilitationsträger unter bestimmten Voraussetzungen auszahlen.

Bei Umrüstungen müssen diese abschließend durch eine anerkannte Prüforganisation abgenommen werden. Den Umbau sollten Sie jedoch erst dann in Auftrag geben, wenn feststeht, dass Sie als fahrtüchtig gelten und wieder ein Fahrzeug führen dürfen.

Download: Broschüre "Selbstbestimmt unterwegs"
Alles rund ums Thema Fahreignung nach Eintritt einer Behinderung, Autoumbau und Barrierefreiheit sowie viele weitere Tipps und Adressen finden Sie hier:

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Broschüre: Selbstbestimmt unterwegs
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Fahrtraining nach Umbau

Zusätzlich ist ein Fahrtraining notwendig, um sich mit den Umbauten vertraut zu machen, es kann aber auch ohne Umbauten eine zusätzliche Möglichkeit sein, um sich wieder daran zu gewöhnen, Zeit am Steuer zu verbringen.

Für Menschen, die nach einem Schlaganfall Sprachstörungen aufweisen, empfiehlt es sich, einen Aphasie-Ausweis mit sich zu führen, der bei einer Polizeikontrolle oder einem unverschuldeten Unfall vorgezeigt werden kann. Darin ist dokumentiert, dass man bei klarem Verstand ist, aber aufgrund einer Sprachstörung mehr Zeit zum Sprechen oder Verstehen benötigt.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.