Sperrung von Brücken in Esslingen und Besigheim

Baden-Württemberg braucht bei der Sanierung und dem Ersatzneubau von Brücken mehr Tempo und klare Prioritäten. Die von Ministerpräsident Cem Özdemir angekündigte Taskforce beim Verkehrsministerium kann dazu wichtige Impulse und Vorgaben liefern. Wie wichtig schnelles und abgestimmtes Handeln im Land jetzt sind, zeigen die jüngsten Entwicklungen rund um die Adenauerbrücke in Esslingen sowie die Neckarbrücke in Besigheim. Kurzfristig erforderliche Sperrungen betreffen Pendelnde, Unternehmen, Rettungsdienste, Anwohnerinnen und Anwohner unmittelbar. Die möglichen Folgen sind Staus, Umwege, Zeitverlust, zusätzliche Emissionen und wirtschaftliche Schäden.
„Brücken sind Lebensadern für Mobilität und Wirtschaft. Wenn sie aus Sicherheitsgründen ohne Vorlauf plötzlich gesperrt werden müssen, ist der Schaden für viele Betroffene und die umliegende Region erheblich. Entscheidend ist, Bauwerke rechtzeitig zu sanieren, technisch zu sichern oder zu ersetzen, bevor eine Vollsperrung zur letzten Option wird.“
Michael Saur, Vorsitzender des ADAC Württemberg©ADAC Württemberg e.V.
Besonders deutlich wird die Dringlichkeit an der Adenauerbrücke (L 1192) in Esslingen. Über das Bauwerk fahren täglich bis zu 30.000 Fahrzeuge. Gerade auch stark belastete kommunale Brücken müssen ebenso frühzeitig in den Blick des Verkehrsministeriums rücken. Brücken können schneller an die Grenze ihrer Standfestigkeit gelangen als erwartet. Das bestehende Brückenerhaltungsprogramm muss daher regelmäßig überprüft und bei Bedarf erweitert werden. In Besigheim wird zugleich deutlich, dass das Land bereits wichtige Brückenbauwerke im Blick hat. Die Neckarbrücke in Besigheim (L 1115) ist im priorisierten Bedarf des Verkehrsministeriums enthalten.
Abstimmungsformate wie der Runde Tisch sind wichtig, da sie Transparenz schaffen und ein abgestimmtes Handeln ermöglichen. Sie können jedoch nur ein erster Schritt sein. Für eine wirksame Beschleunigung bei Genehmigung und Bau braucht es leistungsfähige Planungsstäbe, klare Zuständigkeiten, verbindliche Zeitpläne sowie ausreichende personelle Ressourcen und finanzielle Mittel.
ADAC für höhere Anzahl an Sanierungen und Neubauten von Brücken
Mit Blick auf die neue Ressortverantwortung kann die neue Verkehrsministerin Nicole Razavi als ehemalige Bauministerin ihre Erfahrung nutzen, um das Thema Brückensanierung mit hoher Priorität weiter voranzutreiben und für mehr Tempo zu sorgen. Gleichzeitig spricht sich der ADAC Württemberg dafür aus, die Kapazitäten von bisher rund 180 auf bis zu 400 Brückensanierungen und Ersatzneubauten bis 2030 zu erhöhen und dabei auch verkehrsbedeutsame kommunale Brücken mit einzubeziehen. Denn die Kommunen brauchen beim Thema Brücken verlässliche Unterstützung bei der Finanzierung, Planung und Umsetzung.
„Baden-Württemberg hat mit dem aktuellen Brückenerhaltungsprogramm bereits eine wichtige Grundlage gelegt. Jetzt kommt es auf die zügige Umsetzung an. Nur so kann die Mobilität im Land dauerhaft sichergestellt, Belastungen reduziert und wirtschaftlicher Schaden begrenzt werden.“
Michael Saur, Vorsitzender des ADAC Württemberg©ADAC Württemberg e.V.
Der Mobilitätsclub rät zudem, Baustellen- und Verkehrsmanagement von Anfang an stärker zusammen zu denken. Wo technisch möglich, sollten betroffene Bauwerke vorübergehend stabilisiert und Verkehrsströme intelligent gelenkt werden, etwa durch zusätzliche Abstützungen, eine gezielte Lastverteilung und Lastbegrenzung sowie abgestimmte Routen für Pkw, Lkw und ÖPNV. Ziel muss es sein, Brücken so lange und sicher wie möglich befahrbar zu halten. Bei Ausschreibung und Bau sollte zudem verstärkt auf Standardisierung und modernste Bauverfahren gesetzt werden.
