Aquaplaning im Herbst: Schon wenige Millimeter Wasser können zur Gefahr werden
Von Redaktion Südbayern

Starkregen, nasse Fahrbahnen und mit Wasser gefüllte Spurrillen erhöhen im Herbst das Aquaplaning-Risiko auf Bayerns Straßen. Viele Autofahrer unterschätzen, wie schnell Reifen dabei den Kontakt zur Fahrbahn verlieren können. Der ADAC Südbayern erklärt, woran Aquaplaning zu erkennen ist, wie es sich vermeiden lässt und was im Ernstfall zu tun ist.
Schon wenige Millimeter Wasser auf der Fahrbahn können ausreichen, damit die Reifen den Kontakt zur Straße verlieren. „Aquaplaning entsteht, wenn die Reifen das Wasser auf der Fahrbahn nicht mehr ausreichend aufnehmen und ableiten können. Zwischen Reifen und Straße bildet sich ein Wasserfilm, auf dem das Fahrzeug aufschwimmt“, erklärt Fahrsicherheitstrainer Michael Heckenstaller vom ADAC Südbayern.
Besonders riskant sind Spurrillen, Senken, Unterführungen und andere Stellen, an denen sich Wasser sammelt. Vor allem auf Autobahnen und viel befahrenen Landstraßen bleibt Regenwasser häufig in den Fahrspuren stehen.
Wichtige Faktoren: Geschwindigkeit, Reifenprofil und Reifendruck
Neben stehenden Wassermengen spielen vor allem Geschwindigkeit und Reifen eine entscheidende Rolle. Je schneller ein Fahrzeug unterwegs ist, desto größer wird das Aquaplaning-Risiko. Abgefahrene Reifen oder ein zu niedriger Reifendruck verschärfen die Gefahr zusätzlich. „Wir empfehlen bei Sommerreifen eine Profiltiefe von mindestens drei Millimetern, bei Winter- und Ganzjahresreifen mindestens vier Millimetern“, sagt Heckenstaller. Auch der Reifendruck sollte regelmäßig überprüft werden. Treffen mehrere Risikofaktoren zusammen, kann Aquaplaning bereits ab etwa 60 km/h auftreten.
ADAC Winterreifentest 2026
Winterreifen gibt es viele, aber nur wenige sind wirklich gut. Das zeigt der ADAC Winterreifentest 2026: Winterreifen 185/65 R15 im ADAC Test 2026: Nur wenige zu empfehlen
Wichtig zu wissen: Wer bei Starkregen trotz erkennbarer Gefahr zu schnell fährt oder mit stark abgefahrenen Reifen unterwegs ist und einen Unfall verursacht, muss unter Umständen mit haftungsrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Diese Warnsignale für Aquaplaning sollten Autofahrer kennen
Aquaplaning kündigt sich häufig an. Typische Hinweise sind:
sichtbare Wasseransammlungen auf der Fahrbahn
starke Gischt und Wasserfontänen anderer Fahrzeuge
laute Wassergeräusche
eine plötzlich schwammige oder unpräzise Lenkung
Wer solche Anzeichen bemerkt, sollte das Tempo frühzeitig reduzieren und ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten. Bei Spurrillen sollten Autofahrer, wenn es die Verkehrssituation zulässt, möglichst versetzt fahren.
Die richtige Reaktion von Autofahrern bei Aquaplaning
Kommt es zu Aquaplaning, sollten hektische Lenk- und Bremsmanöver unbedingt vermieden werden. Stattdessen gilt:
Ruhe bewahren
Kupplung treten (bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe)
Fuß vom Gas nehmen
Lenkrad möglichst gerade halten
Gefahrenbremsung bei Hindernissen und Schleudern
„Taucht während des Aquaplanings plötzlich ein Hindernis auf oder gerät das Fahrzeug ins Schleudern, ist eine Gefahrenbremsung erforderlich. Während des Aquaplanings selbst ist eine Verzögerung des Fahrzeugs wegen des fehlenden Fahrbahnkontakts zwar nicht möglich, sobald die Reifen jedoch wieder Haftung aufbauen, zählt jeder Meter“, betont Heckenstaller. Viele Fahrer bremsen in solchen Situationen zu zaghaft. Eine konsequente Gefahrenbremsung kann den Anhalteweg auf nasser Fahrbahn gegenüber einem normalen Bremsvorgang jedoch deutlich verkürzen. Voraussetzung für eine wirkungsvolle Gefahrenbremsung ist eine korrekte Sitzposition mit anliegendem Rücken und leicht angewinkelten Armen.
ADAC Tipp: Fahrsicherheit trainieren
„Wer Extremsituationen wie Aquaplaning in einem geschützten Umfeld erlebt und das richtige Verhalten trainiert hat, reagiert im Ernstfall deutlich souveräner und sicherer“, sagt Heckenstaller. Die ADAC Fahrsicherheitszentren Südbayern bieten an folgenden Standorten Fahrsicherheitstrainings an, in denen Gefahrensituationen im Straßenverkehr kontrolliert simuliert und die richtigen Reaktionsabläufe trainiert werden: Augsburg, Kempten, Regensburg, Ingolstadt, Landshut und Burgkirchen/Simbach (A). Weitere Informationen zu den ADAC Fahrsicherheitstrainings gibt es unter adac-fahrtraining.de.