Darauf kommt es in der Waschanlage an 

19.7.2018

Viele Autofahrer lassen ihr Fahrzeug regelmäßig in Autowaschanlagen reinigen. Doch welche Programme lohnen sich wirklich? Wie wichtig ist die Vorwäsche? Und wenn es zu einem Schaden in der Waschanlage kommt, worauf muss ich achten und was ist bei der Haftung zu beachten?

Auto in einer Waschsstraße
Überprüfen Sie noch auf dem Gelände, ob ein Schaden am Auto entstanden ist.
Tipp Icon

Aktuell: BGH entscheidet über Auffahrunfall in der Waschstraße

Der Kläger verlangt von einem Waschanlagenbetreiber Schadensersatz wegen der Beschädigung seines Fahrzeugs in einer Waschstraße. In dieser werden die Fahrzeuge während der Wäsche von einem Schleppband durch die Anlage gezogen. Vor dem BMW des Klägers befand sich ein Mercedes, dahinter ein Hyundai. Noch vor dem Ende der Waschstraße bremste der Fahrer des Mercedes ohne ersichtlichen Grund. Dadurch geriet der Mercedes aus dem Schleppband und blieb stehen. Der BMW und der dahinter befindliche Hyundai wurden weitergezogen. Der BMW wurde auf den Mercedes und der Hyundai auf den BMW geschoben.

Darüber entscheidet der BGH 

Der BGH hat mit der Entscheidung vom 19.7.18 (Az.: VII ZR 251/17) das Urteil des Landgerichts aufgehoben und die Sache an das Landgericht zurückverwiesen. Vom Betreiber der Waschstraße ist nach Ansicht des BGH nicht nur die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik zu verlangen. Kann es durch ein – seltenes aber vorhersehbares - Fehlverhalten der Kunden zu Schädigungen kommen, muss der Betreiber in geeigneter Weise darauf hinwirken, dass kein solches Fehlverhalten vorkommt. Den Betreiber einer Waschstraße trifft deshalb die Pflicht, seine Kunden in geeigneter und ihm zumutbarer Weise über die zu beachtenden Verhaltensregeln zu informieren.

Ob der Waschanlagenbetreiber diese Pflicht erfüllt und den Mercedesfahrer entsprechend informiert hat, hat das Landgericht nicht geprüft. Das Landgericht muss das nun in einer neuen Verhandlung nachholen.  

Zurück

Vier Regeln für die Waschanlage

Beim Autowaschen gilt: teuer ist nicht besser

Auch die einfachen Programme machen ein Auto sauber und reichen daher meistens aus. Zusatzprogramme wie Wachse oder Versiegelungen sind zwar oft gut fürs Auge, bringen aber wenig für die Haltbarkeit des Fahrzeugs.

Das Auto richtig auf die Autowäsche vorbereiten

Antenne abschrauben, Fenster schließen und die Scheibenwischer ausmachen, auch an den Regensensor denken. Generell sollten Autofahrer immer die Hinweise an den Waschanlagen beachten.

Richtig sauber? Die Vorwäsche macht´s

Richtig sauber wird das Auto durch die Vorwäsche mit dem Dampfstrahler: Hier haben die Waschstraßen einen Vorteil vor Portalanlagen, denn in Waschstraßen werden die Fahrzeuge grundsätzlich manuell mit einer Hochdrucklanze eingesprüht. Das säubert die Problemstellen, an denen Waschanlagen oft scheitern: Rückspiegel, Windschutzscheibe und Räder.

Waschqualität an anderen Autos ablesen

Weder Preis noch Waschdauer sind Qualitätsmerkmale für Waschanlagen oder -straßen. Daher lohnt es sich, vor der Wäsche einen Blick auf bereits gewaschene Autos zu werfen, um zu sehen, wie gut die Qualität ist.

Zurück

Schaden in der Waschanlage

Der Anlagenbetreiber ist schadenersatzpflichtig, wenn der Schaden nachweislich durch die Anlagenbenutzung entstanden ist und der Kunde die erforderliche Sorgfalt bei der Benutzung der Waschanlage beachtet hat. Das gilt auch dann, wenn der Schaden durch nicht mehr aufzuklärende Fehler der Waschanlage entstanden ist und ein Fehlverhalten des Benutzers ausscheidet.

Der Kunde muss beweisen, dass ein Schaden in der Anlage entstanden ist. Steht dies (z.B. nach Einschätzung eines Sachverständigen) fest und ist der Anlagenbetreiber der Meinung, dass ihn kein Verschulden trifft, muss er den Nachweis hierfür führen. Gelingt der Nachweis nicht, dass der Schaden in der Waschanlage entstanden ist, haftet der Betreiber nicht für Schäden.

Antenne beim Waschen beschädigt

Viele Waschanlagenbetreiber regeln in allgemeinen Geschäftsbedingungen die Rechte und Pflichten sowohl des Anlagenbetreibers als auch des Kunden. Darin finden sich häufig Sicherungs- und Warnhinweise, wie z.B. das Sichern der Antenne. Diese Vorgaben müssen Sie als Kunde beachten.

Sie können aber Schadenersatz verlangen, wenn lediglich ein Schild an der Waschanlage bestimmt „Antenne einschieben oder abnehmen“ und es sich an Ihrem Fahrzeug um eine diebstahlsgesicherte Antenne handelt, die Sie weder einschieben noch abnehmen können. Hier wäre der Betreiber verpflichtet gewesen, einen geeigneten Hinweis zu erteilen und den Kunden eventuell von der Benutzung der Waschanlage abzuraten.

Schadensersatz bei Lackschäden?

Entstehen Schäden durch nicht ordnungsgemäß arbeitende oder verschmutzte Reinigungsbürsten, sind diese Schäden in der Regel vom Waschanlagenbetreiber zu ersetzen. Der Waschanlagenbetreiber muss darauf achten, dass sich in den Waschbürsten keine Fremdkörper verfangen, die bei den Fahrzeugen nicht unerhebliche Lack- und Schrammschäden verursachen können.

Eine lückenlose Kontrolle nach jedem Fahrzeug ist dem Betreiber einer Waschanlage allerdings nicht zuzumuten.

Haftungsbeschränkung

In den Geschäftsräumen der Waschanlagen hängen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Kenntnisnahme aus. Wird das „Kleingedruckte“ dem Kunden auf andere Weise kenntlich gemacht, ist zu prüfen, ob sie in den Vertrag einbezogen wurden. Nach Vertragsschluss ausgehändigte Bedingungen (z.B. auf der Quittung) werden nicht mehr Vertragsbestandteil.

Enthalten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen Haftungsbeschränkungen, verweigern Waschanlagenbetreiber häufig den Ersatz der in der Waschstraße entstandenen Schäden. Oft finden sich Klauseln, die eine Haftung für außen an der Karosserie angebrachte Teile (z.B. Zierleisten, Spiegel, Antennen) sowie dadurch verursachte Lack- und Schrammschäden ausschließen, es sei denn, dass den Waschanlagenbetreiber grobes Verschulden trifft. Diese Haftungsbeschränkung wurde vom BGH als unzulässig erklärt, da der Kunde dadurch unangemessenen benachteiligt wird (Urteil vom 30.11.2004, Az. X ZR 133/03).

Hinweispflicht des Anlagenbetreibers

Der Waschanlagenbetreiber muss prüfen, ob ein Fahrzeug für seine Anlage geeignet ist. Unterlässt er es, ein Fahrzeug zurückzuweisen, bei dem aufgrund besonderer aber offensichtlicher Umstände die Benutzung der Waschanlage zu einer Beschädigung des Fahrzeuges führen kann, kann eine Ersatzpflicht des Waschanlagenbetreibers vorliegen.

Der Waschanlagenbetreiber muss den Kunden allerdings nicht extra darauf hinzuweisen, dass die Scheibenwischer in die Ruhestellung versetzt werden müssen oder dass die Fenster geschlossen werden müssen.

Tipp: Grundsätzlich sollten Sie das Fahrzeug noch auf dem Gelände der Waschanlage auf Schäden kontrollieren. Offensichtliche Schäden, die durch die Waschanlage entstanden sind, sollten Sie sofort dem Anlagenbetreiber melden. Aus Beweisgründen sollten Sie sich eine schriftliche Bestätigung geben lassen.

Ersatzansprüche wegen nicht offensichtlicher Schäden können auch noch gestellt werden, wenn der Benutzer das Grundstück bereits verlassen hat. Allerdings kann es für den Kunden dann schwierig werden, den Nachweis zu erbringen, dass der Schaden tatsächlich in der Waschanlage entstanden ist.

Das sollten Sie zur Autowäsche im Winter wissen.

Weitere Infos

Bei Schwierigkeiten mit dem Waschanlagenbetreiber können Sie sich als Verbraucher an das Zentrum für Schlichtung wenden. Dieses versucht in aller Regel, eine Einigung zwischen den Konfliktparteien herbei zu führen. Das Verfahren ist kostenfrei und ist daher eine gute Alternative zum „offiziellen“ Rechtsstreit.

Als ADAC Mitglied können Sie sich auch von einem ADAC-Vertragsanwalt rechtlich beraten lassen. Die Adressen finden Sie hier.