Schaden bei der Autowäsche – darauf kommt es in der Waschanlage an 

16.7.2019

Die meisten Autofahrer lassen ihr Fahrzeug regelmäßig in Waschanlagen reinigen. Entsteht in der Waschanlage ein Schaden am Auto, kommt es bei der Frage nach der Haftung oft zum Streit. ADAC Juristen erklären Ihre Ansprüche.

Heck eines Autos in der Waschanlage
© Stock.Adobe.com/Ben La Fee
  • Waschprogramme: Teuer ist nicht automatisch besser
  • Kontrollieren Sie Ihr Auto direkt nach der Wäsche auf Schäden
  • Schäden beim Anlagenbetreiber möglichst sofort melden
Tipp Icon

Schaden in der Waschanlage – sofort handeln

  • Kontrollieren Sie das Auto direkt nach der Wäsche auf Schäden.
  • Melden Sie Schäden sofort beim Anlagenbetreiber.
  • Lassen Sie sich eine schriftliche Bestätigung über die Schäden geben.
  • Sie können auch noch nach Verlassen der Waschanlage Schäden melden. Der Nachweis, dass der Schaden in der Waschanlage entstanden ist, ist dann aber schwieriger zu erbringen.

Vier Regeln für die Waschanlage

Beim Autowaschen gilt: teuer ist nicht besser

Auch die einfachen Programme machen ein Auto sauber und reichen daher meistens aus. Zusatzprogramme wie Wachse oder Versiegelungen sind zwar oft gut fürs Auge, bringen aber wenig für die Haltbarkeit des Fahrzeugs.

Das Auto richtig auf die Autowäsche vorbereiten

Antenne abschrauben, Fenster schließen und die Scheibenwischer ausmachen, auch an den Regensensor denken. Generell sollten Autofahrer immer die Hinweise an den Waschanlagen beachten.

Richtig sauber? Die Vorwäsche macht´s

Richtig sauber wird das Auto durch die Vorwäsche mit dem Dampfstrahler: Hier haben die Waschstraßen einen Vorteil vor Portalanlagen, denn in Waschstraßen werden die Fahrzeuge grundsätzlich manuell mit einer Hochdrucklanze eingesprüht. Das säubert die Problemstellen, an denen Waschanlagen oft scheitern: Rückspiegel, Windschutzscheibe und Räder.

Waschqualität an anderen Autos ablesen

Weder Preis noch Waschdauer sind Qualitätsmerkmale für Waschanlagen oder -straßen. Daher lohnt es sich, vor der Wäsche einen Blick auf bereits gewaschene Autos zu werfen, um zu sehen, wie gut die Qualität ist.

Das sollten Sie zur Autowäsche im Winter wissen.

Beweislast und das Kleingedruckte

Kunde muss Entstehung des Schadens nachweisen

Der Kunde muss beweisen, dass der Schaden an seinem Auto in der Anlage entstanden ist. Steht dies (z.B. nach Einschätzung eines Sachverständigen) fest und hat der Kunde die erforderliche Sorgfalt bei der Benutzung der Waschanlage beachtet, muss der Anlagenbetreiber grundsätzlich Schadenersatz leisten. Das gilt auch dann, wenn der Schaden durch nicht mehr aufzuklärende Fehler der Waschanlage entstanden ist und ein Fehlverhalten des Kunden ausscheidet. 

Der Waschanlagenbetreiber kommt allenfalls dann um eine Haftung herum, wenn er die fachgerechte Wartung und regelmäßige Kontrolle der Anlage glaubhaft dokumentieren kann (LG Wuppertal vom 13.03.2013, Az.: 5 O 172/11). Dies muss der Betreiber im Streitfall konkret nachweisen können.

 

Das „Kleingedruckte“

In den Geschäftsräumen der Waschanlagen hängen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Kenntnisnahme aus. Wird das „Kleingedruckte“ dem Kunden auf andere Weise kenntlich gemacht, muss geprüft werden, ob die Bedingungen Bestandteil des Vertrages geworden sind. Wird das „Kleingedruckte“ erst nach Abschluss des Vertrages ausgehändigt (z.B. mit der Quittung), wird es nicht mehr Vertragsbestandteil. 

Die AGB enthalten regelmäßig die Rechte und Pflichten sowohl des Anlagenbetreibers als auch des Kunden. Diese Vorgaben müssen Sie als Kunde beachten.

Oft finden sich Klauseln, die eine Haftung für außen an der Karosserie angebrachte Teile (z.B. Zierleisten, Spiegel, Antennen) sowie dadurch verursachte Lack- und Schrammschäden ausschließen, es sei denn, dass den Waschanlagenbetreiber grobes Verschulden trifft. Diese Haftungsbeschränkung wurde vom BGH als unzulässig erklärt, da der Kunde dadurch unangemessenen benachteiligt wird (Urteil vom 30.11.2004, Az. X ZR 133/03).

Sollte im Nachhinein unklar sein, ob und welche Allgemeine Geschäftsbedingungen für Ihren Vertrag gelten, sollten Sie die Bedingungen von einem Anwalt prüfen lassen. Die Adressen der ADAC Vertragsanwälte finden Sie hier.

 

Hinweispflichten des Anlagenbetreibers

Der Waschanlagenbetreiber muss prüfen, ob ein Fahrzeug für seine Anlage geeignet ist. Unterlässt er es, ein Fahrzeug zurückzuweisen, bei dem aufgrund besonderer aber offensichtlicher Umstände die Benutzung der Waschanlage zu einer Beschädigung des Fahrzeuges führen kann, kann der Waschanlagenbetreiber zu Schadenersatz verpflichtet sein.

Wird z.B. eine diebstahlgesicherte Antenne in der Waschanlage beschädigt, die weder abgenommen, noch eingeschoben werden kann, haftet in der Regel der Anlagenbetreiber. Hängt in der Waschanlage nur ein Schild mit der Aufschrift „Antenne einschieben oder abnehmen", ist das kein geeigneter Hinweis auf die mögliche Beschädigung einer Dachantenne. Der Betreiber muss einen geeigneten Hinweis erteilen und dem Kunden eventuell von der Benutzung der Waschanlage abraten.

Der Waschanlagenbetreiber ist nicht verpflichtet, den Kunden darauf hinzuweisen, dass die Scheibenwischer in die Ruhestellung versetzt werden müssen. Auch auf das Schließen der Fenster muss nicht gesondert hingewiesen werden.

Die zwei häufigsten Schäden

Lackschaden durch die Autowäsche

Entstehen Schäden durch nicht ordnungsgemäß arbeitende oder verschmutzte Reinigungsbürsten, sind diese Schäden in der Regel vom Waschanlagenbetreiber zu ersetzen. Der Waschanlagenbetreiber muss darauf achten, dass sich in den Waschbürsten keine Fremdkörper verfangen, die bei den Fahrzeugen nicht unerhebliche Lack- und Schrammschäden verursachen können.

Eine lückenlose Kontrolle nach jedem Fahrzeug ist dem Betreiber einer Waschanlage allerdings nicht zuzumuten.

 

Unfall in der Waschstraße

Kommt es zu einem Auffahrunfall in einer Waschstraße muss der Betreiber nachweisen, dass er seiner Pflicht, seine Kunden in geeigneter und ihm zumutbarer Weise über die zu beachtenden Verhaltensregeln zu informieren, nachgekommen ist. Das geht aus einer Entscheidung des BGH vom 19.7.18 (Az.: VII ZR 251/17) hervor. 

Vom Betreiber der Waschstraße ist nach Ansicht des BGH nicht nur die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik zu verlangen. Kann es durch ein – seltenes aber vorhersehbares - Fehlverhalten der Kunden zu Schädigungen kommen, muss der Betreiber in geeigneter Weise darauf hinwirken, dass kein solches Fehlverhalten vorkommt.

Hilfe bei Streit

Bei Schwierigkeiten mit dem Waschanlagenbetreiber können Sie sich als Verbraucher an das Zentrum für Schlichtung wenden. Dieses versucht in aller Regel, eine Einigung zwischen den Konfliktparteien herbei zu führen. Das Verfahren ist kostenfrei und ist daher eine gute Alternative zum „offiziellen“ Rechtsstreit.

Die Adresse der Allgemeinen Verbraucherschlichtungsstelle lautet:

Zentrum für Schlichtung e.V.
Straßburger Straße 8
77694 Kehl am Rhein
Telefon 07851 / 795 79 40
Fax 07851 / 795 79 41
E-Mail: mail@verbraucher-schlichter.de

Allgemeine Geschäftsbedingungen wirksam? Streit mit dem Waschanlagenbetreiber über die Ursache des Schadens? Bei Unstimmigkeiten oder Konflikten können Sie sich im Rahmen Ihrer ADAC Mitgliedschaft auch von einem ADAC Vertragsanwalt rechtlich beraten lassen. Die Adressen der ADAC Vertragsanwälte finden Sie hier.

Interessante Urteile

Keine Haftung für Schäden durch defekten Sensor des Trocknungsbügels

Der Betreiber einer Waschanlage haftet nicht für Beschädigungen, die durch den Gebläsebalken einer Waschstraße verursacht werden, wenn der Sensor am Gebläsebalken defekt ist. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschieden und bekräftigt, dass der Betreiber einer Waschstraße grundsätzlich nur für schuldhafte Pflichtverletzungen haften muss.

Trocknungsbügel schlägt Windschutzscheibe ein

Beim Trocknungsvorgang in der Waschanlage kam es zur Kollision zwischen dem Trocknungsbalken und der Windschutzscheibe des Autos. Die Ursache dafür war eine defekte Platine bzw. ein damit verbundener fehlerhafter Sensor. Die Trocknungsanlage konnte den Wagen nicht korrekt erkennen und schlug gegen die Windschutzscheibe. Auf den vorderen Sitzen des Autos lagen Glassplitter. Die Sitzbezüge der Vordersitze wurden dadurch beschädigt und mussten ausgetauscht werden. Der Kunde verlangte seinen Schaden vom Betreiber der Waschanlage ersetzt und klagte.

Betreiber haftet nur für verschuldete Pflichtverletzung

Das OLG Frankfurt a.M. sprach dem Kunden der Waschanlage keinen Schadensersatz gegen den Betreiber zu. Die Richter nahmen zwar an, dass die Schadensursache in der Sphäre des Betreibers liegt. Dem Kunde war kein Fehlverhalten oder gar ein Defekt seines Wagens nachzuweisen. Dem Betreiber war es aber gelungen zu beweisen, dass er die Pflichtverletzung nicht zu vertreten hat. Die Beschädigungen waren letztlich auf einen Defekt der Waschanlage selbst zurückzuführen. Der Betreiber konnte den fehlerhaften Sensor vor Beginn des Waschvorgangs nicht erkennen. Die Richter sahen keine Grundlage für eine Haftung des Betreibers -  weder aus dem Gesetz noch aus den vereinbarten Vertragsbestimmungen.

OLG Frankfurt a.M., Urteil vom 14.12.2017, Az.: 11 U 43/17

Hinweis: Das Urteil ist rechtskräftig

Einwandfreie Waschanlage - Heckverkleidung beschädigt

Der Betreiber einer Waschanlage muss seine Kunden nicht über jede theoretische Gefahr einer Beschädigung aufklären, die bei der Benutzung der Waschanlage bestehen könnte. Der Waschanlagenbetreiber haftet nicht für die Beschädigung eines Autos, wenn er die Schwierigkeiten der Waschanlage mit der Serienausstattung des Autos nicht kannte oder kennen musste. Das hat das Landgericht München I entschieden.
 
Serienausstattung des Autos bringt Schaden in der Waschanlage mit sich
 
Die Klägerin ließ ihr erst drei Monate altes Auto in einer Waschanlage reinigen. Beim Waschvorgang wurde die linke Heckverkleidung des Wagens beschädigt. Die Waschanlage entsprach dem Stand der Technik, die Waschbürsten waren einwandfrei. Ein Sachverständiger stellte fest, dass es an dem Auto serienmäßig eine Stelle gibt, die einen ungestörten Lauf der Waschbürste nicht garantiert. 
 
Die Kundin war der Meinung, dass der Waschanlagenbetreiber davor hätte warnen müssen, dass die Waschanlage für bestimmte serienmäßige Pkw nicht geeignet ist. Sie verlangte den Ersatz ihres Schadens und klagte. Die erste Instanz gab der Kundin Recht, der Waschanlagenbetreiber legte Berufung ein.

Kein Anspruch auf Schadensersatz wegen unterlassener Aufklärung

Das Landgericht München I entschied, dass der Klägerin kein Anspruch auf Schadensersatz zusteht. Die Waschanlage entsprach den anerkannten Regeln der Technik, so die Richter. Dem Betreiber der Waschanlage ist keine Verletzung seiner Aufklärungspflichten anzulasten.

Keine Aufklärungspflicht über jede nur theoretische Gefahr

Nach Ansicht der Richter muss der Waschanlagenbetreiber zwar grundsätzlich seine Kunden deutlich warnen, wenn die Waschanlage aufgrund ihrer Konstruktion für bestimmte Serienausstattungen von Autos nicht geeignet ist. Das muss er aber nur dann, wenn er einen solchen Umstand kennt (oder hätte kennen müssen). Hier war das nicht der Fall, so die Richter. Die Anforderungen an die Sorgfalt des Waschanlagenbetreibers dürfen nach Ansicht des Gerichts nicht überspannt werden.
Dem Waschanlagenbetreiber kann nicht zugemutet werden, für jeden existierenden Fahrzeugtyp in allen möglichen Serienausstattung zu wissen, welche Bauteile den Waschvorgang in seiner (den technischen Vorgaben entsprechenden) Waschanlage eventuell nicht überstehen könnten.

LG München I, vom 12.6.2017, Az.: 31 S 2137/17

Text: Juristische Zentrale