Insolvenz von Fluggesellschaft oder Reiseveranstalter

7.2.2019

Insolvenzen bei Airlines und Reiseveranstaltern sind leider kein Einzelfall. Aktuell macht die Insolvenz der Fluglinie Germania Schlagzeilen. Regelmäßig haben die Reisende in dieser Situation das Nachsehen. Nur Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, sind für den Fall der Insolvenz abgesichert.

Leere Sitze im Wartesaal am Flughafen
Airline oder Reiseveranstalter zahlungsunfähig – diese Rechte haben die Reisenden
  • Pauschalreisende sind bei Insolvenz des Reiseveranstalters durch einen Sicherungsschein abgesichert.
  • Geht eine Airline pleite, kann es schwierig sein, den Ticketpreis zurückzubekommen.
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Aktuell: Insolvenz Germania - das können betroffene Fluggäste machen

Im Urlaub gestrandet
Wenn Sie Ihr Ticket direkt bei Germania gebucht haben, haben Sie keinen Anspruch auf Ersatzbeförderung. Es ist aber möglich, dass andere Airlines mit der Durchführung der gebuchten Flüge beauftragt werden. Die Kosten für einen Ersatzflug muss der Reisende aber selbst tragen.

Die Lufthansa und der Ferienflieger Condor bieten im Ausland gestrandeten Passagieren vergünstigte Tickets an: Bis Ende Februar können diese bei Eurowings Flüge buchen und erhalten dabei die Hälfte ihrer Zusatzkosten erstattet. Die gleiche Möglichkeit bietet Tuifly an. Die Airline Condor bietet einen Transport von Germania-Fluggästen zum halben Ticketpreis an, soweit es noch freie Plätze gibt - Passagiere müssen sich dafür auf die "Stand-by"-Warteliste setzen lassen.

Außerdem soll bei Lufthansa in den kommenden Tagen eine besondere Buchungsmöglichkeit im Internet geschaffen werden. Betroffene Kunden von Germania sollen hier vergünstigte Tickets der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian buchen können. 

Ticket bei Germania gebucht, aber noch nicht geflogen

Der Flugbetrieb der Germania wurde eingestellt. Tickets, die direkt bei der Airline gebucht wurden, verlieren ihre Gültigkeit. 

Betroffene Kunden können ihren Flug stornieren. Bei Stornierung haben Sie grundsätzlich einen Anspruch auf Rückerstattung der Steuern und Gebühren und evtl. auch eines Teils des Ticketpreises. Allerdings fallen diese in die Insolvenzmasse, eine Rückerstattung ist also fraglich.

Bei Flugausfall bestehen Ansprüche auf Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Bei einer Insolvenz der Fluglinie müssen Kunden diese Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden. Die Wahrscheinlichkeit, diese Entschädigung ausgezahlt zu bekommen ist aber gering. Wurde der Flugausfall von der Airline 14 Tage vor Flugbeginn angekündigt, gibt es gar keinen Entschädigungsanspruch.

Ticket beim Vermittler gebucht

Wenden Sie sich an den Vermittler, bei dem Sie den Flug mit Germania gebucht haben und fragen Sie nach eventuell möglichen (Kulanz-)Lösungen.

Das gilt bei Pauschalreisen

Wenden Sie sich an Ihren Reiseveranstalter. Zwar werden auch die Tickets, die über ein Reisebüro oder beim Veranstalter gebucht wurden, ungültig. Pauschalreisende sind aber über ihren Reiseveranstalter gegen die Insolvenz der Airline abgesichert. Der Reiseveranstalter muss für eine Ersatzbeförderung sorgen.

So geht es weiter

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat Rüdiger Wienberg zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Fluggesellschaft Germania bestellt. Dieser wird Germania aller Voraussicht nach abwickeln. Ansprüche gegen Germania müssen vom Reisenden beim Insolvenzverwalter zur Tabelle angemeldet werden.

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Insolvenz Reiseveranstalter

Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, können bei der Insolvenz des Reiseveranstalters auf Sicherheiten zurückgreifen.

Buchungen bis zum 30.6.2018

Der Reiseveranstalter muss dem Reisenden zur Absicherung einer Insolvenz des Reiseveranstalters einen Reisepreissicherungsschein ausstellen. Aus diesem muss sich ergeben, welche Versicherung im Falle einer Insolvenz des Veranstalters eintritt bzw. welche Bank eine entsprechende Bürgschaft übernommen hat.

Erst nach Ausgabe des Sicherungsscheins darf der Veranstalter die (An-) Zahlung des Reisepreises verlangen. Sicherungsscheinpflichtig ist grundsätzlich jeder Reiseveranstalter.

Dem Reisenden müssen bei Eintritt des Versicherungsfalles der gezahlte Reisepreis für die ausgefallenen Leistungen sowie die notwendigen Aufwendungen für die Rückreise erstattet werden. Gewährleistungs- und Schadensersatzansprüche sind vom Reisepreissicherungsschein nicht umfasst. Der Erstattungsanspruch besteht gemäß dem Gesetzeswortlaut nicht nur ab dem Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Reiseveranstalters, sondern bereits im Falle der Zahlungsunfähigkeit.

Buchungen ab dem 1.7.2018

Der Reiseveranstalter muss sicherstellen, dass dem Reisenden bei Insolvenz des Veranstalters (d.h. Zahlungsunfähigkeit, Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Reiseveranstalters oder Abweisung eines Eröffnungsantrags mangels Masse)

  • der Reisepreis erstattet wird und
  • der Reisende vom Urlaubsort wieder zurückbefördert wird.

Der Reiseveranstalter muss diese Absicherung durch einen Sicherungsschein nachweisen. Geht der Reiseveranstalter pleite, kann der Absicherer entscheiden, ob er dem Reisenden die Durchführung der weiteren Reise anbietet oder die Rückreise organisiert. Verlangt der Reisende eine Erstattung des Reisepreises, muss der Absicherer dies unverzüglich erfüllen. 
 
Der Reiseveranstalter darf die Bezahlung des Reisepreises erst fordern, wenn er seiner Pflicht zur Insolvenzabsicherung nachgekommen ist und er dem Reisenden die Kontaktdaten des Absicherers klar, verständlich und in hervorgehobener Weise zur Verfügung gestellt hat. 

Eine Pflicht zur Insolvenzsicherung besteht auch bei der vermittelten verbundenen Reiseleistung, wenn der Vermittler Zahlungen des Reisenden auf die Reiseleistungen entgegennimmt.

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Insolvenz Airline

Flug bei insolventer Airline gebucht

Bei „Nur-Flug-Buchungen“ besteht keine gesetzliche Pflicht der Airline, die eigene Insolvenz abzusichern. Da die Airlines schon vor der Durchführung des Fluges die Bezahlung des Tickets fordern, trägt der Fluggast das Kostenrisiko, wenn der Flug aufgrund einer Insolvenz der Airline nicht mehr durchgeführt wird. 

Der ADAC befürwortet seit langem eine gesetzliche Regelung des Insolvenzschutzes wie im Pauschalreiserecht. Alternativ dazu wäre die Verpflichtung der Fluggesellschaften denkbar, beim Ticketverkauf eine entsprechende Versicherung für den Ticketpreis und die Rückbeförderung mit anzubieten. 

Annullierung von Flügen

Grundsätzlich kann der Fluggast bei der Annullierung von Flügen zwischen Rücktritt und Ersatzbeförderung wählen. 

Der Fluggast kann verlangen: 

  • Entweder die Rückerstattung des Ticketpreises oder
  • die Mehrkosten einer anderweitigen Beförderung (z.B. durch eine andere Airline), wenn er von der Airline keinen Alternativflug angeboten bekommt und er sich selbst darum kümmert.
  • Der Fluggast kann auch Kosten geltend machen, die ihm zusätzlich wegen der Annullierung entstehen (z.B. Schadenersatz für Kosten für einen schon gebuchten Mietwagen oder eine Unterkunft).
  • Wird der Fluggast weniger als 14 Tage vor Abflug über die Annullierung informiert, steht im darüber hinaus die pauschale Ausgleichszahlung nach der Fluggastrechteverordnung EG Nr. 261/2004 zu.


Die Durchsetzbarkeit dieser Forderungen ist oft aber problematisch.

Wenn die Fluggesellschaft schon einen Insolvenzantrag gestellt hat, müssen Ansprüche zur Tabelle angemeldet werden. Ob der Reisende eine Zahlung erhält hängt dann davon ab, ob die Insolvenzmasse zur Ausgleichung aller Forderungen ausreicht. Da die Auszahlung der Gläubiger erst nach der umfassenden Prüfung erfolgt, ob und in welcher Höhe Gelder zur Auszahlung bei der Schlussverteilung zur Verfügung stehen, können sich Insolvenzverfahren bis zum vollständigen Abschluss über mehrere Jahre hinziehen.

Häufig finden sich bei einer Insolvenz einer Airline Investoren, die die bestehenden Beförderungsverträge für die zahlungsunfähige Fluggesellschaft erfüllen. Auch der Insolvenzverwalter kann verfügen, dass bestehende Buchungen noch erfüllt werden.

Daher empfiehlt es sich in der Regel bei Bekanntwerden einer Insolvenz des gebuchten Flugunternehmens zunächst abzuwarten, ob die gebuchten Flüge nicht doch noch durchgeführt werden.

Ansprüche gegenüber dem Vermittler

Ansprüche wegen der Nichterfüllung des Beförderungsvertrages können grundsätzlich nur gegenüber der Airline als Vertragspartner geltend gemacht werden. Dabei ist unerheblich, ob die Buchung direkt bei der Fluggesellschaft oder über einen Vermittler (z.B. ein Reisebüro oder ein Online-Portal) erfolgt ist.

Wenn allerdings der Vermittler selbst Pflichten aus dem Vermittlungsvertrag verletzt, z.B. weil die Insolvenz der Airline im Zeitpunkt der Vermittlung des Vertrages bereits absehbar war, kommen Schadensersatzforderungen gegen den Vermittler selbst in Betracht.

Reisende am Urlaubsort

Kunden die sich bereits im Urlaub befinden, sollten sich wegen der Rückreise mit dem Insolvenzverwalter in Verbindung setzen. Sollten hier für den Reisenden zusätzliche Mehrkosten entstehen (z.B. weil eine vertraglich vereinbarter Rückflug nicht angeboten wird), müssten diese nach der Rückkehr im Rahmen des Insolvenzverfahrens geltend gemacht werden. Ob die Insolvenzmasse zur Befriedigung der Gläubigerinteressen ausreicht, ist allerdings fraglich.

Kann ich den Vertrag widerrufen?

Ein 14-tägiges Widerrufsrecht besteht bei Beförderungsverträgen nicht. Dabei ist unerheblich, ob der Vertrag in einem Reisebüro vor Ort oder online gebucht wurde. Allerdings kann der Fluggast den Flug jederzeit stornieren. In diesem Fall kann die Fluggesellschaft eine Stornogebühr verlangt werden, wenn der Flug trotz der Insolvenz dennoch durchgeführt wird. Lediglich wenn der gebuchte Flug aufgrund der Insolvenz annulliert wird, kann der Fluggast den vollen Flugpreis zurückverlangen. Diese Forderung muss zur Tabelle angemeldet werden. Reicht die Insolvenzmasse nicht zur Befriedigung aller Forderung aus, kann der Kunde seine Forderung nicht durchsetzen.

Pauschalreise gebucht- Airline pleite

Pauschalurlauber brauchen sich bei Insolvenz der Fluggesellschaft keine Sorgen zu machen. Der Reiseveranstalter muss aufgrund seiner Beförderungspflicht kostenfrei eine alternative Flugmöglichkeit zur Verfügung stellen. Kommt es deswegen zu erheblichen Verzögerungen, können Sie eine Reisepreisminderung geltend machen. Eine kostenfreie Stornierung der Reise wegen Insolvenz der Airline ist aber grundsätzlich nicht möglich.