Rechtliches zum Thema Reisen

Flugausfall und Flugverspätung

11.6.2018

Flug überbucht, annulliert oder verspätet - das ist für den Reisenden vor allem ärgerlich, führt aber auch zu Ansprüchen auf Ausgleichszahlung.

Neben Ärger bedeuten verspätete oder annullierte Flüge auch Ersatzansprüche.

Bei Flügen aus oder in die EU kann der Reisende bei Nichtbeförderung wegen Überbuchung, Annullierung oder einer Flugverspätung ab drei Stunden Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung verlangen. Für alle anderen internationalen Flüge ergeben sich Ansprüche aus dem Montrealer Übereinkommen.

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EuGH: Anspruch auf Ausgleichszahlung auch bei Flugstörung auf außereuropäischen Anschlussflügen

Der EuGH hat mit Urteil vom 31.05.2018 entschieden, dass der Reisende Anspruch auf Ausgleichszahlung nach der Fluggastrechteverordnung auch bei Flugstörungen auf Anschlussflügen geltend machen kann, die außerhalb der EU starten. Der Anschlussflug muss aber Teil eines einheitlichen Fluges sein, dessen Abflughafen in einem EU-Mitgliedsstaat liegt.

Darum ging es

Die Klägerin buchte einen Flug von Berlin nach Agadir mit Zwischenlandung und Umsteigen in Casablanca (beides Marokko). Auf dem Anschlussflug von Casablanca nach Agadir war ihr Platz bereits anderweitig vergeben. Sie musste einen Ersatzflug buchen und erreichte Agadir schließlich vier Stunden später, als ursprünglich vorgesehen.

Die Klägerin machte wegen der erheblichen Ankunftsverspätung eine Ausgleichszahlung nach der Fluggastrechteverordnung geltend. Die Fluggesellschaft weigerte sich zu zahlen, da nach Ihrer Ansicht die Fluggastrechteverordnung wegen dem innermarokkanischen Anschlussflug nicht anwendbar sei. Der Anspruch auf Ausgleichszahlung setzt voraus, dass es sich um einen europäischen Abflughafen oder eine europäische Fluglinie auf dem Weg in die EU handelt.

Das mit dem Fall befasste LG Berlin legte den Fall dem EuGH vor mit der Frage, ob ein einheitlicher Flug vorliegt, wenn der gebuchte Flug eine planmäßige Zwischenlandung außerhalb des Gebiets der EU mit Umsteigen in ein anderes Flugzeug vorsieht.
 
Entscheidung des EuGH:

Der EuGH bejahte das Vorliegen eines einheitlichen Fluges. Daher gilt die Fluggastrechteverordnung auch für einen Flug,

  • der aufgrund einer einzigen Buchung erfolgt und
  • der zwischen dem Abflug von einem EU-Flughafen und der Ankunft am Endziel außerhalb der EU eine planmäßige Zwischenlandung außerhalb der EU mit Umsteigen in ein anderes Flugzeug umfasst.

 
Verbraucherfreundliche Entscheidung

Nach der verbraucherfreundlichen Klarstellung des EuGH sind bei einheitlich gebuchten Flügen Ausgleichsansprüche auch bei Flugstörungen auf Anschlussflügen außerhalb der EU möglich. Der BGH hatte bisher in ähnlichen Fällen tendenziell jede Teilstrecke als eigenen Flug gewertet, wodurch dem Reisenden der Anspruch auf Ausgleichszahlung abgeschnitten wurde.

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Ansprüche bei Flügen aus oder in die EU

Sie können bei der Fluggesellschaft Ausgleichsansprüche geltend machen, wenn es sich um einen Flug mit EU-Bezug handelt. Konkret:

  • Es handelt sich um einen Flug, der aus der EU startet oder 
  • der Flug startet von einem Flughafen außerhalb der EU mit einem Ziel in der EU und wird von einer EU-Fluggesellschaft durchgeführt.

Höhe des Entschädigungsanspruchs

Wenn Ihr Flug annulliert oder erheblich verspätet war, haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe von

  • 250 Euro bei Flügen von 1500 km oder weniger
  • 400 Euro bei Flügen innerhalb der EU und anderen Flügen über eine Entfernung von weniger als 3500 km
  • 600 Euro bei Flügen außerhalb der EU und über eine Entfernung von mindestens 3500 km


Die Ausgleichszahlung wird halbiert, wenn die Fluggesellschaft einen Alternativflug anbietet, mit dem das Endziel wie folgt erreicht wird: 

  • bei Alternativflügen über eine Entfernung von bis zu 1.500 km und einer Verspätung am Ziel von weniger als 2 Stunden
  • Alternativflügen über eine Entfernung von mehr als 1.500 km innerhalb der EU oder über 1.500 bis 3.500km und einer Verspätung am Ziel von weniger als 3 Stunden
  • Alternativflügen außerhalb der EU und über mehr als 3.500 km und einer Verspätung am Ziel von weniger als 4 Stunden.

Kein Entschädigungsanspruch bei rechtzeitiger Information oder außergewöhnlichen Umständen


In folgenden Fällen muss die Fluggesellschaft keine Entschädigungszahlungen leisten:

  • die Fluggesellschaft hat den Reisenden mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Ankunftszeit über die Annullierung unterrichtet.
  • der Flug wurde bis zu 7 Tage vor der planmäßigen Abflugzeit abgesagt  und der Fluggast hat gleichzeitig ein Angebot zu einer zumutbaren anderweitigen Beförderung erhalten. 
  • die Annullierung/große Verspätung ist auf einen außergewöhnlichen Umstand zurückzuführen. Die Airlines verweisen dabei oft auf technische Pannen oder Wetterprobleme, ob außergewöhnliche Umstände aber tatsächlich vorliegen, muss im Einzelfall entschieden werden.
 

ADAC Tabelle zu außergewöhnlichen Umständen

 

ADAC Tabelle zu außergewöhnlichen Umständen (PDF-Download298,63 KB)

Musterschreiben der ADAC Clubjuristen zur Anmeldung von Ansprüchen

Musterschreiben für Ansprüche wegen Annullierung oder Verspätung (PDF-Download27,36 KB)

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Ansprüche bei anderen internationalen Flügen

Bei internationalen Flügen ohne Bezug zur EU gilt das Montrealer Übereinkommen. Es gilt für jede internationale Luftbeförderung von Reisenden, Gepäck und Gütern in alle Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben. Es regelt u.a. die Ansprüche von Fluggästen und deren Gepäck wegen Verspätung. 

Die Fluggesellschaft muss den Schaden ersetzen, der durch die Verspätung von Reisenden entsteht. Sie können z.B. einen Verspätungsschaden geltend machen, wenn Sie mit dem Taxi nach Hause fahren müssen, weil keine U-Bahn mehr fährt. Der Schaden muss konkret nachgewiesen werden. Es gibt eine Haftungshöchstgrenze.