Mercedes CLS im Test: So komfortabel wie die S-Klasse

7.8.2019

Die dritte Generation des Mercedes CLS fährt sich wie eine kleine S-Klasse. Wie schneidet das viertürige Coupé ab? Alle Testergebnisse, technischen Daten und das Testvideo

  • Edler Innenraum mit Widescreendisplay und bis zu 64 Innenraumfarben
  • Testverbrauch beim CLS 400d: 6,8 Liter Diesel/100 km
  • Überragender Fahrkomfort und direktes Handling

 

Keine Frage, wer ein Auto mit möglichst viel praktischem Nutzwert sucht, ist beim Mercedes CLS falsch: Trotz fast fünf Metern Länge geht es im Fond des CLS deutlich beengter zu als in einer gleich langen Limousine – die elegante, aber flache Coupéform erlaubt nun mal keine üppigen Platzverhältnisse.

Schon beim Einsteigen heißt es hinten: Kopf einziehen und sich reinschlängeln. Ein paar Millimeter mehr Bein- und Kopffreiheit im Vergleich zum Vorgänger sollen es laut Mercedes zwar sein, doch große Mitfahrer sitzen in gewöhnlichen Limousinen einfach besser. Bereits bei 1,80 Metern Körpergröße nehmen die Fondpassagiere Kontakt mit dem Dach auf. Immerhin dürfen hinten nun drei Personen mitfahren, bei den Vorgängern waren es nur zwei.

Gute Testnote für den Innenraum

Doch um Platz wird es den wenigsten CLS-Käufern bisher gegangen sein, vielmehr dürften sie nach Optik und Fahrkomfort entschieden haben. Elegant und wie aus einem Guss geformt wirkt die dritte Generation zwar immer noch, doch auch ein bisschen konturloser als die Vorgänger. Wer statt dessen auf den extravaganten Kombi (Shooting Brake) spekuliert, geht künftig leer aus: CLS Nummer drei gibt es nur noch als Stufenheck. Beim kleineren Bruder CLA wurde die Shooting-Brake-Version stattdessen wieder aufgelegt.

Im Innenraum ziehen die Schwaben alle Register, die sie zur Verfügung haben: Nicht nur Holz, Leder und Carbon (beim AMG-Modell) schaffen eine edle Atmosphäre. Die Ambientebeleuchtung (Serie) mit 64 Farben strahlt aus jeder Cockpitritze und umfasst sogar illuminierte Lüftungsdüsen, die je nach gewünschter Temperatur in rot oder blau leuchten.

Und wer will, kann sich beduften oder massieren lassen. Auch ein stylisches Armaturenbrett mit Widescreen-Display für gut 1000 Euro steht zur Verfügung, das hinter einer großen Glasabdeckung auf dem Cockpit zu stehen scheint und frei konfigurierbare Digitalinstrumente beherbergt. Was dem ein oder anderen zu viel des Guten sein dürfte, findet ein anderer gerade richtig, um das moderne Lounge-Ambiente im CLS zu unterstreichen.

Die Bedienung offenbart allerdings ein paar Schwächen. Sowohl der Dreh-Drückregler als auch das Touchpad sind nicht ideal angeordnet und die Funktionsweise ist teils unlogisch. Blind beherrschen kann das System wohl nur, wer sich intensiv damit befasst hat.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

Die Motoren: vier Diesel, drei Benziner

Unzweifelhaft ist dagegen der überragende Fahrkomfort, der nah an der S-Klasse liegt. Selbst bei groben Straßenunebenheiten bleibt das Coupé völlig unbeeindruckt und lässt Insassen wie in Watte gepackt darüberschweben. Im Sport-Programm rollt der CLS kaum weniger komfortabel dahin. Keine Frage: Die Fahrwerksabstimmung ist gelungen, zumal der CLS mit seiner direkten Lenkung auch noch recht dynamisch durch die Kurven wischt – das hat er der dicken S-Klasse eindeutig voraus.

Die Geräusche sind so gut gedämmt, dass hauptsächlich Reifenabrollgeräusche auf rauem Untergrund zu hören sind – was auch am Akustik-Komfort-Paket liegt, mit dem der Testwagen ausstaffiert war. Ein geräuschdämmendes Sicherheitsglas und zusätzliche Verkleidungen und Abdichtungen lassen den Lärm draußen. Das Schallmessgerät bestätigt den angenehm leisen Eindruck mit gemessenen 65 db (A) bei 130 km/h.

Welcher der Motoren (vier Diesel mit 194, 245, 286 und 340 PS, zwei Benziner mit 299, 367 und 435 PS) unter der Haube arbeitet, lässt sich nur für geübte Ohren erahnen. Nur die 435 PS starke AMG-Version darf beim Beschleunigen zumindest ein bisschen mehr grollen als die anderen Versionen.

Die getestete Version, der CLS 400d mit 340 PS, ist schlicht eine Wucht. Weil das satte Drehmoment von 700 Newtonmeter schon bei 1200 Umdrehungen anliegt, prescht das Coupé in jeder Lebenslage eindrucksvoll nach vorn. Weil der Motor so gleichmäßig und akustisch unaufgeregt seine Lesitung abgibt, verrät hauptsächlich die Tachonadel, wie rasant es vorangeht. Den Spurt von 60 auf 100 km/h erledigt der Mercedes in flotten 3,2 Sekunden.

Ein 48-Volt-Bordsystem haben nur die Benziner

Zoom-In
Sportlich und komfortabel zugleich: Mercedes CLS

Bei den Benzinern ist ein 48-Volt-Bordnetz serienmäßig, das im Zusammenspiel mit einem Startergenerator eine softe Hybridisierung ermöglicht. Rein elektrisch fahren kann das Coupé damit zwar nicht, doch das EQ Boost genannte System bringt noch einmal zusätzlich 22 PS, nimmt dem Benziner beim Beschleunigen Arbeit ab und sorgt für einen Extra-Schub. Zudem kann der CLS länger "segeln". Das heiß in bestimmten Fahrsituationen bleibt der Benziner ausgeschaltet.

Dem getesteten Diesel wird die Soft-Hybridisierung nicht zu teil, so dass er keine Sparrekorde einfahren kann. 6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer gemessen im ADAC Ecotest sind dennoch für die gebotene Leistung und Fahrzeugklasse kein schlechter Wert. Vorbildlich sauber fallen die Abgase des CLS 400d aus. Weder bei Partikeln noch beim Stickoxid gibt es Auffälligkeiten.

Die Assistenzsysteme übernimmt der CLS komplett von der S-Klasse, auch den vorausschauenden Tempomaten. Er hält sich an die über eine Kamera erkannten Tempolimits und weiß, vor welcher Kurve er automatisch abbremsen muss. Dem automatisierten Fahren kommt der CLS damit schon recht nah, auch wenn die Hände immer am Lenkrad bleiben müssen. Bei der Bedienung dürfte sich der ein oder andere allerdings am Anfang schwer tun. Nicht nur die Anzeigen sind recht überfrachtet, auch die Einstellmöglichkeiten fallen ein wenig zu umfangreich aus. Hier wäre weniger mehr.

Unter dem Strich ist der neue CLS ein schönes Coupé für Genießer, die sich von der Masse abheben wollen, und nicht den Platz einer S-Klasse brauchen. Interessant könnte es im Herbst werden, wenn kleinere Einstiegsmotoren – auch mit Vierzylinder – nachgereicht werden.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Mercedes CLS 400d AMG Line 4Matic.

 

Technische Daten (Herstellerangaben)
Mercedes CLS 400d 4Matic AMG Line
Motor 6-Zylinder-Reihen-Turbodiesel, 2925 cm3, 250 kW/340 PS, 700 Nm bei 1200 U/min
Fahrleistungen 5,0 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze
Verbrauch 5,9 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß 156 g/km
Maße L 4,99 / B 1,89 / H 1,44 m
Kofferraum 520 l
Leergewicht 1935 kg
Preis 75.481 €
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
3,2 s 
Bremsweg aus 100 km/h
34,1 m
Wendekreis 12,0 m
Testverbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
6,8 l Diesel/100 km , 215 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
735 km
Innengeräusch bei 130 km/h 65,2 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1992 / 553 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 445 / 775 / – l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,0
Karosserie/Kofferraum 2,7 
Innenraum 2,4
Komfort 1,6
Motor/Antrieb 1,1
Fahreigenschaften 
1,9
Sicherheit
1,4
Umwelt/EcoTest
3,0

 

  • Das hat uns gefallen: Hoher Fahrkomfort. Kräftiger Motor mit vorbildlicher Laufkultur. Sehr saubere Abgase. Sehr hohes Sicherheitsniveau.       
  • Das hat uns nicht gefallen: Schlechte Rundumsicht. Großer Tank nur gegen Aufpreis. Teuer in Anschaffung und Unterhalt. Eingeschränkter Platz im Fond.

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR.

Hier finden Sie viele weitere aktuelle Fahrberichte und Autotests.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion@adac.de