Sion von Sono Motors: Das etwas andere Elektroauto

29.11.2018

Das pfiffige Elektroauto Sion wurde vom Münchner Start-up Sono Motors entwickelt. 2019 geht der Kleinwagen in Serie. Erste Fahreindrücke von unserer Test-Redaktion, technische Daten, Infos zur Batterie und zu den Preisen

Das Elektroauto Sion von schräg vorne
Geht ab Mitte 2019 in Produktion: Der Sion von Sono Motors
  • Der Sion hat Platz für 4-5 Personen, 250 km Reichweite, der Grundpreis liegt bei ca. 16.000 €
  • Solarpaneele liefern Zusatzenergie, die 35-kWh-Batterie gibt es zur Miete oder zum Kauf
  • Service wird in freien Werkstätten erbracht, Ersatzteile kommen per Kurier
  • Nachfolgemodelle sind schon in der Planung 

 

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Serienproduktion des Sion soll Mitte 2019 tatsächlich starten. Der Auftragsfertiger steht bereit. Namentlich bekannt ist er noch nicht. Aber er soll möglichst nah dran sein an der Firmenzentrale und an den Zulieferern – damit die gesamte Klimabilanz möglichst umweltfreundlich ist. Von Anfang an. 

Den Akku steuert der deutsche Automobil-Zulieferer Elring-Klinger bei. Den elektrischen Antriebsstrang wird Sono Motors vom Reifen- und  Automobil-Zulieferer Continental beziehen. Die Vereinbarung wurde von beiden Seiten offiziell bestätigt. Es geht bei dem Auftrag um mehrere Hundert Millionen Euro. 260.000 Fahrzeuge, vielleicht auch mehr, will Sono Motors vom Sion produzieren lassen. Keine Frage: Es läuft immer besser für das Start-up aus München und seine drei Gründer.

Vom Prototyp zum Elektroauto in Serie 

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Sion Gründer
Sono Motors-Gründer: Navina Pernsteiner, Jona Christians, Laurin Hahn

Auf die Qualität der Zulieferteile sollte man zumindest im Falle von Elring-Klinger und Continental  vertrauen können. Am Ende muss aber auch das Gesamtprodukt stimmen. Gemessen an der Zahl der Vorbestellungen gibt es einen immensen Vertrauensvorschuss. Inzwischen liegen fast 9000 Vorbestellungen bzw. Anzahlungen für den Sion vor. Vertrauen, das nicht verspielt werden darf.

Die gute Nachricht: Schon der Prototyp wirkt verblüffend reif beim Fahren. Es knarzt, knirscht oder schleift nichts. Die Bremswirkung beim Gaswegnehmen ist nicht sehr stark, die Rekuperation (Energierückgewinnung) soll aber sehr effizient sein. Der Wendekreis scheint klein zu sein. Besonders handlich fühlt sich das Auto trotzdem nicht an.

Mit Platz für vier bis fünf Personen und Gepäck ist der Sion für einen Stadtwagen auch deutlich zu groß. Dabei soll die Serienversion sogar noch etwa 10 cm länger werden, das Karosseriedesign ausgearbeiteter. Unter anderem bekommen die Solarpaneele noch mehr Fläche, und das Fenster hinten wird größer.

Und das ist die weniger gute Nachricht: Die Maßnahmen haben einen technischen Hintergrund. Die Solarpaneele des Prototypen sind an den Befestigungspunkten gesplittert. Deshalb wird es am Serienauto eine gänzlich andere Befestigung am Fahrzeug geben: mit einer transparenten Kunststoffeinfassung und ohne Fugen, in die das Regenwasser reinlaufen kann. Die Solarpaneele selbst werden in weiterentwickelter Version zum Einsatz kommen, sie sollen effizienter sein. Es existieren also noch Probleme, die bis zur Serienreife gelöst werden müssen.

Moosfilter gegen Feinstaub

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Das Cockpit vom Elektroauto Sion
Der Armaturenträger mit Moos als Innenraum-Luftfilter

Das Moos am Armaturenbrett soll etwa alle zwei Jahre ausgetauscht werden müssen. In guter Verfassung filtert es rund 90 Prozent der Feinstaubpartikel aus der Luft. Außerdem gibt es Feuchtigkeit in den Innenraum ab. Das Austauschen soll der Kunde selbst machen können, die Materialkosten sich sehr in Grenzen halten, sagt der Chefentwickler von Sono Motors.

Auch bei den Materialien im Innenraum ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen. Der Schaltknauf und die Klimaeinheit, derzeit wie die im BMW i3, könnten aber bleiben. Der Sitz wird höhenverstellbar. Die Motorhaube, die beim Prototyp weit über die Anlenkpunkte der Wischerarme nach oben ragt, soll es in der Serie nicht geben.

Als wichtiges Feature wird die Sharing-App in der Community angesehen. Mit ihr kann man feststellen, wo aktuell ein Sion ungenutzt herumsteht, und ob der Besitzer seinen Akku als Ladestation anbietet. Dann nämlich lässt sich die Ladeklappe des zweiten Sion per App öffnen und der Fahrer mit leerem Akku kann laden. Der Ladevorgang soll automatisch funktionieren, erklärt der Sono-Ingenieur.

Weiterer Clou: Neben dem Typ 2-Anschluss und dem CCS-Steckanschluss befindet sich zudem eine 230-Volt-Steckdose hinter der Ladeklappe. Falls man – etwa beim Picknick – mal ein elektrisches Gerät aus dem Haushalt anschließen möchte. Vorbereitet ist der Sion auch für bidirektionales Laden, sodass das Stromnetz stabilisiert werden kann.

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e.GO Life 60: Testfahrt im Elektro-Mini

Elektroauto e.Go Live fährt auf der Straße

Der e.Go Life soll ab Mai 2019 produziert werden: Die Unternehmensausgründung von der Uni Aachen will den 3,35 Meter langen Stadtflitzer mit Bosch-Motor für nur 15.900 Euro verkaufen. Erster Fahrbericht, technische Daten, Verkaufsstart.

Testfahrt: Elektro-Mini e.Go Life

Die Sharing-Community entscheidet mit

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Das Elektroauto Sion von schräg hinten
Das Serienauto wird länger, die Solarpaneele werden anders befestigt

Während des Entwicklungsprozesses konnte die Community bei vielen Details mitreden. So einigte man sich etwa auf serienmäßige Voll-LED-Scheinwerfer. Optional wird eine Anhängerkupplung erhältlich sein. Da es kein Händlernetz gibt und auch kein eigenes aufgebaut werden kann, sollen Service und Reparaturen von freien Werkstätten durchgeführt werden.

Besitzer mit handwerklichem Geschick könnten sogar selbst Hand anlegen, meint Firmengründer Laurin Hahn. Dafür öffnet Sono Motors das technische Handbuch. Ersatzteile werden per Kurier ins Haus geschickt.  

Sono Motors hat derzeit drei Grossinvestoren, einer davon ist die Böllinger Gruppe, ein spezialisierter Automobilfertiger der Industrie. Nach dem Sion soll es weitere Fahrzeugangebote geben, ist aus der Führungsetage zu hören. Die Entwicklungsingenieure im 75 Mann starken Team müssen sich also keinen neuen Job suchen, wenn die Sion-Produktion gestartet ist. Die Firma wächst weiter und muss aus Platzgründen schon bald zum zweiten Mal umziehen.

Unklar ist, ob das Geschäftsmodell wirklich funktioniert. Geplant war, den Akku für 4000 Euro an den Kunden weitergeben zu können. Der Gesamtpreis für den Sion läge dann bei 20.000 Euro. Damit wäre das Auto preislich äußerst attraktiv. Jetzt aber musste Sono Motors den Verkaufspreis für den Akku auf 9500 € anheben.

Mit einem Gesamtpreis von 25.500 Euro steht das Angebot aber im Konkurrenzvergleich deutlich weniger gut da. Da erhält man nicht nur den eGo life der Hochschule Aachen günstiger, sondern für das gleiche Geld auch bald ein Elektroauto aus der Großserie von Volkswagen: den I.D. Neo. Jetzt kommt es für Sono Motors darauf an, wie die Community auf die Preisanhebung reagiert.

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Technische Daten

Sono Sion
Herstellerangaben
Antrieb
120 kW (163 PS) Dreiphasen-Synchronmotor, Lithium-Ionen-Batterie mit 35 kWh, Einganggetriebe, Rekuperation
Fahrleistungen
ca. 9 s auf 100 km/h, 140 km/h Spitze
Leergewicht
ca. 1400 kg
Reichweite 255 km (nach WLTP) 
Maße  L 4,11 / B 1,79 / H 1,68 m (Länge ändert sich noch)
Innenraum  2+3 Sitze, Kofferraum 650–1250 Liter
Preis  16.000 € plus Batteriemiete oder Kauf für 9500 €
Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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