Sion von Sono Motors: Serienauto verspätet sich

17.4.2019

Sono Motors hat den Produktionsstart des Sion erneut verschieben müssen: nun auf das zweite Halbjahr 2020. Fotos, Daten, Preis vom Serienmodell und ein Fahreindruck vom Prototyp

Sono Sion fährt auf der Straße
Wird 2020 in Schweden gebaut: Der Sion von Sono Motors
  • Der Sion punktet mit vielen Innovationen, z. B. Solarpaneelen an der Karosserie 
  • Über eine App können das Auto, die Energie des Akkus oder einzelne Fahrten geteilt werden  
  • Der Service wird in freien Werkstätten erbracht, Ersatzteile kommen per Kurier
  • Nachfolgemodelle sind schon in der Planung 

 

Kurz nachdem das Münchner Start-up Sono Motors die finale Serienversion ihres Sion gezeigt hatte, musste die Realisierung des innovativen Elektroautos nun zum zweiten Mal verschoben werden. Die Serienproduktion sollte ursprünglich Mitte 2019 starten, jetzt ist von der zweiten Jahreshälfte 2020 die RedeDas beweist einmal mehr, mit welchen Schwierigkeiten das unerfahrene Team zu kämpfen hat.

Auch das Ziel, der Auftragsfertiger möge nah dran sein an der Firmenzentrale in München – und vor allem an den beauftragten Zulieferern – musste aufgegeben werden. Statt in Deutschland soll der Sion nun in Schweden gefertigt werden. Und zwar in der ehemaligen Saab-Fabrik in Trollhättan. 260.000 Fahrzeuge will Sono Motors vom Sion über die Jahre produzieren lassen.

Heutiger Eigentümer der Anlagen ist "National Electric Sweden Vehicle" (NEVS)". Die Produktion dort soll mit 100 Prozent erneuerbarer Energie stattfinden. Was wiederum zeigt, wie konsequent Sono Motors an der ökologischen Vision einer klimafreundlichen Mobilität festhält.

Vom Prototyp zum Elektroauto in Serie 

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Gründer von Sono Motors
Sono Motors-Gründer: Laurin Hahn, Jona Christians, Navina Pernsteiner

Den Akku steuert der deutsche Automobil-Zulieferer Elring-Klinger bei. Den elektrischen Antriebsstrang wird Sono Motors vom Reifen- und Automobil-Zulieferer Continental beziehen. Seit Januar 2019 ist Bosch als Partner mit an Bord und liefert das Steuergerät für sämtliche Datenverbindungen mit der Außenwelt. 

Auf die Qualität der Zulieferteile sollte man zumindest im Falle von Elring-Klinger, Continental und Bosch  vertrauen können. Am Ende muss aber auch das Gesamtprodukt stimmen. Gemessen an der Zahl der Vorbestellungen gibt es einen immensen Vertrauensvorschuss. Aktuell liegen rund 9800 Vorbestellungen bzw. Anzahlungen für den Sion vor. Vertrauen, das nicht verspielt werden darf, wie sich die drei Gründer von Sono Motors – allen voran Laurin Hahn – sehr bewusst sind.

Schon der Prototyp wirkte verblüffend reif beim Fahren. Es knarzte, knirschte oder schleifte nichts. Die Bremswirkung beim Gaswegnehmen wirkte zwar nicht sehr stark, die Rekuperation (Energierückgewinnung) sei aber sehr effizient, beteuerte einer der Entwickler. Der Wendekreis schien erfreulich klein, besonders handlich fühlte sich das Auto trotzdem nicht an. Der Prototyp zeigte aber auch eine eklatante Schwäche: So waren die Solarpaneele an den Befestigungspunkten gesplittert.

Sono Motors Sion: Solarzellen laden die Batterie

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Sono Sion von der Seite
Das Serienauto wird länger, die Solarpaneele sind quasi eingelassen

Darauf hat Sono Motors zwischenzeitlich reagiert und die Konstruktion nachgebessert. Mathieu Baudrit, Leiter Forschung und Entwicklung Solar-Integration erklärt: „Im Serienfahrzeug werden vollflächig integrierte Solarzellen zum Einsatz kommen, die in ein strapazierfähiges und unempfindliches Polymer eingebettet sind." 30 bis 35 Kilometer Reichweite sollen über die Solarpaneele generiert werden können pro Tag. Aber natürlich nur, wenn das Sonnenlicht nicht von Wolken verdeckt wird. 

Auf den Bildern zu sehen ist eine Art transparente Kunststoffeinfassung ohne Fugen, sodass das  Regenwasser nicht mehr reinläuft und keinen Schaden mehr anrichten kann. Vor allem entfallen damit die kritischen  Befestigungspunkte, wo die Paneele gesplittert waren. 

Auch die Abmessungen der Serienversion sind im Laufe der Entwicklung geändert worden. Der Sion wird ganze 18 Zentimeter länger und vier Zentimeter breiter. Ein zusätzliches hinteres Seitenfenster soll für eine bessere Rundumsicht sorgen. Hinsichtlich der Größe des Kofferraums hat sich jedoch nichts geändert. Insofern sollte der Raumgewinn den Passagieren zugute kommen.

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e.GO Life 60: Testfahrt im Elektro-Mini

Elektroauto e.Go Live fährt auf der Straße

Der e.Go Life soll ab Mai 2019 produziert werden: Die Unternehmensausgründung von der Uni Aachen will den 3,35 Meter langen Stadtflitzer mit Bosch-Motor für nur 15.900 Euro verkaufen. Erster Fahrbericht, technische Daten, Verkaufsstart.

Ergänzendes Thema: Elektroauto mit Solarstrom laden

Innovative Features im Innenraum

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Das Cockpit vom Elektroauto Sion
Der Moosfilter bleibt, der Schaltknauf wird wohl geändert

Der Schaltknauf und die Klimaeinheit des Prototypen stammte aus dem Teileregal des BMW i3. Wie man hört, soll es aber auch hier eigene Lösungen geben für die Serienversion.

Die Besonderheiten des Sion stecken in anderen Details. Als innovatives Feature neben den Solarpaneelen wird die Sharing-App in der Community angesehen. Mit ihr kann man feststellen, wo aktuell ein Sion ungenutzt herumsteht, und ob Besitzer ihn zur Nutzung teilen. "Unser Ziel ist, dass jeder gekaufte Sion zu 90 Prozent ausgelastet ist und nicht wie ein Auto heute oft zu 90 Prozent rumsteht", sagt Mitgründer Jona Christians. Langfristig wolle Sono Motors nicht vorrangig möglichst viele Autos  verkaufen, sondern mit den Sharing-Services Geld verdienen. Dazu gehört außerdem, dass Besitzer ihren Sion als Ladestation anbieten. Dann lässt sich die Ladeklappe per App öffnen und das Auto mit leerem Akku kann laden. Der Ladevorgang soll automatisch funktionieren.

Das Moos am Armaturenbrett ist nicht nur ein Designelement im ansonsten schlicht gehaltenen Interieur, sondern hat auch klimatische Eigenschaften. Und es filtert Reste von Staub und Feinstaub, die der im Pkw obligatorische Papierfilter durchgelassen hat, aus der Innenluft. Das Austauschen des Filters soll der Kunde selbst machen können, die Materialkosten sich sehr in Grenzen halten.

Als eines der ganz wenigen Elektroautos soll der Sion übrigens einen bis zu 750 Kilogramm schweren Anhänger ziehen dürfen. Weiterer Clou: Neben dem Typ 2-Anschluss und dem CCS-Steckanschluss befindet sich zudem eine 230-Volt-Steckdose hinter der Ladeklappe. Falls man – etwa beim Picknick – mal ein elektrisches Gerät aus dem Haushalt anschließen möchte. Vorbereitet ist der Sion auch für bidirektionales Laden, sodass das Stromnetz stabilisiert werden kann.

Die Sharing-Community entscheidet mit

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Das Speichergehäuse vom Elektro Sion
Beim Preis für den Akku hatte Sono Motors sich verkalkuliert: Er wird teurer

Während des Entwicklungsprozesses konnte die Community bei vielen Details mitreden. So einigte man sich etwa auf serienmäßige Voll-LED-Scheinwerfer. Da es kein Händlernetz gibt und auch kein eigenes aufgebaut werden kann, sollen Service und Reparaturen von freien Werkstätten durchgeführt werden. Besitzer mit handwerklichem Geschick könnten sogar selbst Hand anlegen, meint Firmengründer Laurin Hahn. Dafür öffnet Sono Motors das technische Handbuch. Ersatzteile werden per Kurier ins Haus geschickt.  

Sono Motors hat derzeit drei Grossinvestoren, einer davon ist die Böllinger Gruppe, ein spezialisierter Automobilfertiger. Nach dem Sion soll es übrigens weitere Fahrzeugangebote geben. Die Entwicklungsingenieure im 75 Mann starken Team müssen sich also keinen neuen Job suchen, wenn die Sion-Produktion gestartet ist.

Unklar ist, ob das Geschäftsmodell wirklich funktioniert. Ursprünglich geplant war, den Akku für 4000 Euro an den Kunden weitergeben zu können. Der Gesamtpreis für den Sion hätte dann bei 20.000 Euro gelegen. Der Preis ließ sich aber nicht realisieren. Sono Motors musste den Verkaufspreis für den Akku auf 9500 € anheben.

Mit einem Gesamtpreis von 25.500 Euro steht das Angebot im Konkurrenzvergleich nun deutlich weniger gut da. Da erhält man nicht nur den eGo life der Hochschule Aachen günstiger, sondern für voraussichtlich etwa 30.000 € ein Elektroauto aus der Großserie von Volkswagen: den I.D. Neo. Durch die Preisanhebung sowie die erneute Marktverschiebung könnte Sono Motors seine Konkurrenzvorteile allmählich verspielen. Und falls die arrivierten Autohersteller jetzt ebenfalls Ernst machen sollten mit einem konsequenten Klimaschutz, ist es die Frage, inwieweit die Community treu bleibt. Die Karten werden wohl wieder neu gemischt.   

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Technische Daten

Sono Sion
Herstellerangaben
Antrieb
120 kW (163 PS) Dreiphasen-Synchronmotor, Lithium-Ionen-Batterie mit 35 kWh, Einganggetriebe, Rekuperation
Fahrleistungen
ca. 9 s auf 100 km/h, 140 km/h Spitze
Leergewicht
ca. 1400 kg
Reichweite 255 km (nach WLTP) 
Maße  L 4,29 / B 1,83 / H 1,67 m 
Innenraum  2+3 Sitze, Kofferraum 650–1250 Liter
Preis  16.000 € plus Batteriemiete oder Kauf für 9500 €

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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