Wenn das Auto ins Wasser stürzt

4.10.2018

Es ist der Albtraum jedes Autofahrers – das Fahrzeug stürzt in ein Gewässer und versinkt. Zum Glück sind diese sogenannten Wasserunfälle sehr selten. Dennoch ist es wichtig zu wissen, welches Verhalten in dieser lebensbedrohlichen Gefahrensituation richtig ist. Ganz gleich, ob Sie Betroffener oder Retter sind.

Blaues Auto versinkt in Wasser
Ein Wasserunfall ist sehr selten, birgt aber große Gefahren.

Bei einem Wasserunfall sind die Konsequenzen aufgrund der nur begrenzten Rettungszeit oftmals schwerwiegend. Deshalb lautet die zentrale Verhaltensregel für die Fahrzeuginsassen:

Verlassen Sie nach dem Aufprall im Wasser das Fahrzeug so schnell wie möglich durch die Seitenfenster oder auch durch das Schiebedach.

Das passiert bei einem Wasserunfall

Abhängig von Fallhöhe, Aufschlagwinkel und Geschwindigkeit prallt das Fahrzeug mehr oder weniger hart auf. Dabei kann es kurz unter die Wasseroberfläche absacken. Doch dann schwimmt das Fahrzeug in der Regel mit den Rädern nach unten auf dem Wasser. Diese Phase kann einige Minuten dauern. 

Dann dringt Wasser durch die Karosserie ein, das Auto beginnt unterzugehen. Fahrzeuge mit Frontmotor sacken tendenziell nach vorne, solche mit Heckmotor nach hinten weg. Beim Absinken kann sich das Fahrzeug drehen und auch trudeln – abhängig von Faktoren wie Strömungen bei fließenden Gewässern oder auch von der Gewichtsverteilung. Die Insassen können durch diese unkontrollierten Fahrzeugbewegungen leicht die Orientierung verlieren.

 

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Das sollten Sie tun

Die Experten des schweizerischen Automobilclubs TCS und unsere eigenen Fachleute empfehlen:

  • Schnallen Sie sich nach dem Aufprall auf dem Wasser sofort ab und fordern Sie weitere Insassen auf, dies umgehend auch zu tun.
  • Lassen Sie die Seitenfenster herunter oder öffnen Sie das Schiebedach. Auch bei Wassereintritt funktionieren elektrisch betriebene Fensterheber und/oder Schiebedach in der Regel noch für einen kurzen Zeitraum.
  • Verlassen Sie dann das Fahrzeug so schnell wie möglich durch Seitenfenster oder Schiebedach. Handeln Sie dabei bewusst und möglichst ohne Panik.
  • Versuchen Sie in jedem Fall, das Auto vor dem Untergehen zu verlassen.
  • Gelingt Ihnen das nicht, sollten Sie versuchen, die Seitenscheiben einzuschlagen und das Fahrzeug dann über diesen Fluchtweg zu verlassen.1 Vorsicht vor Verletzung durch Glassplitter. 
  • Helfen Sie hinten sitzenden Insassen durch Ziehen und Schieben, durch die Fensteröffnung oder das Schiebedach zu kommen.
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Das sollten Sie nicht tun

  • Schnallen Sie sich nicht schon vor dem Aufprall ab oder öffnen Sie die Tür – Sie könnten sonst beim Aufprall das Bewusstsein verlieren oder schon vor dem Wassereintritt aus dem Fahrzeug geschleudert werden.
  • Versuchen Sie nicht reflexartig, die Tür zu öffnen. Der Wasserdruck von außen verhindert in der Regel ein einfaches Öffnen der Tür.
  • Warten Sie auf keinen Fall ab, bis das Auto geflutet ist – auch wenn sich die Türen dann unter Wasser von innen öffnen lassen könnten. Der enorme Stress der Situation sorgt für die größte Gefahr. Denn Angst schlägt rasch in Panik um.
  • Öffnen Sie auf keinen Fall die Tür zur Rettung, wenn sich auf dem Rücksitz noch weitere Passagiere befinden – deren Chancen sinken durch das rasch eindringende Wasser rapide.

 

Wenn Angst in Panik umschlägt

Unsere Experten weisen darauf hin, dass ein oben beschriebener Wasserunfall ein extrem seltener Vorfall ist. Statistisch verwertbare Daten hierzu liegen uns nicht vor. Dennoch kann es helfen, wenn man sich als Fahrer, der häufig oder regelmäßig an Wasserstraßen wie Flüssen oder Kanälen unterwegs ist, prinzipiell gedanklich wappnet. Weil Angst leicht in Panik umschlagen kann, empfiehlt unsere Verkehrspsychologin Nina Wahn, sich mit den oben beschriebenen Abläufen und Verhaltensregeln auseinanderzusetzen und dabei die Rettung ruhig einmal im Geist durchzuspielen. Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG folgt dieser Linie.

 

Wenn Sie Zeuge eines Wasserunfalls werden

Hilfe von außen ist in der Extremsituation Wasserunfall enorm wichtig, in einigen Fällen – etwa wenn es sich um Rettungsaktionen in fließenden Gewässern handelt – sogar unerlässlich, weil nur Rettungskräfte mit Spezialausrüstung das Fahrzeug sichern und die Rettung durchführen können. 

Das sollten Sie tun

  • Alarmieren Sie die Rettungskräfte.
  • Beurteilen Sie die Situation.
  • Unterstützen Sie die Insassen beim Verlassen des Fahrzeugs – achten Sie dabei auf Ihre eigene Sicherheit und handeln Sie nach den oben genannten Verhaltensempfehlungen.
  • Helfen Sie unselbstständigen Menschen (Kleinkinder, behinderte Menschen, alte Menschen, Bewusstlose) – bergen Sie diese durch die Seitenscheiben.

Mögliche Ursachen für einen Wasserunfall

Ein Wasserunfall kann die Folge eines Kontrollverlustes über das Fahrzeug in Gewässernähe sein. Dabei können vor allem unkontrollierte Ausweichmanöver zur Vermeidung eines Unfalls mit anderen Verkehrsteilnehmern eine zentrale Rolle spielen.

Die wahrscheinlichsten Ursachen für einen Wasserunfall sind

  • Gegenverkehr auf der falschen Fahrbahnseite
  • Wildwechsel
  • Kollisionsgefahr mit Fußgängern oder Radfahrern
  • Gesundheitliche Probleme beim Fahrer
  • Ablenkung des Fahrers 
  • Eingeschränkte Sicht bei Regen, Nebel, Dunkelheit usw.
  • Blendung durch den Gegenverkehr
  • Witterungsprobleme wie Aquaplaning, Eis, Schnee, Ölspur o. ä.
  • Technisches Versagen im Fahrzeug (sehr selten)

 

Mit Material der DLRG.

1 Ein Einschlagen der Seitenscheiben ist theoretisch nur bei Einscheibensicherheitsglas möglich. In der Praxis wird ein Einschlagen aber nur sehr schwer oder gar nicht gelingen. Seitenscheiben aus Verbundsicherheitsglasscheiben lassen sich mit normalen Mitteln nicht einschlagen.