Blockabfertigung vor Tunneln: Darum sind sie notwendig

Stau im Urlaubsverkehr auf der Autobahn A 7 am Grenztunnel in Richtung Österreich in hoehe Fuessen
Blockabfertigungen sind oft mit stundenlangen Wartezeiten verbunden© dpa/Andreas Reimund

Jedes Jahr meldet die ADAC Verkehrsredaktion rund 200 Blockabfertigungen vor wichtigen Straßentunneln. Warum sie nötig sind und wie Autofahrende sich richtig verhalten.

  • Wie eine Blockabfertigung funktioniert

  • Die am häufigsten betroffenen Röhren

  • Blockabfertigungen abseits von Tunneln

Die stauträchtigsten Tunnel

"Achtung Autofahrer, Blockabfertigung auf der A7 vor dem Grenztunnel Füssen!" Diese Radiodurchsage kennen leidgeprüfte Autourlauber auf dem Weg nach Österreich vor allem von den Ferienwochenenden.

Besonders viele dieser Behinderungen gibt es vor dem Grenztunnel Füssen am Autobahnende auf der A7, vor dem Aubinger und dem Allacher Tunnel auf der Westumfahrung München A99 sowie vor den Röhren Prüfening (auf der A93 bei Regensburg) und Farchant (auf der B2 bei Garmisch-Partenkirchen).

Blockabfertigungen sind aber auch auf den Hauptstaurouten im Ausland ein notwendiges Übel: Vor allem vor dem Gotthard- und San-Bernardino-Tunnel auf den Schweizer Hauptreiserouten A2 (Luzern – Chiasso) beziehungsweise A13 (Chur – Bellinzona) müssen Autofahrer diese Maßnahme immer wieder über sich ergehen lassen. Auch vor dem Karawankentunnel auf dem Weg nach Slowenien (A11) ist sie gängige Praxis.

Was bedeutet Blockabfertigung?

Blockabfertigung wird immer dann verhängt, wenn durch hohes Verkehrsaufkommen die Kapazität des Tunnels ausgeschöpft ist. Die Autos werden dann nur noch in Schüben – meist per Ampelregelung – in die Röhre gelassen. Damit werden im Wesentlichen drei Ziele verfolgt: 

  • Die Staugefahr im Tunnel selbst wird minimiert

  • Die Unfallgefahr im Tunnel wird reduziert

  • Die Luftqualität im Tunnel wird verbessert

Blockabfertigungen sind bei einröhrigen Tunneln, also Tunneln mit Gegenverkehr, wie zum Beispiel dem Grenztunnel Füssen oder dem Schweizer Gotthard-Tunnel, besonders häufig. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Verkehr, der auf der zweispurigen Autobahn ungestört fließt, wird vor dem Tunnelportal verengt. Die Fahrzeuge müssen sich plötzlich eine Fahrspur teilen. Das führt dann zwangsläufig zu Stau. Das Abfangen dieses Ansturms direkt vor dem Tunnelportal erspart den Autofahrern den Verkehrskollaps im Tunnel. Den will man aus Gründen der Verkehrssicherheit unbedingt vermeiden. 

Bei zweiröhrigen Verkehrsbauwerken (eine Röhre pro Fahrtrichtung) wie dem Aubinger und dem Allacher Tunnel sind Blockabfertigungen deutlich seltener. Sie finden oft statt, wenn die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation durch Baustellen, Unfälle oder Pannen verschärft wird. Beim Tauern- und Katschbergtunnel auf der A10 in Österreich, der wichtigsten Nord-Süd-Achse des Landes, ist diese Sicherheitsmaßnahme seit Inbetriebnahme der jeweils zweiten Röhre (2011 bzw. 2009) so gut wie passé. Früher mussten Autourlauber dort nicht selten mehrere Stunden ausharren.

Wie genau funktioniert Blockabfertigung?

Meistens funktioniert Blockabfertigung automatisch per Computer, wie zum Beispiel beim Grenztunnel Füssen. Dort zählen Schleifen im Asphalt vor und hinter dem Tunnel die Fahrzeuge und messen deren Geschwindigkeit. Sie schlagen Alarm, wenn es zum Stau kommt. Die Ampel vor dem Tunnel schaltet auf Rot. Die Leitzentrale überwacht mithilfe von Tunnelkamera und Videoübertragung den Verkehrsfluss und gibt den Tunnel erst wieder frei, wenn sich dahinter genügend Freiraum gebildet hat, sodass die Fahrzeuge wieder aus dem Tunnel herausfahren können.

Blockabfertigung: Bei Autofahrern verhasst – aber nötig

Verkehrsexperten sind sich einig: So lästig es sein mag, sich stundenlang vor dem Tunnel anzustellen, der Nutzen dieser Regelung rechtfertigt die Maßnahme. Staus im Tunnel gefährden die Verkehrssicherheit mehr als Staus vor dem Tunnel. Bei Gefahrenlagen wie Unfällen oder Pannen kann der Tunnel nicht immer schnell genug geräumt werden.

Wie verhalte ich mich bei Blockabfertigung?

Bei vielen Tunnelblockabfertigungen haben Reisende mangels nahe gelegener Ausweichmöglichkeiten wenig Alternativen: entweder weiträumig umfahren oder abwarten. Dringender Rat der ADAC Experten:

  • Schon bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse bilden. Das kann Leben retten

  • Motor abschalten

  • Unbedingt genügend Essen und Trinken mitnehmen

  • Kinder beschäftigen: Quengelnde Kinder stressen den Fahrer und gefährden dadurch die Verkehrssicherheit

Blockabfertigung nicht nur in Tunneln

Blockabfertigungen mit stundenlangen Wartezeiten gibt es aber nicht nur vor Tunnelportalen. Ein Lied davon singen können Urlauber und Pendler, die über die A 93 (Inntaldreieck – Kufstein) nach Tirol fahren wollen.

An verkehrsreichen Tagen haben die österreichischen Behörden auf der Inntalautobahn A12 in Richtung Süden in Höhe der Ausfahrt Kufstein-Nord eine sogenannte Dosierstelle eingerichtet. Diese dürfen pro Stunde maximal 250 Lkw passieren. Wird diese Grenze erreicht, müssen die Brummis anhalten. Da dann für den übrigen Verkehr nur noch eine Fahrbahn zur Verfügung steht, sind die Folge beträchtliche Staus. Diese reichen oft bis auf die A8 (München – Salzburg) zurück.

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