Die Bundesregierung will einen Spritpreisdeckel einführen. Wann er starten könnte, wie er funktionieren soll und ob Benzin und Diesel dadurch für Autofahrer billiger werden können. Das müssen Sie jetzt wissen. Der Spritpreisdeckel soll am 1. Januar 2027 starten Höhe und Berechnungsformel sind noch offen ADAC warnt vor überhöhten Erwartungen Wann soll der Spritpreisdeckel 2027 starten? Der zeitlich begrenzte Spritpreisdeckel soll in Deutschland eigentlich zum 1. Januar 2027 starten, direkt im Anschluss an den Ende Dezember 2026 auslaufenden Tankrabatt von rund 17 Cent pro Liter. Im Koalitionsausschuss hatten sich CDU, CSU und SPD Mitte September darauf verständigt. Die Bundesländer drängen nun vehement auf die Einhaltung des geplanten Startdatums. Ende Oktober fehlten allerdings weiterhin die entscheidenden Eckpunkte, damit der Spritpreisdeckel spätestens zum Jahreswechsel in Kraft treten und Autofahrerinnen und Autofahrer finanziell entlasten kann. Die SPD fordert die für die Ausgestaltung zuständige Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf, Tempo zu machen. Reiche steht dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Die Ministerin warnt davor, dass ein Spritpreisdeckel die mittelständische Raffineriewirtschaft schwächen und damit die Versorgungssicherheit gefährden könnte. Einen Gesetzentwurf oder eine Berechnungsformel gibt es noch nicht. Deshalb ist auch der Start am 1. Januar 2027 unsicher. Wie könnte der Spritpreisdeckel funktionieren? Der deutsche Spritpreisdeckel soll nach Vorstellung der Regierung als gesetzliche Preisobergrenze funktionieren, die das "Abkassieren" der Mineralölkonzerne bremst, ohne einen starren Festpreis vorzuschreiben. Das Konzept basiert auf einem dynamischen Marktmodell nach den Vorbildern aus Belgien und Luxemburg: Berechnung per Formel: Eine staatliche Behörde berechnet anhand einer transparenten, mit der Mineralölwirtschaft verhandelten Formel regelmäßig den erlaubten Höchstpreis für Benzin und Diesel an Tankstellen. Berücksichtigung echter Kosten: In die Berechnungsformel fließen der aktuelle Rohölpreis, die Verarbeitungs- und Raffineriekosten, die Transport-, Lager- und Versicherungskosten sowie die gesetzlichen Steuern und Abgaben ein. Regulierte Gewinnmarge: Den Mineralölkonzernen wird eine feste, angemessene Vertriebs- und Gewinnmarge zugestanden. Missbräuchliche, willkürliche Preisaufschläge (sogenannte Übergewinne) werden dadurch gedeckelt. Wettbewerb soll bestehen bleiben: Das System setzt nur eine Grenze nach oben. Tankstellen dürfen sich im Preis weiterhin gegenseitig unterbieten, sodass der marktwirtschaftliche Preiswettbewerb nach unten erhalten bleiben soll. Ökonomen haben jedoch Zweifel daran, da Mineralölkonzerne den Deckel als psychologische Orientierung nutzen und ihre Preise knapp unter oder genau auf dem erlaubten Maximum einpendeln könnten (Anker-Effekt). Wie wirkt der Spritpreisdeckel in Belgien und Luxemburg? Vorbild eines Spritpreisdeckels in Deutschland sind Regelungen in Luxemburg und Belgien. In Belgien gibt es seit 1974 einen Vertrag zwischen dem belgischen Staat und dem Branchenverband der Mineralölwirtschaft, der eine Preisformel festlegt. Diese basiert unter anderem auf einer täglichen Notierung für Kraftstoffpreise, Transport- und Versicherungskosten, Verbrauch- und Mehrwertsteuern sowie einer regulierten Vertriebsmarge. Diese Marge wird nach einer Formel jeweils zum 1. April und 1. Oktober angepasst. Die Höchstpreise werden zwar täglich neu berechnet, aber nur geändert, wenn die Abweichung einen festgelegten Schwellenwert überschreitet, um viele kleine Preisänderungen zu verhindern. Demselben Grundprinzip folgt auch Luxemburg. Wettbewerb unterhalb des Höchstpreises bleibt in beiden Nachbarländern möglich. Steigen allerdings die weltweiten Rohölpreise oder die Transportkosten, steigt auch der Höchstpreis für Benzin und Diesel (atmender Deckel). Der Mechanismus verhindert also in Belgien und Luxemburg keine hohen Spritpreise an sich, sondern nur spekulative oder überhöhte Aufschläge. Dass Kraftstoff in beiden Ländern teilweise günstiger ist als in Deutschland, liegt nicht allein am Preisdeckel, sondern auch an anderen Steuern, Abgaben und Kostenstrukturen. Welche Kraftstoffe soll der Spritpreisdeckel erfassen? Aktuell ist in der Politik von Benzin und Diesel die Rede. Wie alle Sorten, also beispielsweise Super E5, Super E10, Super Plus, HVO100 und Premiumdiesel, dabei berücksichtigt werden, ist noch nicht klar. Wie hoch wird der Spritpreisdeckel sein? Das ist noch offen. Es wurde bisher keine Berechnungsgrundlage für den Spritpreisdeckel veröffentlicht. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium arbeitet noch an der Ausgestaltung. Es wird auch keinen dauerhaft festen Betrag wie "maximal 1,80 Euro je Liter" geben, sondern eine variable Preisobergrenze nach dem Vorbild Belgiens und Luxemburgs, die sich nach mehreren Faktoren richtet. Macht der Preisdeckel Benzin und Diesel billiger? Das ist noch nicht absehbar und hängt von seiner Ausgestaltung ab. Ein Spritpreisdeckel kann vor allem starke Preisspitzen begrenzen. Er wird die durchschnittlichen Preise an den Tankstellen voraussichtlich nur geringfügig senken, sofern die Obergrenze nicht zu hoch angesetzt wird. Bei der Preissetzung ist auch auf die Versorgungssicherheit zu achten. Wie bewertet der ADAC den Spritpreisdeckel? Der ADAC sieht in einem Spritpreisdeckel Chancen und Risiken. Er kann außergewöhnliche Preisspitzen und überhöhte Margen begrenzen. Gleichzeitig warnt der ADAC vor überhöhten Erwartungen. Der Preisdeckel werde die Tagesdurchschnittspreise höchstens geringfügig senken. Entscheidend seien eine marktnahe Berechnung, wirksame Kontrollen und der Schutz der Versorgungssicherheit. Bei HVO100 spricht sich der ADAC für einen Preisdeckel aus, um hier den Preis vom Preis für fossilen Dieselkraftstoff zu lösen und die Überteuerung von HVO100 zu unterbinden. Aus Sicht des ADAC muss die Politik weitere wirksame Maßnahmen umsetzen, falls der Sprit nach Auslaufen des Tankrabatts trotz Preisdeckel für die meisten Autofahrer künftig so teuer bleibt. Wichtig wäre es, Direktauszahlungen zu ermöglichen, um besonders belastete Haushalte wirksam zu unterstützen. Eine Senkung der Stromsteuer würde zudem alle Haushalte entlasten. So können Autofahrer schon jetzt beim Tanken sparen Neben einer spritsparenden Fahrweise lassen sich die Tankkosten mit diesen Tipps reduzieren: Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt. Kurz vor 12 Uhr tanken: Seit Einführung der 12-Uhr-Regel ist Kraftstoff häufig am späten Vormittag vor der möglichen Preiserhöhung am günstigsten. Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere Super E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen. Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen. ADAC Mitglieder profitieren seit 1. September 2026 von Tankrabatten an rund 1100 Esso-Tankstellen: ADAC Mitglieder tanken bei Esso günstiger Mit Material von dpa