Tempolimit auf Autobahnen

Tempolimit 130: In Deutschland umstritten
Tempolimit 130: In Deutschland umstritten© Shutterstock/igorstevanovic

Die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die öffentliche Meinung ist bei diesem Thema gespalten. Ein Blick auf die Fakten.

  • 52 Prozent der ADAC Mitglieder sind für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen, 44 Prozent dagegen

  • Autobahnen sind die mit Abstand sichersten Straßen in Deutschland

  • Die meisten Menschen kommen auf Landstraßen ums Leben

Die Diskussion um ein generelles Tempolimit auf Autobahnen wird emotional geführt. Auch unter den Mitgliedern des ADAC gehen die Meinungen weit auseinander. Angesichts der polarisierenden Wirkung des Themas – auch unter den Club-Mitgliedern – verzichtet der ADAC derzeit auf eine Empfehlung an die Politik. Stattdessen plädiert der Club für eine Versachlichung der Debatte um das Tempolimit. Hier ein Blick auf die Fakten.

Einstellungen der ADAC Mitglieder

Der ADAC befragt regelmäßig seine Mitglieder zu deren Einstellung zu verkehrspolitischen Themen. Über Jahre lehnten sie ein generelles Tempolimit auf Autobahnen mehrheitlich ab, die Zahl der Befürworter einer Geschwindigkeitsbegrenzung hat aber in der letzten Zeit zugenommen. In der Umfrage von 2022 votierten 44 Prozent gegen ein Tempolimit, 52 Prozent dafür.

In der folgenden Grafik können Sie die jeweiligen Ergebnisse interaktiv abrufen. In den Jahren 1986 und 1997 fanden keine Umfragen statt. Die Umfrage 2017 entfiel wegen der Änderung des Befragungszeitraums von November/Dezember auf Januar.

Weniger Unfälle durch Tempolimit?

Ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen ist im internationalen Vergleich nicht feststellbar: Länder mit Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen wie Belgien, Frankreich oder die USA schneiden nicht besser ab als Deutschland.

Auch beim innerdeutschen Vergleich lassen sich auf Abschnitten ohne Geschwindigkeitsbeschränkung anteilig nicht mehr Unfälle feststellen als auf Strecken mit Tempolimits von 120 oder 130 km/h.

Wechselverkehrszeichen zeigen vorübergehende Tempolimits an © imago images/Rolf Poss

Wo überdurchschnittlich viele oder schwere Unfälle passieren, könne ein streckenbezogenes Tempolimit oder eine situationsgerechte Geschwindigkeitsregelung aber sinnvoll sein, so die ADAC Verkehrsexperten. Wechselverkehrszeichen an Schilderbrücken ermöglichen es, die Geschwindigkeit flexibel an Verkehrsaufkommen und Witterungsbedingungen anzupassen. Außerdem warnen sie vor Staus und Unfällen.

ADAC Vizepräsident für Verkehr Gerhard Hillebrand: "Wichtig ist es, Grenzen und Möglichkeiten eines Tempolimits für die Verkehrssicherheit und den Klimaschutz genau zu untersuchen. Insbesondere hinsichtlich der Wirkungen auf die Verkehrssicherheit liegen die heutigen Schätzungen noch weit auseinander. Deshalb ist es sinnvoll, eine wissenschaftliche Untersuchung unter Nutzung von Pilotstrecken einschließlich der Prüfung zeitlicher Differenzierungen anzustoßen."

Autobahnen sind die sichersten Straßen in Deutschland. Dort werden pro Jahr etwa ein Drittel aller Kraftfahrzeugkilometer gefahren. Der Anteil der Verkehrstoten aber ist im Vergleich dazu mit rund 12 Prozent unterdurchschnittlich: Pro 1 Milliarde Fahrzeugkilometer sterben dort derzeit 1,5 Menschen. Im Vergleich dazu liegt sie außerorts auf Bundesstraßen bei 5,3.

Die eigentliche Schwachstelle in Sachen Verkehrssicherheit sind die Landstraßen, wo knapp 60 Prozent aller Verkehrstoten registriert werden – obwohl dort nur 40 Prozent der Kfz-Fahrleistungen zusammenkommen.

Auswirkungen auf den Verkehrsfluss

Dies trifft zumindest auf Strecken mit hoher Verkehrsdichte zu, etwa rund um die Metropolen, wo bereits jetzt streckenbezogene Geschwindigkeitsbeschränkungen überwiegen. Bundesweit sind derzeit rund 30 Prozent des Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt, hinzu kommen Baustellenbereiche. Die Fahrgeschwindigkeit auf knapp zehn Prozent des Autobahnnetzes kann mittels Streckenbeeinflussungsanlagen begrenzt werden. Sie ermöglichen eine flexible, situationsgerechte Geschwindigkeitsregelung in Abhängigkeit vom jeweiligen Verkehrsaufkommen und den Witterungsbedingungen.

Klimaschutz und Kraftstoffsparen

Tempolimit der Umwelt zuliebe – das Beispiel Österreich © imago/Eibner Europa

In einer im April 2022 veröffentlichten Mitteilung* schätzt das Umweltbundesamt (UBA), dass ein generelles Tempolimit von 130 km/h 1,5 Mio. Tonnen CO₂ im Jahr einsparen würde. Dies entspricht einer Kraftstoffeinsparung von ungefähr 600 Mio. Litern pro Jahr.

Das Einsparpotenzial bezogen auf den Kraftstoffgesamtverbrauch von Pkw und Kombi liegt bei 1,6 Prozent.

Theoretisch mögliche Verlagerungseffekte – etwa, weil ein bisheriger Autofahrer auf Zug oder Flugzeug umsteigt – sind in dieser Kalkulation nicht enthalten.

Einfluss auf die Autogröße

Die Annahme, dass ein generelles Tempolimit auf Autobahnen den Kauf von Autos mit kleineren Motoren (Downsizing) und damit weniger Spritverbrauch bewirkt, bestätigt sich beim Vergleich der Motorisierung der Fahrzeugflotten in Österreich (Tempolimit 130 km/h) und der Schweiz (Tempolimit 120 km/h) mit Deutschland nicht. Im Gegenteil: In der Schweiz ist der Anteil an leistungsstarken Fahrzeugen höher, in Österreich geringfügig niedriger als in Deutschland.

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