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Der ADAC

Radschnellwege – auf voller Breite zügig ans Ziel

Der Hovenring in Eindhoven ist eine schwebender Kreisverkehr mit einem Radschnellweg
Auf dem Hovenring (Niederlande) passieren Radler zügig eine Kreuzung ∙ © imago images/Jochen Tack

Auf gut ausgebauten Radschnellwegen, auch Radschnellverbindungen genannt, kommt man rasch von A nach B. Das in den Niederlanden bewährte Modell findet auch in Deutschland Einzug.

  • Fahrradschnellwege helfen vor allem Pendlern auf dem Weg ins Stadtzentrum

  • Vielversprechende Beispiele gibt es in Wuppertal und Göttingen

  • Radschnellwege tragen dazu bei, dass Autofahrer auf das Fahrrad umsteigen

Diese Anforderungen muss ein Fahrradschnellweg erfüllen

Radschnellwege verknüpfen wichtige Quell- und Zielbereiche über größere Entfernungen. Typisch sind solche zwischen Vorstadt und Zentrum, innerhalb von Ballungsräumen und solche von Stadt zu Stadt. Sie ermöglichen zum Beispiel Pendlern ein sicheres, zügiges und attraktives Radeln, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Außerorts wird er straßenbegleitend oder selbstständig als getrennter Geh- und Radweg geführt

  • Innerorts ist er als Ein- oder Zweirichtungsradweg, Radfahrstreifen oder Fahrradstraße mit Bevorrechtigung an Knotenpunkten angelegt

  • Seine Mindestbreite soll im Einrichtungsverkehr 3 Meter, im Zweirichtungsverkehr 4 Meter sein, die Mindestlänge 5 Kilometer

  • Die Radler sollen eine durchschnittliche Geschwindigkeit von mindestens 20 km/h erreichen können

  • Das erfordert eine störungsfreie Führung etwa durch Ampelschaltungen, Brücken und Unterführungen

  • Die Fahrbahn braucht einen hochwertigen Belag und zumindest innerörtlich Beleuchtung

  • Der Weg soll in die örtliche Radverkehrswegweisung eingebunden sein

Anfänge in den Niederlanden, Beispiele aus Deutschland

Bei Radschnellwegen gelten die Niederlande als Pioniere. Schon 1980 gab es dort ein Pilotprojekt, im April 2019 waren über 40 Routen fertiggestellt, gebaut oder geplant. Ein spektakuläres Beispiel für ihre störungsfreie Führung ist der Hovenring, der erste schwebende Kreisverkehr der Welt für Radler. Nach Erfahrungen in den Niederlanden steigen nach dem Bau eines Radschnellwegs 5 bis 15 Prozent der Autofahrer auf das Rad um.

Nordbahntrasse Wuppertal

Ein über 23 Kilometer langer Radweg erschließt fast kreuzungsfrei und ohne nennenswerte Steigungen die Zentren und nördlichen Stadtteile Wuppertals. Im Westen und Osten ist er an das überregionale Radwegenetz angeschlossen. Die Nordbahntrasse* verläuft auf einer 1879 in Betrieb genommenen und 1999 aufgegebenen Bahnstrecke und schließt fünf beleuchtete Tunnel, gemauerte Viadukte und Aussichtspunkte mit Aus- und Einblicken in Stadt und Umgebung ein. Einen Überblick über den Weg liefert dieses Youtube-Video*.

eRadschnellweg Göttingen

Der eRadschnellweg* Göttingen führt als bundesweit erster zentral durch eine Stadt. Zwischen dem Bahnhof und dem Nordosten gibt es ein Nutzerpotential von 14.400 Beschäftigten und 25.000 Studierenden. Auf der Teststrecke von 4 Kilometern wird untersucht, welche Anforderungen Elektrofahrradfahrer an die Infrastruktur stellen und ob durch das Angebot von Schnellweg und Elektrorädern die Bereitschaft von Pendlern zunimmt, auf das Rad umzusteigen. Je nach Höhe des Radverkehrs gibt es für ihn eine Grüne Welle, und im Winter wird der Weg bevorzugt geräumt.

Veloroute 10 in Kiel

Auf der Trasse eines ehemaligen Gütergleises ist seit September 2019 ein großer, durchgehender Teil dieser Fahrradstraße fertiggestellt. In 20 Minuten radelt man auf der Veloroute 10* nonstop zwischen Hassee und dem Holstein-Stadion auf einem eigenständigen Radweg. Er ist meist vier Meter breit und beleuchtet. Die kurze Fahrzeit – mit dem Auto nicht zu schaffen – wird durch vier Radbrücken über viel befahrene Hauptverkehrsstraßen und die Autobahn sowie zwei Straßenquerungen ohne Ampeln ermöglicht.

Wo ein Radschnellweg sinnvoll ist

Laut der ADAC Mehrthemenumfrage zur Verkehrspolitik 2020 sind 18,4 Prozent der ADAC Mitglieder an mindestens 100 Tagen jährlich auf dem – nicht motorisierten – Rad unterwegs. Bei E-Bikes und Pedelecs gab es einen Zuwachs auf aktuell 4,2 Prozent, und pro Haushalt sind im Durchschnitt 1,8 "normale" Fahrräder vorhanden. 63 Prozent der Fahrrad-, E-Bike- und Pedelecfahrer fühlen sich auf einem baulich abgetrennten Weg am sichersten.

Wegen ihrer hohen Baukosten von 0,5 bis 2 Mio. Euro/km kommen Radschnellwege nur dort infrage, wo ein Aufkommen von mindestens 2000 Radfahrern pro Tag zu erzeugen ist. Vielversprechend dafür sind große Arbeitsplatzstandorte, Einkaufszentren, Gewerbegebiete und Hochschulen im nahen Einzugsbereich des Radschnellwegs.

Der Standpunkt des ADAC

Radschnellwege sind eine geeignete Maßnahme, um Berufspendler auf Distanzen von 5 bis 15 Kilometern zum Umsteigen vom Auto bzw. ÖPNV auf das Fahrrad, insbesondere auf das Pedelec, zu motivieren.

  • Anzulegen sind sie vor allem als Stadt-Umland-Strecke, in Ballungsräumen mit mehreren Oberzentren auch als Stadt-Stadt-Verbindung

  • Sie sind im selben Korridor zu führen wie die Straßen und Schienenwege, die sie entlasten sollen

  • Innerstädtisch sind Radschnellwege meist nur mit hohem Aufwand oder mit geringeren Standards zu realisieren

  • Außerorts sind die Realisierungschancen oft besser

Hier finden Sie den vollständigen Standpunkt des ADAC:

Radschnellwege (ADAC Standpunkt)
PDF, 74.9 KB
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