Radschnellweg: Zügig aus dem Umland in die Stadt
Von André Gieße

Auf einem gut ausgebauten Radschnellweg, auch Radschnellverbindung genannt, kommt man rasch von A nach B. In Deutschland entstehen immer mehr dieser Fahrrad-Autobahnen.
Fahrradschnellwege richten sich vor allem an Pendlerinnen und Pendler
Sie können dazu beitragen, dass Autofahrende aufs Rad umsteigen
Es gibt vielversprechende Beispiele in Wuppertal und Göttingen
Was ist ein Radschnellweg?

Ein Radschnellweg (auch Radschnellverbindung oder Fahrradautobahn genannt) ist eine baulich hochwertige, breite und direkte Radstrecke, die Städte und Umlandgemeinden verbindet. Quasi eine Schnellstraße fürs Fahrrad. Er ist speziell für Pendlerinnen und Pendler konzipiert, um längere Strecken von 10 bis 15 Kilometern mit dem Rad sicher, komfortabel und zügig zurückzulegen. Radschnellwege sollen mehr Menschen für eine gesunde und nachhaltige Mobilität motivieren und dazu beitragen, negative Folgen des Straßenverkehrs wie Lärmbelästigung und Schadstoffemissionen zu reduzieren. Der Bund fördert sie.
Anforderungen an Radschnellwege
Radschnellwege zeichnen sich laut dem Mobilitätsforum des Bundes durch diese Kriterien aus:
Potenzial von mindestens 2000 Radfahrenden pro Werktag im Schnitt
Ermöglichen Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 km/h
Verlauf meist getrennt von Flächen anderer Verkehrsarten
Mindestlänge von in der Regel fünf Kilometern
Mindestbreite von drei Metern (einspurig) beziehungsweise vier Metern (zweispurig)
sichere und komfortable Kreuzungspunkte, geringe Steigungen
hohe Belagsqualität und Verkehrssicherheit (z.B. durch Beleuchtung)
möglichst direkte Streckenführung ohne viele Umwege
wenig Zeitverluste durch Warten, Halten oder Beschleunigen
gute Einbindung in das übrige Radverkehrsnetz (inklusive Wegweisung)
gute Wiedererkennbarkeit, einheitliche Kennzeichnung und Ausstattung
Best-Practice-Beispiele für Radschnellwege
Bei Radschnellwegen gelten die Niederlande als Pionierland. Schon im Jahr 1980 gab es dort ein Pilotprojekt. Zum Oktober 2023 sind über 70 Routen fertiggestellt, gebaut oder geplant gewesen. Ein spektakuläres Beispiel für ihre störungsfreie Führung ist der Hovenring, der erste schwebende Kreisverkehr der Welt für Radfahrende. Nach Erfahrungen in den Niederlanden steigen nach dem Bau eines Radschnellwegs 5 bis 15 Prozent der Autofahrerinnen und Autofahrer auf das Rad um.
Nordbahntrasse Wuppertal

Ein über 23 Kilometer langer Radweg erschließt fast kreuzungsfrei und ohne nennenswerte Steigungen die Zentren und nördlichen Stadtteile Wuppertals. Im Westen und Osten ist er an das überregionale Radwegenetz angeschlossen. Die Nordbahntrasse verläuft auf einer 1879 in Betrieb genommenen und 1999 aufgegebenen Bahnstrecke und schließt fünf beleuchtete Tunnel, gemauerte Viadukte und Aussichtspunkte mit Aus- und Einblicken in Stadt und Umgebung ein.
eRadschnellweg Göttingen

Der eRadschnellweg Göttingen führt als bundesweit erster zentral durch eine Stadt. Zwischen dem Bahnhof und dem Nordosten gibt es ein Nutzerpotential von 14.400 Beschäftigten und 25.000 Studierenden. Auf der Teststrecke von 4 Kilometern wird untersucht, welche Anforderungen Elektrofahrradfahrer an die Infrastruktur stellen und ob durch das Angebot von Schnellweg und Elektrorädern die Bereitschaft von Pendlern zunimmt, auf das Rad umzusteigen. Je nach Höhe des Radverkehrs gibt es für ihn eine Grüne Welle, und im Winter wird der Weg bevorzugt geräumt.
Veloroute 10 in Kiel

Auf der Trasse eines ehemaligen Gütergleises ist seit September 2019 ein großer, durchgehender Teil dieser Fahrradstraße fertiggestellt. In 20 Minuten radelt man auf der Veloroute 10 nonstop zwischen Hassee und dem Holstein-Stadion auf einem eigenständigen Radweg. Er ist meist vier Meter breit und beleuchtet. Die kurze Fahrzeit – mit dem Auto nicht zu schaffen – wird durch vier Radbrücken über viel befahrene Hauptverkehrsstraßen und die Autobahn sowie zwei Straßenquerungen ohne Ampeln ermöglicht.
Radschnellweg Ruhr (RS1): der längste Europas
Der Radschnellweg Ruhr (RS1) wird der längste Radschnellweg Europas. Die über 100 Kilometer lange Strecke soll durch das gesamte Ruhrgebiet führen und die Städte Moers, Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm verbinden. Bisher sind nur wenige Teilstücke des Radschnellwegs Ruhr mit zusammen rund 17 Kilometern Länge fertiggestellt.
Der Ausbau des RS1 geht aufgrund aufwendiger Planungen und Großbauwerke nur schleppend voran. Deshalb gehen Experten und Fahrradverbände mittlerweile davon aus, dass das Projekt nicht vor den späten 2030er-Jahren komplett befahrbar sein wird. Das bekannteste und längste fertige Teilstück ist die Rheinische Bahn. Sie verbindet Mülheim an der Ruhr und Essen auf einer Länge von rund 12,5 Kilometern.
Wo ein Radschnellweg sinnvoll ist
Laut einer Umfrage des ADAC von 2024 sind 13 Prozent der Mitglieder an mindestens 100 Tagen jährlich auf dem – nicht motorisierten – Rad unterwegs. Auf E-Bikes und Pedelecs sind es sieben Prozent. Ein großer Teil der Befragten hat zudem angegeben, sich auf einem Bordsteinradweg (50 Prozent) und auf einem baulich abgegrenzten Radfahrstreifen (47 Prozent) am sichersten zu fühlen.
Daten wie diese sind hilfreich bei der Planung der Verkehrsinfrastruktur. Kosten und Nutzen von Radschnellwegen stehen nämlich nur dort in einem sinnvollen Verhältnis, wo ein Aufkommen von mindestens 2000 Radfahrern pro Tag möglich ist. Vorteilhaft sind große Arbeitsplatzstandorte, Einkaufszentren, Gewerbegebiete und Hochschulen im nahen Einzugsbereich des Radschnellwegs.
Der Standpunkt des ADAC

Radschnellwege können Menschen, die beruflich 5 bis 15 Kilometern pendeln, zum Umsteigen vom Auto beziehungsweise ÖPNV auf das Fahrrad oder Pedelec motivieren. Innerstädtisch sind Radschnellwege allerdings meist nur mit hohem Aufwand oder mit geringeren Standards zu realisieren. Außerorts sind die Chancen oft besser und die Umsetzung günstiger.
Hier finden Sie den vollständigen Standpunkt des ADAC zum Thema:
Nationaler Radwegeplan unterstützt
Der Nationale Radverkehrsplan (NRVP) der Bundesregierung setzt aus Sicht des ADAC richtige und wichtige Zielmarken. Es geht darin um die Förderung des Radverkehrs in Deutschland für die Zeit bis 2030. Wenn es gelingt, mehr Menschen zum Umstieg etwa vom Auto auf das Fahrrad zu bewegen, kann das die Städte von Verkehrsproblemen wie Staus und Parkplatzmangel entlasten.
Mehr Radverkehr gewinnt auch als Beitrag zum Klimaschutz an Bedeutung. Deshalb begleitet der ADAC die Umsetzung des NRVP aktiv. Entscheidend ist der Ausbau der Radinfrastruktur: mehr, bessere und sicherere Radwege, ohne dem Autoverkehr den notwendigen Platz wegzunehmen. Der Weg zu einer anderen Fahrradkultur ist nur gemeinsam, nicht gegeneinander zurückzulegen.