Jeder Mensch hinterlässt einen CO₂-Fußabdruck. Gut zu wissen: Emissionen, die nicht zu vermeiden sind, können durch Klimaschutzprojekte kompensiert werden. Wie das geht und worauf es ankommt. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen die Pro-Kopf-Emissionen drastisch gesenkt werden Strategie: Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren Seriöse Anbieter von Kompensationen müssen Standards erfüllen Wer heizt, kocht oder Serien streamt, wer mit dem Auto oder der Bahn fährt, in den Urlaub fliegt oder schlicht Dinge erwirbt, bei deren Herstellung Energie verbraucht wurde, verursacht Emissionen. In Deutschland waren das laut Statistischem Bundesamt 2018 durchschnittlich 8,6 Tonnen CO₂ pro Person. Der internationale Mittelwert liegt derzeit bei 4,8 Tonnen pro Kopf; bis 2050 sollen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen weltweit auf unter zwei Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Nur dann, so der wissenschaftliche Konsens, kann die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. Das ist nötig, um zumindest die gravierendsten Schäden des Klimawandels abzuwenden. Umfrage: Klimabewusste ADAC Mitglieder CO₂ vermeiden ist besser als kompensieren Wer klimabewusst handelt, also beispielsweise wenig Fleisch isst oder öfter mal das Fahrrad nimmt, kann Emissionen vermeiden oder zumindest verringern. Unvermeidbare Emissionen lassen sich durch Investitionen in Klimaschutzprojekte ausgleichen bzw. kompensieren. Als Orientierungshilfe dient das Dreiklang-Prinzip des Umweltbundesamtes: Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren. Konkret heißt das: Vermeiden Ganz klar: Die effektivste Klimaschutzmaßnahme ist die Vermeidung von Emissionen. Auch kleinere Verhaltensänderungen können viel bewirken, etwa der Umstieg auf erneuerbare Energien oder der Verzicht auf die nächste Flugreise. Reduzieren Emissionen, die nicht gänzlich vermieden werden können, gilt es zu reduzieren – zum Beispiel indem man die nächste Dienstreise per Bahn statt mit dem Flieger absolviert (siehe Grafik unten) oder nur noch Haushaltsgeräte der höchsten Energieeffizienzklasse anschafft. Kompensieren Unvermeidbare Emissionen können kompensiert werden. Das Prinzip der freiwilligen CO₂-Kompensation basiert dabei auf der Idee, dass es für das Klima unerheblich ist, an welcher Stelle Emissionen ausgestoßen oder vermieden werden. CO₂-Kompensationsanbieter ermitteln zuerst die Höhe der Emissionen einer bestimmten Aktivität, etwa einer Flugreise, des persönlichen Stromverbrauchs oder der runden Geburtstagsfeier. Die entstandenen Emissionen können dann mithilfe einer entsprechenden Spende an ein Klimaschutzprojekt ausgeglichen werden. Für jede Spende gibt es ein so genanntes Zertifikat, auf dem die eingesparten Emissionen dokumentiert sind. Innovative Kompensationsideen finden sich übrigens im Bereich Digitalisierung: Die Suchmaschine Ecosia* etwa, deren Server ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden, verwendet ihren Gewinn für weltweite Aufforstungsprojekte. Der User unterstützt mit jeder Suchanfrage den Klimaschutz; Extrakosten fallen nicht an. Um einen Baum zu pflanzen, sind Ecosia zufolge rund 45 Suchanfragen nötig. Checkliste: So erkennen Sie seriöse CO₂-Kompensationsanbieter Das Umweltbundesamt hat eine umfangreiche Checkliste mit den einzelnen Faktoren erstellt, die bei der Bewertung eines Klimaschutzprojekts relevant sind. Hier die wichtigsten Kriterien: Transparenz Seriöse Anbieter stellen auf ihrer Website klar, dass CO₂-Kompensation allein nicht die Lösung der Klimakrise ist. Auch die Arbeitsweise, Berechnung und Mittelverwendung sind ausführlich dokumentiert. Zudem sollte der Anteil an Verwaltungskosten am jeweiligen Ausgleichsbetrag offen gelegt werden. Zusätzlichkeit Ein Projekt ist nur dann glaubwürdig, wenn es ohne die Finanzierung durch Kompensationsbeiträge nicht zustande gekommen wäre. Für jedes Projekt wird ein "Referenzszenario" erstellt, das aufdeckt, wie sich die Emissionen ohne die umgesetzte Klimaschutzmaßnahme entwickelt hätten. Permanenz Klimaschutzprojekte müssen dauerhaft sein. Daher sollte nachgewiesen werden, dass das Projekt tatsächlich zu einer nachhaltigen Einsparung von Treibhausgasen führt. Berechnung, Monitoring und Verifizierung von Emissionen Um zu vermeiden, dass die Realisierung eines Projekts an anderer Stelle die Emissionen erhöht, diese also im Grunde nur verlagert werden, muss das Projekt von einem unabhängigen, externen Gutachterbüro geprüft werden. In einem regelmäßigen Monitoringbericht sind die tatsächlich eingesparten Emissionen festzuhalten. Registrierung der Zertifikate und Stilllegung Damit Zertifikate nicht doppelt vergeben werden, ist der Handel zu überwachen. Seriöse Anbieter tragen die Zertifikate in ein Register ein (z.B. APX, Markit oder Gold Standard Registry). Dort kann öffentlich eingesehen werden, ob diese bereits genutzt und damit "stillgelegt" wurden. Fazit Die freiwillige CO₂-Kompensation ist eine Notlösung. Es ist immer besser, Treibhausgase gar nicht erst in die Atmosphäre zu blasen, als diese aufwendig auszugleichen. Wer sich dafür entscheidet, unvermeidbare Emissionen auszugleichen, sollte darauf achten, dass der jeweilige Anbieter die oben genannten Kriterien erfüllt. Finanztest hat drei deutsche Anbieter mit der Note "sehr gut" bewertet: Atmosfair*, Klima-Kollekte* und Primaklima*. * Durch Anklicken des Links werden Sie auf eine externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.