Motorradbekleidung und Motorradprüfung

6.11.2019

Seit 1.Mai 2014 muss jeder Bewerber für die Fahrerlaubnis-Klasse A, A1, A2 oder AM geeignete Motorradschutzbekleidung bei der praktischen Führerschein-Prüfung tragen. Die Schutzkleidung ist in der Praxis auch während aller Ausbildungsfahrten zu tragen.

Praktische Motorradprüfung nur mit geeigneter Schutzbekleidung
Alles was Sie zum Thema Motorradschutzbekleidung wissen sollten. (©Shutterstock/kitzcorner)
  • keine gesetzliche Norm, die das Tragen von Schutzkleidung für Zweiradfahrer  - außerhalb der Fahrausbildung und praktischen Prüfung - verpflichtend vorschreibt.
  • Für Schutzkleidung und insbesondere für Protektoren gibt es nur verschiedene europäische Normen (EN 1621-1 und EN 1621-2), welche die Qualitätsanforderungen bei Schutzpolstern und Protektoren normieren.
  • Aus Sicherheitsgründen sollte bei der Anschaffung der Schutzkleidung darauf geachtet werden, dass nur ein nach ECE-R 22/05 geprüfter Motorradhelm verwendet wird und die Protektoren eine CE-Prüfung (Norm 1621-2) haben.

 

Motorradschutzbekleidung beim Erwerb des Führerscheins

Die Motorradschutzbekleidung bei der praktischen Führerschein-Prüfung und allen Ausbildungsfahrten der Klasse A, A1, A2 und AM besteht aus:

  • passendem Motorradhelm,
  • Motorradhandschuhen,
  • eng anliegender Motorradjacke,
  • Rückenprotektor, falls nicht in Motorradjacke integriert,
  • Motorradhose,
  • Motorradstiefeln mit ausreichendem Knöchelschutz.

 

Für Besitzer eines Motorradführerscheins ändert sich nichts!

Welche Motorradschutzausrüstung man beim Zweiradfahren im Alltag benutzt ist in großem Maß eine persönliche Entscheidung. Der Gesetzgeber regelt nur das Mindestmaß an Schutzausrüstung. Mehr Informationen zu Motorradschutzbekleidung finden Sie hier.

 

Verstoß gegen Helmpflicht: Bußgeld? 

Ein Verwarnungsgeld in Höhe von 15 Euro kann erhoben werden, wenn während der Fahrt kein geeigneter Schutzhelm getragen wird.

Rechtlich einfach zu beurteilen sind dabei die Fälle, in denen überhaupt kein Helm getragen wird.

In der Rechtspraxis oftmals schwieriger sind die Fälle, in denen Motorradfahrer mit sog. Braincaps, Stahlhelmen, Bauarbeiterhelmen oder Fahrradhelmen fahren und der Meinung sind, dies seien "geeignete Schutzhelme" und daher ein Verwarnungsgeld nicht gerechtfertigt.

Meist kommt es hier nicht zu einer gerichtlichen Entscheidung, da die Gerichte den Betroffenen oftmals mitteilen, dass ggf. zu dieser Frage eine Materialprüfung im Rahmen eines Sachverständigengutachtens gemacht werden muss. Zum einen wird bei dieser gutachterlichen Prüfung der "Helm" beschädigt oder gar zerstört, zum anderen hat der Betroffene ein immenses Kostenrisiko. Dass solche "Helme" keinen geeigneten Schutz darstellen und daher ein Sachverständiger immer zu einem negativen Ergebnis kommen wird, ist technisch und auch juristisch kaum umstritten.

Nur ein Helm nach der ECE-22 Norm genügt den gesetzlichen Anforderungen. Man sollte also darauf achten, dass der Helm in jedem Fall einen entsprechenden Aufnäher im Helmfutter oder auf dem Kinnband hat.

 

Unfall ohne Helm: Welche Folgen drohen?  

Die zivilrechtlichen bzw. finanziellen Folgen für den Fahrer, wenn er bei einem Unfall keinen oder keinen geeigneten Helm trägt, sind gravierend. Selbst wenn dem Zweiradfahrer ansonsten keinerlei Mitverschulden nachgewiesen werden kann, begründet bei Unfällen mit adäquater Kopfverletzung das Fehlen eines (richtigen) Helms nach ständiger Rechtsprechung eine Mithaftung von bis zu 30 %. Es ist dann im Einzelfall Sache des Zweiradfahrers darzulegen, dass die Kopfverletzungen auch mit richtigem Helm genauso ausgeprägt gewesen wären.

 

Unfall: Kosten für einen neuen Helm?  

Im Falle eines nicht alleine verschuldeten Unfalls stellt sich die Frage, in welchem Umfang die ersatzpflichtige Kfz-Haftpflichtversicherung die Kosten für einen neuen Helm tragen muss. Die Versicherer sind hierbei bestrebt, einen Abzug "Neu für Alt" zu machen. Dies mit der Begründung, dass der Helm ja eine begrenzte Nutzungsdauer hat und mit dem Erwerb eines neuen Helmes ein Vermögensvorteil verbunden ist. Die Rechtsprechung ist bei diesem Problem zurückhaltender.

Aber selbst wenn man diesen Abzug "Neu für Alt" grundsätzlich akzeptiert, kann dies nur maßvoll und abhängig von der voraussichtlichen Lebensdauer des Helmes geschehen. In mehreren Gerichtsentscheidungen der vergangenen Jahre wurde hierbei als Maßstab ein Wertverlust von 20 % pro Jahr für akzeptabel anerkannt. Darüber sollte der Abzug nicht hinausgehen.

 

Unfall ohne Schutzkleidung: Welche rechtlichen Folgen hat das? 

Obwohl also gesetzlich eine Schutzkleidung nicht vorgeschrieben ist, gibt es im Haftungsrecht Entscheidungen, bei denen das Nichttragen von Schutzkleidung zu einer Mithaftung führen kann: so hat beispielsweise das Oberlandesgericht Brandenburg einem Motorradfahrer wegen des Nichttragens von Motorradschutzkleidung eine Mithaftung zugerechnet. Es ist davon auszugehen, dass die Rechtsprechung in Zukunft noch verstärkt in diese Richtung gehen wird.

 

Text: Juristische Zentrale