Nutzung ausländischer Autos in Italien

Neuerung in Italien - wann muss ich mein Auto ummelden?
Neuerung in Italien - wann muss ich mein Auto ummelden?© ADAC/Rasmus Kaessmann

Zum Jahresende 2018 trat in Italien eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes in Kraft, die unter bestimmten Bedingungen auch für deutsche Autobesitzer Bedeutung hat.

  • Dies ist vor allem bei Langzeitaufenthalten von Bedeutung.

  • Wer die Regelung ignoriert, riskiert großen Ärger in Italien.

  • Maßgeblich ist der Hauptwohnsitz des Fahrers.

Nach den neuen Bestimmungen des italienischen Straßenverkehrsgesetzes (Codice della strada) müssen Personen, die in Italien wohnen, innerhalb von zwei Monaten das im Ausland zugelassene Kraftfahrzeug auf ein italienisches Kennzeichen ummelden. Dies betrifft nicht nur italienische Staatsbürger, sondern alle Personen, die in Italien ihren Hauptwohnsitz haben, also auch deutsche Staatsangehörige.

Ziel: Steuerhinterziehung stoppen

Mit der Neuregelung geht die italienische Regierung gegen all diejenigen vor, die sich die Kfz-Steuer in Italien sparen wollen, indem sie ihr Fahrzeug im Herkunftsstaat angemeldet lassen.

Strafen bei versäumter Ummeldung

Wer sein Auto nicht nach zwei Monaten ummeldet, muss mit einer Geldstrafe in Höhe von 712 bis 2.848 Euro sowie der Beschlagnahme des Fahrzeugs rechnen. In der Regel wird in Italien zunächst die Mindestbuße verhängt. Erfolgt innerhalb von 180 Tagen weder die Ummeldung noch die Ausfuhr des Fahrzeugs, droht sogar die zwangsweise Versteigerung. Der ADAC rät daher: Auto zügig ummelden!

Mehrere Wohnsitze

Hat ein Fahrzeughalter mehrere Wohnsitze in verschiedenen Ländern, so ist entscheidend, wo der Betroffene seinen Hauptwohnsitz hat. Dieser ist dort, wo er sich an mehr als 185 Tagen im Jahr aufhält.

Hauptwohnsitz des Halters ist Deutschland

Nicht betroffen von der Neuregelung ist demnach ein Fahrzeughalter, der sich mehr als 185 Tage in Deutschland aufhält und dessen Auto nachweislich nur vorübergehend von ihm selbst in Italien benutzt wird.

Halter nutzt das Auto in Italien nicht selbst

Problematisch ist der Fall, wenn abweichend vom Halter (Eintrag Fahrzeugpapiere!) eine andere Person mit festem Wohnsitz in Italien das Fahrzeug fährt.

Ein Beispiel: Ein in Deutschland ansässiger Fahrzeughalter überlässt einem Angehörigen, der in Italien wohnt, ein in Deutschland zugelassenes Auto, damit dieser es an seinem Wohnsitz in Italien kurzfristig nutzen kann. Der Wohnsitz des Halters in Deutschland änderte nach bisheriger Handhabung der italienischen Behörden nichts daran, dass der Angehörige das Fahrzeug innerhalb von zwei Monaten ummelden muss, wenn er es in Italien nutzen möchte.

Dieser Schieflage ist nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit Urteil vom 16. Dezember 2021 (Aktenzeichen C-274/20) entgegengetreten. Er hat in einem ähnlich gelagerten Fall entschieden, dass keine Strafe erhoben werden darf und auch keine Ummeldung erfolgen muss, wenn sich das im Ausland zugelassene Fahrzeug nur vorübergehend in Italien befindet und dort von einer in Italien wohnenden Person nur für kurze Zeit gefahren wird.

Wie die italienischen Behörden in solchen Fällen künftig agieren werden, bleibt abzuwarten.

Gesetzliche Ausnahmen 

Nutzer von Leasing- oder Mietfahrzeugen haben nichts zu befürchten, wenn der Vermieter bzw. Leasinggeber keinen Firmensitz in Italien hat. Sie müssen allerdings in diesem Fall einen Leasing- bzw. Mietvertrag im Fahrzeug mitführen und bei Kontrollen vorlegen können. Andernfalls wird hier eine Strafe von 250 bis 1.000 EUR fällig.

Eine weitere Ausnahme gilt bei Dienstfahrzeugen: Personen mit Wohnsitz in Italien, denen von ihrem ausländischen Arbeitgeber ein Wagen zur Verfügung gestellt wird, sind von den Sanktionen befreit. Auch hier gilt allerdings, dass das Unternehmen keine Niederlassung in Italien haben darf.

Achtung: Diese Ausnahmen gelten jedoch nur für die Personen, die im Leasing-, Miet- oder Arbeitsvertrag genannt sind und nicht auch für Dritte (z. B. Familienangehörige)!

Weitere Ausnahmetatbestände sind: Grenzgänger oder Personen mit Wohnsitz in Italien, die für ein Unternehmen mit Sitz in einem Anrainerstaat (Österreich, Frankreich, San Marino, Slowenien, Schweiz, Vatikan) arbeiten, die mit dem dort auf ihren Namen zugelassenen Fahrzeug Italien durchfahren, um ihren Wohnort zu erreichen oder an den Arbeitsort im Ausland zurückzukehren. Da Deutschland jedoch kein Anrainerstaat Italiens ist, können sich Fahrer von Fahrzeugen mit deutscher Zulassung nicht auf diese neue Ausnahme berufen.

Stefan Königer
Stefan Königer
Fach-Autor
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