Tempolimit auf Autobahnen

8.10.2019

Aktuell wird wieder die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen diskutiert. Ein Blick auf die Fakten zeigt aus unserer Sicht, dass ein generelles Tempolimit weder die Verkehrssicherheit verbessert noch dem Klimaschutz dient.

Tempolimit auf Autobahnen, rechts Schild mit Vorgabe 130, links schnelles Auto

Die Grünen wollen noch im Oktober im Bundestag über ein generelle Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen abstimmen lassen. ADAC Vizepräsident für Verkehr Gerhard Hillebrand kritisiert den Vorstoß: "Ich habe den Eindruck, dass die Grünen jetzt altgeliebte Themen hervorholen, ohne dass ein klarer Zusammenhang zum Klimaschutz besteht. Ein Tempolimit kann dazu jedenfalls nicht wirklich viel beitragen. Wichtiger ist es, die Antriebswende voranzubringen. Neue Restriktionen, die dem Klimaschutz kaum dienen, gefährden die Akzeptanz der Gesellschaft für wichtige Maßnahmen."

 

Die wichtigsten Antworten zu dem Thema

Führt ein Tempolimit zu weniger Unfällen?

Autobahnen sind bei Weitem die sichersten Straßen in Deutschland. Pro Jahr werden hier etwa ein Drittel aller Kraftfahrzeugkilometer gefahren. Der Anteil der Verkehrstoten ist im Vergleich dazu mit rund 13 Prozent unterdurchschnittlich. Die Zahl der auf Autobahnen Getöteten pro 1 Milliarde Fahrzeugkilometer liegt in Deutschland bei aktuell 1,7.

Ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen ist auch im internationalen Vergleich nicht feststellbar: Länder mit genereller Geschwindigkeitsbeschränkung, wie Österreich, Belgien oder die USA, schneiden nicht besser ab als Deutschland.

Auch beim innerdeutschen Vergleich ereignen sich auf Abschnitten ohne Tempolimit nicht mehr Unfälle als auf Strecken mit Tempolimits von 120 oder 130 km/h. Eine höhere Unfallschwere (Getötete je 1000 Unfälle mit Personenschaden) lässt sich zudem ebenso wenig feststellen. Die eigentliche Schwachstelle in Sachen Verkehrssicherheit sind nach wie vor die Landstraßen, wo knapp 60 Prozent aller Verkehrstoten registriert werden, bei nur etwa 40 Prozent der Kfz-Fahrleistungen.

Gibt es Auswirkungen auf den Verkehrsfluss?

Derzeit sind bereits rund 30 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt, hinzukommen Baustellenbereiche. Die Fahrgeschwindigkeit auf knapp 10 Prozent des Autobahnnetzes kann mittels Streckenbeeinflussungsanlagen beschränkt werden. Diese ermöglichen eine flexible, situationsgerechte Geschwindigkeitsregelung in Abhängigkeit vom jeweiligen Verkehrsaufkommen und den Witterungsbedingungen.

Trägt ein Tempolimit zum Klimaschutz bei?

Im Hinblick auf die Reduzierung der CO2-Emissionen sollte die Wirkung eines allgemeinen Tempolimits nicht überschätzt werden. Unter Zugrundelegung des Handbuchs für Emissionsfaktoren (HBEFA) ergibt sich bei einem Tempolimit von 130 km/h für die Pkw-Flotte des Jahres 2019 ein CO2-Einsparpotenzial in der Größenordnung von bis zu 2 Millionen Tonnen pro Jahr. Dies sind knapp 2 Prozent der CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs.

Wie sieht es beim Stichwort "Downsizing" aus?

Die Annahme, dass ein Tempolimit den Kauf von Autos mit kleineren Motoren und damit weniger Spritverbrauch bewirkt, hat sich als falsch erwiesen. Das zeigt ein Vergleich der Motorenleistung des Pkw-Bestandes in Deutschland, Österreich (Tempolimit 130) und der Schweiz (Tempolimit 120).

 

Foto: Fotolia/fotohansel.

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