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Hardware-Nachrüstungen für Diesel: Diese Systeme können Sie einbauen

Mechaniker liegt unter einem Auto
Der Einbau eines Nachrüst-Kats wird in die Kfz-Papiere eingetragen ∙ © Shutterstock/Squaredpixels

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) genehmigt SCR-Systeme für Euro-5-Diesel von VW, BMW, Mercedes und Volvo, die den Stickoxid-Ausstoß im Alltagsbetrieb senken: Die Modelle, die Kosten und alle wichtigen Infos.

  • Mit Nachrüstlösungen kann man Fahrverbote vermeiden

  • Vorerst nur für Modelle von BMW, Mercedes, Volvo und dem VW-Konzern

  • Einbaukosten: Ab 2800 Euro. Doch wer bezahlt? 

Der Streit der Politiker und Autobauer über Nachrüstlösungen für ältere Diesel ist zu Ende: Nach langer Wartezeit können Besitzer von Diesel-Pkw mit der Abgasnorm Euro 5 ihre Autos nun nachrüsten, um so Fahrverbote zu vermeiden. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilte die ersten Genehmigungen (Allgemeine Betriebserlaubnis ABE) zur Dieselnachrüstung – aktuell für Fahrzeugmodelle des VW-Konzerns sowie für einige BMW-, Mercedes- und Volvo-Modelle.

Das aktuelle Angebot der Nachrüstfirmen umfasst aber nicht alle typgenehmigten Modelle, sondern konzentriert sich noch auf einzelne Modellvarianten. Doch was ist beim Einbau zu beachten? Wer finanziert die Systeme? Was ist mit der Garantie? Und schützen die Systeme wirklich vor Fahrverboten? Wir klären die wichtigsten Fragen und geben Antworten.

Welche Modelle können schon nachgerüstet werden?

Der Bamberger Technologie-Entwickler Dr Pley* und der niederländische Autozulieferer Bosal, der die Produktion und den Vertrieb der Systeme übernimmt, haben 2019 die ersten ABE für Nachrüstsysteme für Euro 5-Diesel-Pkw von BMW, Mercedes und Volvo erhalten.

Aktuell lieferbar sind Nachrüstsysteme für Mercedes-Modelle der C-/E-/GLK-Klasse mit dem OM-651-Motor. Hierzu gehören gemäß den Veröffentlichungen auf deren Internetseite folgende Modellversionen: C 200 CDI/C 220 CDI/C 250 CDI, E 200 CDI/ E 220 CDI/E 250 CDI und GLK 200 CDI/GLK 220 CDI/GLK 250 CDI (alle GLK erst ab Herstellungsdatum 03/2010).

Lieferbar sind derzeit auch Nachrüstsätze für die Volvo-Modelle XC60/ V60/S60/XC70/V70 (Angaben laut Internetseite). Nachrüstsätze für die BMW-Modelle X3/3er/5er sollen laut Angaben auf deren Internetseite ab September 2020 wieder lieferbar sein.

Weitere Modelle sind in Vorbereitung/Entwicklung. Genauere Angaben findet man unter www.clean-for-future.com*.

Das Nachrüstangebot des Filterspezialisten Twintec Baumot* konzentriert sich aufgrund der Förderung der Schwerpunktregionen durch Daimler und Volkswagen vorrangig auf die Volumenmodelle dieser Hersteller. Das Nachrüstangebot umfasst aktuell diverse Audi-, Skoda- und VW-Modelle mit 1.6 TDI und 2.0 TDI-Motoren. Weitere Modelle z.B. von Mercedes, für die Twintec schon Freigaben hat, sind in Vorbereitung/Entwicklung. Nachrüstungen für die genannten Modelle sind direkt bei den Nachrüstpartnern anzufragen. Detailinformationen: solutions.baumot.de/bnox-vertriebspartner-finden/.

Inzwischen hat auch der Filterspezialist HJS* Freigaben für Nachrüstsätze für leichte und künftig auch schwere Handwerkerfahrzeuge sowie kommunale Fahrzeuganwendungen der Kategorie LDV (Light Duty Vehicle) erhalten. Der Ausbau des Lieferprogramms erfolgt kontinuierlich. Detailinformationen findet man unter www.hjs.com/transporternachruestung.

Im Frühjahr 2020 erteilte das KBA die ABE für das neue Nachrüstsystem NeoPlus der Firma Oberland-Mangold* für diverse Euro 5-Diesel-Pkw des VW-Konzerns, die schon ab Werk mit der SCR-Technologie ausgestattet sind. Dabei werden die vorhandenen Komponenten des originalen Abgasreinigungssystems durch neue, leistungsstärkere ersetzt. Das Nachrüstangebot umfasst aktuell den VW Sharan 2.0 TDI sowie den Seat Alhambra 2.0 TDI, beide mit dem EA-189-Motor. In Kürze soll das Nachrüstsystem auch für den den gleichen Motor im Audi Q5 2.0 TDI quattro (Automatik) verfügbar sein. Detailinformationen hierzu unter www.low-nox.de*.

Dass diverse Nachrüstsätze unterschiedlicher Anbieter prinzipiell gut funktionieren, konnte der ADAC schon in einem groß angelegten Prototypen-Test von drei Nachrüstsystemen nachweisen. 

Was kosten die Systeme?

Die Kosten für ein SCR-Nachrüstsystem variieren je nach Fahrzeugmodell und Anbieter stark.

Bei Dr. Pley beträgt der Preis für ein Nachrüstsystem für Mercedes-Modelle 3266 Euro, für Volvo-Modelle 3461 Euro, jeweils bis Ende 2020 inkl. 16 % MwSt. zzgl. Versand (laut Angaben auf deren Internetseite). Dazu kommen noch Einbaukosten ab 400 Euro.

Bei Twintec Baumot wird der Verkaufspreis an den Kunden durch den jeweiligen Einbaupartner als Paketpreis kalkuliert.

Oberland-Mangold gibt beim System NeoPlus für den VW Sharan sowie Seat Alhambra einen Verkaufspreis von 2325 Euro zzgl. MwSt. und Einbau an. Da es sich bei dem System um eine „add on“-Nachrüstlösung für Fahrzeuge mit SCR-Technologie ab Werk handelt, erfolgt lediglich ein Austausch von bereits serienmäßig verbauten Abgaskomponenten. Der Zeitaufwand für den Einbau wird mit ca. einer Stunde veranschlagt.

Die finanziellen Aufwendungen dafür trägt im Prinzip der Kunde selbst. Allerdings haben im Rahmen des Dieselgipfels die Hersteller Mercedes und VW zugesagt, an einem Hardware-Nachrüstungsprogramm für Diesel-Fahrzeuge in den von der Bundesregierung definierten Schwerpunktregionen zu beteiligen. 

Bei HJS kostet ein Nachrüstsatz für Handwerker-/Lieferfahrzeuge etwa 5800 Euro. Allerdings beträgt die staatlichen Förderung hier auch bis zu 4800 Euro. Für den Einbau fallen etwa acht Werkstattstunden an, weshalb mit zusätzlichen Kosten in Höhe von etwa 680 bis 1000 Euro zu rechnen ist.

Welche Hersteller finanzieren mit?  

Konkret bietet Mercedes an, "einen signifikanten Betrag von bis zu maximal 3000 Euro (brutto) je Fahrzeug als finanzielle Unterstützung zu leisten, um genehmigte Nachrüstungen von Drittanbietern für private Halter von Mercedes-Benz Diesel-Fahrzeugen (Pkw und M1-Vans mit Pkw-Zertifizierung) mit der Abgasnorm Euro 5 zu fördern."

Das Zuschuss-Angebot von Daimler richtet sich dann konkret an private Halter von betroffenen Mercedes-Modellen, die ihren Erstwohnsitz in diesen Schwerpunktregionen haben, die beim Dieselgipfel 2017 festgelegt wurden: Die Städte Backnang, Bochum, Darmstadt, Düren, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Heilbronn, Kiel, Köln, Limburg an der Lahn, Ludwigsburg, München, Reutlingen, Stuttgart – und die direkt angrenzenden Landkreise.

Die genauen Bedingungen für die Gewährung des Daimler-Zuschusses – das Auto muss z.B. bereits vor dem 2. Oktober 2018 auf den Halter zugelassen sein oder die Sonderbedingungen für Pendler und Schwerbehinderte erfüllen – sind auf einer Webseiteaufgeführt und werden in der Vorprüfung abgefragt.

Auch Volkswagen bietet seinen Kunden in den von der Bundesregierung 2017 festgelegten Intensivstädten und den direkt angrenzenden Landkreisen eine finanzielle Beteiligung von bis zu 3.000 Euro (brutto) für die vom KBA genehmigten Hardware-Nachrüstungen an. Interessierte Halter von Fahrzeugen des VW-Konzerns können sich auf einer Webseiteüber die genauen Rahmenbedingungen für die finanzielle Beteiligung seitens Volkswagen und die Voraussetzungen für Ihre Beantragung und Erlangung informieren.

Welche Hersteller weigern sich? 

BMW und Volvo beteiligen sich an den Kosten für die Nachrüstung nicht. Immerhin kann man die Dr Pley-Systeme in den Vertrags-Werkstätten des schwedischen Herstellers einbauen lassen, weil deren Mitarbeiter vom Nachrüster geschult wurden. Bei Mercedes-Benz und auch bei VW für die Twintec-Filter entscheiden die autorisierten Partnerbetriebe in eigener Verantwortung, ob sie die Nachrüstlösungen anbieten und/oder einbauen. Dr Pley setzt allerdings voraus, dass der Betrieb für den Einbau seiner Systeme von ihm autorisiert ist. Diese Mercedes-Händler beauftragt Dr Pley dann übrigens mit der Nachrüstung der BMW-Modelle – kurios.

Wer garantiert?

Zu den Garantie- und Gewährleistungsansprüchen der Kunden liegen noch sehr wenige Informationen vor. Klar ist: Der Nachrüsthersteller muss die Funktionsfähigkeit des Systems über eine Kilometerleistung von 100.000 km oder einer Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (je nachdem, was zuerst erreicht wird) gewährleisten. Eine abgeschlossene Mercedes-Benz-Garantie oder eine Garantie des VW-Konzerns bleibt aber grundsätzlich weiter gültig – es sei denn, der Schaden am Fahrzeug wurde durch den Einbau oder den Betrieb einer Hardware-Nachrüstung verursacht.

Sind nachgerüstete Diesel von Fahrverboten ausgenommen? 

Obwohl nachgerüstete Diesel immer noch Euro 5-zertifiziert sind, fallen sie nicht mehr unter die derzeit verhängten Fahrverbote. Sie erhalten nach dem Werkstattbesuch bei der Fahrzeugbehörde in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld 22 einen Eintrag, der bestätigt, dass das Fahrzeug mit einem vom KBA genehmigten Nachrüstsatz ausgerüstet wurde. Auf die Kfz-Steuer hat die Nachrüstung übrigens keinen Einfluss, da keine offizielle Änderung des CO₂-Werts erfolgt.

Wichtig ist natürlich, dass der notwendige Harnstoff AdBlue, der in einem Zusatztank mitgeführt wird und inzwischen an jeder Tankstelle erhältlich ist, ausreichend vorhanden ist. Das wird bei Nachrüstsätzen von Dr Pley dadurch sichergestellt, dass die Tankklappe automatisch verriegelt bleibt, wenn der Zusatztank leer ist.

Weil es für Fahrzeuge mit SCR-Kat keine Extra-Plakette gibt, ist der Eintrag im Fahrzeugschein der einzige Nachweis. Die Polizei führt deshalb in den bislang bestehenden Fahrverbotszonen (nicht mit den Umweltzonen zu verwechseln) in Stichproben Kontrollen über die Prüfung der Fahrzeugpapiere durch.

Das muss ein Nachrüstsystem können

Den definierten NOx-Grenzwert von 270 mg/km müssen die Umrüstsysteme im Realbetrieb (RDE) auf der Straße in einem Test-Temperaturbereich von 5 °C bis 30 °C einhalten. Mit zwei Ausnahmen: Bei niedrigeren Test-Temperaturen (zwischen 5° C und -3° C) dürfen die geminderten NOx-Werte um den Faktor 2 höher sein (das wären dann 540 mg/km), bei Test-Temperaturen zwischen 30° C und 35° C liegt der Faktor bei 1,6 (432 mg/km).

In der Pkw-Nachrüstrichtlinie wurde gleichzeitig festgelegt, dass der Mehrverbrauch bzw. der Mehrausstoß an CO maximal sechs Prozent betragen darf. Diese Begrenzung limitiert den Mehrausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO₂ und soll auch die Mehrkosten für den Autofahrer durch höheren Spritverbrauch möglichst gering halten.

Und wichtig: Der Hersteller muss die Funktionsfähigkeit des Systems über eine Kilometerleistung von 100.000 km oder einer Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (je nachdem, was zuerst erreicht wird) gewährleisten.

Wer darf die Nachrüstsysteme einbauen? 

Die Nachrüstung muss von ist von einer anerkannten AU-Kraftfahrzeugwerkstatt durchgeführt werden. Die bestätigt dann den ordnungsgemäßen Einbau aller Teile und die einwandfreie Funktion des Filters in einer Abnahmebescheinigung zur Vorlage bei der Zulassungsbehörde.

Abweichend davon kann die Nachrüstung auch von einer anderen Stelle durchgeführt werden. Dann muss  der ordnungsgemäße Einbau aller Teile und die einwandfreie Funktion durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen, einem Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr oder durch einen Kraftfahrzeugsachverständigen oder Angestellten nach Anlage VIIIb StVZO auf einer Abnahmebescheinigung nach Anlage 3 oder durch einen Technischen Dienst gemäß § 13 Absatz 3 EG-FGV bestätigt werden.

Übrigens: Die sogenannte "Nachrüst-Richtlinie für Pkw" schreibt im Prinzip nur vor, dass durch die Nachrüstung eines Stickoxid (NOx)-Minderungssystems in Bezug auf die Stickoxidemissionen (NOx) ein Grenzwert von 270 mg/km eingehalten werden muss – und das gilt sowohl für Euro 5-, als auch für Euro 4-Fahrzeuge.

Lohnt sich die Nachrüstung eines SCR-Kats?

Bei der finanziellen Frage sind auch die laufenden Betriebskosten im Auge zu behalten. Zum Beispiel der zusätzliche AdBlue-Verbrauch. Wie hoch der ist, hängt zwar vom Fahrstil und von der Außentemperatur ab, weshalb keine pauschale Antwort getroffen werden kann. In dem vom ADAC durchgeführten Alltagstest lag der durchschnittliche AdBlue-Verbrauch zwischen 0,07 und 0,37 l pro 100 km.

Und der Mehrverbrauch kostet ebenfalls. Denn gemäß der Nachrüstrichtlinie darf das Fahrzeug mit Katalysator maximal sechs Prozent mehr verbrauchen bzw. mehr CO₂ ausstoßen – und dieser Rahmen wird in der Regel auch ausgenutzt.

Dem Leiter der ADAC Fahrzeugtechnik Dr. Reinhard Kolke ist noch ein anderer Aspekt wichtig: "Ob sich die Nachrüstung lohnt, das muss jeder für sich selbst beantworten. Das hängt davon ab, ob er überhaupt nennenswert von Fahrverboten betroffen ist, ob er die Förderung bekommt und ob er damit den Wert seines Fahrzeuges steigern bzw. dessen Wert erhalten kann. Aber für die Umwelt hat er in jedem Fall etwas getan, wenn er seinen Diesel nachrüstet." 

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