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Dieselfahrverbot: Alle Fragen und Antworten

Diesel Verbotsschild
Hamburg führt als erste deutsche Stadt Dieselfahrverbote ein. ∙ © Fotolia/Oliver Boehmer

Mit Hardware-Nachrüstungen, Software-Updates und Flottenwechsel will die Bundesregierung die Diesel-Krise entschärfen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Dieselfahrverbote: Wo gibt es Fahrverbote und wo drohen sie? Und welchen Diesel soll man kaufen? 

Regelungen in den Städten

 Fahrverbot in Berlin

Gültig abFrühestens Anfang Oktober 2019
Betroffene FahrzeugeDiesel-Abgasnorm Euro 1-5
FahrverbotszoneAcht Teilabschnitte auf den Straßen: Leipziger Straße, Brückenstraße, Reinhardtstraße, Alt-Moabit, Friedrichstraße, Stromstraße, Hermannstraße, Silbersteinstraße
StrafenBußgeld in Höhe von 25 Euro
AusnahmenAnwohner, dort arbeitende Personen, Handwerker und für Patienten dort ansässiger Ärzte
SonstigesDas Land Berlin muss die Ausweitung der Fahrverbote auf 120 Straßenabschnitte (insgesamt 15 Kilometer) prüfen.

Fahrverbot in Bonn

Gültig abUmsetzung offen
Betroffene FahrzeugeDiesel-Abgasnorm Euro 1-4 sowie Benziner der Klassen Euro 1 und 2
FahrverbotszoneZwei vielbefahrene und damit sehr belastete Straßen
StrafenNoch nicht bekannt
AusnahmenNoch nicht bekannt

Fahrverbot in Darmstadt

Gültig seit1. Juni 2019
Betroffene FahrzeugeDiesel-Abgasnorm Euro 1-5 und Benziner der Klassen Euro 1 und 2
FahrverbotszoneHügelstraße und Heinrichstraße
StrafenBußgeld und Verwaltungsgebühr in Höhe von insgesamt 108,50 Euro
AusnahmenRettungswagen, Müllabfuhr, Straßenreinigung, örtliche Handwerker (nach Genehmigung), nachgerüstete Fahrzeuge
SonstigesÜbergangsregelungen mit Verlängerungsoption für Anwohner

Fahrverbot in Essen

Gültig abUmsetzung noch offen
Betroffene FahrzeugeZunächst Diesel-Abgasnorm Euro 1-4 und Benziner der Klassen Euro 1 und 2. Später auch für Euro-5-Diesel
Fahrverbotszoneinnerhalb der derzeitigen grünen Umweltzone eine sog. "blaue Umweltzone", u.a. Teilstrecken der BAB 40
Strafennoch nicht bekannt
AusnahmenGewerbetreibende

Fahrverbot in Frankfurt

Gültig abUmsetzung offen
Betroffene FahrzeugeDiesel Abgasnorm Euro 1-4 und Benziner der Klassen Euro 1 und 2
FahrverbotszoneVoraussichtlich die derzeitige Umweltzone, also die Fläche innerhalb des Autobahnrings rund um die Stadt
StrafenNoch nicht bekannt
AusnahmenNoch nicht bekannt
SonstigesAb September 2019 wird das Fahrverbot auch für Euro-5-Diesel gelten

Fahrverbot in Gelsenkirchen

Gültig abUmsetzung noch offen
Betroffene FahrzeugeDiesel-Abgasnorm Euro 1-5
FahrverbotszoneKurt-Schumacher-Straße
StrafenNoch nicht bekannt
AusnahmenGewerbetreibende

Fahrverbot in Hamburg

Gültig seit1. Juni 2018
Betroffene FahrzeugeKraftfahrzeuge der Diesel-Abgasnorm Euro 1/I bis 5/V
FahrverbotszoneMax-Brauer-Allee für Pkw, Lkw und sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge (zw. Chemnitzstraße/Gerichtstraße/Julius-Leber-Straße und Holstenstraße) und Stresemannstraße für Kraftfahrzeuge über 3,5t zgG einschließlich Anhänger und Zugmaschinen (ausgenommen Pkw und Omnibusse) (zw. Kaltenkircher Platz und Neuer Kamp)
StrafenVerwarn- bzw. Bußgeld in Höhe von 25 (Pkw) bis 75 Euro (Lkw)
AusnahmenAnwohner, Rettungsdienste, Gewerbetreibende

Fahrverbot in Köln

Gültig abUmsetzung noch offen
Betroffene FahrzeugeZunächst Diesel-Abgasnorm Euro 1-4 sowie Benziner der Klassen Euro 1 und 2. Später auch Euro-5-Diesel
FahrverbotszoneAktuelle Grüne Umweltzone
StrafenNoch nicht bekannt
AusnahmenNoch nicht bekannt
SonstigesDerzeit zunächst noch keine Umsetzung, aufgrund der aufschiebenden Wirkungen der Berufung durch die Landesregierung NRW

Fahrverbot in Mainz

Gültig abnoch offen
Betroffene FahrzeugeDiesel-Abgasnorm Euro 5 für einzelne Straßen, Euro 4 und älter für ganze Zonen
FahrverbotszoneNoch nicht bekannt
StrafenNoch nicht bekannt
AusnahmenNoch nicht bekannt

Fahrverbot in Stuttgart

Gültig seit1. Januar 2019 für Auswärtige, 1. April 2019 für Stuttgarter
Betroffene FahrzeugePkw und Lkw der Diesel-Abgasnorm Euro 4 bzw. IV und älter
Fahrverbotszoneim gesamten Stadtgebiet (aktuelle Umweltzone)
StrafenBußgeld und Verwaltungsgebühren in Höhe von insgesamt 108,50 Euro
Ausnahmenz.B. Lieferverkehr, Rettungsdienste, Menschen mit Behinderung. Weitere Ausnahmeregelungen finden Sie hier.
SonstigesMitte 2019 soll über Verschärfungen nachgedacht werden (Einbeziehung von Euro 5 und flächendeckend Tempo 40)

Fragen zu den Fahrverboten

Wie werden Fahrverbote kontrolliert?

In Hamburg führt die Polizei Kontrollen in Stichproben über die Prüfung der Fahrzeugpapiere durch. In den anderen Städten wird dies wohl ähnlich gehandhabt werden, zum Teil ist man sich aber noch nicht einig.

In der Diskussion ist immer wieder die blaue Plakette für „saubere“ Dieselautos, z. B. durch eine blaue die Kontrollen erleichtern würde. Vor allem Umweltschützer und manche Städte-Vertreter fordern sie. Zuständig für eine Einführung ist aber die Bundesregierung. Der Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, CSU, hat eine blaue Plakette aber bereits als „fachlich begründet falsch“ abgelehnt; sie bedeute „in der Folge Fahrverbote“. Auch im neuen Koalitionsvertrag wird eine blaue Plakette nicht erwähnt.

Gibt es Ausnahmen bei den Fahrverboten?

Alle sind sich einig, dass es Ausnahmen geben wird, zum Teil gibt es dazu auch bereits konkrete Aussagen (siehe Tabellen oben).

Um sicherzustellen, dass das jeweilige regionale Einfahrtsverbot dem vom Bundesverwaltungsgericht vorgegebenen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit genügt, ist immer zu prüfen, wem eine Ausnahme von diesem Verbot zu gewähren ist. Der jeweilige ADAC Regionalclub wird daher für jedes Dieselfahrverbot vor Ort klären, ob die Vorgaben vom Bundesverwaltungsgericht eingehalten werden.

Folglich wird es Ausnahmen für Anwohner, Schwerbehinderte oder Gewerbetreibende (gerade Handwerker sind meistens mit Dieselfahrzeugen unterwegs) geben. Diese Ausnahmen können entweder durch Zusatzzeichen oder Allgemeinverfügung gewährt werden. Auch Ausnahmen nach der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) sind zu berücksichtigen.

Wer über diese Zwecke hinaus eine Ausnahme benötigt, der kann sich an die zuständige Straßenverkehrsbehörde der betroffenen Gemeinde wenden, um eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen.

Welches Auto (Neuwagen oder Gebrauchtwagen) soll ich nun kaufen?

Wer weiterhin in städtische Umweltzonen fahren will, in denen neue Fahrverbote drohen, sollte einen Diesel-Pkw mit dem neuen Abgasstandard Euro 6d TEMP bzw. Euro 6d wählen, oder, wenn das gewünschte Modell nicht in dieser Schadstoffnorm angeboten wird, sich für eine Alternative zum Diesel entscheiden. Oder aber mit dem Kauf eines Diesels noch warten, bis entsprechende Fahrzeuge mit dem neuen Abgasstandard verfügbar sind. Denn es besteht das Risiko, dass man wegen zu hoher Stickoxidemissionen mit gebrauchten oder derzeit neu zugelassenen Diesel-Fahrzeugen der Abgasnorm Euro 6a bis Euro 6c mittelfristig nicht mehr in alle Innenstädte fahren darf.

Erst ab der Schadstoffklasse Euro 6d TEMP bzw. Euro 6d sind die Fahrzeuge im Realbetrieb sauber. Hier ist das Risiko gering, in den nächsten Jahren in Deutschland von innerstädtischen Fahrverboten betroffen zu sein. Eine Übersicht der Euro 6d TEMP Autos finden Sie hier.

Technische Nachrüstungen

Welche Fahrzeuge eignen sich für Nachrüstungen?

Von den Fahrverboten sind ältere Diesel betroffen, die die Norm Euro 6 nicht erfüllen. Zunächst stehen Dieselfahrzeuge der Abgasnormen 1 bis 4 im Blickpunkt, denn die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig hatten in ihrem Urteil festgelegt, dass Euro-5-Diesel frühestens ab September 2019 mit Fahrverboten belegt werden dürfen.

Gerade bei den noch häufig im Straßenverkehr zu findenden und teils relativ neuen Euro-5-Dieseln könnten Nachrüstungen greifen. Ende Dezember 2018 hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die technischen Vorschriften und Rahmenbedingungen für die Hardware-Nachrüstungssysteme vorgestellt. Sie sehen vor, dass ein Euro-4- oder Euro-5-Diesel nach der Umrüstung höchstens 270 mg NOx pro Kilometer ausstoßen darf, außerdem muss der Nachrüst-Bausatz bis zu einer Temperatur von -7 Grad funktionieren und mindestens fünf Jahre oder für 100.000 Kilometer durchhalten.

Kann ich heute schon nachrüsten?

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat Ende Juli 2019 nach monatelangen Verzögerungen die erste Allgemeine Betriebserlaubnis zur Dieselnachrüstung erteilt. Einzelne Modelle des Herstellers Volvo mit 2,0 und 2,4 Liter Dieselmotoren können demnach mit einem System der Firma Dr. Pley umgerüstet werden. Die Zulassungen für die Umrüstung weiterer Fahrzeuge werden in Kürze erfolgen.

Sie haben noch Fragen rund um die Themen Fahrverbote, Abgas- und Dieselproblematik? Stellen Sie sie in der ADAC Community.