Richtig reagieren bei Reifenschäden am Lkw

1. Häufige Ursachen von Reifenschäden und -bränden:

Fremdkörper: In den seltensten Fällen platzt ein Reifen ohne Vorwarnung. Meist führen Fremdkörper zu schleichendem Luftverlust. Bei Zwillingsbereifung muss in solchen Fällen der noch intakte Reifen die Last beider Reifen tragen. Er überhitzt und platzt. Dabei kann es mehrere Tage dauern, bis der Schaden eintritt.

Falscher Luftdruck: Lange Fahrzeiten und hohe Lasten können Lkw-Reifen in der Regel nichts anhaben, doch bei zu niedrigem Reifendruck in Kombination mit extremer Hitze oder Kälte häufen sich Schäden. Der Reifen wölbt sich nach außen und bildet einen Balg, der zum Beispiel bei einer zwillingsbereiften Hinterachse am innen liegenden Reifen nicht immer sofort auffällt. Je niedriger der Luftdruck, desto stärker walkt ein Reifen. Der Rollwiderstand, und damit die Abnutzung erhöhen sich.

Überhitzung: Klettert das Thermometer für längere Zeit deutlich über 30 Grad Celsius, kann die Asphalttemperatur auf 40 bis 60 Grad Celsius ansteigen. Die Reifen werden weicher, und stimmt der Luftdruck nicht, verschleißen sie schneller, überhitzen und können sogar Feuer fangen.

Radlagerschäden: Ursache von Reifenbränden ist nicht selten ein Radlagerschaden infolge extremer Belastung beim Rangieren über Hindernisse. Wer den Auflieger auf engstem Raum drehen will, setzt die Radlager einer extremen Belastung aus und zerstört sie unter Umständen. Auch das Überfahren von Bordsteinen kann Radlager beschädigen.

Defekte Bremse: Blockiert eine Bremse am Auflieger, bemerkt der Fahrer das selten sofort und schleift das blockierende Rad mit. Abhängig von Ladung, Profiltiefe und Achszahl ist der Reifen in kürzester Zeit (circa 50 Meter bis 2 Kilometer) durchgeschliffen und verliert Luft (Bremsplatten), begleitet von lautem Quietschen und Rauchentwicklung.

2. Richtig reagieren bei Reifenplatzern:

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Platzer, kann ein umsichtiger Fahrer meist Schlimmeres verhindern. Ein Reifenplatzer verursacht einen lauten, fast explosionsartigen Knall, peitschenartig herumschleudernde Teile und reichlich Rauchentwicklung. Um einen Unfall zu verhindern, sollte der Fahrer möglichst schnell, aber dosiert bremsen und in jedem Fall eine Vollbremsung vermeiden. Im Gegensatz zum Hinterreifen, kündigt sich ein Defekt am Vorderreifen an: Verliert beispielsweise ein Vorderreifen Luft, lässt sich das Fahrzeug zunehmend schwerer lenken. Verändert sich das Lenkverhalten während der Fahrt, gilt: sofort anhalten, die Vorderreifen prüfen oder eine Werkstatt anfahren. Platzt ein Hinterreifen, kann der Fahrer meist gefahrlos anhalten. Ein Reifenplatzer an der vorderen Lenkachse führt dagegen zu einem abrupten Richtungswechsel. In diesem Fall möglichst schnell, aber dosiert bremsen und eine Vollbremsung vermeiden.

Achtung vor Folgeschäden: Ein Reifenschaden kommt niemals allein, sondern verursacht in der Regel Folgeschäden. Die peitschenartig hin- und her schleudernden Reifenteile beschädigen meist die Elektrik und/oder den Luftfederbalg. Nach einer Reifenpanne sollten alle Reifen am Fahrzeug auf Beschädigungen und Luftdruck gecheckt werden.

3. Richtig reagieren bei brennenden Reifen:

Bei Zwillingsbereifung ist es ratsam, mit Warnblinker schlingernd weiterzufahren, bis sich die brennende Karkasse von der Felge gelöst hat. Hält der Fahrer sofort an, greift mit hoher Wahrscheinlichkeit das Feuer auf den ganzen Lkw über, was etwa in einem Tunnel zu einer Katastrophe führen kann. Hat sich der Gummi gelöst, den Lkw auf dem Standstreifen anhalten, Zugmaschine abkoppeln und rund 20 Meter entfernt abstellen. Keinesfalls sollte ein brennender Lkw unter einer Brücke oder in einem Tunnel abgestellt werden, auch dann nicht, wenn sich der Gummi bereits gelöst hat.

Bei Single-Bereifung hinten oder einem Reifenbrand an der Lenkachse gilt es abzuwägen, ob anhalten oder mit Schrittgeschwindigkeit weiterfahren die bessere Lösung ist. Sobald sich die Karkasse von der Felge löst, wird das Fahrzeug in der Regel unkontrollierbar und kann bei höheren Geschwindigkeiten mit Leichtigkeit zum Beispiel eine Leitplanke auf der Autobahn durchbrechen. Selbst wenn sich der brennende Gummi von der Felge löst, bleibt er meist unter dem Fahrzeug liegen, sodass ein Übergreifen des Feuers auf den Zug oft nicht zu vermeiden ist. Ein Entstehungsbrand lässt sich dagegen bei frühzeitigem Eingreifen meist mit dem üblichen Sechs-Kilo-Pulverlöscher kontrollieren. Pkw-Fahrer sollten in einer solchen Situation keinesfalls überholen und ausreichend Abstand halten.

4. Prävention: Wirksam vorbeugen

  • Regelmäßige Abfahrts- und Luftdruckkontrolle, Reifen und Reserverad auf Beschädigungen prüfen.Funktionsfähigkeit der Reserveradhalterungen sicherstellen.
  • Wartungsintervalle einhalten.
  • Verändert sich das Lenkverhalten während der Fahrt, sofort anhalten, Reifen prüfen oder eine Werkstatt anfahren.
  • Spätestens alle vier Wochen (im Sommer alle zwei) den Fülldruck am kalten Reifen und Reserverad prüfen.
  • Nach dem Radwechsel (50 bis 100 Kilometer) Radmuttern nachziehen, da andernfalls Felgen und Radnaben beschädigt werden.
  • Einbau eines Reifendruckkontrollsystems (RDKS): Macht ein Reifen schlapp, warnt das System. Neufahrzeuge sind meist mit einem RDKS ausgerüstet. Bei Altfahrzeugen lohnt sich die Nachrüstung: Die Kosten amortisieren sich nach 1 bis 1,5 Jahren durch einen geringeren Dieselverbrauch.

5. Sicherheitshinweise:

Feuerwehr alarmieren: So früh wie möglich die Polizei alarmieren. Sie verfügt über ein Feuerwehr-Alarmierungssystem und informiert die Autobahnmeisterei. Die Leitzentrale führt dabei den Fahrer durch einen strukturierten Fragenkatalog und fragt alle Informationen ab, die für die Brandbekämpfung benötigt werden: Wichtig ist eine genaue Beschreibung der Fahrzeugposition, auf Autobahnen ist die Fahrrichtung wichtig. Informationen zur Ladung sollte der Fahrer ebenfalls parat haben, vor allem wenn es sich um Gefahrgut handelt. Die Feuerwehr benötigt diese Information nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch, um das richtige Löschmittel einzusetzen.

Eigene Löschversuche: Gespräche mit Brandschutzexperten zeigen, dass je nach Fall unterschiedliche Vorgehensweisen ratsam sind. Die meisten Fehler werden bei eigenen Löschversuchen gemacht. Richtig ist, in kurzen Stößen das Feuer von unten nach oben zu bekämpfen – also nicht unkontrolliert den gesamten Inhalt des Feuerlöschers in einem Stoß in die Flammen zu entleeren. Besonders wichtig: Mit der Windrichtung löschen, um sich nicht giftigen Rauchgasen auszusetzen. Den Umgang mit Feuerlöschgeräten kann und sollte man als Berufskraftfahrer regelmäßig trainieren.

Da explodierende Reifen zu Geschossen werden können, ist es lebenswichtig, niemals direkt vor dem Reifen, also in Achsrichtung, zu stehen, sondern schräg versetzt oder in Fahrtrichtung.

Eigener Reifenwechsel: Der Fahrer sollte niemals einen Reifen auf der Fahrbahn zugewandten Seite ohne Absicherung durch die Polizei wechseln. Dabei kommt es immer wieder zu Unfällen mit Todesfolge. Aus Sicherheitsgründen sollte der Fahrer die Reifen immer von einem Pannendienst wechseln lassen.

Reifenschäden richtig melden:

Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer Panne kommen, sind die ADAC Truckservice Pannenhelfer in Deutschland und Europa rund um die Uhr zu erreichen.

Notrufe-Hotline aus dem Inland (kostenfrei): 0 800 5 24 80 00
Notrufe-Hotline aus dem europäischen Ausland (kostenfrei): 0049 7333 80 83 50

Diese Angaben sollten Sie bei einer Reifenpanne parat haben:
Standort des Fahrzeugs
Eigene Rückrufnummer
Fahrzeugpapiere
Reifengröße und -position
Winter- oder Sommerreifen
Ersatzrad vorhanden und einsatzbereit
Felge in Ordnung? Wenn nein, dann:
o Stahl- oder Aluminiumfelge
o Lochung
o Schreiben- oder Trommelbremse
o Einpresstiefe (diese Angabe finden Sie auf der Felge z.B. ET0, ET120, >0<, >120<) 

Wichtig: Fahrzeug checken und eventuelle Folgeschäden angeben (Elektrik, Stoßdämpfer, Luftbalg, etc.).

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Kontakt für Medien

Diese Presseinformation finden Sie online mit Bildmaterial unter https://tinyurl.com/presse-adac-truckservice

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Mandy Reutter Tel.: 07333 80 8853,
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Über den ADAC TruckService:
Die ADAC Truckservice GmbH & Co. KG (Laichingen) bietet Pannenhilfe für Lkw, Trailer, Busse und leichte Nutzfahrzeuge. Zur Leistungspalette gehören Festpreisprodukte für Fahrzeugflotten, Mobilitätspakete und After-Sales-Angebote für Lkw-Hersteller sowie ein Werkstattnetz mit über 800 Standorten und mehr als 3000 Pannenhelfern in Deutschland. Europe Net ist ein Tochterunternehmen des ADAC Truckservice. Das Unternehmen wurde 1988 gegründet und bietet in 39 Ländern Europas und 24 Sprachen Pannenhilfe für den kommerziellen Nutzfahrzeugsektor sowie Mobilitätsprogramme für die Industrie. Herzstück sind 13 regionale Service Provider, die über ein Netzwerk von über 40.000 Vertragswerkstätten verfügen.


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Die ADAC SE mit Sitz in München ist eine Aktiengesellschaft europäischen Rechts, die mobilitätsorientierte Leistungen und Produkte für ADAC Mitglieder, Nichtmitglieder und Unternehmen anbietet. Der Konzern besteht aus 34 Tochter- und Beteiligungsunternehmen, unter anderem der ADAC Versicherung AG, der ADAC Finanzdienste GmbH, der ADAC Autovermietung GmbH sowie der ADAC Service GmbH. Als wachstumsorientierter Marktteilnehmer treibt die ADAC SE die digitale Transformation über alle Geschäfte voran und setzt dabei auf Innovation und zukunftsfähige Technologien.