FI-Schalter fliegt raus: Was jetzt zu tun ist
Von Christoph Henn , André Gieße

Der Strom ist weg, aber keine Sicherung raus? Oder der FI-Schalter lässt sich nicht mehr einschalten? Woran es liegen kann, wie sich das Problem lösen lässt und wann ein Profi helfen muss.
Was ist ein FI-Schalter – und was tut er?
Viele kennen das: Plötzlich ist der Strom weg – aber im Sicherungskasten ist auf den ersten Blick keine Sicherung herausgesprungen. Stattdessen ist in dem Kasten für die Stromverteilung im Haushalt ein etwas breiterer Schalter mit der Aufschrift "FI" (oder "RCD") ausgeschaltet und lässt sich nicht wieder einschalten.
Das ist der Fehlerstrom-Schutzschalter. Der FI-Schalter misst laufend, ob der Strom, der in den Haushalt hineinfließt, genauso groß ist wie der Strom, der wieder herausfließt. Entsteht dabei eine minimale Abweichung – weil Strom über einen Defekt am Gerät oder durch einen menschlichen Körper in die Erde abfließt –, schaltet er sofort ab.
Darin unterscheidet sich der FI-Schalter von klassischen Sicherungen (Leitungsschutzschaltern): Diese reagieren nur auf Kurzschlüsse oder Überlastung, um Kabelbrände zu verhindern. Der FI-Schalter hingegen reagiert blitzschnell – meist innerhalb von Millisekunden – und unterbricht den Strom, noch bevor ein Stromschlag lebensgefährlich werden kann.
Lässt der FI-Schutzschalter sich danach nicht wieder einschalten, liegt der Fehler meist noch aktiv an einem der angeschlossenen Geräte vor.
Warum der FI-Schalter rausfliegt und sperrt
Wenn der FI-Schalter ausgelöst hat und sich nicht wieder einschalten lässt, liegt das oft an einem anhaltenden Fehler im Stromkreis zu Hause. Er kann viele Ursachen haben – und einige davon sind nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Häufige Auslöser für den FI-Schutzschalter sind:
Feuchtigkeit: In Kellerräumen, an Außensteckdosen oder in schlecht abgedichteten Badezimmern kann eingedrungene Nässe zu Kriechströmen führen.
Defekte Elektrogeräte: Auch scheinbar funktionierende Geräte wie Waschmaschinen oder Toaster können im Inneren einen Isolationsfehler aufweisen.
Beschädigte Leitungen: Wer beim Bohren ein Stromkabel trifft, kann damit eine Fehlstromquelle schaffen.
Überspannung: Ein Blitzeinschlag oder eine plötzliche Netzstörung können ebenfalls dazu führen, dass der FI-Schalter auslöst.
Dass sich der FI-Schalter bei einem bestehenden Fehler nicht wieder einschalten lässt, liegt an der sogenannten Freiauslösung. Dieser Sicherheitsmechanismus sorgt dafür, dass der Schalter im Inneren sofort wieder trennt, solange das Problem besteht – selbst wenn man den Hebel von Hand nach oben drückt. Das ist kein Defekt des Schalters, sondern ein Schutz vor Stromschlägen.

Was, wenn der FI-Schalter nicht reingeht?
Lässt sich der FI-Schutzschalter nicht wieder einschalten, ist das ein Zeichen dafür, dass der Fehler im Stromkreis des Haushalts noch besteht. So gehen Sie in diesem Fall vor:
Alle Stecker ziehen: Alle Elektrogeräte in den betroffenen Räumen vom Stromnetz trennen, selten genutzte Geräte (z.B. Gefrierschrank im Keller), Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen nicht vergessen.
FI-Schalter erneut einschalten: Funktioniert das jetzt, war tatsächlich ein Elektrogerät im Haushalt die Ursache für den Fehlerstrom.
Geräte nacheinander einstecken: Stecken Sie die Geräte nacheinander wieder ein. Warten Sie nach jedem Gerät ein paar Sekunden. Löst der FI-Schalter bei einem Gerät erneut aus, haben Sie den Übeltäter gefunden.
Achtung: Das identifizierte defekte Gerät darf auf keinen Fall weiterverwendet werden – es besteht akute Stromschlaggefahr. Lässt sich der Fehler im Stromkreis nicht eindeutig eingrenzen, müssen Sie einen Elektrofachbetrieb rufen.
Wenn nach dem Ziehen aller Stecker der FI-Schutzschalter immer noch nicht reingeht, liegt der Fehler oft an einem der fest angeschlossenen Haushaltsgeräte (z.B. Herd/Backofen, Heizungsanlage, Außenleuchten) oder in der Leitung selbst.
Sonderfall: Strom weg, aber alle Schalter sind oben
Manchmal kommt es zum Stromausfall, aber im Sicherungskasten sieht alles normal aus – weder eine Sicherung noch der FI-Schalter sind herausgesprungen. Prüfen Sie in diesem Fall Folgendes:
Die Nachbarschaft checken: Ist das Licht auf der Straße oder beim Nachbarn auch aus? Wenn ja, liegt ein allgemeiner Stromausfall des Netzbetreibers vor. Hier hilft nur Warten.
Die Hauptsicherung prüfen: In Altbauten oder größeren Häusern gibt es oft noch vor dem Wohnungskasten (z.B. im Keller oder Flur) separate Hauptsicherungen. Ist dort eine geschmolzen oder herausgesprungen, bleibt die Wohnung dunkel, obwohl in Ihrem Kasten alle Schalter auf "oben" stehen.
Schalter mit Mittelstellung (Trip-Modus): Manche modernen FI-Schalter und Sicherungen springen beim Auslösen nicht ganz nach unten, sondern bleiben in einer Mittelstellung hängen. Sie sehen von Weitem "aktiv" aus, sind aber aus. Lösung: Den Schalter einmal ganz nach unten drücken (ausschalten) und erst dann wieder komplett nach oben schieben.
Wenn sich die Ursache nicht eindeutig eingrenzen lässt, der FI-Schalter immer wieder rausfliegt oder die Sicherung nicht mehr reingeht, sollte unbedingt ein Fachbetrieb für Elektrotechnik hinzugezogen werden.
| Symptom | Mögliche Ursache | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|---|
FI-Schalter fliegt plötzlich raus | Fehlerstrom durch defektes Gerät, Feuchtigkeit oder beschädigte Leitung | Kein weiteres Drücken – Verbraucher trennen, ggf. Elektriker verständigen |
FI-Schalter lässt sich nicht einschalten | Fehlerstrom besteht weiterhin (z.B. durch dauerhaft defektes Gerät) | Alle Verbraucher abziehen, dann erneut versuchen – bei Misserfolg Elektriker rufen |
FI-Schalter fliegt beim Einschalten eines bestimmten Geräts raus | Gerät hat einen sogenannten Isolations- oder Masseschluss | Gerät außer Betrieb nehmen, nicht mehr verwenden, ggf. Fachbetrieb prüfen lassen |
Strom weg, aber keine Sicherung erkennbar raus | FI-Schalter hat ausgelöst, aber optisch schwer erkennbar | Alle Schalter im Sicherungskasten prüfen – auch den FI-Schalter, evtl. durch leichten Druck testen |
Sicherung geht nicht mehr rein | Anhaltender Kurzschluss im Stromkreis oder defekter Schalter | Kein weiteres Drücken – Verbraucher trennen, ggf. Elektriker verständigen |
FI-Schalter fliegt regelmäßig oder "ohne Grund" raus | Kriechstrom durch Feuchtigkeit, beschädigte Isolierung, schleichender Defekt | Fehler schwer erkennbar – professionelle Fehlersuche durch Fachbetrieb notwendig |
FI-Schalter löst ohne angeschlossene Geräte aus | Fehler in der festen Elektroinstallation (z.B. Leitung, Steckdose) | Stromkreis von einer Fachkraft prüfen lassen, evtl. Isolationsmessung erforderlich |
Wo ist ein FI-Schutzschalter Pflicht?
Der FI-Schutzschalter ist in vielen Fällen nach der Norm DIN VDE 0100-410 für elektrische Anlagen gesetzlich vorgeschrieben. Hier ist ein FI-Schalter (maximal 30 mA Auslösestrom) Pflicht:
In Neubauten: Für alle von Laien bedienbaren Steckdosenstromkreise bis 32 Ampere (Pflicht seit 2009, verschärft 2018).
Für die Beleuchtung: Seit 2018 müssen auch alle festen Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen über einen FI-Schutz abgesichert sein.
In Feuchträumen: In Räumen mit Badewanne oder Dusche gilt die Einbaupflicht seit 1984.
Im Außenbereich: Für alle Außensteckdosen sowie tragbaren Geräte im Freien ist der Schutz obligatorisch.
Bei Umbauten und Erweiterungen: Wird eine bestehende Elektroanlage wesentlich verändert, erweitert (z.B. neue Steckdosen oder Leitungen verlegt) oder saniert, erlischt der Bestandsschutz für diesen Bereich und ein FI-Schalter muss zwingend nachgerüstet werden.
Ein einziger FI-Schalter für das gesamte Haus ist laut moderner Normung unzulässig. Die Stromkreise müssen so auf mehrere FI-Schalter aufgeteilt werden, dass im Fehlerfall niemals die gesamte Anlage gleichzeitig abschaltet. Für Altanlagen ohne Änderungen gilt formal ein Bestandsschutz, eine Nachrüstung wird jedoch aufgrund der Lebensgefahr dringend empfohlen.
Besteht eine Nachrüstpflicht für FI-Schalter in Altbauten?
Für unveränderte elektrische Anlagen in Altbauten besteht grundsätzlich keine automatische Anpassungspflicht. Umgangssprachlich ist oft von Bestandsschutz die Rede. Wenn die Anlage zum Zeitpunkt ihrer Errichtung den damals gültigen Vorschriften entsprach und bis heute sicher betrieben werden kann, muss sie nicht allein wegen neuerer Normen modernisiert werden.
Eine Pflicht zur Nachrüstung eines FI-Schalters entsteht jedoch in folgenden Fällen:
Erweiterung und Änderung
Sobald die Elektroanlage wesentlich verändert wird – beispielsweise wenn neue Steckdosen installiert, Stromkreise erweitert oder Leitungen neu verlegt werden –, muss der betroffene Teil nach den aktuellsten Normen mit einem FI-Schalter abgesichert werden.Nutzungsänderung mit Anlagenumbau
Wenn ein Raum anders genutzt wird (z.B. ein Abstellraum zum Wohnraum umfunktioniert wird) und im Zuge dessen die elektrische Installation an die neue Nutzung angepasst werden muss, erlischt der Altstatus für diese neuen Komponenten.
Sicherheitsmängel
Weist die Anlage gravierende Mängel auf – wie brüchige Isolierungen, fehlende Schutzleiter oder akute Brandgefahr –, ist der sichere Betrieb nicht mehr gewährleistet. In solchen Fällen verlangen die Sicherheitsvorschriften eine fachgerechte Instandsetzung, bei der ein moderner Schutzstandard hergestellt werden muss.
Auch ohne gesetzliche Pflicht ist das Nachrüsten eines FI-Schalters im Altbau die sinnvollste und günstigste Maßnahme, um das Risiko von lebensgefährlichen Stromunfällen drastisch zu senken.
Wer ist in Mietwohnungen für FI-Schalter verantwortlich?
Gerade in Mietwohnungen stellt sich oft die Frage: Wer muss den FI-Schalter nachrüsten – Vermieter oder Mieter?
Solange keine neuen Steckdosen oder Leitungen installiert werden, besteht keine gesetzliche Pflicht für den Vermieter, nachzurüsten.
Wünscht ein Mieter dennoch den Einbau eines FI-Schalters, muss er um Erlaubnis bitten und auch die Kosten selbst tragen.
Anders sieht es aus, wenn im Rahmen eines Umbaus ein neuer Steckdosenkreis installiert wird, zum Beispiel beim Einbau einer neuen Küche. Hier muss der Vermieter den FI-Schutz nachrüsten.
Wann ist ein Elektriker für den FI-Schalter gefragt?
Nicht jeder ausgelöste FI-Schalter ist gleich ein Fall für den Fachmann – doch es gibt klare Grenzen. Das gilt besonders bei:
wiederholtem Stromausfall ohne erkennbaren Grund
einem FI-Schalter, der sich gar nicht mehr einschalten lässt
ungeklärtem Stromausfall, obwohl die Sicherungen alle drin sind
sichtbaren Schäden an Steckdosen, Kabeln oder Geräten
In diesen Fällen braucht es zwingend eine Klärung durch einen Elektrofachbetrieb. Ein Profi kann mit speziellen Messgeräten gezielt prüfen, wo der Fehlerstrom entsteht. Dazu gehören:
Isolationsmessungen, um beschädigte Leitungen zu erkennen
Stromkreisprüfungen, um defekte Geräte oder Leitungsabschnitte zu identifizieren
Prüfung des FI-Schalters selbst, falls dieser mechanisch defekt oder gealtert ist
Verdeckte Isolationsfehler, beschädigte Leitungen oder ein schleichender Fehlerstrom sind nicht sichtbar – können aber zu Stromschlägen oder Bränden führen. Reparaturversuche an der Elektroinstallation durch Laien sind deshalb nicht nur rechtlich unzulässig, sondern auch lebensgefährlich.

Wann den FI-Schalter tauschen lassen?
FI-Schalter sind nicht unbegrenzt haltbar: Alterung oder Überspannungen können ihre Funktion beeinträchtigten. Eine regelmäßige Prüfung über die Testtaste ist daher wichtig. Besteht der Schalter den Test nicht oder löst er nicht mehr ordnungsgemäß aus, ist ein Austausch erforderlich.
Tipp: Lassen Sie die Installation immer dokumentieren, besonders bei Mietobjekten – so sind Funktion und Sicherheit im Ernstfall nachweisbar.
Was kostet ein neuer FI-Schalter?
FI-Schalter selbst: ca. 25 bis 150 Euro
Einbau durch Elektriker: ca. 150 bis 300 Euro. Die Kosten variieren je nach Aufwand. Besonders bei Altanlagen oder mehreren Stromkreisen kann die Nachrüstung deutlich teurer sein.
Komplette Nachrüstung in Altbau: 800 bis 2500 Euro (inkl. Material, Prüfung, Dokumentation). Vollständige Neuaufteilung und Umverdrahtung des Verteilers mit mehreren FI-Schaltern.
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