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Der ADAC

Auto vs. Fahrrad: So vermeiden Sie einen Fahrradunfall

Wenn es eng wird, sollten Rad-und Autofahrer Rücksicht nehmen ∙ © iStock.com/Marco_Piunti

Missverständnisse zwischen Radlern und Autofahrern sorgen für Stress auf beiden Seiten. Wir wollen helfen, sie zu vermeiden und die Unfallzahlen zu reduzieren. Hier die wichtigsten Tipps für beide Parteien, damit es im täglichen Miteinander besser klappt.

  • Laut Statistischem Bundesamt starben 2018 in Deutschland 445 Radler, ein Sechstel mehr als im Vorjahr

  • Die Zahl der Radfahrer steigt seit Jahren, die Infrastruktur für sie entwickelt sich aber nicht in der gleichen Geschwindigkeit

  • Zu Konflikten zwischen Rad- und Autofahrern kommt es oft, wenn Verkehrsregeln nicht bekannt sind oder bewusst missachtet werden

Was Radfahrer beachten sollten

Oft werden Radler schlicht übersehen. Deshalb: Kleiden Sie sich möglichst auffällig und schalten Sie bei Dämmerung und Dunkelheit Ihr Licht an.

Zeigen Sie Ihre Absicht immer eindeutig an: Ein Autofahrer kann nicht wissen, dass Sie abbiegen wollen, wenn Sie kein Handzeichen geben.

Benutzen Sie den Radweg, wo ein blaues Schild es erfordert (siehe unten). Fahren Sie nur in die zugelassene Richtung: Auch erfahrene Autofahrer rechnen meist nicht mit Geisterfahrern.

Versuchen Sie für Pkw- und Lkw-Lenker mitzudenken: Nicht immer ist diesen klar, dass ihr Fahrzeug einen toten Winkel hat. Meiden Sie den toten Winkel beim Fahren und beim Stehen.

In für Fahrradfahrer freigegebene Einbahnstraßen dürfen Sie auch in die Gegenrichtung fahren. Allerdings sind diese Straßen oft relativ eng. Halten Sie Blickkontakt mit den entgegenkommenden Fahrern – so lassen sich Gefahrensituationen mit wenigen Gesten entschärfen.

Wenn an Haltestellen Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in sicherem Abstand vorbeigefahren werden. Am besten wartet der Radler am Anfang des Haltestellenbereiches, bis keine Fahrgäste mehr kreuzen.

Auch wenn Sie es haben: Pochen Sie nicht auf ihr Recht!

Ratsam ist, eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen.

Lesen Sie hier, was außerdem Kinder beim Radfahren beachten sollten.

Das sollten Pedelec-Fahrer wissen

Für Pedelec-Fahrer gilt natürlich dasselbe wie für "klassische" Radfahrer. Zusätzlich sollten sie aber noch einen weiteren Punkt beachten: Wegen der zusätzlichen Motorkraft und dem höheren Gewicht hat ein Pedelec andere Eigenschaften als ein herkömmliches Fahrrad. Dies hat spürbare Auswirkungen auf das Fahrverhalten und ist im Straßenverkehr eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle.

Die Fahrer sollten daher den sicheren Umgang in einem Pedelec-Training üben. Dies ist bei verschiedenen Anbietern, unter anderem auch bei mehreren ADAC Regionalclubs, möglich. Aufgrund der erhöhten Gefahren empfehlen wir zudem, Pedelecs erst ab 16 Jahren zu nutzen.

Hier finden Sie weitere Tipps für Pedelec-Fahrer.

Was Autofahrer über Radfahrer wissen sollten

Besonders an Engstellen haben Autofahrer manchmal den Eindruck Radler würden absichtlich weit in der Mitte der Straße fahren: Aber Radfahrer müssen zum rechten Fahrbahnrand und zu parkenden Autos genügend Sicherheitsabstand einhalten.

Beim Überholen müssen Sie innerorts mindestens 1,5 Meter Seitenabstand zum Radfahrer einhalten. Bei höherem Tempo und wenn Sie Kinder überholen wollen, sollte der seitliche Sicherheitsabstand mindestens zwei Meter betragen. Außerorts ist dies der verpflichtende Mindestabstand.

Radfahrer dürfen auf Radwegen oder auf Fahrbahnen fahren, außer ein blaues Verkehrsschild (siehe unten) schreibt ihnen vor, dass sie den Radweg benutzen müssen.

Selbst wenn es vor der roten Ampel eng ist: Radfahrer dürfen laut §5 der Straßenverkehrsordnung wartende Autos rechts überholen, wenn ausreichender Raum vorhanden ist. Allerdings sind dabei "mäßige Geschwindigkeit und besondere Vorsicht" einzuhalten.

Schutzstreifen für Radfahrer sind durch eine unterbrochene weiße Leitlinie markiert. Nur in Ausnahmefällen dürfen Autofahrer die Leitlinie überfahren, zum Beispiel wenn sie kurzfristig ausweichen müssen und dabei kein Radfahrer gefährdet wird. Das Halten auf dem Schutzstreifen ist verboten und führt zu einem Punkteintrag.

Auf Radfahrstreifen dagegen, erkennbar durch eine durchgezogene weiße Linie, dürfen Autofahrer weder ausweichen noch parken oder halten. Nur um dahinter angelegte Parkstände zu erreichen, dürfen sie überfahren, Radfahrer dabei aber weder behindert noch gefährdet werden.

Im Radfahrerland Holland lernen Neulinge es bereits in der Fahrschule: Öffnen Sie die Fahrertür von innen mit der rechten Hand. So dreht sich der Oberkörper automatisch leicht in Richtung des nachfolgenden Verkehrs – dadurch sehen Sie auch in den toten Winkel. Bei unseren Nachbarn stoßen so wesentlich seltener Radfahrer gegen unachtsam geöffnete Autotüren. Wie genau der "Holländische Griff" funktioniert, sehen Sie in diesem Youtube-Video*.

Auch wenn Sie Recht haben: Pochen Sie nicht darauf! Was nützt es, wenn Sie Recht hatten und es dennoch einen Unfall gibt? Die Hauptschuld trägt in der Regel immer der "stärkere" Autofahrer.

ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand zum Miteinander im Verkehr

Die Bedeutung des Fahrrads gerade für die städtische Mobilität wächst.
Das ist unter vielerlei Gesichtspunkten eine positive Entwicklung: Fahrradfahren ist im Sinne der Gesundheit, im Sinne des Klimaschutzes und kann auch zur Entlastung der oft angespannten Verkehrssituation auf unseren Straßen beitragen.

Unsere Verkehrsinfrastruktur ist aber einer massiven Zunahme des Radverkehrs nicht gewachsen, so dass Investitionen in den Ausbau der Radwege notwendig sind. Wichtig ist es, bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur alle Belange mitzubedenken: Parkplätze zu streichen ohne Alternativen anzubieten, ist etwa für Anwohner oft nicht hinnehmbar.

Umgekehrt kann auf Haupteinfallstraßen nicht kurzerhand auf eine Fahrspur verzichtet werden. Eine ganzheitliche Planung sollte Konflikte vermeiden verhelfen. Ich appelliere aber auch an ein faires Verhalten der Verkehrsteilnehmer untereinander.

Wann Radler den Radweg nutzen müssen

Jedes der drei Schilder weist einen benutzungspflichtigen Radweg aus – als reinen Radweg (1), als eigene Spur neben dem Fußweg (2) oder zusammen mit Fußgängern auf einem gemeinsamen Weg (3). Überall hier müssen Radfahrer den ausgewiesenen Weg benutzen. Dabei gilt bei Schild 3 besondere Vorsicht, denn hier teilt man sich den Weg mit Fußgängern – da ist gegenseitige Rücksichtnahme gefordert.

Ausnahme: Ist der Radweg – etwa im Winter oder wegen einer Baustelle – unzumutbar, dürfen Radfahrer trotz der Schilder die Fahrbahn benutzen.

Hier können Sie weitere Regeln und Bußgelder für Radfahrer nachlesen.
Außerdem gelten diese Regeln für E-Scooter.

Mehr Rücksichtnahme ist gefragt

In einer Umfrage unter 2000 Großstadtbewohnern hat der ADAC 2019 unter anderem ermittelt, ob sie Rücksichtnahme im Verkehrsgeschehen wahrnehmen. Ergebnis war, dass mehr als jeder Dritte rücksichtsvolles Verhalten vermisst:

Hier finden Sie weitere Informationen zur Flächenkonkurrenz in Großstädten.