Fahrradventile: Welche gibt es und wie unterscheiden sie sich?

• Lesezeit: 5 Min.

Von Andrea Piechotta, Dr. Norbert Prack

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Ein Mann schraubt auf ein Fahrradventil die Kappe auf
Bei der Wahl des richtigen Fahrradventils gilt es, einiges zu beachten© Shutterstock/ALPA PROD

Für Fahrradventile gibt es viele Bezeichnungen. Am wichtigsten sind vier Ventiltypen, die jeweils bestimmte Besonderheiten aufweisen. Ein Überblick.

  • Die wichtigsten Ventiltypen

  • Wie sie funktionieren und wie man sie handhabt

  • Welche Vor- und Nachteile sie haben

In Deutschland und Europa dominieren mittlerweile vier Typen von Fahrradventilen: das Autoventil, auch Schraderventil genannt, das französische oder Sclaverand-Ventil, das Dunlop- oder Blitzventil und das Clik Valve. Hier werden sie vorgestellt.

Autoventil (Schraderventil)

Schemazeichnung für ein Autoventil
So funktioniert ein Autoventil (Schraderventil)© ADAC e.V.

Das Autoventil, nach seinem Erfinder August Schrader auch Schraderventil genannt, heißt so, weil es wie ein Autoreifenventil funktioniert.

Um einen Schlauch mit Autoventil aufzupumpen, muss man zunächst die Ventilkappe entfernen. Danach setzt man den Pumpenkopf auf das Ventil und kann mit dem Pumpen beginnen.

Um Luft abzulassen, drückt man mit einem kleinen Gegenstand, zum Beispiel einem kleinen Schraubenzieher, auf den Pin, der sich in der Mitte des Ventilröhrchens befindet. Dann entweicht Luft, bis man den Druckgegenstand wieder entfernt.

Ein Fahrradschlauch mit Autoventil lässt sich rasch montieren: Das Ventil wird durch die dafür vorgesehene Öffnung in der Felge geschoben und gegebenenfalls mit einer Mutter gegen Verrutschen gesichert.

Autoventile findet man sehr häufig an Trekking- und Alltagsrädern sowie bei E-Bikes. Vorteil: Sie können auch an Tankstellen aufgepumpt werden.

Französisches Ventil (Sclaverand-Ventil)

Schemazeichnung für ein französisches Ventil
So funktioniert ein französisches Ventil (Sclaverand-Ventil)© ADAC e.V.

Das französische oder Sclaverand-Ventil, manchmal auch Presta-Ventil genannt, ist von den drei Ventiltypen das dünnste. Aus diesem Grund hat es sich bei Rennrädern durchgesetzt. Wegen der bei Rennrädern schmalen Felgen schwächt die kleinere Ventilbohrung die Felgensteifigkeit am wenigsten.

Einen Schlauch mit einem französischen Ventil pumpt man auf, indem man zunächst die Ventilkappe entfernt und anschließend den mittigen Ventilstift durch eine Drehung der kleinen Haltemutter löst. Danach kann man den Pumpenkopf aufsetzen und Luft zuführen. Dabei sollte man darauf achten, dass der Pumpenkopf stets gerade über dem Ventil sitzt, damit der dünne Ventilstift nicht verbogen wird.

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Um Luft abzulassen, drückt man einfach mittig auf den Ventilkopf. Ist der richtige Druck eingestellt, dreht man den Ventilkopf zu und setzt die Kappe wieder auf.

Um einen Schlauch mit französischem Ventil am Rad zu montieren, wird das Ventil durch die dafür vorgesehene Öffnung in der Felge geschoben. Dazu muss man zunächst die Ventilkappe entfernen, ebenso die Mutter am Ventilrohr. Anschließend kann man mit der Mutter das Ventil an der Felge fixieren.

Übrigens: Seinen Namen hat das Ventil von dem französischen Erfinder Étienne Sclaverand.

Blitzventil und Dunlop-Ventil

Schemazeichnung für ein Blitzventil
So funktioniert ein Blitzventil© ADAC e.V.

Der dritte Typ ist das sogenannte Blitzventil, manchmal auch nur Fahrradventil genannt. Blitzventile waren vor allem früher dominant, sind in Deutschland aber trotz rückläufiger Verkaufszahlen immer noch am häufigsten verbreitet. Sie finden sich vor allem bei Fahrrädern für den alltäglichen Gebrauch.

Beim Aufpumpen eines Blitzventils entfernt man die Ventilkappe, setzt die Pumpe an und beginnt mit der Luftzufuhr. Je nach Ventilzustand und Pumpe kann der Pumpwiderstand höher ausfallen als bei den anderen Typen, da die Ventilöffnung nur freigegeben wird, wenn der Pumpendruck höher ist als der Luftdruck im Schlauch.

Will man Luft ablassen, muss man die Mutter lösen, die den Ventileinsatz hält. In der Regel strömt dabei die gesamte Luft aus, sodass man den Schlauch komplett neu aufpumpen muss.

Für die Montage eines Fahrradschlauchs mit Blitzventil muss man die Mutter, die den Ventilkern hält, abschrauben und das Ventil entfernen. Anschließend kann man das Röhrchen durch die vorgesehene Öffnung schieben und danach den Ventilkern wieder einsetzen. Die Fixierung erfolgt mit der Mutter.

Eng verwandt mit dem Blitzventil ist das sogenannte Dunlop-Ventil, benannt nach John Boyd Dunlop, der auch den gleichnamigen Reifenhersteller gegründet hat. Es besteht aus einem einfachen verschlossenen Röhrchen mit einem seitlichen Loch. Über dieses Röhrchen wird ein entsprechend enger Gummischlauch so geschoben, dass das seitliche Loch vom Gummischlauch verschlossen wird.

Heute werden Dunlop-Ventile nur noch selten eingesetzt, da der Pumpdruck zum Überwinden der Vorspannung des Gummischlauches recht hoch ist. Außerdem versprödet der Gummischlauch im Lauf der Zeit.

Tipps zu Fahrradpumpen

Beim Kauf einer Fahrradpumpe sollte man darauf achten, dass sie für alle Ventilarten verwendet werden kann. Bei guten Pumpen ist dies inzwischen Standard.

Auch Nicht-Autoventile lassen sich mit einem Autoventilstutzen aufpumpen, wenn man einen Adapter verwendet. Dann ist auch nur ein Pumpenkopf erforderlich.

Innovation: Das Schwalbe Clik Valve

Ein innovatives Produkt auf dem Markt ist das Schwalbe Clik Valve. Dieses Ventil ermöglicht ein einfaches Aufstecken des Pumpenkopfes ohne Schrauben oder Hebel – ein leichtes Klicken signalisiert die korrekte Verbindung. Ein weiterer Vorteil des Clik Valve ist der laut Hersteller bis zu 50 Prozent höhere Luftdurchfluss im Vergleich zu herkömmlichen Ventilen, was das Aufpumpen insbesondere bei Tubeless-Reifen erleichtert.

Das Schwalbe Clik Valve kann unabhängig vom aktuell verwendeten Ventil- oder Pumpentyp nachgerüstet werden, da es passende Umrüstsets für alle gängigen Fahrradventile gibt. Der Wechsel ist unkompliziert: Bei Sclaverand-, Dunlop- und Tubeless-Ventilen muss lediglich der Ventileinsatz ausgetauscht werden, während für Autoventile (Schrader) ein Adapter zur Verfügung steht, der einfach aufgeschraubt und bei Bedarf wieder entfernt werden kann – beispielsweise um weiterhin Tankstellenpumpen nutzen zu können.

Auch der Pumpenkopfadapter lässt sich flexibel in bestehende Pumpenköpfe integrieren, entweder durch Spannen oder Einschrauben, sodass sowohl Standpumpen als auch Handpumpen kompatibel bleiben. Zudem kann das Schwalbe Clik Valve mit herkömmlichen Sclaverand-Ventil-Pumpen genutzt werden, sodass jederzeit ein Wechsel auf eine andere Pumpe möglich bleibt.