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Digitalradios mit DAB+ zum Nachrüsten: Für alle Autos problemlos

Zwei junge Frauen hören im Auto Musik
Der Klang der Autoradios mit DAB+ ist wesentlich besser als mit UKW ∙ © iStock.com/vgajic

Beste Klangqualität ohne Rauschen: Der Einbau von Digitalradios mit DAB+ lohnt sich. Die wichtigsten Infos zu Nachrüstsystemen und deren Einbau.

  • Störungsfreier Empfang fast überall in Deutschland

  • Nachrüstsätze oft schon für unter 100 Euro

  • Stauinformationen sind deutlich genauer

  • DAB+ in Neufahrzeugen ab 2020 Pflicht

Der Markt für Autoradios kommt in Bewegung: Neue Pkw mit Erstzulassung ab 21. Dezember 2020 und serienmäßigem Radio müssen ab Werk DAB+ (Digital Audio Broadcast) empfangen können. Es wird ähnlich UKW über Sendemasten ausgestrahlt (terrestrisch).

Doch auch alle Bestandsfahrzeuge können damit nachgerüstet werden: Das geht von „schnell und günstig“ bis hin zu „komfortabel und hoch integriert“ – oft sogar im Do-it-yourself Verfahren.

Die Vorteile von Digitalradios

Die EU-Regelung, die Deutschland jetzt in nationales Recht umgesetzt hat (in Frankreich und Italien sind ähnliche Bestimmungen bereits in Kraft), macht aus mehreren Gründen Sinn.

  • Der bessere Empfang. DAB+ bietet einen klaren Sound, ist rauschfrei und hat einen stabilen Empfang, weil jedes Programm überall auf der gleichen Frequenz ausgestrahlt wird. DAB+ ist in allen Ballungsräumen, entlang der Autobahnen und laut Branchenverband auf 98 Prozent der Fläche Deutschlands verfügbar.

  • Die größere Programmvielfalt. Durch die digitale Übertragung können mehr Programme ausgestrahlt werden: Insgesamt sind bereits über 250 digitale Programme auf immer der gleichen Frequenz regional unterschiedlich zu empfangen, 13 Sender wie Deutschlandradio senden national – das Suchen einer neuen Frequenz während der Fahrt entfällt

  • Mehr Informationen. Dank mehr „Platz“ für digitale Daten können deutlich genauere Stau-Informationen schneller übermittelt werden – bis hin zu innerstädtischen Verkehrsstörungen. Zahlreiche Zusatzdaten werden unhörbar mit dem Programm übertragen – z.B. Sendername, Infos zum gesendeten Programm oder Bilderfolgen (die allerdings ablenken können).

Gut also, wer sich schon beim Autokauf für meist 200 bis 300 Euro Aufpreis für die zusätzliche DAB+-Funktion entschieden hat. Zusätzlich – weil der UKW-Empfang selbstverständlich weiterhin möglich ist. Ein Abschaltdatum für UKW ist entgegen anders lautender Meldungen (und im Gegensatz zu beispielsweise Dänemark) nicht beschlossen.

Doch auch wer das Digital-Häkchen im Kaufvertag nicht angekreuzt hat, muss auf DAB+ im Auto nicht verzichten. Denn von preisgünstig bis teuer: Möglichkeiten zum Nachrüsten gibt es viele.

Digitalradio über AUX-In

Es gibt Extra-Digitalradio-Empfänger, die das digitale Signal an die AUX-In-Buchse des vorhandenen Radios weiterleiten. Dann hört man das Programm, wie wenn ein mp3-Player angesteckt wäre. Diese Art von Empfänger nutzt die Möglichkeiten digitaler Quellen (weniger Rauschen, fast völlig störungsfrei) gut. Der Empfänger hat vielfach nur die Größe einer Zigarettenschachtel und kann versteckt verbaut werden. Oder es handelt sich um eine Lösung mit eigenem Display, die an einem Lüftungsgitter festgeklemmt wird. Auf dem Markt werden auch Mischformen angeboten, die das Digitalradio-Programm sowohl für AUX-In als auch über die UKW-Antenne anbieten.

Digitalradio per UKW-Antenne

Ein eigener Empfänger verwandelt das digitale Programm in ein UKW-Signal und strahlt es mit geringer Reichweite als „FM-Transmitter“ aus. So kann es vom vorhandenen Radio über eine vorher eingestellte freie UKW-Frequenz (auf der natürlich kein anderer Sender „unterwegs“ sein darf) empfangen werden. Am besten speichert man dann die am Transmitter einstellbare Frequenz im Autoradio auf einer Speichertaste. Der Einbau ist oft auch für Laien möglich, da meist nur Plus und Minus anzuschließen sind oder die 12-Volt-Steckdose genutzt werden kann.
Die Klangqualität kann natürlich nicht das volle Potenzial von Digitalradio ausschöpfen, dennoch ist der Unterschied zum alten UKW-Empfang im Auto allermeist deutlich zu hören. Nur Billig-Systeme mit schlechten Transmittern erzeugen Störungen. Es gibt auch Varianten, die das UKW-Signal über ein Antennenkabel abstrahlen, das per Y-Adapter am vorhandenen Radio angesteckt wird. Das kann die Qualität verbessern.

Neues Radio mit DAB+

Das alte Radio kann auch gegen ein neues mit zusätzlichem DAB-Empfang ausgetauscht werden. Das Angebot ist äußerst breit aufgestellt: Vom Ein-DIN-Gerät für ältere Fahrzeuge (ab knapp 100 Euro) bis hin zum voll ausgestatteten Luxus-Gerät mit Navigation und weiteren Features (ab 500 Euro), das über einen großen Touch-Screen verfügt und spezifisch an verschiedene Fahrzeugtypen angepasst ist. Insbesondere bei fahrzeugspezifischen Nachrüst-Geräten kann der Einbau teilweise von autotechnisch interessierten Laien vorgenommen werden.

Bei besonders günstigen Doppel-DIN-Geräten mit Digitalradio und Vollausstattung (ab 250 Euro) handelt es sich um China-Geräte mit wechselnden Namen. Hier ist jedoch wegen instabilen Betriebssystemen, schwachen UKW-Empfängern oder kompliziertem Anschluss Vorsicht geboten.

Die noch junge DAB-Geschichte

In den frühen 2000er-Jahren ging die erste Generation DAB an den Start, brachte es aber nur auf etwa 500.000 verkaufte Geräte. Im Jahr 2011 erfolgte dann die Umstellung auf DAB+, womit mehr Sender und eine bessere Übertragung möglich wurden. Bisherige DAB-Empfänger können DAB+ nicht empfangen und sind auch nicht aufrüstbar.

In Norwegen wurde gar ganz auf DAB+ umgestellt und UKW abgeschaltet. Entgegen vieler anderslautender Behauptungen ist die Abschaltung der UKW-Programme bis heute in Deutschland nicht beschlossen. Es gibt auch keine Jahreszahl dafür, obwohl schon mehrfach im Internet behauptet. Somit bleiben die ältesten UKW-Radios bis auf weiteres auf Empfang – obwohl Digitalradio viele Vorteile bietet.

Digitalradio braucht neue Antennen

Weil Digitalradio auf völlig anderen Frequenzen als UKW-Programme ausgestrahlt wird, sind eigene Antennen erforderlich. Diese Varianten gibt es:

  • Neue Scheiben-Antenne
    Sie wird meistens mitgeliefert und ist am besten rechts oben in der Ecke der Windschutzscheibe anzukleben. Aber Achtung: Die Zuleitung darf nicht unterhalb oder auf der A-Säulen-Verkleidung verlaufen, weil sich darunter häufig der Kopfairbag verbirgt. Deshalb die Leitung der Digitalradio-Antenne also oberhalb der A-Säulen-Verkleidung bis nach rechts unten in die Ecke der Frontscheibe verlegen und von dort weiter zum Digitalradio-Empfänger. Wer auf Nummer sicher gehen will, bringt das Auto in die Fachwerkstatt.

  • Antennensplitter
    Dieser erzeugt aus der vorhandenen UKW-Antenne ein Signal für den Digitalradio-Empfänger. Das kann in gut versorgten Gebieten ausreichend sein und wird gern bei der Nachrüstung von kompletten Radios verwendet.

  • Neue Multifunktions-Antenne
    Sie sind besonders bei Autos mit Dachantennen üblich. Es wird eine neue Dach-Antenne verbaut, die zusätzlich über eine kurze Rute für Digitalradio verfügt, während die Signale für Mobiltelefon, Standheizungs-Fernbedienung und ggf. weitere über integrierte Antennen empfangen werden. Das bedeutet allerdings, dass für die Nachrüstung der innere Dach-Himmel zumindest teilweise abgesenkt werden muss. Und dass eine zusätzliche Antennenleitung aufwändig bis nach vorn zum Empfänger zu legen ist.

  • Extra-Antenne nur für Digitalradio
    Nur noch sehr selten werden separate Antennen für Digitalradio verbaut: Entweder als aufgeklebter Strahler an einer feststehenden Scheibe oder mit neuer Bohrung im Blech (problematisch wegen Rostschutz).

  • Nutzung einer Scheibenantenne
    Nicht wenige Autos, deren UKW-Antennen ab Werk als dünne Drähte in einer feststehenden Scheibe ausgeführt sind, verfügen auch schon über die nötigen Empfangs-Leiterbahnen für Digitalradio. Dann kann es genügen, einen passenden Antennenverstärker sowie eine zusätzliche Antennenleitung für Digitalradio nachzurüsten. Das Ermitteln der erforderlichen Teile und der Einbau sind etwas für Werkstattprofis.

Das ADAC-Fazit

Digitalradio ist für Bestandsfahrzeuge empfehlenswert – auch weil Nachrüstsätze oft nicht mehr 100 Euro kosten und der Einbau teilweise auch von Laien machbar wäre. Achten Sie beim Kauf einer Nachrüstlösung aber darauf, dass sie zum vorhandenen Radio passt. Fahrzeugspezifische Nachrüstungen sind natürlich leichter zu bedienen und liefern meist bessere Ergebnisse.

Eine neutrale Übersicht von nachrüstbaren oder auch ab Werk lieferbaren Digitalradios für Autos finden Sie unter www.digitalradio.de. Hier gibt’s auch weitere Infos und die digitale Verbreitungskarte.