ADAC Test: Wie gut sind Bremsen aus dem Zubehörhandel?

Nahaufnahme einer glühenden Bremsscheibe
Bis die Scheibe glüht: Bremsen leisten Schwerstarbeit ∙ © imago images/Westend61

Wenn Bremsbeläge und Bremsscheiben zu wechseln sind, wird das meist recht teuer. Doch muss es immer das Original-Ersatzteil sein? Oder taugen auch Alternativen aus dem Zubehörhandel? Der ADAC hat es getestet.

  • Im Test: Sechs Bremsscheiben mit Belägen

  • Original-Produkt am teuersten

  • Vergleichbare Bremsleistungen

  • Große Unterschiede beim Verschleiß

Eine verschlissene Bremse zählt zu den häufigen Gründen für einen Werkstattaufenthalt. Abhängig vom Fahrzeugalter und Modell beläuft sich der Reparaturaufwand auf wenige hundert Euro für einen Kleinwagen bis hin zu mehreren tausend Euro für teure Sportwagen. Wie viel es in einer Vertragswerkstatt schon mal kosten kann, hat der ADAC bereits im Artikel "Die richtige Wartung und was ein Wechsel kostet" zusammengestellt.

Aber geht es auch günstiger? Freie Werkstattketten locken mit günstigen Reparaturangeboten und versprechen den Einbau von hochwertigen Markenprodukten. Und auch immer mehr Vertragswerkstätten bieten "zeitgemäße" Bremsenwechsel zu günstigen Konditionen für Autos ab einem Alter von fünf Jahren an. Der Trick: Alle Angebote verbauen nicht das teure Original-Ersatzteil des Herstellers, sondern passende Markenprodukte aus dem Zubehörhandel.

Bremssysteme: Ersatz-Produkte sind günstiger

VW Golf beim Bremstest
Die Fahrversuche wurden auf dem VW Golf 7 durchgeführt ∙ © ADAC/Matthias Zimmermann

Doch wie gut sind die Ersatz-Produkte? Der ADAC hat fünf Bremssysteme, also jeweils vier Scheiben mit Belägen, in einem VW Golf 7 mit dem VW-Original-Ersatzteil in den Kategorien Sicherheit und Lebensdauer sowie unter Umweltaspekten verglichen. Auf dem Prüfstand wurden mit zwei unterschiedlichen Bremszyklen (moderat und hoch beansprucht) die Bremsleistung und der Verschleiß untersucht, während bei den Fahrversuchen mit dem Golf der Einfluss der verschiedenen Bremssysteme auf das Fahrverhalten im Mittelpunkt stand. Im Test:

  • Das Erstausrüsterprodukt von VW

  • Zwei Sportbremsen von Brembo und Zimmermann

  • Eine bremsstaubreduzierende Bremse von ATE

  • Eine günstige Markenbremse von Bosch

  • Eine preisorientierte Budgetbremse von Ridex

Die Unterschiede der reinen Produktkosten sind groß: Während VW für vier Scheiben mit Belägen 432 Euro verlangt, gibt es das gleiche Set bei Ridex für 100 Euro. Hinzu kommen bei allen Systemen natürlich die Einbaukosten – und die können je nach Werkstatt stark variieren.

Kaum Unterschiede bei den Bremswegen

Das Ergebnis: Die Markenprodukte aus dem Zubehörhandel – alle erfüllen die europaweite Norm UN-R 90 – haben im ADAC Test mit dem Urteil "gut" überzeugt und lagen auf Augenhöhe mit den deutlich teureren Originalteilen des Autoherstellers (nur das Billigangebot von Ridex war lediglich "befriedigend"). Gute Qualität muss also nicht immer teuer sein.

Erstaunliche Erkenntnis in der Kategorie Bremsleistung: Die Bremswege aus 100 km/h lagen bei den fünf guten Produkten gerade einmal einen halben Meter auseinander, sogar die etwas schwächere Ridex bremste im Normalfall nur einen Meter schlechter. Allerdings fiel bei ihr der Reibwert beim Heißbremsen im Labor dramatisch ab.

Dass die Unterschiede bei den Bremswerten im Fahrversuch so gering sind, liegt am serienmäßigen Bremsassistenten, mit dem seit 2009 alle neuen Pkw, also auch der VW Golf ausgestattet sind. Der Bremsassistent unterstützt bei Notbremsungen. Tritt der Fahrer ruckartig auf die Bremse, schließt das System auf eine Notsituation. Blitzschnell erhöht es den Bremsdruck und damit die Verzögerung bis zum Erreichen des ABS-Regelbereichs.

Gelochte Bremsscheiben lassen das Fahrzeug zwar sportlicher erscheinen, doch Einflüsse auf Bremsleistung und Verschleiß waren nicht nachweisbar. Allerdings setzen gelochte Scheiben weniger direkte Feinstaubemissionen in die Umwelt frei. Der Grund: In den Löchern sammelt sich der Abrieb und wandelt sich dort zu großen Partikelklumpen um, die anschließend weniger in die Luft gelangen.

Das Ergebnis im Überblick

Testsieger: Die ATE-Ceramic-Bremse

Bei der praxisnahen Bremsprüfung überzeugt die verschleißarme ATE-Bremse, die auch eine geringere Felgenverschmutzung verspricht, mit Bestwerten beim Reibwert. Unter Belastung fällt die Bremsleistung zwar etwas ab, kann aber dennoch mit guten Werten überzeugen. Hoch belastet schmutzt sie genauso wie ihre Konkurrenten, allerdings lässt sich der Bremsstaub dann am leichtesten entfernen.

Die originalen VW-Bremsscheiben und -beläge zeigen eine über Belastung, Geschwindigkeit und Temperatur konstante und hohe Bremsleistung. Das sorgt für ein Maximum an Sicherheit und eine vorhersehbare und gleichbleibende Bremsenreaktion. Bei praxisnaher Fahrweise sind jedoch der Scheiben- und besonders der Belagverschleiß außergewöhnlich hoch. Der VW-Händler muss den Golf-Fahrer vermutlich öfter in die Werkstatt bitten. In punkto Leistung erhält die originale VW-Bremse aber eine ADAC Empfehlung für alle Anwendungsfälle.

Die Bremsenteile mit gelochten Scheiben der Xtra-Line von der italienischen Edelmarke Brembo überzeugen unter praxisnahen Bedingungen auf dem Bremsenprüfstand mit der höchsten Bremsleistung, doch unter Beanspruchung fällt die Brembo sogar unter die Reibwerte der VW-Bremse: Der temperaturbedingte Abfall des Reibverhaltens, auch Fading genannt, führt zu einem Punktabzug. Darüber hinaus sind der Scheiben- und Belagverschleiß um ein Vielfaches höher als bei den anderen Produkten. Ein teurer und kurzer Spaß: Nach bereits 2,2 Millimetern Dickenschwund ist die zulässige Scheibendicke unterschritten.

Die Reibwerte der gelochten Bremse von Zimmermann liegen im praxisnahen Betrieb zwar unter dem Durchschnitt, und auf Temperatur gebracht stellt sich ein leichtes Fading ein. Doch insgesamt zeigt die Bremse ein befriedigendes Bremsverhalten. Im Alltag ist der Verschleiß moderat und auch hoch belastet (z.B. beim Bremsen aus hoher Geschwindigkeit oder während Passabfahrten) überzeugt sie mit einem zurückhaltenden Abrieb.

Die Bremsenteile von Bosch haben eine noch knapp gute Bremsleistung sowie geringe Verschleißwerte bei moderater Belastung und vergleichsweise erhöhte bei Beanspruchung. Getrübt wird das Bild nach dem Ausbau der Beläge: Ein Riss in der Belagmatrix hat sich nach der Hitzereibwert-Ermittlung gebildet – kein Sicherheitsmangel, aber bei fortlaufendem Verschleiß eventuell ein Problem. Trotzdem ist die Bosch für preisbewusste Anwender, die ihr Fahrzeug wenig im Gebirge und mit hoher Beladung bewegen, eine ordentliche Alternative.

Die günstigsten Bremsscheiben und -beläge von Ridex enttäuschen bei den Reibwerten: In kundennahen Bremssituationen ist der Reibwert unterdurchschnittlich, unter Last und besonders beim Heißbremsen fällt der Wert mit spürbarem Fading sogar noch ab. Beim Verschleiß und den Staubemissionen zeigt sich die Ridex dagegen vorbildlich. Trotzdem: Ein gerade noch befriedigendes ADAC Urteil – mehr war nicht drin.

Darauf sollte bei Bremsen geachtet werden:

  • Bremsen nur von seriösen und zertifizierten Anbietern kaufen.

  • Nur UN-R 90 geprüfte Produkte verwenden (siehe Aufdruck).

  • Vor Auftragserteilung gezielt nach Alternativprodukten fragen.

  • Bremsscheiben und -beläge sollten nur Fachleute wechseln.

  • Neue Bremsen zurückhaltend einfahren und anfangs mit einer reduzierten Bremswirkung rechnen.

  • Eine korrekte Achseinstellung, funktionstüchtige Stoßdämpfer und Fahrwerksbauteile sind Grundvoraussetzung für sicheres Bremsen.

  • Als Bindeglied zwischen Fahrbahn und Fahrzeug überträgt der Reifen alle Kräfte und Momente. Orientieren Sie sich deshalb beim Kauf an den ADAC Reifentests und verwenden immer vier Reifen des gleichen Modells und Typs.

  • Eine defensive und vorausschauende Fahrweise reduziert den Verschleiß und die Feinstaubbelastung.

  • Motorbremse vor allem bei Pass- und Bergabfahrten nutzen: Bei manuellen Getrieben in niedrige Gänge schalten, bei Automatikgetrieben – sofern sie nicht selbstständig kleine Gänge auswählen – manuell kleinere Gänge wählen.

  • Unnötige Zuladung reduzieren.

  • Vor längeren Standzeiten nasse Bremsen kurz vor dem Abstellen "warm bremsen" – so verdampft das korrosiv wirkende Wasser.

Fachliche Beratung: Matthias Zimmermann, ADAC Technik Zentrum

Thomas Kroher
Redakteur
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