ADAC Test: Anhänger bis 750 kg

29.4.2019

Das Szenario kennt jeder: Werkbank aus dem Baumarkt holen, Sperrmüll wegfahren oder die Urlaubsausrüstung für die Großfamilie mitnehmen. Aber wie transportiert man das alles? Machbar ist dies mit einem 750 kg Pkw-Anhänger. Wir haben sechs dieser Anhänger in der Preisklasse bis 770 Euro getestet.

Sechs Auto Anhänger stehen nebeneinander
© ADAC/Ralph Wagner

Die getesteten Modelle

  • Brenderup 1205SUB750
  • Humbaur Steely
  • Stedele MST71A
  • Stema Variolux 750
  • TPV-Trailer TL-EU2-AR
  • Unsinn WEB10

Drei Anhänger zeigen Schwächen

Drei von sechs Anhängern zeigen deutliche Schwächen, zwei davon fallen sogar mit dem ADAC Urteil "mangelhaft" durch.

Bei den Anhängern MST71A von Stedele und TL - EU2-AR von TPVTrailer berührte der Reifen bei Ausweichversuchen im voll beladenen Zustand ab circa 70 km/h den Rahmen beziehungsweise den Aufbau. Dies gilt bei der Hauptuntersuchung als erheblicher Mangel. Ein solcher Anhänger dürfte im Straßenverkehr nicht mehr betrieben werden. Eine Meldung an das Kraftfahrtbundesamt (KBA) ist bereits erfolgt.

Der Stedele MST71A erhielt darüber hinaus auch wegen der nicht den technischen Regeln entsprechenden Schraubverbindung an den Felgen das ADAC Urteil „mangelhaft“. Auch hierüber wurde das KBA bereits informiert.

Doch auch der teuerste Anhänger im Test, der Unsinn WEB10, zeigt Auffälligkeiten: Bei den Haltbarkeitstests verlor er alle acht Holzschrauben, mit denen der Ladeboden am Unterboden fixiert wird. Die verlorenen Schrauben können nicht nur zum Ärgernis für andere Verkehrsteilnehmer werden, der Verlust der Schrauben verringert auch die Stabilität des Anhängers. Beim Ausweichtest konnte bei diesem vorgeschädigten Anhänger ein Kontakt der Reifen mit dem Rahmen festgestellt werden. In der Summe erhält dieser Anhänger dadurch nur das Urteil „ausreichend“.

Testsieger mit dem ADAC Urteil „gut“ ist der Stema Variolux 750. Bestes Fahrverhalten und gute Noten in der Handhabung zeichnen ihn aus. Auf Platz zwei mit dem ADAC Urteil 2,5 folgt der Brenderup 1205SUB750. Großes Plus: Er besitzt eine klappbare Deichsel, durch die er platzsparend abgestellt werden kann. Positiv ist neben der Kippfunktion auch die Ausstattung mit Sicherungsseil und einem 13-poligen Anschlussstecker.

Wesentliche Unterschiede bei der Ausstattung

Erfreulich: Bei den Haltbarkeitstests über einen Fahrweg von simulierten 10.000 km im voll beladenen Zustand hielten fast alle Testmodelle stand, lediglich ein paar für die Stabilität des Anhängers weniger wichtige Schrauben oder Nietverbindungen hatten sich gelöst.

Befestigungslaschen (sog. Zurrösen) sind jedoch nicht in allen Anhängern selbstverständlich - ohne diese darf aber nur Schüttgut transportiert werden. Auch die Reifen wiesen unterschiedliche Qualitäten und sogar Herstellungsjahre auf, obwohl sie zusammen in einem engen Zeitraum beschafft wurden. Nicht für alle Anhänger wird auf dem Markt Zubehör wie Planen, Stützräder oder zusätzliche Abstützungen angeboten.

Ins Auge fiel, dass bei fast keinem Anhänger das genaue Leergewicht angegeben wird. Für den Nutzer bedeutet das, dass er nicht weiß, wie viel er zuladen darf, um das zulässige Gesamtgewicht nicht zu überschreiten.

Die Hälfte der Anhänger war bereits mit einem Sicherungsseil ausgestattet, das in Ländern wie den Niederlanden, der Schweiz und Österreich bereits Pflicht ist, um bei einem versehentlichen Lösen der Kupplungsverbindung den Anhänger am Zugfahrzeug zu sichern.

Testergebnis in der Übersicht

1 Wenn die "Sicherheit und Haltbarkeit" ausreichend oder schlechter, kann das ADAC-Urteil nicht besser sein als "Sicherheit und Haltbarkeit"
2 Wenn das "Fahrverhalten" ausreichend oder schlechter, kann das ADAC-Urteil nicht besser sein als "Fahrverhalten"
3 Wenn die "Ausstattung" 'mangelhaft', kann das ADAC-Urteil nicht besser sein als "Ausstattung". Wenn das "Fahrverhalten" ausreichend oder schlechter, kann das ADAC-Urteil nicht besser sein als "Fahrverhalten"

0,6 bis 1,5
sehr gut
1,6 bis 2,5
gut
2,6 bis 3,5
befriedigend
3,6 bis 4,5
ausreichend
ab 4,6
mangelhaft

Tipps für Anhängerbesitzer

  • Anhänger nicht überladen
  • Regelmäßig Sicherheitschecks gemäß Bedienungsanleitung durchführen.
  • In festen Intervallen Zustand und Luftdruck sowie das erforderliche Drehmoment der Befestigungsschrauben prüfen
  • Beim Transport mit maximaler Beladung umsichtig und vorausschauend fahren. Sinnvoll ist zudem eine Kontrolle der inneren Reifenflanken nach der Fahrt.
  • Wer einen Anhänger besitzt, der beim Test negativ aufgefallen ist, sollte im voll beladenen Zustand unbedingt mit Bedacht fahren und regelmäßig die Freigängigkeit der Reifen überprüfen. Gegebenenfalls können zusammen mit dem Fachhandel geeignete Maßnahmen zur Steigerung der Festigkeit durchgeführt werden. Von „Verbesserungen“ auf eigene Faust ist dringend abzuraten. Dies kann zu einem Ende der Betriebserlaubnis führen, z. B. wenn tragende Teile angebohrt werden.

Das sollten Sie beim Kauf beachten

  • Als erstes sollte man durch einen Blick in den Fahrzeugschein des Zugfahrzeuges feststellen, welches maximal zulässige Gesamtgewicht man mit einem ungebremsten Anhänger ziehen darf.
  • Darüber hinaus sollte man sich überlegen, wofür man den Anhänger konkret nutzen will. So kann das nötige Zubehör gleich mit erworben werden. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Zubehör die Nutzlast des Anhängers reduziert.
  • Beim Kauf kann man auf ein Übergabeprotokoll bestehen. Darin sollte auch das Gewicht des leeren Anhängers notiert sein.
  • Wer seinen Anhänger auch im Ausland fahren will, tut gut daran, sich bereits vor dem Kauf mit den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben zu beschäftigen. Die Vorschriften und Bestimmungen zum Anhängerbetrieb unterscheiden sich von Land zu Land.

Vor Antritt der Fahrt

Tipp Icon

Achtung Sicherungsseil

In den Niederlanden, Österreich und der Schweiz müssen Autofahrer beim Fahren mit einem Anhänger diesen mit einer zusätzlichen Sicherungsverbindung (z. B. Sicherungsseil oder Kette) absichern. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. Einzelheiten erfahren sie hier.

ADAC Empfehlungen an die Hersteller

  • Die Festigkeit des Anhängers muss gegeben sein: Bei Fahrmanövern darf es nicht zu einem Kontakt zwischen Reifen und Grundrahmen kommen.
  • Die Radbefestigung muss den einschlägigen Regeln der Technik entsprechen.
  • Alle Verschraubungen müssen dauerhaft gesichert sein.
  • Die Verbindung zwischen Grundträger und Aufbau muss den Fahrmanövern standhalten.
  • Ein Sicherungsseil sollte bei Anhängern zur Standardausstattung gehören. Zum Sicherungsseil muss auch eine geeignete Sicherungsmöglichkeit am Zugfahrzeug wie z. B. ein Karabinerhaken nach DIN 5299 (70 mm Länge) mitgeliefert werden.
  • Ein 13-poliger Stecker sollte Standard sein, da hier auch z. B. das Signal des Rückfahrtlichts übertragen wird.
  • Hinweise am Anhänger wie Nutzlast, Luftdruck, Hinweise zum Beladen, Zugkräfte an den Befestigungsmöglichkeiten sowie Hinweise zur Nutzung des Sicherungsseils bieten dem Nutzer bestmöglichste Sicherheit.
  • Zu knapp zugeteilte Reifen hinsichtlich ihrer Traglastzahl können ein Risiko darstellen. Diese sollten ausreichend bemessen werden. Eine Traglastzahl mit einem Sicherheitsfaktor von 1,15 sollte hier ein Mindestmaß an Sicherheit darstellen.
  • Reifen mit 12 Zoll können gegenüber 10-Zoll-Reifen für eine bessere Fahrstabilität sorgen.
  • Ungebremste Anhänger können wegrollen, weshalb Unterlegkeile als Zubehör sinnvoll sind. Diese Sicherheitsausrüstung sollte zur Grundausstattung zählen, speziell wenn Anhänger mit einem Stützrad ausgerüstet ist. 

 

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de