Falsch getankt? Das müssen Sie jetzt beachten

30.7.2018

Zapfhahn verwechselt? Das andere Auto dabei? Falsch tanken ist schnell passiert. Damit der kurze Augenblick der Unaufmerksamkeit für Sie nicht zum teuren Desaster wird, sagen wir Ihnen, was Sie jetzt tun müssen. Eine Fehlbetankung hat grundsätzlich ungute Folgen: Mindestens bleibt der Motor stehen und bei modernen Dieselfahrzeugen kann auch die empfindliche Einspritzanlage kostspieligen Schaden nehmen.

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Das kann teuer werden: Einen Augenblick nicht aufgepasst und aus Versehen den falschen Kraftstoff getankt. 

Prinzipiell gilt: In dem Moment, in dem Sie Ihren Irrtum bemerken, sofort den Tankvorgang stoppen. Danach den Motor nicht mehr starten und auch die Zündung auslassen! Bei modernen Autos wird oft bereits beim Einschalten der Zündung die empfindliche Kraftstoffpumpe der Einspritzanlage aktiviert. Es sollte daher auf jeden Fall in der Betriebsanleitung nachgelesen werden, welche konkreten Schritte genau bei Ihrem Fahrzeug zu unternehmen sind.

Wir sagen Ihnen, in welchem Fall üblicherweise der Tank leer gepumpt werden muss und wann ein Auffüllen des Tanks mit dem richtige Kraftstoff sowie eine umsichtige Fahrweise ausreichen kann. 

Benzin E10 statt Benzin E5 getankt?

Unbedenklich, wenn Ihr Fahrzeug grundsätzlich für E10 freigegeben ist. Andernfalls kann bereits eine einzige irrtümliche Tankfüllung mit E10 zu ernsten, nachhaltigen Schäden führen. Im Falle einer Fehlbetankung mit E10 sollten Sie grundsätzlich die Hinweise des Fahrzeugherstellers beachten. Nach unserer Einschätzung kann es jedoch ausreichen, unverzüglich den Tank mit einer ethanolarmen Kraftstoffsorte (am besten Super Plus) aufzufüllen, um damit wieder ein möglichst unkritisches Ethanol-Mischungsverhältnis zu erreichen. 

Haben Sie den Tank hingegen randvoll mit E10 aufgefüllt, ist das Abpumpen des Kraftstoffes – je nach Fahrzeugherstellermaßgabe – erforderlich.

Benzin statt Diesel getankt?

Wenn Sie weder Motor noch Zündung gestartet haben, genügt unter Umständen das Abpumpen des Benzin-Diesel-Gemisches aus dem Tank. Ist der Motor jedoch schon gelaufen, kann ein Austausch des gesamten Einspritzsystems einschließlich Hochdruckpumpe, Injektoren, Kraftstoffleitungen und Tank erforderlich sein. Das kann mehrere tausend Euro kosten. Die Reparatur ist zwingend erforderlich, wenn sich bereits Späne im Kraftstoffsystem gebildet haben. Denn selbst wenn der Motor noch läuft, haben die Teile der Hochdruck-Einspritzanlage bereits Schaden genommen, weil Benzin sofort den dringend benötigten Diesel-Schmierfilm abwischt. Dies zeigt sich danach oft durch einen Pumpen-Totalschaden. Weit verbreitet ist der Irrglaube, etwas Benzin im Diesel schade nicht, vor allem im Winter. Das gilt heute nicht mehr.

Handelt es sich hingegen um ein älteres Dieselfahrzeug (Wirbel- oder Vorkammer-Diesel, nicht Direkteinspritzer), so sind einige wenige Liter Benzin zusammen mit einer Diesel-Restmenge meist nicht schädlich.

Diesel statt Benzin getankt?

Auch bei kleinen getankten Mengen, lassen Sie bitte den Motor gar nicht erst an. Wenn Sie die Fehlbetankung erst während der Fahrt merken, halten Sie nach Möglichkeit sofort an und schalten den Motor aus. Finden Sie keine Hinweise in der Betriebsanleitung, setzten Sie sich mit der Werkstatt des Fahrzeugherstellers in Verbindung. Je nach Motor und Menge des falschen Kraftstoffs können Sie entweder vorsichtig weiter fahren (und immer wieder richtigen Sprit nachtanken) oder aber Sie müssen den Tank leer pumpen lassen. Schäden an Einspritzanlage und Abgas-Nachbehandlung sind nicht auszuschließen.

Normalbenzin statt Super oder Super plus getankt?

Meist können Sie auf ein Abpumpen verzichten, wenn Sie dem Motor keine hohe Leistung abverlangen. Das bedeutet auf Höchstgeschwindigkeit, Bergauffahrt und  Anhängelast erst einmal verzichten und Benzin der richtigen Güte nachtanken.

Diese Maßnahmen könnten das Risiko erheblich senken

  • Zapfpistolen und -säulen deutlich kennzeichnen 
  • Verschiedene Markenbezeichnungen für Benzin- und Diesel-Produkte einführen 
  • Klare Beschriftung des Tankdeckels und der Tankklappe
  • Technischer Schutz gegen Fehlbetankung

Leider schützen nicht alle Autohersteller ihre Kunden vor einer Fehlbetankung durch einen Einfüllstutzen, der das Einführen einer falschen Zapfpistole verhindert. Wir haben mehrere hundert aktuelle Fahrzeugmodelle untersucht und bis auf einige Modelle von Audi, BMW, Ford, LandRover, Peugeot und VW konnten alle Dieselfahrzeuge mit Benzin betankt werden. Auch bei manchen Benzinern konnte man irrtümlich Diesel einfüllen. Erschwerend kommt hinzu, dass Mineralölgesellschaften ihre Kunden durch Phantasie-Sortenbezeichnungen wie Excellium, MaxxMotion, Supreme, Ultimate oder V-Power verwirren.

Im Ausland wird es für Sie als Autofahrer unter Umständen noch schwieriger, die richtige Kraftstoffsorte zu wählen. Dort steht beispielsweise an den Säulen für Dieselkraftstoff Nafta, Mazot oder Gazole. Umso wichtiger wäre eine einheitliche europaweite Kraftstoffkennzeichnung. Diese ist ab Ende 2018 geplant. Dann wird beispielsweise überall in Europa das Benzin bis zu 5 % Ethanolgehalt als E5 bezeichnet, Diesel bis zu 7 % Fettsäuremethylester-FAME-Gehalt als B7 gekennzeichnet.

Übrigens: Besondere Vorsicht ist beim Tanken aus Ersatz-Kanistern geboten. Diese haben zumeist kleine Einfüllrüssel, die sowohl in Benzin- als auch Diesel-Tankstutzen passen. In einem solchen Fall sollte man sicher gehen, dass auch wirklich der richtige Treibstoff eingefüllt wird. Im Zweifelsfall lieber einen anderen Kanister benutzen und neu betanken.

Die aktuellen Benzinpreise im Ausland

Spritpreise im Tagesverlauf