Steuergeräte-Reparatur: Was tun, wenn die Elektronik im Auto versagt?
Von Thomas Kroher

Elektronik-Steuergeräte oder das Kombiinstrument im Auto müssen bei einem Defekt nicht immer erneuert werden. Eine Reparatur der Elektronik ist nicht selten bis zu 90 Prozent billiger als ein Neuteil. Und manchmal der einzige Ausweg. Alles Wissenswerte.
Motor-, ABS-Steuergerät, Tacho, Navi und Kombiinstrument lassen sich reparieren
Was Sie über Diagnose, Reparatur und Austauschgeräte wissen müssen
Wie Sie eine Reparatur mit der Werkstatt vereinbaren sollten
Fahrer älterer Autos kennen solche Probleme besonders gut: Da fällt ein Display im Kombiinstrument aus. Oder das Motorsteuergerät fängt an zu spinnen und der Motor läuft unrund, stottert oder schaltet in den Motornotlauf. Auch die Bremsen-Steuergeräte (ABS oder ESP) sind tägliche Gäste bei den Reparatur-Dienstleistern, ebenso wie manche Navigationsgeräte und Mitteldisplays.
Wendet man sich mit dem Problem an die Werkstatt, tauscht sie meist kurzerhand das komplette Steuergerät gegen ein Neuteil aus. Und die Rechnung ist am Ende richtig hoch: Gesamtbeträge über 2000 Euro sind keine Seltenheit. Doch muss das sein?
Wie merkt man, ob das Steuergerät kaputt ist?
Die Anzeichen können sehr unterschiedlich sein: Mal startet der Mittelbildschirm nicht mehr, mal stottert der Motor, das andere Mal reagiert die Zentralverriegelung nicht mehr. Auch Warnleuchten im Kombiinstrument können ein Hinweis auf ein defektes Steuergerät sein. Ebenso ein Ausfall von Teilen der Beleuchtung. Manchmal fallen nur einzelne Funktionen aus, manchmal bleibt gleich das ganze Auto stehen. Oder der Verbrennungsmotor läuft schlecht, ruckelt oder geht aus.
Kann man mit einem defekten Steuergerät noch fahren? Es kommt darauf an, welches elektronische Bauteil defekt ist. Hat der Mittelbildschirm Ausfälle zu verzeichnen, kann man die Fahrt noch fortsetzen. Hat aber die Motorsteuerung einen Defekt, kann man oft nicht mehr weiterfahren.
Kann man ein defektes Steuergerät reparieren?
Als Erstes ist eine systematische Diagnose in einer Fachwerkstatt nötig. Sie schließt aus, dass defekte Sicherungen, defekte Leitungen oder defekte Sensoren am Ausfall schuld sind. Nicht allerdings, dass ein intaktes Steuergerät umsonst ersetzt wird.
Dabei gibt es zum Austausch gegen ein Neuteil oft eine günstige Alternative: die zeitwertgerechte Aufbereitung von Kfz-Elektronik. Zwar kann nicht alles instand gesetzt werden, aber es gibt genügend Fälle, wo für Motor-, ESP-, ABS-Steuergeräte, Luftmassenmesser, Klimaanlagen- und Komfortsteuerungen sowie Autoschlüssel erprobte Reparaturmethoden bereitstehen. Auch Displays, Multifunktionsanzeigen, Kombiinstrumente und Zentralsteuergeräte müssen nicht immer gleich getauscht werden.
Im Idealfall sind so bis zu 90 Prozent Ersparnis für den Kunden drin. Alternativlos ist die Reparatur, wenn ein Teil neu vom Hersteller gar nicht mehr lieferbar ist – wie bestimmte Autoschlüssel von Renault.
Was kostet eine Steuergeräte-Reparatur?
Grundsätzlich hängen die Möglichkeit einer Reparatur und deren Kosten von der Art des Defektes ab, manchmal auch davon, welches Fahrzeugmodell betroffen ist. Beides kann man prüfen lassen – vielfach sogar direkt auf den Internetseiten der Reparatur-Anbieter.
Als typisches Reparaturbeispiel gilt der Totalausfall eines Kombiinstrumentes. Für einen Škoda Octavia würde das im Austausch rund 800 Euro kosten. Wenn das Problem aber nur von defekten Lötstellen herrührt, ist die Reparatur mit 150 Euro erledigt.
Kann man das Motorsteuergerät selbst reparieren?
Besser nicht. Selbst Elektronik-Bastler sollten sich nicht an die Reparatur von Auto-Elektronik wagen. Denn vielfach steht die Sicherheit beim Autofahren auf dem Spiel. Und es ist meist Spezialwerkzeug erforderlich – etwa zum richtigen Temperieren von Computerchips beim Auslöten. Wer da keine Erfahrung hat und Fehler macht, ruiniert schnell das ganze Steuergerät und kann damit großen Schaden anrichten.
Der ADAC empfiehlt, in der Werkstatt gezielt nach der Reparatur von elektronischen Steuergeräten zu fragen und vorab zu besprechen. Autowerkstätten können solche Reparaturen aber nicht selbst ausführen, weil hierfür eine spezielle Elektronik-Ausrüstung nötig ist.
Eine verbraucherfreundliche Werkstatt erkundigt sich nach einem Dienstleister, der die entsprechende Reparatur übernimmt, baut das defekte Bauteil aus und schickt es ein oder lässt es vom Kurierdienst des Dienstleisters abholen. Beispiele für Reparaturanbieter sind: Bosch Repair Service, ACtronics, c3 – cramm car concepts, ECU und Pixelfehler Hamburg. Diese Auflistung gilt nur als Anhaltspunkt und stellt keine Empfehlung des ADAC dar, da die genannten Anbieter bisher nicht getestet wurden.
Um unnötigen Aufwand zu vermeiden, sollte die Werkstatt durch entsprechende Prüfungen und Diagnoseabfragen sicherstellen, dass wirklich das "verdächtigte" Steuergerät defekt ist – und nicht etwa die Zuleitung, die Masseverbindung, ein Stecker, die Sicherung oder ein anderes Steuergerät. Spezialisierte Reparatur-Anbieter berichten immer wieder, dass ein Fünftel bis ein Drittel der eingesandten Bauteile gar nicht defekt waren.
Steuergeräte-Reparatur: Gibt es Garantie?
Grundsätzlich sollte die Werkstatt am besten mit einem Elektronik-Spezialisten zusammenarbeiten, der mehr als nur die gesetzliche Sachmängelhaftung gewährt. Einige Anbieter geben tatsächlich bis zu drei Jahre Garantie und erstatten teilweise auch die Folgekosten, falls ein Fehler nicht beim ersten Mal behoben werden konnte (z.B. Mietwagen, erneuter Aus- und Einbau).
Noch etwas sollte der Kunde bei der Betrachtung von Aufwand und Kosten gründlich abwägen: Muss zum Beispiel das Motorsteuergerät ausgebaut und repariert werden, steht der Kunde in der Zwischenzeit ohne Auto da – meist mehrere Tage. Andererseits erspart der Wiedereinbau des reparierten eigenen Steuergerätes die Kosten für das Anlernen (Codieren) eines Neuteils – das kann schon mal eine ganze Stunde dauern.
Elektronik-Bauteile, die sich reparieren lassen
Viele elektronische Steuergeräte lassen sich heute – in Abhängigkeit vom Fahrzeugmodell – zeitwertgerecht reparieren. Hier einige Beispiele.
Motorsteuergeräte: Verschiedene Fehler wie z.B. unrunder Motorlauf, kein Fahrzeugstart, AGR-Ventilfehler, Notlauf.
ABS- oder ESP-Steuergeräte: Kein Bremsdruck, Fehler in Bezug auf Bremsdruck. Ursache sind hier oft gebrochene Drahtverbindungen in der Elektronik selbst.
Hydraulikeinheiten von ESP-Steuergeräten: Festsitzen der Bremsen. (Wichtig: Hier ist kein Fehler im Fehlerspeicher hinterlegt.)
Kombiinstrumente: Pixel-Fehler (teilweiser Ausfall des Displays oder der Analoganzeigen), Ausfall des Warnsummers oder des Blinkertons.
Navigationsgeräte: Display- und Touchscreen-Ausfälle oder Lesefehler in CD- und DVD-Laufwerken (bei älteren Geräten), zudem häufige Fehlfunktionen wie Boot-Loops (ständiger Neustart).
Elektrische Servolenkungen: Ausfall der elektrischen Lenkunterstützung.
Automatikgetriebe-Steuergeräte: Verschiedene Sensoren sind als Fehler hinterlegt.
Zentralsteuergeräte: Zentralverriegelung ohne Funktion oder Ausfall der kompletten Außenbeleuchtung.
Elektronische Zündschlösser (EZS): Kein Motorstart, Lenkradverriegelung wird nicht freigegeben.
Fachliche Beratung: Arnulf Thiemel, ADAC Technik Zentrum
Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.