Auf die Reifen kommt es beim Motorrad an

8.4.2019

Bei einem Motorrad beeinflussen die Reifen die Fahreigenschaften deutlich stärker als sie das bei den meisten Pkws tun. Deswegen sollten Sie unsere Tipps zu Motorradreifen beachten.

Wichtig: Der Reifendruck muss stimmen.
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Luftdruck regelmäßig kontrollieren

Der passende und korrekte Reifendruck beeinflusst den Fahrkomfort und die Fahrstabilität der Maschine sowie die Betriebstemperatur und den Verschleiß des Reifens. Die vom Hersteller vorgesehenen Fülldruckwerte für Motorradreifen stehen in der Bedienungsanleitung und vielfach auch auf kleinen Aufklebern an der Schwinge, am Rahmen oder unter der Sitzbank des Bikes.

Die Reifen der meisten Straßenmaschinen sollen vorne mit 2,5 bar und hinten mit 2,9 bar befüllt werden. Für Enduros und spezielle Maschinentypen oder besondere Anwendungen sind andere Druckwerte sinnvoll. Von der Beladung abhängige Reifendruckwerte sind nur selten vorgesehen. Von den Herstellervorgaben abweichender, meist niedrigerer Reifendruck kann je nach Anwendung und Rahmenbedingung die Fahr- und Traktionseigenschaften der Maschine verbessern, zum Beispiel bei Fahrten auf Rennstrecken oder bei sehr niedrigen Temperaturen. Hierzu sollten Sie unbedingt die Experten der Reifenhersteller befragen.

Nach Ansicht der Hersteller sollten Sie grundsätzlich vor jeder Fahrt den Reifendruck am kalten Reifen prüfen. In der Praxis empfiehlt sich dies besonders, wenn das Motorrad einige Tage oder sogar Wochen nicht bewegt wurde. Hierzu eignen sich am besten kleine Druckprüfer als Handgeräte. Bei dieser Gelegenheit kann auch der Gesamtzustand des Reifen gecheckt werden: Wie steht es ums Profil, gibt es Verschleiß, befinden sich Risse oder Steinchen im Profil, ...? Sollte der Reifendruck innerhalb weniger Wochen stark gefallen sein (um ca. 1 bar), sollten der Reifen bzw. das Rad und das Ventil eingehend auf mögliche Undichtigkeiten untersucht werden. 

Eine ausreichende Profiltiefe ist besonders auf nasser Fahrbahn wichtig. Laut Gesetzgeber muss sie mindestens 1,6 Millimeter betragen, diese Grenze sollte aber nicht ausgereizt werden. Spätestens bei zwei Millimetern empfiehlt es sich, die Pneus zu tauschen. Ein kleiner Profiltiefen-Messer ist dafür der beste Indikator. Zudem besitzen die meisten Reifen den sogenannten TWI (tread wear indicator): Das sind kleine Stege im Profilgrund, die helfen, die richtige Messstelle zu finden. Die Profiltiefe wird direkt neben diesen kleinen Stegen gemessen. Wer den gesetzlichen Grenzwert unterschreitet, lebt übrigens nicht nur gefährlich: es drohen auch Bußgeld und drei Punkte im Flensburger Fahreignungsregister.

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Alterung von Reifen

Motorradreifen werden häufig unbemerkt sehr alt, besonders dann, wenn die Maschine nur selten und dann wenig bewegt wird. Da die Reifen von Motorrädern, die die meiste Zeit stehen, durch nicht optimale Umgebungsbedingungen und die allgemeine Alterung ihre Eigenschaften verschlechtern, sollten Sie das Reifenalter und mögliche sichtbare Alterungserscheinungen beachten. Im Zweifel sollten Sie die Reifen ersetzen.

Zu den Alterungserscheinungen zählen deutliche Verfärbungen und Risse. Wer sich eine Beurteilung des Reifenzustands nicht zutraut, kann einen Fachmann hierzu befragen. Das Alter des Reifens kann anhand der DOT-Nummer auf der Reifenflanke ermittelt werden. Am Ende der DOT-Nummer steht eine vierstellige Ziffernfolge. Die ersten zwei Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten zwei Ziffern für das Produktionsjahr. „1419“ beispielsweise steht also für die 14. Produktionswoche im Jahr 2019. Üblicherweise wird eine Reifennutzung über das sechste Jahr hinaus nicht mehr empfohlen. Einzelheiten bzw. besondere Regelungen kann der Reifenhersteller festlegen. 

Eine Verhärtung der Gummimischung kann allerdings auch schon früher als nach fünf Jahren auftreten und gefährlich werden: Steht eine Maschine viel in der Sonne, ist bei jedem Wetter auf der Straße oder stehen während der Überwinterung die Reifen auf dem Boden, können nicht mehr rückgängig zu machende Schäden entstehen. In diesen Fällen steht der Reifenwechsel früher an.

Gleiches gilt für Reifen mit ungleichen Verschleißbildern. Ganz vorne stehen dabei die unter Bikern "Autobahn-Platten" genannten Abnutzungen, die möglicherweise zu wahren Kippkanten führen können. Auch bei Beschädigungen der Reifenflanken, die beim Überfahren von scharfen Kanten wie etwa Granit-Bordsteinen entstehen können, ist Vorsicht geboten: Reifen haben ein Gedächtnis. Selbst wenn sie von außen nicht sichtbar beschädigt sind, können sie sich unter Extrembedingungen wie langer, schneller Fahrt bei großer Hitze genau an der vorgeschädigten Stelle auflösen. 

Wer rechtzeitig auf neue Reifen wechselt, ist nicht nur sicherer unterwegs, sondern kommt auch in den Genuss der meist besseren Eigenschaften moderner Reifen.

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Vorsicht mit neu montierten Reifen

Immer wieder verunfallen Motorradfahrer mit ihren Maschinen kurz nach der Montage von Neureifen. Wegen der produktionsbedingt glatten Oberfläche müssen neue Motorradreifen auf den ersten 20 bis 50 Kilometern vorsichtig eingefahren werden. Dies gilt umso mehr, wenn die Fahrbahn nass ist. Besondere Vorsicht ist beim Bremsen, Beschleunigen und natürlich auch bei der Schräglage in Kurven geboten.

Auch können sich neu montierte Reifen unter hoher Last (starkes Bremsen oder Beschleunigen) auf der Felge drehen. Die Hersteller versuchen, diese Risiken durch verschiedene Maßnahmen zu reduzieren. Trotzdem sollte sich jeder Motorradfahrer nach einer Reifenmontage dieser Ausnahmesituation bewusst sein und Gas und Bremse mit Bedacht bedienen.

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Tipp: Winkelventile nutzen

Die Reifendruckkontrolle wird häufig erschwert durch die Position und die Länge vieler gerader Snap-In-Ventile: Am Vorderrad stören die Bremsscheiben, am Hinterrad das Kettenrad oder die Bremsscheibe. Vielfach sind auch die Hinterradfelgen so breit, dass die Ventile mit den Standardsteckern des Tankstellenprüfgerätes nicht erreichbar sind. Unter ungünstigen Umständen entweicht bei der Druckkontrolle nur Luft, eine Reifendruckerhöhung ist nicht möglich, weil sich der Stecker nicht korrekt auf das Ventil aufsetzen lässt.

Winkelventile aus Metall sind hier die ideale Abhilfe. Beim nächsten Reifenwechsel, bei dem das Gummiventil ohnehin ersetzt werden muss, wird das Winkelventil so angebracht, dass bei der Reifendruckprüfung der seitliche Zugang deutlich leichter fällt. Bitte beachten: Die Metallventile müssen zu der Ventilbohrung und zu der Felgenkontur passen. Sie müssen nicht bei jeder nachfolgenden Reifenmontage ersetzt werden. Die höheren Kosten der Metallventile amortisieren sich dadurch bei den nächsten Reifenmontagen. Ein neuerliches Auswuchten der Felge nach Montage der Metallventile kann erforderlich werden. Es können mehr Auswuchtgewichte als üblich erforderlich werden.

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Kennzeichnung und Freigaben von Motorradreifen

Die Bedeutung der Reifenbeschriftungen und die gesetzlichen Vorschriften rund um den Motorradreifen werden hier erklärt: Kennzeichnung von Motorradreifen, 335,25 KB

Für viele Motorräder - zumindest in Deutschland - gibt es noch eine sogenannte Reifenfabrikatsbindung. Die Reifenauswahl ist dann eingeschränkt. Wegen der zentralen Bedeutung der Reifen für die Fahrbarkeit und die Stabilität des Fahrzeugs sind diese Reifenbindungen durchaus sinnvoll. Details zum Thema Reifenbindungen bzw. Reifenfreigaben für Motorräder werden hier erläutert: Reifenfreigaben und Unbedenklichkeitserklärungen, 792,77 KB