Der richtige Motorradhandschuh

5.3.2019

Die wichtigste Funktion von Motorradhandschuhen ist, die Hände des Fahrers bei Stürzen zu schützen. Da sie aber auch Beweglichkeit garantieren sowie Auskühlung verhindern sollen, sind die Anforderungen an sie groß. Unsere Experten haben die wichtigsten Informationen zum Thema zusammengestellt.

@Shutterstock/Kulikou Siarhei

Viele Untersuchungen von Motorradunfällen belegen eindeutig: In fast 85 Prozent sind die Hände mit betroffen. Der Grund dafür ist naheliegend: Die Hände sind nicht nur exponiert, sondern jeder Mensch macht mit ihnen auch automatisch Abwehrbewegungen. Stürzt man mit dem motorisierten Zweirad, streckt man instinktiv die Hände aus, um sich abzufangen. Deshalb nennen unsere Experten als eherne Grundregel: "Keinen Meter auf dem Motorrad oder Roller ohne richtige und passende Handschuhe."


Unabhängig von der Art und für welchen Einsatzzweck sowie für welche Jahreszeit die Motorradhandschuhe gedacht sind: Sie müssen optimal passen. Neben Gasgriff, Brems- und Kupplungshebel muss der Fahrer mit ihnen alle Knöpfe und Schalter schnell und sicher betätigen können. Zu enge Handschuhe schnüren die Hände ein und können während längeren Fahrten zu Taubheitsgefühlen führen. Bei kühleren Temperaturen können die Hände, die zudem dem Fahrwind ausgesetzt sind, derart auskühlen, dass sie steif werden und die Griffsicherheit leidet. Sind die Überzieher zu groß, können sie verrutschen und den richtigen Griff ebenso beeinträchtigen. Die Handschuhe sollten generell eine Abstreif-Sicherung in Form eines Handgelenk-Riegels (meist Klettverschluss) haben, der sich verstellen lässt. Am besten ist der Verschluss zudem an der Handinnenseite abgedeckt, damit er sich bei einem Sturz nicht einhakt. Exemplare mit atmungsaktiven Membranen sind wegen ihres Schutzes gegen Schwitzen und Nässe von außen alltagstauglicher als Modelle ohne, aber sie sind auch teurer.

 

Handschuhe aus Leder oder Textil?

Ob die Motorradhandschuhe aus Leder oder Textilmaterial sind, ist nicht nur Geschmackssache. "Unsere Tests beweisen, dass gute Lederhandschuhe abriebfester sind als Exemplare aus Textilien", betonen unsere Experten. Außerdem wichtig: "Generell sollten alle Handschuhe Protektoren besitzen, die die besonders gefährdeten Knöchel schützen." Da es verschiedenstes Protektoren-Material gibt, ist vor dem Kauf eine Beratung im Fachhandel empfehlenswert. "Es gibt Protektoren aus PU-Schaummaterialien, die sich bei Stürzen versteifen. Ein Laie kann diese kaum von Schaumstoff unterscheiden, der als Polsterung eingearbeitet wurde und sich bei Beschädigung der Handschuh-Oberfläche sofort auflösen würde.

Einfach wäre es, die von guten Herstellern für bis zu 300 Euro angebotenen Racing-Handschuhe aus besonders reißfestem Känguruleder und mit Einsätzen aus Hightech-Materialien wie Kevlar oder Karbon zum Schutz der Mittelhandknöchel und der Fingerglieder als beste weil sicherste Motorradhandschuhe zu empfehlen. Da aber nicht jeder Biker nur sportlich unterwegs ist, sondern seine Maschine meistens in drei Jahreszeiten mit Temperaturen zwischen fünf und 35 Grad und auch auf längeren Touren bewegt, sind mehrere Typen empfehlenswert. "Auch beim Thema Motorradhandschuhe gibt es keine Eier legende Wollmilchsau, ratsam sind deshalb mindestens zwei unterschiedliche Paare", so unsere Experten. Dickere Handschuhe für die Übergangssaison (Frühling/Herbst), ein dünner Lederhandschuh für den Sommer – und für Ganzjahrespiloten Winterhandschuhe.

 

Grundsätzliche Tipps zum Umgang mit Handschuhen

  • Motorradhandschuhe nie zu groß kaufen, Leder dehnt sich bei Gebrauch.
  • Beim Umgreifen des Lenkers sollten die Fingerkuppen nicht vorn im Handschuh anstoßen, es sollten sich auch keine Falten an der Innenhand bilden.
  • Die Nähte sollten möglichst doppelt vernäht sein.
  • Die Stulpen der Handschuhe sollten über die Kombi oder die Motorradjacke passen. Das verhindert, dass Wasser in den Ärmel läuft.
  • Reflex-Streifen auf den Handschuhen erhöhen die Sichtbarkeit bei Dunkelheit.
  • Kleine, integrierte "Scheibenwischer" am linken Zeigefinger sorgen bei Regenfahrten für bessere Sicht. Solche Gummiwischer können aber auch extra gekauft werden.
  • Wurden Lederhandschuhe nass, dürfen Sie sie auf keinen Fall mit starker Wärme (Wäschetrockner, Heizkörper, Feuer) trocknen. So eine Behandlung macht das Leder mürbe. Auch das Trocknen auf noch heißen Motorradzylindern ist schädlich für sie.
  • Auch wenn Sie Ihre Lederhandschuhe gut pflegen, sollten Sie sie nach spätestens sechs Jahren erneuern. Vielfahrer sollten das schon früher tun, spätestens dann, wenn die Nähte aufzugehen drohen.

 

Unterschiedliche Arten von Handschuhen

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Touren-Handschuhe

Das Angebot an Touren-Handschuhen ist besonders breit, denn sie kommen einem Allround-Handschuh nah. Der (Einsatz-)Zweck heiligt hier die Mittel: Je nach Nutzung können Dicke und Fütterungsgrad variieren. Weil es auf langen Fahrten auch einmal regnet, sollten die Handschuhe am besten wasserdicht sein. Wer auf Membran-Technologie verzichtet, muss Regen-Überziehhandschuhe mitnehmen.

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Übergangshandschuhe

Sogenannte Übergangshandschuhe sind meist ein Mix aus Textilien und Leder und stark gefüttert und gepolstert, um Wärme besser zu speichern. Bei Winterhandschuhen werden besondere Kälteschutz-Materialien wie beispielsweise Thinsulate eingearbeitet. Neben Fäustlingen und den flexibleren Dreifingermodellen gibt es auch ein deutsches Produkt, das neben einem robusten Leder-Textil-Mix und wärmendem Futter sogar ein integriertes Heizelement für Oberhand und Fingerkuppen besitzt. Der wiederaufladbare Akku sitzt in einer Kletttasche an der Stulpe, weshalb - im Gegensatz zu früheren Modellen - keine lästigen Kabel behindern. Die eingestellte Temperatur wird per Thermostat automatisch gehalten.

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Sporthandschuhe

Sporthandschuhe sind mit Abstand die sichersten, aber auch die teuersten und zumeist die unbequemsten Motorradhandschuhe. Ihre Form und die fehlende Fütterung schaffen zwar guten Kontakt zu Griffen und Hebeln, lassen aber kaum lange Fahrten zu. Für alle Rennstreckenpiloten, aber auch für ambitionierte Fahrer von Sportbikes bei Spritztouren sind solche Modelle die richtige Wahl.

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Offroad-Handschuhe

Offroad-Handschuhe für Motocrosser und Enduristen brauchen neben bestem Griffgefühl viel Schutz. Wasserdichtigkeit und Wärme sind eher Nebensache. Der Fachhandel hat für jede Sportart passende Modelle.

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Chopper-Handschuhe

Chopper-Handschuhe leiden in Sachen Sicherheit oft unter dem faulen Kompromiss Aussehen gegen Alltagstauglichkeit. "Fingerlos sollten sie auf jeden Fall nicht sein", so unsere Experten. Denn das kann bei Rutschern über den Asphalt fatale Folgen haben. Gänzlich abzuraten ist von Handschuhen mit Fransen: "Die können sich leicht verfangen und im Extremfall sogar die Hand abreißen."