Motorradfahren, aber sicher!

4.2.2019

Es ist für jeden BIker eine Herausforderung, sich nicht nur die unbeschwerte Freude am Motorradfahren zu erhalten, sondern vor allem stets gesund und unversehrt das Ziel zu erreichen. Dazu gilt es, persönliche Strategien zu entwickeln, um aus guten und schlechten Erfahrungen zu lernen.

Die Vorbereitung

Mensch und Motorrad - beide müssen fit sein

Sportarten, die Ausdauer und Schnelligkeit trainieren, schaffen auch auf langen Ausfahrten unter ungünstigen Bedingungen Reserven. Je nach Wetter und Fahrweise: Genug essen, viel trinken (Mineralwasser, Saftschorlen).

Die Technik des Motorrades muss zu 100 % funktionieren: Bremsanlage, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager (Schwingen-, Lenkkopf-, Radlager), Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor sollten in optimalen Zustand sein.

Stellen Sie die Bedienungselemente passend ein, dazu zählen Hand- und Fußhebel, Lenker und ggf. Sitzbankhöhe. Eine mögliche Beladung darf die Bedienung des Motorrades nicht behindern oder erschweren.

Optimaler Schutz am ganzen Körper

Zu einem vollständigen Schutz gehören:

  • ECE-Helm
  • Motorradlederhandschuhe
  • Motorradstiefel
  • Nierengurt, ggf. separater Rückenprotektor
  • eine Jacke mit großflächigen Protektoren an Schulter, Ellenbogen/Unterarm, Rücken
  • eine (Leder)Hose mit Protektoren an Hüfte und Knie/Unterschenkel

Tourenfahrer kombinieren gerne Textiljacken und Lederhosen. Endurofahrer bevorzugen zudem Cross-Stiefel. Sie schützen die gefährdeten Unterschenkel und Füße am besten.

Testen Sie zu Beginn jeder Fahrt die Bremsen

Dies gilt besonders nach längerer Standpause der Maschine. Beseitigen Sie eventuelle Mängel sofort. Achten Sie darauf, dass das Abblendlicht beim Fahren immer brennt!

Das Fahren

Aufwärmen

Motorradfahren ist Sport, und Sport braucht eine Aufwärmphase. Fahren Sie sich und das Motorrad deshalb zu jedem Fahrtbeginn "warm". Je seltener Sie fahren, desto länger dauert diese Warmlaufphase.

Selbst wenn das Motorradfahren so wenig verlernt wird wie das Fahrradfahren: Üben Sie die Bewegungs- und Bedienungsabläufe konzentriert und in Ruhe  ein. Auch die Reifen benötigen eine Mindesttemperatur. Bis dahin ist der Grenzbereich tabu.

Erfahrungen sammeln

Jede Fahrt ist das Training für die nächste Fahrt! Bleiben Sie positiv lernfähig. Schätzen Sie Ihr Können und das der anderen jeden Tag auf´s Neue realistisch ein und sammeln Sie ständig und bewusst neue Erfahrungen. Nehmen Sie dabei aber auch Seele und Körper mit, sonst bleibt der Spaß auf der Strecke.

Wie in allen Lebensbereichen werden auch auf dem Motorrad die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen vor allem durch ständige bewusste Wahrnehmung und die Anwendung des "Gelernten" verbessert. Dies gilt besonders, wenn nur gelegentlich Motorrad gefahren wird. Als Basis-Ausbildung hilft ein fundiertes Sicherheitstraining. So erfahren Sie, wo die eigenen Schwächen und Grenzen liegen.

Volle Konzentration

Wenn Sie Motorradfahren, fahren Sie nur Motorrad. Lassen Sie keine Ablenkungen und Störungen zu, die Sie davon abhalten.

Zum Fotografieren, Programmieren des Navigationssystems und/oder fürs Studium der Landkarte usw. suchen Sie sich einen Platz, auf dem Sie sicher stehen bleiben können und niemanden stören.

Gesammelte Sitzhaltung

Achten Sie auf eine entspannte und gesammelte Sitzhaltung, besonders wenn es zur Sache geht. Die Füße bleiben (möglichst) immer auf den Fußrasten.

Wer entspannt eine gute Verbindung zu seinem Untersatz hat, muss sich bei schneller Reaktion nicht erst "sortieren", um das Beste aus der Situation herauszuholen.

Auf Signale des Körpers achten

Fahren Sie so zügig, dass Sie immer noch entspannt und ausreichend konzentriert bleiben bzw. bleiben können.

Motorradfahren erfordert Konzentration. Das Konzentrationslevel muss bei höheren Geschwindigkeiten steigen. Auf schwierige Ereignisse können Sie meist nur dann schnell und angemessen reagieren, wenn Sie nicht nur konzentriert, sondern dabei auch weitgehend entspannt sind.

Die Anspannung und die Reaktionen des eigenen Körpers sind ein guter Gradmesser für die körperliche und mentale Beanspruchung beim Fahren. Achten Sie also auf Signale des Körpers. Entspannte Konzentration ermöglicht höhere Ausdauer. Aber auch langsames "Herumschleichen" ohne wirkliche "Anforderungen" können die Konzentration abebben lassen. Machen Sie in solchen Phasen ruhig eine Pause.

Bremsen, Bremsen, Bremsen

Überwinden Sie die Angst vor dem Bremsen, trainieren Sie es bis zum Maximum. Eine Voll- oder Notbremsung mit dem Motorrad in einer kritischen Verkehrssituation gehört zu den schwierigsten Aufgaben, die zur Vermeidung eines meist schweren Unfalles beim ersten Versuch perfekt gelingen muss. Deswegen kann das Bremsen auch aus hohen Geschwindigkeiten nicht genug geübt werden. Übrigens: Es erhöht den Fahrspaß, die Bremsen auch in Schrecksituationen gewohnheitsgemäß professionell bedienen zu können.

Im Kurvenlabyrinth

Alles im Blick

Trainieren Sie die spezielle Blickführung für Kurvenfahrt:

  • Einlenkpunkt
  • Scheitelpunkt
  • Kurvenausgang
  • weiterer Straßenverlauf

Ganz gleich auf welcher Maschine: Bei zügiger Kurvenfahrt kommt auf dem Motorrad so richtig Freude auf. Für einen flüssigen Ablauf der Fahrt ist die kontinuierliche Blickführung entscheidend. Trainieren Sie deswegen besonders die Konzentration auf das Wichtige, das Sehen und schnelle Verstehen der Gegebenheiten und nehmen Sie bei Unklarheiten konsequent die Geschwindigkeit raus.

Schräglagenwechsel

Überwinden Sie die Angst vor satter Schräglage. Trainieren Sie den schnellen und ausgeprägten Schräglagenwechsel.

Die schräge Kurvenfahrt hat für Motorradfahrer etwas Faszinierendes. Einerseits gilt eine hohe Schräglage als Ausdruck von Verwegenheit, andererseits löst sie bei manchen Bikern ab einem gewissen Level Unbehagen aus.

In schwierigen Situationen wird dann nur ein Teil der physikalischen Möglichkeiten genutzt. Dann werden zu große Kurvenradien gefahren, obwohl kleinere möglich gewesen wären. Viele Biker wissen nicht, dass je nach Maschinentyp und Lenkerbreite bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten für einen schnellen Richtungs- und Schräglagenwechsel entschlossene und kräftige Lenkimpulse erforderlich sind.

Mit diesem Thema kann sich der Motorradfahrer hervorragend bei einem Sicherheits- und Rennstreckentraining im sogenannten Kreisel vertraut machen. Das Training sollte nicht dazu führen, dass Sie in öffentlichen Straßenkurven immer auf der letzten Rille fahren. Sonst ist der hinzugewonnene persönliche Handlungsspielraum wieder voll ausgeschöpft und kein Sicherheitsgewinn entstanden.

Zusammenspiel der Komponenten

In Schräglage hält die Physik für den Motorradfahrer einige Überraschungen bereit, die gefährlich werden, wenn Bremsen, Gas und Kupplung bei Schreckreaktionen falsch bedient werden.Wissen und Training kann die Wahrscheinlichkeit der Fehlbedienung reduzieren.Trainieren Sie das Zusammenspiel von Gas, Kupplung, Vorderrad- und Hinterradbremse bei zügiger Kurvenfahrt und in Schräglage. 

Den eigenen Fahrstil kennen

Vorrangig bei sportlichen Gruppenfahrten auf anspruchsvollen Kurvenstrecken oder auf Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen kann sich eine besondere Gruppendynamik entwickeln, in der die Gangart der Vorausfahrenden sich sukzessive beschleunigt. Wer weiter hinten in der Gruppe fährt, müsste bei dem Versuch, den Anschluss zu halten, über seine und allgemein gültige Grenzen hinausgehen. Wer in dieser Situation rechtzeitig erkennt, wo vernünftige Grenzen liegen, kommt zwar später an, ist aber trotzdem Sieger. 

Lassen Sie sich also nicht zu Aktionen provozieren, die nicht zu Ihnen und Ihrem Fahrstil passen. Jeder ist für sich und sein Tun verantwortlich!

Im Flow

Auch wenn das Adrenalin auf anspruchsvoller (Kurven-)Strecke den Körper pusht und Sie in den "Flow" kommen, dürfen Sie nicht alles um sich herum vergessen.

Achten Sie auch auf kleine Fehler, die Ihnen unterlaufen. Bewerten Sie Ihre aktuelle Konzentration und Kondition. Und legen Sie lieber eine Extra-Pause ein.

Situationen durchspielen

Jeder Motorradfahrer kennt diese Situation: Aus dem entspannten Fahren heraus wird die Verkehrs- und Risikosituation schlagartig brenzlig. Meist wird Bremse und Kupplung betätigt und ansonsten nur abgewartet.

Mental trainieren können Sie solche Situationen in der Phantasie. Spielen Sie in vergleichsweise harmlosen Verkehrs- und Fahrsituationen im Geiste durch, welche Möglichkeiten Sie in einer tatsächlich schwierigen Situation gehabt hätten. Geben Sie nicht zu schnell auf.

Greifen Sie in die Trickkiste der Physik

Versuchen Sie, die Fahrphysik des Motorrades zu verstehen und setzen Sie abseits des öffentlichen Verkehrs das neue Verständnis spielerisch um, etwa in einem Motorrad-Sicherheitstraining.

So wie die Physik unliebsame Überraschungen für den Motorradfahrer bereithält, so kann sie auch trick- und segensreich eingesetzt werden. So lässt sich etwa die Hinterradbremse in enger werdenden Kurven geschickt zur Schräglagenkorrektur einsetzen.

Im Verkehrsgetümmel

Der Blick

Die Blickführung zählt zu den wichtigsten "Lenkungsinstrumenten" auf dem Motorrad. Wohin man schaut, dorthin fährt man auch. Außerdem können Gefahren durch einen weitreichenden Blick früher erkannt werden. Vorausschauendes Fahren gibt immer auch eine Gelassenheit im Zeit- und Bewegungsablauf.

Schauen Sie so weit wie möglich nach vorne, ohne die Details direkt vor Ihnen zu übersehen. Lassen Sie sich von Ihrem Blick leiten. Beobachten Sie gut, nutzen Sie alle wichtigen Hinweise im Verkehrsgeschehen und auf der Straße, bleiben Sie im Zweifel misstrauisch.

Höchste Priorität hat Unfallvermeidung

Für Motorradfahrer sollte immer die Unfallvermeidung an erster Stelle stehen. Die Fragen des Vorrechtes und der Fehler eines Anderen spielen eine untergeordnete Rolle. Verzichten Sie deshalb auch auf mögliche Vorrechte. Die Vermeidung von Konflikten und Unfällen hat absoluten Vorrang. Versuchen Sie keine Fahrmanöver mit der Brechstange.

Die Situation scannen

Besonders im dichten Verkehr und bei Gruppenfahrten ist die Position anderer Verkehrsteilnehmer für geplante Fahrmanöver entscheidend. Hier gilt es, Überblick zu bewahren. Überwachen und erahnen Sie so oft und so gut es geht den Verkehr um sich herum, auch wenn kein Spur- und Richtungswechsel ansteht.

Vorstellungskraft

Wenn der Blick auf den nächsten Strecken- und Verkehrsbereich versperrt ist, kann es helfen, sich eine realitätsnahe Vorstellung von dem zu machen, was auf einen zukommen könnte. Die Reaktionszeiten und die Anpassung an die realen Gegebenheiten verkürzen sich damit.

Erwarten Sie stets das Unerwartete. Je weniger Sie sehen, desto wichtiger wird Ihre Vorstellungskraft von möglicherwerweise bevorstehenden Abläufen und Ereignissen.

Sichtbar sein

Machen Sie sich immer so gut sichtbar wie möglich. Bringen Sie sich so zu den anderen Verkehrsteilnehmern in Position, dass Sie auch gesehen werden können. Schalten Sie im Zweifelsfall am Tag auf das Fernlicht um. Auch wechselnde Fahrlinien können die Auffälligkeit erhöhen.

Kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen sowie Scheinwerferlampen mit erhöhter Lichtausbeute sind in diesem Zusammenhang ebenfalls sinnvoll.

Schnell, entschlossen und berechenbar

Selten werden kritische Verkehrssituationen oder gar Unfälle durch einen einzigen Fehler verursacht. Meist werden die möglichen Folgen dieses Fehlers von den Beteiligten falsch eingeschätzt. Umso wichtiger ist es, eigene und fremde Fehler möglichst schnell zu erkennen und sofort entschärfende Maßnahmen zu ergreifen, also meist die Geschwindigkeit stark reduzieren. Auch die Fehlererkennung können Sie trainieren. Bei Unklarheit der Verkehrsabläufe sollten Sie nach folgender Maxime handeln: Reagiere schnell, sehr schnell, entschlossen und für andere berechenbar!

Nicht über die anderen ärgern

Im heutigen Verkehrsgeschehen sind gegenseitige Störungen und Behinderungen unvermeidbar. Die wenigsten Verkehrsteilnehmer haben schlechte Absichten, wenn sie andere stören oder behindern. Gelegentlich stellen sie sich einfach nur ungeschickt an. Ärgern Sie sich also nicht über diese Fahrer. Nehmen Sie sie als Realität wahr und überlegen Sie sich, wie Sie in Zukunft solchen Störungen entgehen können.

Für eine ungetrübte Freude am Motorradfahren sollten Sie Ihre bevorzugten Strecken möglichst nur in jenen Zeiträumen befahren, in denen dort keine Rush-Hour herrscht.

Abstand halten

Ausreichend Abstand zu halten, hat nur Vorteile. Abgesehen von dem vornehm-distanzierten Charakter der Zurückhaltung können Sie bei ausreichendem Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen gelassener und überlegter reagieren. Sie bewahren den Überblick und können die Ausweichmöglichkeiten nutzen. Halten Sie also Abstand und bewahren Sie sich so die Möglichkeiten, Unfälle zu vermeiden oder Situationen zu entschärfen. Suchen Sie dazu Raum und Platz im Verkehrsgeschehen.

Die Fahrlinie

Die schlimmsten Unfälle sind Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Da das Ausweichen mit dem Motorrad nicht so einfach abläuft, wie die meisten Nicht-Biker es sich vorstellen, sollten Sie wenn immer möglich einen großen Abstand zum Gegenverkehr einhalten. Besonders bei schräger Fahrt in Linkskurven brauchen auch die Motorradfahrer viel Platz.

Wählen Sie die Fahrlinie auf Ihrem Fahrstreifen möglichst rechts, vor allem in Linkskurven. Nur Rechtskurven werden links angefahren.

Und sonst ...

Nutzen Sie zum Schnellfahren eine abgesperrte Rennstrecke. Bei einem Rennstrecken-Training herrschen beste Trainingsmöglichkeiten unter Anleitung. Übrigens bietet nicht nur der ADAC regelmäßig Rennstreckentrainings an.

ADAC Rennstreckentraining


Gerade das Langsamfahren sollte immer wieder spielerisch geübt werden. Das ist ohne großen Aufwand und Platzbedarf möglich. Das Langsamfahren vermittelt ein feines Gefühl für die Bedienung der Maschine und ihre Stabilisierung. 

Regen und Kälte sind ohnehin keine Freunde des Motorradfahrers. Damit einher gehen die erschwerten Sicht- und Fahrbedingungen. Vielfach sind die Bedenken vor dem schlechten Wetter allerdings größer als das schlechte Wetter selbst. Ein weicher, fließender Fahrstil kann helfen, auch dieser unangenehmen Situation noch etwas Gutes abzugewinnen. Wichtig: Helm und Kleidung müssen Regen und Kälte trotzen.

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