Wie sicher sind Elektroautos bei Brand, Unfall oder Panne?

10.1.2019

Je mehr Elektroautos unterwegs sind, desto heißer wird die Diskussion über die Sicherheit: Was passiert nach einem Unfall? Geht die Batterie in Flammen auf? Die wichtigsten Antworten und Crashtest-Ergebnisse.

Euro NCAP Test Jaguar i-Pace
Gut geschützt: Der Jaguar i-Pace, ein Elektro-SUV, bekam im Crashtest volle fünf Sterne 
  • Unabhängig vom Antrieb: Hohe Sicherheitsanforderungen bei allen Autos
  • Kritischer Punkt beim Unfall: Die Verformung der Batterie
  • Bei den Euro NCAP-Crashtests hat noch kein Elektroauto versagt
  • Pannenhelfer und Rettungskräfte brauchen spezielle Ausbildung 

 

Grundsätzlich gilt: Alle Autos, die eine Zulassung bekommen, müssen gesetzliche Anforderungen erfüllen, die ein Höchstmaß an Sicherheit für die Autofahrer garantieren sollen – egal, ob ein Fahrzeug mit Benzin oder Diesel, Erd- oder Flüssiggas oder eben mit einer Batterie elektrisch betrieben wird.

Speziell bei Elektroautos heißt das, die elektrischen Komponenten müssen "eigensicher" ausgelegt sein. Eigensicher bedeutet, dass der Stromfluss der Batterie unterbunden wird, wenn im System ein Defekt auftritt. Im Klartext: Kommt es zum Beispiel zu einem Unfall, wird die Batterie sofort automatisch von den anderen Hochvoltkomponenten und den Hochvoltkabeln getrennt, so dass dort keine Spannung mehr anliegt.

 

Was tun bei einer Panne?

Bei einer Panne besteht in der Regel keine elektrische Gefährdung, da die Elektroautos systembedingt und durch Maßnahmen der Hersteller abgesichert sind. Auch die Pannenhilfe ist grundsätzlich möglich. Aus Sicherheitsgründen gilt jedoch, dass Arbeiten an Hochvoltkomponenten nur Personen ausführen dürfen, die für diese Arbeiten ausgebildet sind – so wie die Gelben Engel des ADAC. Für alle anderen gilt: Hände weg von den Hochvoltkomponenten und von allen orangefarbenen Leitungen!


Was ist bei einem Unfall zu beachten?

Durch die sofortige Unterbrechung des Stromflusses ist "Erste Hilfe" auch bei einem Elektroauto ohne eine erhöhte Eigengefährdung möglich. Wichtige Hinweise für die Rettungskräfte liefert nach einem Crash die "Rettungskarte" des ADAC. Sie gibt exakt Auskunft, wo die Feuerwehr ihre Schneidewerkzeuge am besten ansetzt. Der ADAC empfiehlt, einen Ausdruck hinter die Sonnenblende des Fahrerplatzes zu klemmen, dort schauen die Helfer als erstes nach.

Hier finden Sie die für Ihr Fahrzeug passende Rettungskarte

Kritisch kann es werden, wenn die technische Schutzmechanismen der Antriebsbatterie durch einen Unfall verformt und damit beeinträchtigt worden sind. Im schlimmsten Fall können die Zellen in der Antriebsbatterie "durchgehen". Das wäre der sogenannte "Thermal Runaway": Dann brennt die Antriebsbatterie und ist nur schwer zu löschen. 

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Wie hoch ist das Risiko eines Fahrzeugbrands?

Das Risiko eines Brandes ist vergleichsweise gering, da aktuelle Elektroautos bei einem Unfall genauso sicher sind wie herkömmliche Autos und das Hochvoltsystem in der Regel nach einem Unfall mit Auslösung des Airbag abgeschaltet wird.

Weil das Thema Sicherheit von Elektrofahrzeugen in der Öffentlichkeit immer wieder und sehr unterschiedlich diskutiert wird, hat der ADAC frühzeitig entsprechende Tests durchgeführt. Ein Crashtest-Vergleich vom elektrisch angetriebenen VW e-up! mit dem normalen VW up! hat zum Beispiel gezeigt, dass beide Fahrzeuge volle 5 Sterne erreichen.

Die für den Crash relevanten Strukturen sind bei beiden Fahrzeugen identisch. Der Batteriepack wurde darüber hinaus mit einem Rahmen verstärkt und unterhalb des Fahrzeuges verbaut. Das wirkt versteifend, bringt aber auch zusätzlich Gewicht von knapp 250 kg. 

Ein Vergleich nach dem Frontalzusammenstoß mit 64 km/h bei 40 Prozent Überdeckung (beide Fronten etwa zur Hälfte versetzt) zeigt deutlich, dass der VW up! mit dem zusätzlichen Gewicht durch die Batterien keine Einbußen in der Sicherheit mit sich bringt. Die Fahrzeugstruktur weist keine höheren Deformationswerte auf und auch die Belastungswerte für die Insassen sind identisch mit denen der benzinbetriebenen up!-Variante. Die Sicherheit des Hochvolt-Systems und der Fahrzeugbatterien war jederzeit gewährleistet.

Die Deformation des Unterbodens endete weit vor dem Batteriepack, und auch die elektrische Abschaltung des Hochvolt-Systems reagierte binnen Millisekunden auf den Unfall und trennte über ein Relais die Verbindungsleitung zwischen Batteriepack und Hochvolt-Leitungen zum Elektroantrieb. Die Batterie entzündete sich nicht, es bestand keine Brandgefahr.

 

Der VW e-up! im Euro NCAP-Crashtest

Wie sicher sind aktuelle Elektroautos?

Die jüngst von Euro NCAP durchgeführten Crashtests zeigen, wie sicher entsprechend konstruierte Elektrofahrzeuge sein können. Beispiel Jaguar I-Pace: Das 4,68 Meter lange und 2,2 Tonnen schwere Crossover-SUV erzielte die Maximalwertung von fünf Sternen. Auch beim Seiten- und Pfahlaufprall wurden keine gefährlichen Deformationen an dem Akkugehäuse verzeichnet.

Der seitliche Aufprall mit einem Rammbock sowie der seitliche Einschlag eines Pfahls haben für moderne Elektroautos besondere Bedeutung. Die Batterien sind in der Regel nämlich in einem großen Block im Unterboden verbaut. Der Deformationsraum des Fahrzeuges an der Seite ist geringer als am Heck oder an der Front des Autos. Insofern ist der Seitenaufprall der sensible Punkt eines E-Fahrzeuges. Das gilt auch für den i-Pace.    

Hinsichtlich der positiven Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass der Seitenaufprall per Rammbock mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h, der Pfahlaufprall mit 34 km/h durchgeführt wird. Über den Umfang und das Risiko von Deformationen bei noch höheren Geschwindigkeiten geben die Crashs keine Auskunft.

Fazit

Eine Beschädigung der Batterien stellt den kritischsten Fall im Unfallgeschehen dar – und muss daher bei der Konstruktion des Fahrzeuges so weit wie möglich ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund betreiben die Hersteller einen immer größeren technischen Aufwand, die Batteriepacks im Unterboden der Fahrzeuge vor Deformation zu schützen. Keines der aktuellen Elektroautos ist bislang bei einem Crashtest negativ aufgefallen. Im Vergleich mit herkömmlich angetriebenen Pkw ist die Sicherheit von Elektroautos wegen der optimierten Crashstruktur im Fahrzeug sogar oft besser.

Fotos: ADAC Technik Zentrum, Euro NCAP (2)