Opel Corsa GSE: Das ist der Renner
Von Redaktion

Opel schickt seinen Kleinsten in die Muckibude: Der elektrische Corsa GSE liefert ordentlich Leistung und Fahrspaß zum gerade noch volkstümlichen Tarif. Und er markiert zwei Superlative in der Firmenhistorie. Testfahrt mit dem 281-PS-Kleinwagen.
Sportlichster Corsa aller Zeiten
5,5 Sekunden auf Tempo 100
Preis mit guter Ausstattung ab 39.900 Euro
Die Strecke ist eng mit Pylonen markiert und sie ist ziemlich anspruchsvoll: extreme Beschleunigung, hartes Einbremsen, radikale Kurven, dazu Temperaturen knapp unter 30 Grad. Hier auf dem Driving Park Pachfurth in der Nähe von Wien muss der neue Sport-Corsa zeigen, was er draufhat. Also: Modus-Wippschalter auf Sport, im Display die Anzeige von Fahrparametern wie Querbeschleunigung und G-Kräfte aktiviert. Und ab geht’s.
Rennstreckentauglich: Hohe Leistung, starke Bremsen

Bei Vollgas, pardon, Vollstrom bekommt das Sperrdifferenzial an der Vorderachse ordentlich zu tun und sorgt dafür, dass die 207 kW/281 PS und das maximale Drehmoment von 345 Nm sauber auf den trockenen Asphalt gebracht werden. Die erste enge Kurve, die Vier-Kolben-Performance-Bremsen mit 355-Millimeter-Scheiben vorne und 268-Millimeter-Scheiben hinten beißen heftig zu, dann lässt sich der gut 1,5 Tonnen schwere Kleinwagen auch dank seines um 2,5 Zentimeter tiefergelegten Sport-Chassis mit speziellen Achsen, Stabilisatoren und Hydro-Stoßdämpfern fast wie ein Gokart um die Ecke scheuchen.
GSE-Fahren macht Laune, keine Frage. Schließlich ist der Kleine mit dieser Zusatzbezeichnung der bis dato stärkste Corsa aller Zeiten. Mit ihm geht es noch einen Tick direkter und knackiger zur Sache als mit dem identisch motorisierten, aber etwas größeren und schwereren Mokka GSE.
Maximale Leistung nur im Sportmodus

Das zeigt sich auch bei der Beschleunigung. Mit 5,5 Sekunden für den Standard-Sprint legt der neue Hot Hatch aus Rüsselsheim den zweiten Superlativ vor. Flinker in Fahrt kommt derzeit kein anderes Opel-Serienmodell. Zum Vergleich: Der GSE-Mokka braucht 5,9 Sekunden. Allerdings ist der bis zu 200 km/h schnell. Der Power-Corsa wird bei 180 Sachen abgeregelt. Reicht ja auch.
Der Beschleunigungswert gilt allerdings nur für den Sportmodus, in dem der Neuzugang seine gesamten Kräfte mobilisiert. Im Modus Normal ist er zwar auch bis zu 180 Sachen schnell, bringt es aber "nur" auf 170 kW/231 PS. Wird die Wahl-Wippe schließlich auf Eco gestellt, liegen noch maximal 300 Nm an und die Höchstleistung wird auf 140 kW/190 PS begrenzt, zudem ist bei 150 Sachen Schluss.
Mit diesen Parametern wird auch der WLTP-Verbrauchswert ermittelt, er liegt je nach Bereifung zwischen 16,0 und 17,0 kWh/100 km. Für die Rennstrecke ist das natürlich utopisch. Auf ganz normalen Straßen aber nicht: Bei den ersten Testfahrten auf limitierten österreichischen Autobahnen und Landstraßen zeigte der Bordcomputer Werte um die 18 kWh auf 100 Kilometer an. Dann ist auch die genannte WLTP-Reichweite von 354 bis 374 Kilometern im Rahmen des Möglichen.
Der Corsa GSE ist sportlich straff abgestimmt
Unterm Fahrzeugboden steckt der Corsa-übliche Akku mit einer Kapazität von brutto 54 und netto 51 kWh. Was bei diesen Trips naturgemäß stärker auffiel als auf dem Handlingkurs: Der kleine GSE ist ganz schön straff abgestimmt. Muss er ja auch sein, für eventuelle Rennstrecken-Einsätze. Im Alltag kann das auf eher schlecht gepflegten Straßen ein bisschen stören.
Bei den Farben lässt Opel vornehme Zurückhaltung walten. Die ersten Vorserienfahrzeuge treten in dezentem Weiß und Grau auf, ergänzt durch schwarze Dächer und Radläufe. Dass darunter erhebliche Kräfte versammelt sind, signalisieren eine Frontpartie im GSE-Look und ein knackiger gezeichnetes Heck.
Auch der Innenraum wurde auf Sport getrimmt

Und natürlich hat der Hersteller auch im Interieur kräftig dynamisiert: Gelbe Sicherheitsgurte, recht knapp geschnittene Sportsessel vorne mit Alcantara und GSE-Logo, dazu Stoffeinsätze in schwarz-grau-gelbem Karo-Muster oder die Alu-Pedalerie sorgen für sportliche Gefühle hinterm Alcantara-bezogenen Lenkrad. Die Anzeigen im 10-Zoll-Touchscreen sind im GSE-Look gehalten. Wer mag, kann sich bei dynamischen Einsätzen diverse Fahrparameter oder die Daten zum Batteriemanagement anzeigen lassen.

Beheizbare Sitze und Lenkrad, Navigationssystem, 180-Grad-Rückfahrkamera, den adaptiven Geschwindigkeitsregler, ein Keyless-Entry-&-Start-System und den bidirektionalen On-Board-Charger (V2L) – das alles hat der GSE serienmäßig an Bord. Dazu noch eine Neuheit: Erstmals kann man im Corsa GSE die Leistung auch hören, dank eines "aktiven Sport-Sounds", so die Opelaner. Je nach Modus und Intensität ändert sich die Klangcharakteristik von sanft bis nachdrücklich. Auf virtuelle Schaltvorgänge und derlei Spielereien hat man allerdings verzichtet.
Preis: Bei knapp unter 40.000 Euro beginnt der Spaß
Unterm Strich zeigt der Corsa GSE, wie emotional und spannend E-Mobilität im Kleinformat sein kann. Er überzeugt mit sehr viel Leistung und deren gekonnter Umsetzung auf die Straße oder die Rennstrecke, fordert dafür allerdings Zugeständnisse in Sachen Fahrkomfort und Reichweite.
Noch im September 2026 wird Opel die Bestellbücher öffnen, seine Messepremiere feiert der Neuzugang auf dem Pariser Autosalon (12. bis 18. Oktober 2026). Exakt 39.900 Euro verlangt Opel für den weitgehend komplett ausgestatteten GSE, das sind gut 2600 Euro mehr als für einen vergleichbar ausstaffierten Corsa Electric Ultimate.
Text: Rudolf Huber/SP-X