Mercedes CLA Shooting Brake: Technisch ausgefeilt, aber auch praktisch?
Von Jochen Wieler

Nach dem Stufenheck ist jetzt der CLA auch als Shooting Brake zu haben. Technisch ist der als Elektroauto und Hybrid erhältliche Kombi weit vorn. Doch wie sieht es beim praktischen Nutzwert aus? Testfahrt mit dem elektrischen CLA Shooting Brake.
Hohe Reichweite, niedriger Verbrauch
Weniger Nutzwert als bei einem klassischen Kombi
800-Volt-Technik für schnelles Laden
Die deutschen Autohersteller sind abgehängt in Sachen Elektromobilität? Dass dem nicht so ist, hat unter anderem Mercedes mit dem 2025 aufgelegten CLA bewiesen. Mit Reichweiten von mehr als 700 Kilometern nach WLTP, einem überaus effizienten Antrieb sowie der 800-Volt-Schnellladetechnik für kurze Standzeiten setzte Mercedes einen neuen Maßstab.
CLA Shooting Brake: Das Kombi-Coupé

Bis dato war der CLA nur als kompakte Stufenhecklimousine zu haben. Das ist die Gattung Auto, mit der zumindest in Deutschland jedoch kein Blumentopf zu gewinnen ist. Und so war es naheliegend, dass es den aktuellen CLA auch als Kombi geben würde.
Den Namen "Kombi" hört man bei Mercedes allerdings nicht so gern. Der CLA mit Heckklappe wird wieder als "Shooting Brake" vermarktet, was mehr nach Lifestyle und Côte d'Azur denn nach Baumarkt klingt. Es ist dem CLA anzusehen: Ein reines Nutzwertauto kann bei der flachen Form mit dem nach hinten abfallenden Dach nicht unter der schicken Karosserie stecken.
Mercedes CLA: Großer Kofferraum, großer Frunk
Umso erstaunlicher ist, wie groß das Ladeabteil hinter der Heckklappe ausfällt. Auch wenn der Vorgänger noch 30 bzw. 60 Liter (umgeklappt) mehr unterbringen konnte: 455 Liter schluckt der Kofferraum laut Messung des Herstellers, umgeklappt sogar 1290 Liter. Das ist eine ganze Menge und sollte für den Urlaub reichen. Und wenn nicht, nimmt man das riesige Loch unter der Fronthaube ("Frunk") zu Hilfe, das mit 101 Liter Fassungsvermögen ein bis zwei Koffer oder mehrere Reisetaschen aufnehmen kann.
Trotz allem sieht man schnell ein, dass die Bezeichnung "T-Modell", wie die Kombis bei Mercedes üblicherweise heißen, verfehlt gewesen wäre. Zu schräg steht dafür die Heckklappe – den Transport einer klotzigen Waschmaschine braucht man gar nicht erst zu versuchen.

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Und auch hinten muss man sich einschränken. Das betrifft zwar nicht die Beinfreiheit im 4,72 Meter langen Fahrzeug, aber Fondpassagiere sollten nicht allzu groß gewachsen und gelenkig genug sein, um beim Einsteigen den Kopf einzuziehen. Außerdem ist die Rückbank nicht sonderlich bequem.
Auch vorn sitzt man nicht so ganz kommod wie in größeren Mercedes-Modellen. Das Auto ist relativ schmal, und damit sind es auch die Sitze, was nachvollziehbar ist, denn trotz üppiger Länge bleibt der CLA ein Vertreter der unteren Mittelklasse.
Fahrer und Beifahrer sitzen fast im wörtlichen Sinn vor einem Armaturen-"Brett", das über seine gesamte Breite mit Bildschirmen bestückt ist – der dritte ganz rechts kostet Aufpreis. Der Eindruck kann einen erst mal erschlagen, doch die Bedienung ist gar nicht so kompliziert, wie es zunächst scheint.
Das viele Geblinke vor der Nase lenkt indes ab. Erst recht, wenn man im Augenwinkel wahrnimmt, dass auf dem Beifahrerbildschirm ein Actionfilm tobt. Schaut der Fahrer oder die Fahrerin ein paar Sekunden zu lange drauf, schaltet der Screen aus Sicherheitsgründen ab.
Testfahrt in CLA Shooting Brake 250+ und 350

Beim Fahren ist der CLA in seinem Element. Die Redaktion konnte die elektrische Variante als CLA 250+ und als CLA 350 4Matic bewegen. Der 350er hat dem heckgetriebenen 250+ Allradantrieb voraus. Wer darauf Wert legt, muss also zu dieser Version greifen und bekommt noch einmal mehr Leistung spendiert. Die 260 statt 200 kW sind bei festem Druck auf das rechte Pedal deutlich zu spüren.
Doch auch die "schwächere" Version macht ihre Sache hervorragend, reagiert spontan auf Gasbefehle, lässt Überholmanöver schnell geschehen und bereitet richtig Laune.
Kein Wunder, schließlich schnellt bereits der 250+ in 6,8 Sekunden auf Tempo 100, der 350er in 5,0 Sekunden. Bei der Spitze von 210 km/h sind beide gleichauf. Sparsamer fährt man mit dem elektrischen Einstiegsmodell CLA 200 mit 165 kW Leistung. Er kommt mit der günstigeren LFP-Batterie, hat 58 kWh Kapazität und 200 kW Ladeleistung zu bieten und erreicht 525 Kilometer Reichweite nach WLTP.

Die beiden stärkeren Versionen haben eine 85-kWh-Batterie im Bauch, werden mit 769 (250+) und 743 Kilometer Reichweite (350 4Matic) angegeben und können mit bis zu 320 kW an DC-Schnellladesäulen ziehen. Mercedes verspricht, dass sich in 10 Minuten 320 Kilometer an Reichweite zuladen lassen – unter günstigen Bedingungen wie einer vorgeheizten Batterie beispielsweise.
AC-Laden an der Wallbox zu Hause oder an öffentlichen Ladesäulen ist mit bis zu 22 kW möglich. Eine komplett leere Batterie füllt sich hier in 4 Stunden.
Diese Daten sollten selbst E-Mobilitäts-Kritiker überzeugen, auch wenn die Praxiswerte auf der Autobahn ein Stück darunter liegen dürften. Mehr als 500 Kilometer sind dort aber wohl auch zu schaffen, schließlich hat der Shooting Brake die Energieeffizienz seines Schwestermodells mit Stufenheck geerbt. Im ADAC Test erwies er sich als überaus sparsam – mit entsprechender Auswirkung auf den Aktionsradius.
Und auch seine Handlichkeit. Der CLA ist trotz seines Gewichts sehr leichtfüßig unterwegs, nimmt schnelle Kurven zackig und kommt erst sehr spät an seine Grenzen. Ungewohnt ist am Anfang die relativ leichtgängige Lenkung, doch sie trägt zu der Lockerheit im Umgang mit dem CLA bei. Alles easy, angestrengt wirkt hier nichts.
Wozu also noch einen Verbrenner kaufen? Wer unbedingt noch einen möchte: Der Shooting Brake wird analog zum Stufenheck als 48-Volt-Benziner angeboten. Wie sich der Verbrenner fährt und weitere Details zum CLA finden sich im Artikel zum CLA Stufenheck.
Mercedes CLA Shooting Brake EQ: Daten, Preis
Die technischen Daten der elektrischen CLA-Shooting-Brake-Versionen im Überblick. Im ADAC Autokatalog finden Sie die Daten aller CLA-Varianten, auch die der Benziner.
Technische Daten (Herstellerangaben) | Mercedes-Benz CLA Shooting Brake 200 EQ Progressive (ab 03/26) | Mercedes-Benz CLA Shooting Brake 250+ EQ Progressive (ab 03/26) | Mercedes-Benz CLA Shooting Brake 350 EQ Progressive 4MATIC (ab 03/26) |
|---|---|---|---|
Motorart | Elektro | Elektro | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 165 | 200 | 260 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 224 | 272 | 354 |
Drehmoment (Systemleistung) | 335 Nm | 335 Nm | 515 Nm |
Antriebsart | Hinterrad | Hinterrad | Allrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 7,6 s | 6,8 s | 5,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h | 210 km/h | 210 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 525 km | 768 km | 742 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 12,8 kWh/100 km | 12,7 kWh/100 km | 13,3 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | 58,0 | 85,0 | 85,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:11,0 DC:200,0 | AC:11,0 DC:320,0 | AC:11,0 DC:320,0 |
Leergewicht (EU) | 2.065 kg | 2.075 kg | 2.155 kg |
Zuladung | 460 kg | 460 kg | 430 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg | 750 kg | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 1.500 kg | 1.500 kg | 1.800 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.723 mm x 1.855 mm x 1.469 mm | 4.723 mm x 1.855 mm x 1.469 mm | 4.723 mm x 1.855 mm x 1.469 mm |
Grundpreis | 50.789 Euro | 57.096 Euro | 61.654 Euro |
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