Abgefahren: Lotus Eletre X als Plug-in-Hybrid mit Mega-Reichweite
Von Redaktion

Mit dem Eletre X kehrt Lotus seiner Elektro-Strategie den Rücken und zeigt erstmals einen Plug-in-Hybrid mit 952 PS sowie einer rein elektrischen Reichweite von 350 Kilometer. So fährt er sich.
Plug-in-Hybrid mit 70-kWh-Akku
350 km Elektro-Reichweite, 1200 km gesamt
Preis ab rund 100.000 Euro
Lotus Eletre X: Nur keine Bescheidenheit

Vielleicht würde sich Colin Chapman jetzt im Grab umdrehen. Der Gründer von Lotus Cars hing der Philosophie der möglichst leichten Autos an. Simplify, then add lightness. Vereinfache, dann füge Leichtigkeit hinzu – so sein Credo. Und jetzt das: ein 2,6 Tonnen schweres SUV, vollgestopft mit Technik, das sportlich und möglichst weit elektrisch weit fahren soll. Komplizierter geht es kaum.
Der Lotus Eletre X leitet sich vom bereits bekannten elektrischen Eletre ab. Doch statt dass rein batteriebetrieben zu Werke gegangen wird, ist hier ein Verbrenner mit E-Maschinen kombiniert. So wird das Elektro-SUV zum Plug-in-Hybrid (PHEV). Das ist erstaunlich, denn bisher galt bei Lotus die Strategie "Electric first".
Mit dem Eletre X bietet Lotus nun ab Herbst 2026 einen PHEV mit 952 PS an. Warum gerade ein Plug-in-Hybrid? SUVs mit dieser Technologie brechen in China seit Monaten Zulassungsrekorde. Viele Hersteller kombinieren daher wieder einen Verbrenner mit dem Elektroantrieb.
Der Benziner hat "nur" 279 PS

Mächtig steht der Eletre X auf dem Parkplatz. Große 21-Zoll-Räder füllen die ausgestellten Radhäuser, schmale LED-Leuchten prägen die markante Front. Schon beim Einsteigen macht sich eine leise Spannung breit. Auf Knopfdruck erwacht der Eletre X, die Cockpit-Displays beleben sich, und man spürt: Dieses SUV will vorwärts – energetisch, kompromisslos.
Der Plug-in-Hybrid nutzt drei Elektromotoren, unterstützt von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo-Benziner mit 205 kW/279 PS. Im Alltag rollt der Eletre X im rein elektrischen Modus an, leise und souverän, zumindest solange der Akku mindestens 80 Prozent Ladezustand aufweist. Erst darunter schaltet sich der Verbrenner bei Bedarf zu, ebenso wie bei beherzter Fahrweise ab einer Geschwindigkeit von 85 km/h.
Drei Modi stehen zur Wahl, zwei für den E-Antrieb und einer für den gemischten Betrieb. Lotus stellt den E-Motor in der Antriebsstrategie an erste Stelle, der Verbrenner agiert primär wie ein Range Extender, kann aber über seine Antriebswellen die Vorderachse auch direkt antreiben, wenn er muss.
Bilder: Der Lotus Eletre X im Detail

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Unfassbarer Schub: 3,3 Sekunden auf 100 km/h

Im E-Modus wirkt die Kraftentfaltung linear, aber enorm intensiv: Die schiere Power steht sofort bereit. Schon beim Anfahren zieht das SUV mit einem unfassbaren, kontrollierten Schub kräftig nach vorn. Von 0 auf 100 km/h sprintet der Lotus in 3,3 Sekunden, regelt erst bei 230 km/h ab – der elektrische Eletre darf 260 km/h fahren. Statt des Zwei-Gang-Getriebes des Eletre kommt ein kürzer übersetztes Ein-Gang-Getriebe zum Einsatz.
Die adaptive Luftfederung und die elektronische Dämpfung halten den 2,6-Tonnen-Brocken erstaunlich stabil, die Lenkung vermittelt viel Rückmeldung, auch wenn sie mit den echten Sportwagen des Hauses nicht mithalten kann. Untersteuern in schnellen Passagen balanciert das System weitgehend aus. Dafür verantwortlich zeigt sich das neue, aktive Fahrwerk mit 48-V-Stabilisatoren, Zweikammer-Luftfedern und aktivem Heckspoiler. In schnellen Kurven reduziert die mitlenkende Hinterachse den Wendekreis und steigert weiter die Agilität.
Im Sportmodus reagieren Antrieb und Fahrwerk nochmals straffer, die Kraftverteilung wirkt spürbar heckbetont. Das Fahrverhalten bleibt dabei stets stabil und gut kontrollierbar – ohne je die direkte, federleichte Dynamik klassischer Lotus-Sportler zu erreichen.
70-kWh-Akku für 350 km Reichweite

Gleich drei E-Maschinen arbeiten im Eletre X: ein Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM) mit 310 kW an der Vorderachse und einer mit 390 kW an der Hinterachse sowie eine 150-kW-Maschine als Generator, um den Akku während der Fahrt mit bis zu 25 kWh pro Stunde zu laden. Gemeinsam leisten sie 700 kW (952 PS) und stellen 935 Nm Drehmoment bereit.
Die Kombination aus großem 70-kWh-Akku (statt knapp 120 kWh beim Eletre) und Verbrenner ergibt eine hohe Reichweite. Neuer Rekord: Mit etwa 350 rein elektrischen Kilometern lässt sich der Alltag vieler Pendler problemlos und ohne Zutun des Verbrenners bewältigen. Einmal pro Woche laden dürfte den meisten reichen. Auf langen Reisen sorgen der Verbrenner und ein 52 Liter großer Tank dafür, dass sich die Gesamtreichweite auf 1258 Kilometer erweitert.
900-Volt-Technik: Nachladen in Windeseile
Dank 900-Volt-Architektur kann der Akku sehr schnell nachladen. Innerhalb von 9 Minuten füllt er sich wieder von 20 auf 80 Prozent mit bis zu 430 kW Gleichstrom auf – schneller geht es kaum, vor allem bei einem PHEV. Damit ist der Hybrid auch schneller als sein rein elektrischer Bruder, der mit einer 800-Volt-Architektur zurechtkommen muss und an DC-Schnellladesäulen "nur" mit bis zu 350 kW laden kann.
Voraussetzung für kurze Ladezeiten ist das intelligente Thermomanagement: Die Batterie ist flüssigkeitsgekühlt, eine serienmäßige Wärmepumpe verbessert die Effizienz insbesondere bei niedrigen Temperaturen. Wird eine Schnellladestation als Ziel im Navigationssystem hinterlegt, konditioniert das Fahrzeug den Akku automatisch vor.
Es gibt drei Betriebsmodi: rein elektrischer Allradantrieb, paralleler Allradantrieb; Laden im Leerlauf, serielles Entladen; serielle Leistungserzeugung, parallele Leistungserzeugung. Das Umschalten auf den Verbrenner bekommen Insassen kaum mit, so geschmeidig läuft der Vierzylinder.
Lotus Eletre X als Alltagssportler

Der Innenraum präsentiert sich modern und hochwertig verarbeitet. Elektronische Spiegel und ein schmales OLED-Displayband informieren Fahrer und Beifahrer, ergänzt durch ein zentrales Touchdisplay für Infotainment, Navigation und Fahrzeugeinstellungen. Das Platzangebot ist großzügig – fünf Personen sitzen komfortabel, der Radstand von über drei Metern sorgt für ein tolles Raumgefühl. Der Kofferraum fasst 688 Liter und wächst bei umgeklappter Rückbank auf bis zu 1532 Liter. So viel Alltagstauglichkeit bei einem Supersportwagen gibt es selten.
Fazit
Der Lotus Eletre X kombiniert Hybrid-Technologie, hohe elektrische Alltagstauglichkeit und beeindruckende Systemleistung. Reicht der Akku der meisten PHEV-Modelle nur für rund 100 Kilometer, fährt der Lotus bis zu 350 Kilometer rein elektrisch. Für Fahrer, die Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit verbinden wollen, ist der Eletre X ein ernst zu nehmender Kandidat – rund 100.000 Euro sollte man aber übrig haben.
Text: Fabian Hoberg
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