Ferrari Portofino: So fährt das Super-Cabrio

Frontansicht des Ferrari Portofino fahrend
In 3,5 Sekunden beschleunigt der Ferrari Portofino auf 100 km/h ∙ © Ferrari

Cabrio und Coupé in einem, 620 PS stark: Der Ferrari Portofino M verspricht Fahrspaß nonstop. Alle Daten und Bilder. Plus: Testfahrt mit dem 600 PS starken Vor-Facelift-Modell ohne M wie "modificata".

  • V8 mit 620 PS: 3,5 Sekunden auf 100 km/h

  • Mit festem Klappdach Cabrio und Coupé in einem

  • Fahrspaß der besonderen Art

Schon im Stand wirkt er schnell, der Ferrari Portofino M – richtig schnell. Scharf geschnittene Linien, LED-Scheinwerfer mit Raubtier-Blick, eine Wespentaille, die das Heck mit den mächtigen 285er-Reifen betont: Von Anfang an hat Ferraris Design-Abteilung (diesmal ohne Hilfe von Pininfarina) darauf geachtet, den 2+2-Sitzer sowohl geschlossen als auch offen wie aus einem Guss wirken zu lassen – ein Grund dafür, dass wieder ein faltbares Hardtop statt eines klassischen Stoffdaches zum Einsatz kommt.

Typisch Ferrari: Super Design außen und innen

Ferrari Portofino öffnet Dach
Das Hardtop aus Alu lässt sich während der Fahrt öffnen und schließen ∙ © Ferrari

Und es hat geklappt: Als Coupé wirkt der Wagen stimmig und mit durchgehenden Linien, und nicht wie ein Cabrio mit aufgesetztem Hardtop. Nachdem sich das Dach auf Knopfdruck über dem Gepäckraum zusammengefaltet hat (was bis Tempo 40 möglich ist), mutiert der Portofino zum Spider. Typisch Ferrari auch das Interieur: Schon beim Öffnen der Türen schlägt einem der kräftige Duft des Leders entgegen, das den Innenraum dominiert. Als weiteres Material fällt vor allem Carbon auf. Am Cockpit, in der Konsole, teilweise am Lenkradkranz: Überall schimmert das hochwertige Leichtbau-Material, jedenfalls in der getesteten Ausstattung.

Vorne lassen sich die Passagiere in konturierte, aber nicht übertrieben enge Sitze nieder. Hinten finden Kinder zumindest für kurze Strecken ausreichend Platz: Schließlich bewirbt Ferrari den Portofino ausdrücklich als Sportwagen für den Alltag. Alternativ lässt sich der Fond auch als Gepäckraum nutzen – sogar inklusive Durchlade-Möglichkeit vom Kofferraum aus.

Von den analogen Instrumenten ist, wie bei anderen Modellen der Marke, allein der zentrale dominante Drehzahlmesser übrig geblieben. Links und rechts daneben informieren rechteckige Displays über alle erdenklichen Daten von G-Force bis zu Navi-Anweisungen. Der Beifahrer blickt auf ein eigenes, schmales Display – sozusagen als alles überwachender Co-Pilot.

Das kompakte, handliche Lenkrad erinnert mit seinen vielen Schaltern – unter ihnen das Ferrari-typische „Manettino“ zur Wahl des Fahrmodus, neuerdings mit dem Modus "Race" – an ein Formel 1-Steuer. Links unten sitzt der feuerrote Startknopf, der den V8 weckt. Ein kurzes Aufbrüllen, dann pendelt er sich unter der Fronthaube brabbelnd auf Leerlaufdrehzahl ein.

Ferrari Portofino: Der V8-Motor liefert 620 PS

Motor des Ferrari Portofino
Der Achtzylinder-Turbomotor bringt es jetzt auf 620 PS ∙ © Ferrari

Die Fahrt, die dann folgt, gehört zweifellos zu den höchsten Genüssen automobilen Lebens, auch wenn der Portofino ohne M "nur" 600 Pferdestärken bereitstellen kann. Egal, ob das Manettino auf Sport oder Comfort geklickt ist: Das Triebwerk reagiert spontan auf jeden Befehl vom Gasfuß – wenn auch, verglichen mit früheren Saugmotoren, mit minimaler Verzögerung. Doch dank des Turbo entwickelt der V8 bei nahezu jeder Drehzahl enormen Druck, beschleunigt rabiat: erst kräftig brüllend, dann trompetend.

Seit dem Facelift kommt eine neue, kleinere und leichtere Achtgangautomatik statt der Siebengang-Version zum Einsatz. Auch die fand ohne spürbare Schaltpause und zuverlässig die passende Fahrstufe. Natürlich kann der Fahrer per feststehender Schaltpaddel eingreifen, aber notwendig ist das nicht wirklich.

Das Fahrwerk unterstützt die schnelle Fahrt mit sportlich-straffer, aber nicht übertrieben harter Abstimmung. Präzise folgt es den Befehlen der Lenkung, Kurven durcheilt das Cabrio-Coupé wie auf Schienen – wobei sich die Karosserie im Offen-Modus auch mal ein Knarzen erlaubt.

In dieser Hinsicht ist der Heckantrieb, die konsequente Trennung von Kraftfluss und Lenkung, tatsächlich noch unübertroffen. Beim Entfesseln der kompletten Leistung gerät das Prinzip aber an seine Grenzen: Dann bricht das Heck beim Beschleunigen aus. Der Bordcomputer lässt den Fahrer an der langen Leine und das ESC erst spät eingreifen.

Schnäppchen für Millionäre: Preis unter 200.000 Euro

Seitenansicht des Ferrari Portofino stehend
Platz gibt es für zwei Passagiere, notfalls für zwei weitere auf der Rückbank ∙ © Ferrari

Als geschlossenes Coupé vermittelt der Portofino M tatsächlich feinstes Sportwagen-Feeling; offen gesellt sich das Frischluft-Erlebnis dazu. Trotz des faltbaren Hardtop sitzt die Frontscheibe relativ weit vorne und lässt echtes Spider-Feeling zu. Bei hochgefahrenen Fenstern und dem manuell installierten Windschott strömen 30 Prozent weniger Luftmasse in den Innenraum als beim Vorgänger – was unter Cabrio-Enthusiasten natürlich Geschmackssache sein kann.

Für knapp unter 200.000 Euro erhält der Ferraristi mit dem Portofino M also tatsächlich einen emotionalen Sportwagen mit hohen Alltagsqualitäten. Darin ist er seinem direkten Konkurrenten, dem Porsche 911 Turbo Cabriolet, durchaus ähnlich – obwohl der Italiener optisch deutlich spektakulärer daherkommt als der Schwabe. Der ist, auch wegen seines Allradantriebs, einen Tick teurer als der 40 PS stärkere Ferrari. Ein italienischer Sportwagen als Schnäppchen-Angebot – Millionär, was willst du mehr?

Technische Daten (Herstellerangaben)

Ferrari Portofino M

Motor/Antrieb

Achtzylinder-Turbobenziner, 3855 cm³, 456 kW/620 PS, 760 Nm bei 3000 U/min

Fahrleistungen

3,45 s auf 100 km/h, 320 km/h Spitze

Verbrauch

10,3 l SuperPlus/100 km, 235 g CO₂/km

Maße

L 4,59 / B 1,94 / H 1,32 m

Kofferraum

292 l

Leergewicht / Zuladung

1664 / 556 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

Preis

ab 199.550 €

Text: Marcus Efler