Deutschlands schönste Parks und Gärten

Luftaufnahme des Englischen Gartens in München mit Pavillion
Der Englische Garten in München: Nicht nur während des Lockdowns ein Lieblingsort ∙ © Shutterstock/AllesSuper

Viele Park- und Gartenanlagen in Deutschland bleiben in der Pandemie zugänglich. Es gibt sie im französischen, englischen und sogar japanischen Stil. 13 grüne Oasen zum Flanieren und Genießen.

  • Ein Blumenparadies ist die Bundesgartenschau in Erfurt

  • Das Gartenreich Dessau-Wörlitz und weitere Parks zählen zum Unesco-Welterbe

  • Münchens Englischer Garten ist größer als New Yorks Central Park

Eine Auswahl zwischen Schleswig-Holstein und Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen als Bildergalerie:

Arboretum Ellerhoop – Vielfalt in Schleswig-Holstein

30 Kilometer nordwestlich von Hamburg zeigt das Arboretum Ellerhoop* in Schleswig-Holstein 4000 Pflanzenarten in mehreren Themengärten. Darunter sind ein norddeutscher Bauerngarten rund um den historischen Münsterhof, eine Allee aus Blauregen, ein Wasserwald mit Sumpfzypressen und indischen Lotosblumen sowie ein romantischer Rosengarten. Mit 245 Sorten ist die Kollektion an Strauchpfingstrosen die größte Europas, etliche stammen aus der parkeigenen Selektions- und Züchtungsarbeit.

Garten im Arboretum Ellerhoop
Blütenpracht im Italienischen Garten des Arboretum Ellerhoop ∙ © imago images/McPHOTO

Ein Highlight ist die Nachbildung des General Sherman Tree, des voluminösesten lebenden Baums der Erde. Das Original steht in Kalifornien, hier im Baumpark wurde der Stamm des Mammutbaums bis in elf Meter Höhe als Hülle modelliert. Ein 2013 im Alter von 40 Jahren darin eingepflanzter echter Sequoia ist inzwischen schon 15 Meter hoch gewachsen.

Herrenhäuser Gärten in Hannover – Barock in Reinkultur

Schnurgerade führt eine rund zwei Kilometer lange Lindenallee vom Königsworther Platz in Hannover-Mitte zum Bibliothekspavillon im Berggarten der Herrenhäuser Gärten*. Er birgt die größte Orchideensammlung des Kontinents und im Regenwaldhaus ein Sealife-Aquarium mit Grünen Meeresschildkröten, Rochen und Schwarzspitzenriffhaien.

Luftaufnahme der Herrenhäuser Gärten
Im Zentrum der Herrenhäuser Gärten sprudelt eine Glockenfontäne ∙ © HMTG/Lars Gerhardts

Der Große Garten ist eine der besterhaltenen und bedeutendsten Barockanlagen Europas. Im Sommer werden seine Hecken, Skulpturen, Brunnen und Fontänen an mehreren Abenden romantisch illuminiert, dazu erklingt die passende Musik aus dem Barock. Der Georgengarten ist ein Landschaftspark im englischen Stil und jederzeit frei zugänglich. Hier laden Baumgruppen, Durchblicke und stille Winkel zum Entspannen und Spazieren ein.

Schlossgarten Schönhausen – aus den 1950ern

Im Vergleich zum weitläufigen Schlosspark und Unesco-Welterbe Sanssouci gilt für den Schlossgarten Schönhausen* das Motto "klein, aber fein". Seine Besonderheit liegt darin, dass er auch die Moderne des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Das Schloss diente ab 1949 als Amtssitz von Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen Präsidenten der DDR.

Teehaus im Schlossgarten Schönhausen
Das Teehaus im Stil der 1950er-Jahre im Schlossgarten Schönhausen ∙ © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Dafür entstanden eine Gesellschaftsterrasse und ein Teehaus im Stil der 1950er-Jahre. Auch der Springbrunnen ist mit seinem bunt beleuchteten, sechs Meter hohen Strahlenbild ein Zeitzeuge dieser Epoche. Ebenso die Gartenkeramiken und Blumenkübel der Künstlerin Hedwig Bollhagen sowie die Gartenmöbel nach Entwürfen von Liv Falkenberg. Typisch ist auch die aufwendige Frühjahrs- und Sommerblumenbepflanzung in Beeten, die in Formen und Farben an Werke abstrakter Malerei erinnern.

Gartenreich Dessau-Wörlitz – wie in England

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz* entstand ab 1765 als weitläufiger Park nach englischem Muster. Fünf Gartenteile sind über Sichtbeziehungen, Wege und Kanäle verbunden. Eingestreut sind klassizistische und neugotische Bauten wie die Schlösser Wörlitz und Mosigkau. Letzteres war Sommerresidenz der Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau, gilt als "kleines Sanssouci" und zählt zu den besterhaltenen Rokoko-Ensembles Mitteldeutschlands. 17 Brücken dokumentieren die Geschichte der Ingenieurskunst.

Insel Stein im Gartenreich Dessau-Wörlitz
Italien in Sachsen-Anhalt: Insel Stein im Gartenreich Dessau-Wörlitz ∙ © imago images/VIADATA

Auf der künstlichen Insel Stein wurde die Gegend um Neapel samt Vesuv modelliert, der in einem Feuerwerk "ausbricht". Auf Seen sind Fähren und Gondeln unterwegs. Einen spannenden Kontrast bildet die schnörkellose Architektur in Dessau mit dem Bauhaus-Gebäude, den Meisterhäusern und der von Walter Gropius entworfenen Siedlung Dessau-Törten.

Muskauer Park – internationales Unesco-Welterbe

Für Landschaftskunst in Vollendung steht der Muskauer Park*. Als Fürst Pückler das Areal an der Neiße gestaltete, benutzte er Stilmittel der Landschaftsmalerei und stimmte Vorder-, Mittel- und Hintergrund harmonisch aufeinander ab. Es entstand der größte Landschaftspark Zentraleuropas im englischen Stil. Heute liegen zwei Drittel der Fläche in Polen. Über mehrere Neiße-Brücken lässt sich zwischen den Ländern wechseln.

Blick auf den See und Schloss im Muskauer Park
Das Schlossensemble auf der deutschen Seite des grenzüberschreitenden Muskauer Parks ∙ © René Egmont Pech

Rund um Orangerie, Neues und Altes Schloss liegen drei kleinteilige, fantasievolle Blumengärten und der sogenannte Pleasureground. Großzügige Wiesenflächen, künstliche Wasserläufe und kleine Seen sind durch dramaturgisch ausgefeilte Wege erschlossen. Im Bergpark erlaubt ein Panoramaweg beeindruckende Aussichten auf Bad Muskau, das Schloss und die weite Parklandschaft. Im Osten verschmilzt der riesige Park durch kleine Seen, Baumpartien und Felder mit der umgebenden Landschaft.

Thüringen: Bundesgartenschau und mehr

Bis zum 10. Oktober 2021 empfängt die Bundesgartenschau* in Erfurt ihre Besucher. Sie ist verteilt auf den Petersberg rund um die barocke Stadtfestung und das Gartendenkmal egapark mit Europas größtem mit Mustern gestalteten Blumenbeet.

Luftaufnahme des ega Parks
Europas größtes ornamental bepflanztes Blumenbeet auf der Erfurter BUGA ∙ © ega gGmbH

Für 171 Tage wird Erfurt zur blumig-grünen Gartenoase. Über 50 Themen- und Schaugärten sowie 23 Blumenhallenschauen stehen zur Auswahl. Nach dem Ende der BUGA bleiben die zwei denkmalgeschützten Areale, der 60 Jahre alte egapark und der Petersberg als Stadtkrone, in ihrer neuen Gestaltung erhalten. Daneben entsteht entlang des Flusses Gera ein Landschaftspark als grünes Band von der Innenstadt bis in das nördliche Stadtgebiet, die naturnahe Geraaue.

Für mich als großer Lilienfan ist der Liliengarten DAS Highlight der BUGA im egapark. Bei Frühlingstemperaturen durch dieses Blütenmeer zu spazieren ist ein Fest für alle Sinne. Auf mehreren Terrassen kann man hier die vielen Lilienarten bewundern und am schönen Wasserpark entspannen.

Heidi Grubenick, ADAC Reisebüro in Erfurt©Niklas Kubitz

Weitere attraktive Gärten, Parks und Schlösser in Thüringen* sind hier zu finden. Darunter der Rennsteiggarten, ein botanischer Garten nahe Oberhof, und in Weimar die Gartenkunst an der Ilm.

Landschaftspark Duisburg-Nord – begrünte Altindustrie

Der weitläufige Landschaftspark Duisburg-Nord* ist auf der Industriebrache des Thyssen-Hüttenwerks in Duisburg-Meiderich angelegt. Am 4. April 1985 hatte dort die Produktion geendet, heute können Besucher den Produktionsvorgang des Eisens von der Rohstoffanlieferung bis zum Abtransport nachvollziehen.

Lichtinstallation im Landschaftspark Duisburg-Nord
Nächtliche Lichtkunst im Landschaftspark Duisburg-Nord ∙ © Thomas Berns

Den besten Überblick hat man von der 70 Meter hohen Plattform des Hochofens 5. Die Natur hat die drei Hochöfen, die denkmalgeschützten Gebäude, Bunkeranlagen, Schlote und Stahlskelette grün überwuchert. Entstanden ist eine wahre Großstadtoase mit Gärten, Wiesen und Wasserflächen. Orientierung bietet ein industriegeschichtlicher Rundweg. Und an Wochenenden illuminieren Lichtinstallationen in der Abenddämmerung das Industriedenkmal.

Japanischer Garten Leverkusen – wie im Fernen Osten

Das Land der aufgehenden Sonne am Rhein – diese Illusion vermittelt seit 1912 der Japanische Garten* im Westen des Leverkusener Carl-Duisberg-Parks. 1926 lernte Carl Duisberg, Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsvorsitzender der damaligen I.G. Farbenindustrie AG, auf Reisen die japanische Gartenkultur kennen und erweiterte die Anlage neben seiner Villa zur heutigen Oase der Stille und Schönheit.

Brücke und Teich im Japanischen Garten in Leverkusen
In Leverkusens Japanischem Garten überspannt die Mikadobrücke einen Teich ∙ © iStock.com/Fotofantastika

Gräser, Papyrus, Chrysanthemen, japanischer Goldahorn und Mammutbäume gedeihen hier in kleinteiligen Parzellen. Das Teehaus wurde mit chinesischem Äußeren und japanischer Inneneinrichtung gebaut. Die Mikadobrücke ähnelt einer Brücke in der japanischen Tempelstadt Nikkō. Großzügige Teiche bieten Lebensraum für farbenfrohe japanische Koi-Karpfen und Schildkröten.

In und um Bayreuth – das Erbe der Markgrafen

In Bayreuth und Umgebung zeigen gleich drei Landschaftsparks aus dem 18. Jahrhundert die Handschrift von Markgräfin Wilhelmine. In der stadtnahen Eremitage* mit altem und neuem Schloss ahmte der Hof das "einfache Leben" und die Regeln eines Eremitenordens nach. Das hügelige Waldstück, auf drei Seiten vom Roten Main umflossen, beherbergt außerdem mehrere Staffagegebäude.

Ruinentheater in der Eremitage in Bayreuth
Das Ruinentheater nahe Bayreuth ist tatsächlich sans pareil, auf Deutsch ohnegleichen ∙ © dpa/Presse-Bild-Poss/Uta Poss

Sanspareil* mit seinen bizarren Felsformationen, knapp 30 Kilometer westlich, wurde zum Standort eines Ruinentheaters mit einem mächtigen natürlichen Bogen als Zuschauerraum. Die Fassade des Morgenländischen Baus ist mit Glas- und Tuffstein besetzt, sein Inneres im Stil des Bayreuther Rokoko ausgestattet.

Den Park Fantaisie* am westlichen Rand Bayreuths prägen Elemente aus den Stilphasen Rokoko, Empfindsamkeit und Historismus. Im Schloss hat seit dem Jahr 2000 das deutsche Gartenkunst-Museum sein Domizil.

Schlossgarten Schwetzingen – exotische Architektur

Auf Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz geht der Schlossgarten Schwetzingen* aus dem 18. Jahrhundert zurück. Sein ursprünglich französischer Barockstil zeigt sich am Kreis- oder Zirkelparterre, einem weltweit einzigartigen, kreisförmigen Raumentwurf, gefasst von Zirkelgebäuden und Laubengängen und an der Hauptachse aufwendig geschmückt mit Blumenrabatten, Wasserspielen und Heckenzonen.

Moschee im Schlossgarten Schwetzingen
Die Gartenmoschee in Schwetzingen verbindet abendländische und orientalische Architektur ∙ © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Thomas Wagner

Mit dem Bau der Gartenmoschee samt zwei Minaretten und Gebetsgängen folgte der Kurfürst nicht nur einem Modetrend, sondern zeigte sich als weltoffener, toleranter Herrscher. Im nördlichen Zirkelbau liegt das intime Schlosstheater aus dem 18. Jahrhundert, Schauplatz der Schwetzinger Festspiele.

Die westlichen und nordwestlichen Teile des Gartens gestaltete Friedrich Ludwig von Sckell als englischen Landschaftsgarten, mit leicht geschwungenen Wegen und Uferlinien. Den unregelmäßigen Waldbereich ließ er unverändert.

Englischer Garten – aus München in die Isarauen

Menschenansammlungen aus dem Weg zu gehen ist sogar im Englischen Garten* in München möglich, wenn man sich den nördlichen Teil vornimmt. Er bietet entlang des mäandernden Oberstjägermeisterbachs jede Menge Platz zum Sporttreiben, Sonnen und Picknicken, bevor er nahtlos in die Natur der Isarauen übergeht. Das Stauwehr Oberföhring ist ein beeindruckendes aktives Technikdenkmal.

Surfer auf dem Eisbach im Englischen Garten in München
Action ist auf dem Eisbach am Südrand des Englischen Gartens geboten ∙ © Shutterstock/Pani Garmyder

Im Südteil sind Surfer auf dem Eisbach unterwegs, liegen Sonnenanbeter auch gern nackt am Schwabinger Bach, genießen Münchner und Besucher eine Brotzeit aus dem Biergarten am Chinesischen Turm. Einen Ausblick über Park und Stadt bietet der Monopteros, ein auf einem aufgeschütteten Hügel errichteter Rundtempel. Im japanischen Teehaus findet regelmäßig eine traditionelle japanische Teezeremonie statt.

Bernrieder Park – Braunvieh und Badebuchten

Um den Bernrieder Park* künftigen Generationen als einzigartiges Naturdenkmal zu erhalten, gründete seine Eigentümerin 1952 die Wilhelmina-Busch-Woods-Stiftung. Auch dass hier Rinder weiden dürfen, verfügte die Brauerei-Erbin und räumte dem Hofgut Bernried-Adelsried das Grasnutzungsrecht im Park ein. An seinem unbebauten 1,5 Kilometer langen Ufer laden kleine Buchten zum Bad im Starnberger See ein, Wanderer finden ein Wegenetz von 7,5 Kilometern Länge vor.

Luftaufnahme des Bernrieder Parks mit Blick auf den Starnberger See
Bauen verboten: Blick über den Bernrieder Park auf den Starnberger See und die Alpen ∙ © ddp/Martin Siepmann

Geplant wurde der unter Landschafts- und Denkmalschutz stehende Park ab 1853 vom Münchner Oberhofgärtner Carl Effner und dessen Sohn. Wiesen, Buschwerk und Solitärbäume, darunter urwüchsig anmutende alte Eichen, wechseln sich ab und bieten Lebensraum für seltene Insekten- und Pilzarten. Sichtfenster in der Gehölzkulisse geben den Blick auf den See und die Alpenkette frei.

Insel Mainau – Blumenparadies im Bodensee

Allein durch die Insellage ist die Mainau* im Bodensee etwas ganz Besonderes. Der schwedische Prinz Lennart Bernadotte war 1932 hierher gezogen und stellte im Lauf der Jahre das verwilderte Eiland wieder als Blumenparadies mit mediterranen und exotischen Gewächsen her. Im Palmenhaus ist eine über 15 Meter hohe Kanarische Dattelpalme der Star unter den 20 Palmenspezies, Orangenbäumen und Orchideen.

Luftaufnahme der Insel Mainau
Per Schiff, zu Fuß und mit dem Fahrrad ist die Mainau im Bodensee zu erreichen ∙ © iStock.com/rusm

Das zweitgrößte Schmetterlingshaus Deutschlands lässt mit 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und Temperaturen bis 30 Grad Celsius Tropenfeeling aufkommen. So gedeihen die ca. 120 verschiedenen Arten frei fliegender Tagfalter aus Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika besonders gut. Im Freien sind eigene Gärten u.a. Stauden, Dahlien und italienischen Rosen gewidmet. Auch etliche Mammutbäume sind in beachtliche Höhen gewachsen. Mit 15.000 Pflanzen intensiv begrünt ist sogar der Dachgarten über dem Restaurant Comturey.