Telefonieren im Ausland: Wo Roaming teuer werden kann

Mann telefoniert mit dem Handy
Außerhalb der EU kann Telefonieren schnell teuer werden© iStock.com/kupicoo

Kostenfalle Roaming: Wer mit dem Handy im Ausland telefoniert, kann hinterher von einer hohen Rechnung überrascht werden. Diese Tipps helfen, die Urlaubskasse nicht unnötig zu strapazieren.

  • Wo in Europa Roaming-Gebühren anfallen

  • Sonderfall Großbritannien und Nordirland

  • Was Handynutzer in grenznahen Regionen beachten sollten

Seit 2017 dürfen Mobilfunkunternehmen für die Handynutzung im EU-Ausland keine Roaming-Gebühren mehr erheben. In einigen wichtigen europäischen Reiseländern kann Telefonieren aber weiterhin sehr teuer werden.

Roaming bezeichnet die Nutzung eines Mobilfunkvertrags im Ausland. Dort steht das heimische Netzwerk nicht mehr zur Verfügung und das Handy verbindet sich mit einem Mobilfunknetz des entsprechenden Landes.

Für die Nutzung des fremden Netzes muss der Anbietende Geld bezahlen, das in der Regel über sogenannte Roaming-Gebühren an die Kunden weitergegeben wird. In allen Staaten außerhalb Europas ist dies generell der Fall.

Roaming: Keine Gebühren im EU-Ausland

Die EU-Roaming-Verordnung besagt, dass für die Handynutzung im EU-Ausland die national vereinbarten Tarife gelten müssen und keine zusätzlichen Gebühren erhoben werden dürfen. Urlauberinnen und andere Reisende können dadurch zu denselben Bedingungen und Kosten wie im Inland Nachrichten verschicken, telefonieren oder im Internet surfen.

Diese Regelung gilt in allen 27 EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein, die über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) der EU angeglichen sind.

Gut zu wissen: In den Kleinstaaten Andorra, Monaco, San Marino und Vatikanstadt, die komplett von EU-Gebiet umschlossen sind, findet die EU-Roaming-Verordnung keine Anwendung. Manche Provider behandeln diese Gebiete aber trotzdem wie EU-Länder. Wer dorthin reist, sollte daher vor der Reise die Vertragsbedingungen prüfen.

Vorsicht vor Roaming-Gebühren auf Fähren und Kreuzfahrtschiffen

Für die Funknetze auf Schiffen gilt die EU-Roaming-Verordnung nicht. Wer daher auf einer Fähre oder einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist und sein Smartphone über das Bordfunknetz nutzt, muss auch innerhalb der EU mit hohen Roaming-Gebühren rechnen. Eine Gesprächsminute kann bis zu 10 Euro kosten.

Tipp: Vor der Abreise einen Blick in die Vertragsdetails werfen oder beim Reiseanbieter nachfragen. An Bord sollten Schiffsreisende die automatische Netzwahl des Telefons ausschalten. Sonst kann sich das Telefon unbemerkt über das teure Schiffsnetz anmelden, falls das Landnetz nicht verfügbar ist.

Handynutzung in Großbritannien und Nordirland

Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland hat die EU Anfang 2020 verlassen. Am 1. Januar 2021 endete auch die Übergangsfrist, in der die EU-Verordnung weiterhin galt. Dadurch müssen Reisende wieder mit Roaming-Gebühren rechnen.

Viele Mobilfunkbetreiber verzichten vorerst aber auf entsprechende Zusatzgebühren. Reisende nach Großbritannien sollten sich daher bei ihrem Anbieter über die aktuellen Konditionen informieren. Dies gilt auch für Gibraltar, die autonomen Kanalinseln Jersey und Guernsey sowie die Isle of Man.

Roaming-Gebühren in der Schweiz und der Türkei

Kein Entrinnen bei den Roaming-Gebühren gibt es für Reisende in den übrigen europäischen Staaten, die weder der EU, noch dem EWR angehören. Dazu gehören auch wichtige Urlaubsländer wie die Schweiz und die Türkei. Hier fallen bei der Handynutzung definitiv Zusatzkosten an.

Roaming-Fallen in Grenzgebieten

Wer sich im EU-Gebiet, aber nahe der EU-Außengrenze aufhält, sollte das Handy auf manuelle Netzauswahl umstellen. Ansonsten kann sich das Telefon unbemerkt im Netz des Nicht-EU-Landes anmelden, was schnell teuer werden kann.

Dies kann z. B. nahe der Schweizer Grenze der Fall sein, aber auch in Kroatien und entsprechenden Grenzregionen im Baltikum, Polen, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Auch an der spanischen Küste unweit der Straße von Gibraltar könnte es passieren, dass sich das Handy ungewollt in ein marokkanisches Netzt einwählt.

Ebenfalls teuer kann es in den meisten Ländern des westlichen Balkans wie Albanien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien und Kosovo werden. Dies ist auch für Reisende relevant, die z. B. mit dem eigenen Fahrzeug nach Griechenland fahren.

Wer in diese Länder reist und sein Handy nutzen will, sollte daher unbedingt bereits vorher seine entsprechenden Vertragsbedingungen überprüfen. Vor Ort empfiehlt es sich – wenn immer möglich – kostenfreie WLAN-Angebote zu nutzen. Diese stehen z. B. in vielen Unterkünften zur Verfügung. Wer sich in einem Nicht-EU-Land oder in einer grenznahen Region aufhält und auf Nummer sicher gehen möchte, sollte zusätzlich auch das Angebot der "Mobilen Daten" abwählen. So lässt sich unterwegs ein versehentlicher und später kostspieliger Ausflug ins Internet vermeiden.

Telefonieren im Ausland: Das sagen ADAC Juristen

Erhält man eine sehr hohe Rechnung und ist damit nicht einverstanden, hat man nach Einschätzung der ADAC Juristen schlechte Karten. Um juristisch dagegen vorzugehen, müsste man sich mit dem Mobilnetzbetreiber nach dem jeweiligen Landesrecht auseinandersetzen.

Dr. Norbert Prack
Redakteur
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