Flug mit EU-Bezug annulliert, verspätet oder überbucht – Ihre Rechte

21.8.2019

Flug ausgefallen, überbucht oder viel zu spät – für Reisende ist das ein Problem. Die Tipps der ADAC Juristen geben schnelle Hilfe und zeigen, wie Sie Entschädigung fordern.

Am Flughafen gestrandet – ADAC Juristen geben Tipps zu Flugausfall und Flugverspätung (Foto: ©iStock.com/06photo)

Bei Flügen aus oder in die EU kann der Reisende bei Überbuchung, Annullierung oder einer Ankunftsverspätung ab drei Stunden eine Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung verlangen. Voraussetzung ist, dass der Flug aus der EU startet oder von einer europäischen Airline mit einem Ziel in der EU durchgeführt wird.

Für alle anderen internationalen Flüge ergeben sich für den Reisenden Ansprüche aus dem sog. Montrealer Übereinkommen. Dieses gilt für alle internationale Flüge in Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben. Die Airline muss den Schaden ersetzen, der Ihnen durch die Verspätung entsteht. Es gibt eine Haftungshöchstgrenze.

Tipps für Verhalten am Flughafen

Erste Schritte

Sie stehen mit Gepäck am Flughafen und Ihr Flug geht nicht. So verhalten Sie sich richtig:

  • Holen Sie beim Ansprechpartner der Airline Informationen zur Sachlage ein.
  • Lassen Sie sich den Grund der Überbuchung, Annullierung oder Flugverspätung bestätigen.
  • Sammeln Sie die Belege für Ihre Ausgaben (z.B. für Getränke und Mahlzeiten).
  • Bei Pauschalreise: Kontaktieren Sie zusätzlich Ihren Reiseveranstalter. 

Wenn Sie die Reise antreten

  • Fordern Sie eine gleichwertige Ersatzbeförderung von Airline bzw. Reiseveranstalter. Sie haben Anspruch auf kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flug oder eine anderweitige Beförderung (z.B. mit der Bahn) zu Ihrem Ziel.
  • Bietet Ihnen die Fluggesellschaft keinen Ersatzflug an, dürfen Sie selbst einen neuen Flug buchen. Die Kosten dafür können Sie später in Rechnung stellen.
  • Bei Pauschalreise: Wenden Sie sich an Ihren Reiseveranstalter. Er muss sich um einen Ersatzflug für Sie kümmern.

Wenn Sie die Reise nicht antreten

  • Ab fünf Stunden Verspätung können Sie vom Vertrag zurückzutreten. Dann können Sie den Flugpreis erstattet verlangen.
  • Hat schon eine Teilbeförderung stattgefunden, können Sie ab 5 Stunden Verzögerung den Rückflug oder die anderweitige Beförderung zum Abflughafen fordern.

Verpflegung und Hotelübernachtung

Ab zwei Stunden Abflugverspätung steht Ihnen Verpflegung mit Essen und Getränken zu. Außerdem haben Sie Anspruch auf mindestens zwei kostenlose Kommunikationsmöglichkeiten (z.B. Telefon oder Fax). 
Wird der Ersatzflug erst am nächsten Tag durchgeführt, können Sie ein Hotel für die Übernachtung und den Transport dorthin und zurück verlangen. 

Das gilt für

  • Flüge bis 1.500 Kilometer: ab zwei Stunden Abflugverspätung
  • Flüge von 1.500 bis 3.500 Kilometern: ab drei Stunden Abflugverspätung
  • Flüge ab 3.500 Kilometern: ab vier Stunden Abflugverspätung.

Bietet die Airline trotz Nachfrage keine Verpflegung oder Übernachtung an, dürfen Sie sich selbst um Verpflegung und ggfs. ein Hotelzimmer kümmern. Die Kosten bekommen Sie im Nachhinein von der Airline erstattet. Bewahren Sie alle Belege als Nachweis auf.

Entschädigung wegen Flugausfall oder Flugverspätung

Sie können bei Überbuchung, Flugannullierung oder 3-stündiger Verspätung eine pauschale Entschädigung verlangen, je nach Länge der Flugstrecke. 

Die Fluggesellschaft kann diese sog. Ausgleichszahlung nur verweigern, wenn außergewöhnliche Umstände vorliegen (z.B. Unwetter, Streik, Naturkatastrophen, politische Unruhen). Das Gleiche gilt, wenn Sie die Airline mindestens zwei Wochen vor Abflug über die Annullierung informiert hat.

Die Entschädigung beträgt für

  • Flüge bis 1.500 Kilometer: 250 Euro 
  • Flüge von 1.500 bis 3.500 Kilometern und Flüge innerhalb der EU über 3.500 Kilometer: 400 Euro 
  • Flüge ab 3.500 Kilometern: 600 Euro 

Die Airline kann die Entschädigung halbieren, wenn sie innerhalb bestimmter Zeitfenster einen Alternativflug anbietet.

Fordern Sie mit dem ADAC Musterschreiben, 18,19 KB die Ausgleichszahlung bei der Airline ein.

Pauschalreise – zusätzlicher Anspruch für Urlauber

Wenn Sie bei einer Pauschalreise später als geplant an Ihrem Urlaubsort ankommen, stellt dies einen Reisemangel dar. Sie können bei Ihrem Reiseveranstalter den Reisepreis anteilig mindern.

Verkürzt sich der Urlaub erheblich (z.B. Anreise bei einem einwöchigen Urlaub erst drei Tage später), steht auch Schadenersatz wegen der Beeinträchtigung der Reise insgesamt im Raum. Alternativ können Sie bei einem erheblichen Reisemangel vom Vertrag zurücktreten.

Informationen zu Problemen im Pauschalurlaub lesen Sie hier.

 

Text: Juristische Zentrale