Camper: Was ist der richtige Reifendruck?

• Lesezeit: 3 Min.

Von Christof Henn

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Ein Mann checkt den Reifendruck seines Wohnmobils
Stimmt der Reifendruck? Per Hand lässt sich das nicht zuverlässig prüfen. Nur ein Reifendruckmesser gibt Gewissheit© iStock.com/GoodLifeStudio

Zu hoher Reifenfülldruck führt bei Wohnmobilen und Wohnwagen zu Problemen und kann sogar gefährlich werden. Tipps von ADAC Experten.

  • Vom Hersteller vorgegebener Reifendruck oft für Camper zu hoch

  • Viele Mitglieder berichten von holprigem Fahrverhalten

  • Bei Fragen die ADAC Technik-Hotline anrufen

Jede Bodenwelle ist zu spüren, das Fahrverhalten holprig – mit solchen Problemen melden sich immer wieder Wohnmobilfahrer beim ADAC. Der Grund: in der Regel zu hoher Reifendruck.

Reifenfülldruck: Hersteller-Angabe für Camper oft zu hoch

"Die 4,5 Bar, die viele Hersteller der Basisfahrzeuge für die Hinterachse empfehlen, sind für die maximale Traglast ausgelegt", sagt Felix Henning, Ingenieur im ADAC Technik Zentrum Landsberg. Also zum Beispiel für die Nutzung als Lieferwagen für Handwerker, die schwere Einbauten oder Werkzeuge brauchen und am Gewichtslimit sind.

Wenn ein Fiat Ducato, Mercedes Sprinter oder andere Nutzfahrzeuge zu Wohnmobilen umgebaut werden, übernehmen Aufbauhersteller oft die Reifendruck-Empfehlungen für das Basisfahrzeug. Nach ADAC Recherchen ist aber bei Wohnmobilen in der Regel ein niedrigerer Fülldruck ausreichend.

Für Wohnmobile reichen meistens 3,8 Bar

Der extremste Fall, mit dem Henning in der Mitgliederberatung zu tun hatte, war ein Reifen mit hohem Fülldruck, der bei extremer Hitze geplatzt ist. "Aber meistens melden sich Wohnmobilfahrer, die von Beeinträchtigungen beim Fahrkomfort berichten und wissen wollen, welchen Reifenfülldruck wir empfehlen", sagt Henning. "Das ist ein großes Thema für Camper in unserer Beratung am Telefon und auf Messen." Damit das Wohnmobil rundläuft, genüge bei 3,5-Tonnen-Modellen in der Regel 3,8 bis 3,9 Bar Fülldruck.

ADAC Technik-Hotline und Reifenhersteller helfen

Um herauszufinden, welcher Fülldruck optimal ist, rät Henning, im Internet die entsprechenden Tabellen der Reifenhersteller zu suchen. Diese zeigen, welche Tragfähigkeit ein Reifen bei welchem Reifenfülldruck aufweist. Kennt man die tatsächliche Rad- bzw. Achslast, kann der erforderliche Reifenfülldruck gezielt anhand der Herstellerangaben angepasst werden.

Im Zweifel können Camper direkt beim Hersteller anrufen. Außerdem können sie sich bei Fragen an die ADAC Technik-Hotline unter 089/558 95 90 90 wenden.

Wiegen in einem ADAC Prüfzentrum

Wer auf Nummer sicher gehen will, dass die Reifen des Wohnmobils den optimalen Fülldruck haben, kann sein Fahrzeug in einem Prüfzentrum des ADAC wiegen lassen. "Ideal ist es, wenn Camper vor dem Urlaub mit einem realistisch beladenen Wohnmobil auf die Waage fahren", sagt Christoph Pauly, ebenfalls Ingenieur im ADAC Technik Zentrum.

Das bringt Gewissheit, ob der Reifenfülldruck stimmt. Und das Wiegeprotokoll hilft bei einer Kontrolle im In- oder Ausland – denn bei Überladung drohen saftige Strafen.

Wohnwagen auf jeder Seite einzeln wiegen

Ein Elektroauto fährt auf einer Straße mit einem Wohnwagen
Vor dem Start in den Urlaub empfehlen ADAC Experten dringend, den Fülldruck der Wohnwagen-Reifen zu prüfen© ADAC/Test und Technik

Auch allen, die mit einem Wohnwagen unterwegs sind, rät Pauly vor dem Start in den Urlaub dringend zu einem Abstecher in ein Prüfzentrum. "Wichtig ist, den Wohnwagen auf jeder Seite einzeln zu wiegen", so Pauly, "dann lassen sich zum Beispiel schwere Gegenstände oder Möbel anders platzieren, damit das Gewicht möglichst gleichmäßig verteilt ist." Das ist aber auch beim Wohnmobil sinnvoll.

Beim richtigen Reifendruck können sich auch Wohnwagen-Fahrende an den Tabellen der Reifenhersteller orientieren und im Zweifel dort oder bei der ADAC Technik-Hotline anrufen. Pauly: "Bei Wohnwagen, die oft lange ungenutzt stehen, wird der Reifendruck meistens zu wenig kontrolliert und ist daher zu niedrig." Sein Rat: "Unbedingt vor längeren Fahrten prüfen."