A565 in Bonn: Vollsperrung der Nordbrücke bleibt

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Von Katja Fastrich

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Die Bonner Rheinbrücke ist Wegen Schäden am Tragwerk sab sofort gesperrt
Teile der maroden Rheinbrücke in Bonn müssen abgerissen und neu gebaut werden© dpa/Benjamin Westhoff

Verkehrs-Schock für eine ganze Region: Die marode Rheinbrücke (Nordbrücke) ist schwer beschädigt. Ein zentraler Teil muss abgerissen werden. Hunderttausende Autofahrende müssen bis Ende 2028 Umwege und Staus in Kauf nehmen.

  • Update: Abriss der Vorlandbrücke der Nordbrücke (A565) beginnt am 15. Juli

  • Bonner ÖPNV bis Ende Juni kostenlos

  • Vollsperrung trifft täglich rund 100.000 Autofahrende

  • Weite Umwege u.a. über Köln sind notwendig

Die Bonner Rheinbrücke (Nordbrücke) ist seit Mittwoch, 3. Juni, 15 Uhr, voll gesperrt. Aktuelle Prüfungen hätten strukturelle Schäden am Tragwerk ergeben, teilte die Autobahn GmbH zur Begründung mit. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat jetzt erklärt, dass ein Teil der Brücke – die linksrheinische Vorlandbrücke – abgerissen werden muss. Eine Wiedereröffnung vor 2028 ist ausgeschlossen.

Nordbrücke: Neubau soll 2028 fertig sein

Eine Untersuchung hat ergeben, dass die Schäden an der linksrheinischen Vorlandbrücke größer sind als ursprünglich angenommen. Bei einer ersten Überprüfung waren an der Brücke aus den 1960er-Jahren zahlreiche Schäden aufgefallen. Zudem gibt es an einem Teil der Konstruktion statische Probleme.

Abriss der Brücke beginnt am 15. Juli

Der Zuschlag für den Abriss der Vorlandbrücke ist erteilt, die Abbruchsarbeiten beginnen am 15. Juli. Damit startet die erste Bauphase bereits wenige Wochen nachdem bekannt wurde, dass die Brücke teils abgerissen und neugebaut werden muss. Verkehrsminister Patrick Schnieder will die Fertigstellung des neuen Bauwerks bis spätestens Ende 2028 durchsetzen. Ursprünglich, bevor die gravierenden Schäden bekannt wurden, sollte der geplante Neubau der Bonner Nordbrücke in den 2030er-Jahren beginnen.

Die Friedrich-Ebert Brücke, Brücke bei Bonn über den Rhein
Die Bonner Rheinbrücke (Nordbrücke) ist eine wichtige Verkehrsader für Bonn und Umgebung© imago images/imagebroker

Nach Sperre: Erste Anpassungen auf der A565

Erste Anpassungen sollen den Verkehr zumindest etwas entzerren. Die an die Brücke angrenzenden Anschlussstellen Bonn-Beuel und Bonn-Auerberg werden freigegeben, wie die Autobahn GmbH des Bundes mitteilte.

Durch die Freigabe der Anschlussstelle verkürzt sich der gesperrte Abschnitt der Autobahn 565. Fahrzeuge können nun bis zu den beiden Anschlussstellen an die Brücke heranfahren, sie aber weiterhin nicht überqueren. Die Maßnahme soll den Verkehr nach Angaben der Autobahn GmbH "gezielt" entzerren.

Rheinbrücke: Diese Umleitungen gibt es

Der Fernverkehr, der sonst die Nordbrücke als Weg über den Rhein genutzt hat, ist nun gezwungen, auf die wenigen Alternativen auszuweichen. Im Süden von Bonn verbindet die Konrad-Adenauer-Brücke über die Autobahn A562 das rechte Rheinufer mit dem linken.

Im Norden muss der Verkehr nun weiträumig über die Rodenkirchener Brücke der A4 im Kölner Süden ausweichen. Der Weg dorthin führt linksrheinisch über die A555 und rechtsrheinisch entweder über die A59 und die A4 oder über die A3 und die A4. Weiter südlich führt erst wieder die Bendorfer Brücke der A48 in Rheinland-Pfalz als Autobahnbrücke über den Rhein.

Alle Sperrungen, Baustellen und aktuelle Verkehrsinformationen finden Sie hier. Darüber hinaus bietet der ADAC Nordrhein-Westfalen Infos zu speziellen Sperren in Nordrhein-Westfalen.

Park-and-Ride-Angebot stark ausgebaut

Um die angespannte Verkehrssituation zu entlasten, hat die Stadt Bonn mehrere Maßnahmen umgesetzt: So sind neben dem neuen Park-and-Ride-Platz auf der Festwiese von Pützchens Markt weitere provisorische Park-and-Ride-Plätze entstanden, wie zum Beispiel am ehemaligen Landesbehördenhaus. Zudem gab es eine Vergrößerung des P&R-Platzes in Ramersdorf, gleiches ist auf Anlagen im Bonner Umland geplant.

Ebenso wurden zusätzliche Shuttle- und Schnellbusverbindungen eingerichtet. Die Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring wurde in eine Busspur umgewandelt. Der Radverkehr wird auf Parallelrouten umgeleitet.

Am Freitag, 17. Juli, will die Task-Force der Stadt Bonn bekanntgeben, welche Maßnahmen weiter fortgeführt werden. Ein Teil des Maßnahmenpakets, das Angebot "Kostenloser ÖPNV", endete unterdessen bereits Ende Juni. Seitdem brauchen Fahrgäste in Bonn für Busse und Bahnen wieder ein Ticket.

Rheinbrücke Bonn: Täglich 100.000 Fahrzeuge

Die Brücke ist Teil der Autobahn A565, zählt zu den wichtigsten Rheinquerungen der Region und ist eine zentrale Verbindung zwischen dem linksrheinischen Rheinland und der Eifel sowie den östlich gelegenen Gebieten bis zum Siebengebirge.

Die Brücke erfüllt neben ihrer Funktion als Teil des innerstädtischen Autobahnrings eine entlastende Rolle für andere Bonner Rheinübergänge (z.B. die Kennedybrücke) und gewährleistet eine direkte Erreichbarkeit der Bonner Innenstadt und der Gewerbegebiete im Osten. Pro Tag fahren 100.000 Fahrzeuge über die 1967 errichtete Bonner Nordbrücke.

ADAC Studie: 50 Millionen Kilometer Umwege

Der ADAC hat in einer Modellstudie im vergangenen Jahr bereits die Sperrung der Nordbrücke simuliert und dabei berechnet, dass Autofahrende bei einer plötzlichen Sperrung pro Jahr Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen müssen, Lkw Umwege von 5,5 Millionen Kilometern.

Viele Autofahrende müssen nun nach Norden in den Kölner Raum ausweichen und werden dort das ohnehin schon am Limit laufende Verkehrssystem belasten, befürchten ADAC Fachleute. Im Süden wird es auf der Konrad-Adenauer-Brücke zu einer erheblichen Mehrbelastung kommen, so die Studie.

Die nun Realität gewordene Sperrung der Nordbrücke in Bonn hat gravierende Folgen für Autofahrende und Volkswirtschaft. Der volkswirtschaftliche Schaden würde sich laut der Simulation jährlich auf mehr als 170 Millionen Euro belaufen.

"Der Worst-Case ist eingetreten", sagt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte im ADAC Nordrhein. "Die temporäre Sperrung für Lkw und Pkw wird zum Dauerzustand für die nächsten zwei Jahre. 100.000 Fahrzeuge, die bisher täglich über die Nordbrücke gefahren sind, müssen sich jetzt im Großraum Bonn auf das restliche Straßennetz verteilen."

Mit Material von dpa.

Mitarbeit: Lorenzo Walcher