A565 in Bonn: Vollsperrung der Nordbrücke bleibt

• Lesezeit: 4 Min.

Von Katja Fastrich

Feedback

Die Bonner Rheinbrücke ist Wegen Schäden am Tragwerk sab sofort gesperrt
Teile der maroden Rheinbrücke in Bonn müssen abgerissen und neu gebaut werden© dpa/Benjamin Westhoff

Verkehrs-Schock für eine ganze Region: Die marode Rheinbrücke (Nordbrücke) ist schwer beschädigt. Ein zentraler Teil muss daher abgerissen werden. Hunderttausende Autofahrende müssen also bis Ende 2028 weiter Umwege und Staus in Kauf nehmen.

  • Update: Teil der Nordbrücke (A565) muss abgerissen werden

  • Bonner ÖPNV bis Ende Juni kostenlos

  • Vollsperrung trifft täglich rund 100.000 Autofahrende

  • Weite Umwege u.a. über Köln sind notwendig

Die Bonner Rheinbrücke (Nordbrücke) ist seit Mittwoch, 3. Juni, 15 Uhr, voll gesperrt. Aktuelle Prüfungen hätten strukturelle Schäden am Tragwerk ergeben, teilte die Autobahn GmbH zur Begründung mit. Verkehrsminister Patrick Schnieder hat jetzt erklärt, dass ein Teil der Brücke – die linksrheinische Vorlandbrücke – abgerissen werden muss. Eine Wiedereröffnung vor 2028 ist ausgeschlossen.

Nordbrücke: Neubau soll 2028 fertig sein

Eine Untersuchung hat ergeben, dass die Schäden an der linksrheinischen Vorlandbrücke größer sind als ursprünglich angenommen. Bei einer ersten Überprüfung waren an der Brücke aus den 1960er-Jahren zahlreiche Schäden aufgefallen. Zudem gibt es an einem Teil der Konstruktion statische Probleme.

Ursprünglich sollte der geplante Neubau in den 2030er-Jahren beginnen – Schnieder möchte das Vergabeverfahren nun aber sofort starten, damit die Vorlandbrücke noch im Sommer dieses Jahres abgerissen werden kann. Der Verkehrsminister will die Fertigstellung des neuen Bauwerks bis spätestens Ende 2028 durchsetzen.

Die Friedrich-Ebert Brücke, Brücke bei Bonn über den Rhein
Die Bonner Rheinbrücke (Nordbrücke) ist eine wichtige Verkehrsader für Bonn und Umgebung© imago images/imagebroker

Nach Sperre: Erste Anpassungen auf der A565

Erste Anpassungen sollen den Verkehr zumindest etwas entzerren. Die an die Brücke angrenzenden Anschlussstellen Bonn-Beuel und Bonn-Auerberg werden freigegeben, wie die Autobahn GmbH des Bundes mitteilte.

Durch die Freigabe der Anschlussstelle verkürzt sich der gesperrte Abschnitt der Autobahn 565. Fahrzeuge können nun bis zu den beiden Anschlussstellen an die Brücke heranfahren, sie aber weiterhin nicht überqueren. Die Maßnahme soll den Verkehr nach Angaben der Autobahn GmbH "gezielt" entzerren.

Rheinbrücke: Diese Umleitungen gibt es

Der Fernverkehr, der sonst die Nordbrücke als Weg über den Rhein genutzt hat, ist nun gezwungen, auf die wenigen Alternativen auszuweichen. Im Süden von Bonn verbindet die Konrad-Adenauer-Brücke über die Autobahn A562 das rechte Rheinufer mit dem linken.

Im Norden muss der Verkehr nun weiträumig über die Rodenkirchener Brücke der A4 im Kölner Süden ausweichen. Der Weg dorthin führt linksrheinisch über die A555 und rechtsrheinisch entweder über die A59 und die A4 oder über die A3 und die A4. Weiter südlich führt erst wieder die Bendorfer Brücke der A48 in Rheinland-Pfalz als Autobahnbrücke über den Rhein.

Alle Sperrungen, Baustellen und aktuelle Verkehrsinformationen finden Sie hier. Darüber hinaus bietet der ADAC Nordrhein-Westfalen Infos zu speziellen Sperren in Nordrhein-Westfalen.

Gratis-ÖPNV bis Ende Juni

Die Bonner Stadtverwaltung hat am Donnerstag, 11. Juni, ein umfangreiches Maßnahmenpaket präsentiert. Demnach sollen neben dem neuen Park-and-Ride-Platz auf der Festwiese von Pützchens Markt schnellstmöglich weitere provisorische Park-and-Ride-Plätze entstehen. Geplant sind außerdem zusätzliche Shuttle- und Schnellbusverbindungen. Um den Umstieg auf Bus und Bahn attraktiver zu machen, ist der ÖPNV in Bonn zeitlich befristet seit Montag, 15. Juni, bis Ende Juni kostenfrei.

Die Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring wird in eine Busspur umgewandelt. Davon profitieren die regulären Buslinien ebenso wie der geplante Shuttle-Verkehr zwischen einem möglichen Park-and-Ride-Platz am Telekom Dome und dem Hauptbahnhof. Taxis werden ebenfalls auf der Busspur zugelassen. Der Radverkehr wird auf Parallelrouten umgeleitet.

Rheinbrücke Bonn: Täglich 100.000 Fahrzeuge

Die Brücke ist Teil der Autobahn A565, zählt zu den wichtigsten Rheinquerungen der Region und ist eine zentrale Verbindung zwischen dem linksrheinischen Rheinland und der Eifel sowie den östlich gelegenen Gebieten bis zum Siebengebirge.

Die Brücke erfüllt neben ihrer Funktion als Teil des innerstädtischen Autobahnrings eine entlastende Rolle für andere Bonner Rheinübergänge (z.B. die Kennedybrücke) und gewährleistet eine direkte Erreichbarkeit der Bonner Innenstadt und der Gewerbegebiete im Osten. Pro Tag fahren 100.000 Fahrzeuge über die 1967 errichtete Bonner Nordbrücke.

ADAC Studie: 50 Millionen Kilometer Umwege

Der ADAC hat in einer Modellstudie im vergangenen Jahr bereits die Sperrung der Nordbrücke simuliert und dabei berechnet, dass Autofahrende bei einer plötzlichen Sperrung pro Jahr Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen müssen, Lkw Umwege von 5,5 Millionen Kilometern.

Viele Autofahrende müssen nun nach Norden in den Kölner Raum ausweichen und werden dort das ohnehin schon am Limit laufende Verkehrssystem belasten, befürchten ADAC Fachleute.

Im Süden wird es auf der Konrad-Adenauer-Brücke zu einer erheblichen Mehrbelastung kommen, so die Studie.

Die nun Realität gewordene Sperrung der Nordbrücke in Bonn hat gravierende Folgen für Autofahrende und Volkswirtschaft. Der volkswirtschaftliche Schaden würde sich laut der Simulation jährlich auf mehr als 170 Millionen Euro belaufen.

"Der Worst-Case ist eingetreten", sagt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte im ADAC Nordrhein. "Die temporäre Sperrung für Lkw und Pkw wird zum Dauerzustand für die nächsten zwei Jahre. 100.000 Fahrzeuge, die bisher täglich über die Nordbrücke gefahren sind, müssen sich jetzt im Großraum Bonn auf das restliche Straßennetz verteilen."

Neue Verkehrsregeln, Spritpreise und Verbraucher-Tipps

Mit Material von dpa.

Mitarbeit: Lorenzo Walcher