Schweiz: Transitgebühr für Gotthard- und San-Bernardino-Route?
Von Katharina Dümmer

Teurer Transit auf dem Weg nach Italien: Wer beispielsweise über die Gotthard- oder San-Bernardino-Route die Schweiz durchfährt, ohne im Land zu bleiben, muss wohl bald zahlen. Das hat das Parlament der Schweiz jetzt beschlossen.
Gebühr soll rund 21 Franken (ca. 23 Euro) pro Durchfahrt betragen
Transitgebühr fällt zusätzlich zur Vignette an
Zusatz-Maut nur für ausländische Reisende
Noch kein Einführungstermin
Für Urlauber und Urlauberinnen aus Deutschland ist die teure Schweiz oft ein Durchfahrtsland auf dem Weg nach Italien oder Südfrankreich. Wer das Land nur durchquert, aber dort nicht übernachtet, soll künftig mehr bezahlen. Schon jetzt besteht eine Vignettenpflicht auf Autobahnen und Nationalstraßen.
Transitgebühr für die Schweiz: 23 Euro pro Durchfahrt
Das Schweizer Parlament hat im März 2026 mit 173 zu 13 Stimmen im Nationalrat für eine neue Transitgebühr gestimmt. Nachdem bereits der Ständerat zugestimmt hatte, gibt es damit erstmals eine klare politische Mehrheit in beiden Kammern für eine solche Maßnahme.
Die neue Abgabe soll rund 21 Schweizer Franken (ca. 23 Euro) pro Durchfahrt betragen und nur ausländische Reisende betreffen. Sie müsste zusätzlich zur Vignette bezahlt werden. Wer das Land in einem bestimmten Zeitfenster – etwa zwölf Stunden – durchquert, könnte automatisch zur Zahlung aufgefordert werden. Die Fahrzeuge sollen von Kameras bei der Ein- und Ausreise automatisch gescannt werden.
Wichtig für Autofahrer: Bußgelder in der Schweiz
Mit Maut gegen Stau an Gotthard und San Bernardino
Die neue Transitgebühr soll die Stausituation in der Schweiz verbessern: An Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und zu Beginn der Sommerferien staut sich der Verkehr oft kilometerlang vor dem Gotthardtunnel – weil viele in den Süden wollen, auch aus dem Ausland.
Etwa ein Drittel des gesamten Alpenquerungsverkehrs besteht aus reinen Durchfahrten, wie Untersuchungen ergeben haben. Die Reisenden lassen kein Geld im Land, belasten aber die Infrastruktur und sorgen für Staus in den engen Alpentälern. Das soll sich durch die neue Abgabe ändern.
Diskutiert wird derzeit folgendes Bezahlmodell: Die Höhe der Gebühr soll sich nach der Verkehrsdichte, der Tageszeit und dem Wochentag richten. Demnach müssten Autoreisende an Tagen mit starkem Verkehrsaufkommen deutlich mehr zahlen, als wenn sie unter der Woche außerhalb der Reisezeit fahren. Die Befürworter dieser Pläne wollen mit dieser Maßnahme die Verkehrsspitze brechen und so den Verkehr flüssiger machen.
Noch kein Starttermin für die neue Gebühr
Ob und wann genau die geplante Durchfahrtsgebühr für ausländische Reisende kommt, ist weiter unklar. Verkehrsminister Albert Rösti hat den Auftrag, eine detaillierte Vorlage auszuarbeiten. Die neue Abgabe müsste mit EU-Verträgen vereinbar sein. Auch die mögliche technische Umsetzung inklusive Kontrollmechanismen ist noch unklar.
Wer im Sommer eine Fahrt durch die Schweiz plant, sollte die weitere Entwicklung im Auge behalten. Pläne gegen den Stau vor dem Gotthardtunnel sind jedoch nicht neu. 2024 scheiterten Vorstöße, für die Fahrt durch die Röhre Gebühren zu verlangen. Eine Fahrt durch den Gotthardtunnel (A2) ist bisher durch die Autobahnvignette gedeckt. Diese kostet rund 44 Euro und gilt für ein Jahr.
Gotthard und San Bernardino: Wichtige Transitrouten der Schweiz
Der Gotthardtunnel ist mit 16,9 Kilometern Länge der längste Straßentunnel der Alpen und der viertlängste Straßentunnel der Welt. Er ist Teil der Schweizer Nationalstraße A2 von Basel nach Chiasso und wird von Millionen Reisenden jährlich auf dem Weg Richtung Süden genutzt. Allein 2024 passierten die Route fast 7,1 Millionen Fahrzeuge.
Der San-Bernardino-Tunnel mit seinen 6,1 Kilometern Länge gilt häufig als Ausweichroute für den Gotthard. Er ist Teil der Schweizer Nationalstraße A13 und verbindet die Kantone Graubünden und Tessin. Er ist der zweitwichtigste Alpenübergang der Schweiz nach dem Gotthardtunnel.
Wichtig für die Reiseplanung: Die Stauprognose für das Wochenende.
Mit Material von dpa.