Corona und Camping: Interview mit dem Erfinder der Pop-up-Plätze

Ein neuer PopUp-Campingplatz in Lohmühlen bietet spontan freie Fläche zum Camping
Viel Platz auf allen Plätzen, wie hier auf dem ersten Pop-up-Campingplatz in der Lüneburger Heide ∙ © popupcamps.de

Das Coronavirus beschert der ohnehin schon boomenden Campingbranche
eine rekordverdächtige Nachfrage. Entsprechend ausgebucht sind die Plätze in Deutschland. Da hatte Unternehmer Jobst Paepcke (43) aus Hamburg eine Idee.

Camping könnte die perfekte Urlaubsart sein, um das Covid-19-Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten: Wer mit dem Camper oder dem Wohnwagen unterwegs ist, reist im eigenen Fahrzeug an und bringt sein eigenes Gästezimmer quasi mit. Gedränge auf engen Hotelfluren entfällt ebenso wie der Trubel am Büfett.

Man lebt und nächtigt mit ausreichend Abstand zum Nachbarn – eigentlich. Denn aufgrund des Camping-Booms und der Vorschriften, die Plätze teilweise nicht voll auszulasten, sind im Corona-Sommer 2020 viele Anbieter längst ausgebucht. Dagegen hat Jobst Paepcke, Start-up-Gründer aus Hamburg, was. Der ADAC erreicht den Unternehmer beim Campen im Harz.

Pop-up-Camping: Corona geschuldetes Geschäftsmodell

Der Gründer von neuen PopUp-Camps Jobst von Paepcke am Campingplatz in Lohmühlen
Hofft auf viele Camper: Start-up-Gründer Jobst Paepcke aus Hamburg ∙ © popupcamps.de

ADAC: Ganz Deutschland spricht von Pop-up-Radwegen und einer Verkehrswende. Nun versuchen Sie eine Tourismus-Wende durch Pop-up-Camping. Wie kommt man auf diese Idee?
Jobst Paepcke: Die Idee mit dem Pop-up-Camping kam mir, da ich recht früh selbst mit dem Coronavirus infiziert und daher für das Thema sensibilisiert war. Zudem brach das Geschäft meines eigentlichen Unternehmens (Filmproduktion, Anm. d. Red.) wegen Covid-19 massiv ein. Also beschloss ich, die gewonnene Zeit zu nutzen, um mit meiner Familie den schönsten Camping-Sommer jemals zu erleben. Sehr schnell musste ich dann aber feststellen, dass es aufgrund der Reisebeschränkungen in diesem Jahr nicht nur eng, sondern sehr eng auf den deutschen Campingplätzen werden würde.

Also machten Sie aus der persönlichen Not ein Geschäftsmodell?
Durch meine Tätigkeit in der Filmbranche habe ich viel Kontakt zu Festivalbetreibern. Für die ist die Saison coronabedingt nahezu ein Totalausfall. Deren Flächen aber sind ideale Standorte, um für die vielen Camper schnell Kapazitäten zu schaffen. Ich wollte etwas temporäres errichten für die Camping-Hochsaison im Juli und August.

Wie genau kann man sich Pop-up-Camping vorstellen?
Es ist natürlich anders als auf dem Campingplatz, wo aufgrund der dortigen Infrastruktur ein Großteil des Urlaubserlebnisses auf dem Platz stattfindet. Bei unserem Angebot geht es eher minimalistisch zu, dafür gibt es aber ausreichend Platz für jeden Einzelnen. Wir verweisen dann auf Aktivitäten außerhalb des Platzes, hier in der Lüneburger Heide etwa auf den nahe ligenden Barfußpark oder die Heide-Kanus. Viele Camper wollen auch einfach nur fürs Wochenende einen Platz im Grünen haben.

Heißt minimalistisch, dass man auf jeglichen Komfort wie zum Beispiel Sanitäranlagen verzichten muss?
Nein. Auch auf Festivals gibt es WC- und Duschcontainer, die stellen wir auch auf den Pop-up-Plätzen bereit und achten auf Einhaltung der Hygieneregeln. Wer ganz sicher gehen möchte, hat auch die Möglichkeit, eine private WC-Kabine für die Dauer des Aufenthaltes zu mieten.

Corona und Camping

Auf PiNCAMP.de, dem Camping-Portal des ADAC, finden Sie freie Campingplätze in ganz Europa und können diese auch direkt reservieren.

Im Themen-Special "Corona und Camping" von PiNCAMP werden alle Fragen zum Thema ausführlich beantwortet.

Wie funktioniert der Check-in?
Die Leute melden sich über unsere Buchungsplattform an. Vor Ort finden sie markierte Stellplätze in Kreidekreisen. Sind sie angekommen, senden sie eine SMS. Die Bezahlung läuft per Kreditkarte oder Paypal. Zudem wird der Platz regelmäßig kontrolliert.

Was kostet eine Pop-up-Nacht aktuell?
In Lüneburg 29 Euro, grundsätzlich ist der Betreiber frei bei Angebot und Preisgestaltung. Durch den temporären Charakter und dem hohen Platzbedarf sind wir teurer als Stellplätze.

Bislang gibt es nur den Platz in der Lüneburger Heide. Wie und wo wollen Sie das Angebot ausweiten?
In den nächsten Tagen kommen zwei Orte hinzu: Ferropolis ist ein Industriemuseum und Veranstaltungsort nahe Gräfenhainichen östlich von Dessau. Außerdem starten wir Campea-Camping (Wortschöpfung, angelehnt an das Pangea-Festival an, das dort eigentlich stattfindet, Anm. d. Red.) auf einem mittlerweile wunderschön eingewachsenen ehemaligen Militärgelände an der Ostsee bei Ribnitz-Damgarten. Darüber hinaus verhandeln wir mit weiteren Festivalbetreibern über neue Flächen.

Kooperieren Sie nur mit Festivalbetreibern?
Nein, auch Privatpersonen können ihr Grundstück, ihren Garten, Hinterhof oder Platz am See über uns anbieten. Mir persönlich als passioniertem Camper ist es wichtig, auf diesem Weg auch das derzeit immer mehr ausufernde Wildcampen zu verhindern. Was dort teilweise hinterlassen wird, erinnert an eine Mischung aus Müllhalde und Kloake.

Ist Ihr Projekt nur für diesen Sommer geplant?
Absolut nicht. Wenn das Modell läuft, wollen wir damit auch in die nächste Saison gehen. Wie eingangs gesagt, Camping hat im Juli und August Hochbetrieb. Es nützt also nichts, noch mehr Festkapazitäten zu schaffen, die das restliche Jahr über leer stehen. Für müssen etwas für die Peak-Jahreszeit, wenn alles aus- und überbucht ist, schaffen und da sind die temporären Plätze optimal.

Hier können Camper nach freien Plätzen suchen oder aber interessierte Betreiber freie Flächen anmelden
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